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Die Arbeiten David Morleys, der Domestizierungsansatz und dessen Potential zur Analyse der Aneignung mobiler Medien

Hausarbeit 2010 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Werk Morleys: Von Rezeptionsstudien zur Medienaneignung
2.1. „The Nationwide Television Studies“ – Rezeption eines
Fernsehmagazins
2.2. „Family Television“ – Fernsehkonsum im häuslichen Kontext
2.3. Das HICT-Projekt und neuere Arbeiten Morleys

3. Der Domestizierungsansatz
3.1. Vorbemerkung: Theoretische Grundannahmen des
Domestizierungsansatzes
3.2. Moralische Ökonomie des Haushalts
3.3. Doppelte Artikulation
3.4. Die Phasen des Domestizierungsprozesses

4. Neue Medien als Herausforderung für den Domestizierungsansatz
und das Zuhause als Ort der Medienaneignung
4.1. Die Bedeutung des häuslichen Kontextes im Wandel
4.2. Integration von Mobilität – Weiterentwicklungen des Domestizierungsansatzes

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„No matter how sophisticated our technologies are, no matter how much we attempt to multi-task, we cannot be in two places at the same time. The localness of experience is a constant. And the significance of locality persists even in the face of massive social and technological changes.“ (Meyrowitz 2005: 21)

Schon immer haben Medien eine Verbindung zwischen der öffentlichen Sphäre und dem privaten, lokalen Lebensraum ihrer Nutzer geschaffen. Bereits die Zeitung, das Fernsehen oder das Festnetztelefon ermöglichten das Eindringen von Botschaften und Inhalten von weit entfernten Orten in das häusliche Umfeld. Das Zuhause war in den Worten David Morleys ein Ort „where the global meets the local“ (Morley 1992 zit. nach Röser 2009: 284). Die Entwicklung neuer, mobiler Medien, allen voran des Internets und des Mobiltelefons, birgt jedoch das Potential für eine Veränderung der Rolle des Zuhauses als wichtigstem Kontext der Medienaneignung und des Medienkonsums. Im obigen Zitat von Joshua Meyrowitz schwingt bereits die Sorge um einen Bedeutungsverlust des Lokalen mit. Denn auch wenn wir physisch nicht an zwei Orten zugleich sein können, ermöglicht das Mobiltelefon nicht nur ein Eindringen von Botschaften in den häuslichen Kontext, sondern auch eine Mobilität des Nutzers mit dem Medium. Es geht daher um eine Herauslösung des Mediums Telefon aus der häuslichen Umgebung, d.h. um einen Prozess der De-Domestizierung (vgl. Morley 2007: 216ff.).

Diese Entwicklung stellt eine besondere Herausforderung für den Domestizierungsansatz in den Cultural Studies dar. Er propagiert die Berücksichtigung des individuellen Kontextes bei der Analyse der Medienaneignung, d.h. der Integration des Mediums in das private Lebensumfeld des Nutzers. Der Fokus lag dabei für gewöhnlich auf der Betrachtung der Medienaneignung im Kontext des Zuhauses. (vgl. Hartmann 2008: 403ff.) Besonders deutlich wird dies in den Arbeiten David Morleys, der zu den Mitbegründern des Ansatzes zählt und auf dessen Werken die vorliegende Arbeit schwerpunktmäßig aufbaut. Vor dem Hintergrund einer Herauslösung der Medienaneignung und –nutzung aus dem (alleinigen) Kontext des Zuhauses stellt sich die Frage, wie hilfreich der ursprüngliche Domestizierungsansatz für die Analyse dieser Entwicklung sein kann. Welches Potential bietet er insbesondere für die Untersuchung der Aneignung mobiler Medien? Welche Veränderungen des ursprünglichen Konzepts sind notwendig? Dies sind die leitenden Fragestellungen, mit denen sich die vorliegende Arbeit beschäftigt.

Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil liegt der Fokus auf dem Werk David Morleys. Es sollen seine wichtigsten Arbeiten und Forschungsfelder in knapper Form dargestellt werden. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem ursprünglichen Konzept des Domestizierungsansatzes. Im dritten Teil wird erläutert, welche Herausforderung die Aneignung mobiler Medien für den Domestizierungsansatz und das Zuhause als Ort der Medienaneignung darstellt. Es soll diskutiert werden, welches Potential der Ansatz für die Analyse dieser Aneignungsprozesse bietet und wie mögliche Weiterentwicklungen des Domestizierungskonzepts aussehen könnten.

2. Das Werk Morleys: Von Rezeptionsstudien zur Medienaneignung

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den zentralen Arbeiten David Morleys. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den beiden bekanntesten Studien, „The Nationwide Television Studies“ sowie „Family Television“. Abschließend wird ein kursorischer Überblick über aktuellere Forschungsthemen Morleys gegeben.

2.1. „The Nationwide Television Studies“ – Rezeption eines Fernsehmagazins

Das Forschungsprojekt „The Nationwide Television Studies“ gliedert sich in zwei Teilstudien[1] und ist ein Versuch der empirischen Umsetzung des Encoding/Decoding-Modells von Stuart Hall (vgl. Röser 2009: 278; Morley & Brunsdon 1999: 6f.). Das Modell übt Kritik an der linearen, kommunikatorzentrierten Herangehensweise der klassischen Kommunikationswissenschaft. Es basiert auf der Annahme, dass Zeichen keinen objektiv feststellbaren Inhalt haben. Ihre Bedeutung ergibt sich aus dem individuellen Kontext, in dem sie sowohl von den Kommunikatoren als auch von den Rezipienten verwendet und interpretiert werden. Es gibt daher nicht eine allgemeingültige Interpretation medialer Botschaften, sondern verschiedene Lesarten. Die Rezipienten werden im Modell nicht als passive Konsumenten von Medieninhalten, sondern als aktive Bedeutungsproduzenten angesehen. (vgl. ausführlicher Krotz 2009: 214ff.; Morley et al. 1999: 123ff.)

Im ersten Teil der „Nationwide Television Studies“ – „Everyday Television: Nationwide“, den Morley gemeinsam mit Charlotte Brunsdon verfasste – wird der Bereich des Encodings beleuchtet. Dies geschieht durch eine Textanalyse des in den 1970er-Jahren ausgestrahlten BBC-Magazins „Nationwide“. Die Besonderheit der Studie liegt unter anderem darin, dass sie sich nicht, wie (auch heute noch) in der Kommunikationswissenschaft dominierend, mit politischer Information, also „hard news“ befasst, sondern mit „Nationwide“ eine Soft-News-Sendung mit ausgeprägtem Alltagsbezug untersuchte. (vgl. Röser 2009: 278; Morley et al. 1999: 7f.) Morley et al. untersuchten die zentralen Themenstrukturen und Diskurse der Sendung und kamen zu dem Ergebnis, dass es bevorzugte Lesarten gab, die den Rezipienten durch die Darstellung und Kommentierung der Beiträge nahe gelegt wurden (vgl. ebd.: 43f.). Dies betraf vor allem den Bereich der privaten Lebensführung, etwa der Rolle die Frau oder die Bedeutung der Familie (vgl. ebd.: 89).

Die zweite Teilstudie, „The Nationwide Audience: Structure and Decoding“, die David Morley allein verfasste, betrachtet die Seite des Decodings. Im Fokus der Analyse sollten kollektive Lesarten sozialer Gruppen stehen. Hierzu wurden anhand einer Folge des „Nationwide“-Magazins 29 fokussierte Gruppendiskussionen durchgeführt. Die untersuchten Gruppen unterschieden sich in Hinblick auf ihre soziale Position, d.h. Schulbildung, Job-Position und Einkommen. (vgl. Röser 2009: 278f.) Es wurde erwartet, „dass die jeweilige soziale Position zu geteilten kulturellen Codes und zu je spezifischen „Decodings“ des Magazins führen würde“ (ebd.: 279). Diese Annahme bestätigte sich zwar, es wurde jedoch auch deutlich, dass die soziale Klasse nicht der einzige Einflussfaktor auf die Rezeption und Leseweise war, sondern dass noch weitere Faktoren einbezogen werden müssen[2]. Außerdem stellten sich die drei von Stuart Hall ursprünglich genannten Lesarten[3] dominant, ausgehandelt und oppositionell als zu eindimensional heraus[4]. (vgl. ebd.: 279f.; Morley et al. 1999: 257f.) Eine interessante Beobachtung machte Morley bei der Analyse der Rezeption durch schwarze Jugendliche: „They do not so much produce an oppositional reading as refuse to read it at all.“ (ebd.: 257) Sie fühlten sich durch „Nationwide“ nicht angesprochen, das Programm und seine Diskurse waren für ihren Lebenskontext nicht relevant (vgl. ebd.: 265f.; Röser 2009: 279). Insgesamt bestätigte die Vielzahl der aufgefundenen ausgehandelten und oppositionellen Lesarten jedoch die Grundidee des Encoding/Decoding-Modells von der aktiven Bedeutungsproduktion durch die Rezipienten (vgl. ebd.: 281).

2.2. „Family Television“ – Fernsehkonsum im häuslichen Kontext

Die Idee zur Studie „Family Television“ hatte Morley in kritischer Auseinandersetzung mit dem methodischen Vorgehen der „Nationwide Audience“-Studie. Dort hatten die Probanden zum Teil angegeben, dass sie „Nationwide“ im „wahren Leben“ gar nicht sehen würden, das Programm für sie keine Relevanz habe. Für Morley folgte daraus die Notwendigkeit, den Fernsehgebrauch an jenem Ort zu untersuchen, an dem Fernsehen zum Zeitpunkt der Durchführung der Studie für gewöhnlich stattfand[5]: dem Zuhause. (vgl. Röser 2009: 281f.; Morley 1986: 14) Es bot sich hierdurch die Möglichkeit der Analyse des Fernsehgebrauchs im Kontext der sozialen Beziehungen der Haushaltsmitglieder. Außerdem konnte die Fernsehnutzung in Relation zum Gebrauch anderer Medien, zu anderen Freizeitaktivitäten und häuslichen Pflichten gesetzt werden. (vgl. ebd.: 15f.; 18ff.) Mit dieser breiten Kontextualisierung des Medienkonsums kann die theoretische Herangehensweise der Studie bereits als ein Vorläufer des Domestizierungsansatzes (siehe Kapitel 3) gesehen werden.

In der Studie wurden insgesamt 18 Haushalte betrachtet, die aus Mann und Frau mit in der Regel mindestens zwei Kindern bestanden. Die untersuchten Familien wiesen eine große soziale Homogenität auf, weswegen die Befunde der Studie milieuspezifisch zu interpretieren sind. Als Methode wurden ein qualitatives Interview mit den Eltern sowie eine anschließende Diskussion mit allen Familienmitgliedern gewählt. (vgl. Röser 2009: 282) Dabei konzentrierte sich Morley nicht nur, wie in der „Nationwide Audience“-Studie, auf die Analyse der Interpretationen medialer Botschaften und somit auf den Inhalt des Mediums. Stattdessen lag der Fokus auch auf der Betrachtung des Fernsehgebrauchs in den Familien, also z.B. auf Fragen der Programmentscheidung oder der Hoheit über die Fernbedienung. (vgl. Morley 1986: 13) Der Fernseher wurde somit nicht nur als Vermittler von Botschaften, sondern auch als Objekt betrachtet. (vgl. ebd.: 41) Hierin ist bereits ein zentrales Konzept des Domestizierungsansatzes, die doppelte Artikulation (vgl. Silverstone 2006: 239f.; Hartmann 2006: 81f.), angelegt, auf die in Kapitel 3.3. detaillierter eingegangen wird.

Bei der Auswertung der Ergebnisse konzentrierte sich Morley auf die Problematik „Television and Gender“, da er „unterschiedliche Modi des Fernseh- und Videogebrauchs zwischen Frauen und Männern“ (Röser 2009: 282; vgl. auch Morley 1986: 146) festgestellt hatte. In der Regel trafen die Männer die Programmentscheidungen und verfügten über die Hoheit über die Fernbedienung, d.h. diese war „symbolisches Eigentum des Mannes“ (Röser 2009: 282). Als einen Grund für die unterschiedlichen Mediennutzungsmuster sieht Morley die geschlechtsgebundene Ausgestaltung häuslicher Rollen. Der häusliche Raum hatte für Männer und Frauen verschiedene Bedeutungen. Während er für die Männer in erster Linie ein Ort der Freizeit und der Entspannung war, sahen Frauen ihn vor allem als Ort der Arbeit und der Sorge für andere. Entsprechend schenkten sie dem Fernsehen nur selten ihre volle Aufmerksamkeit, da ständig andere Aufgaben auf sie warteten. Sie versuchten daher auch weniger, ihren Willen bei Programmentscheidungen durchzusetzen. (vgl. ebd.; Morley 1986: 147ff.) Das „Doing Gender“ im Bereich des Fernsehgebrauchs ist ein Beispiel dafür, wie gesellschaftliche Dominanzverhältnisse im Mikro-Bereich des häuslichen Kontextes reproduziert werden (vgl. Röser 2009: 283). Es zeigt sich hier die für Morleys Werk charakteristische Verbindung von Mikro- und Makro-Strukturen, auf die in Kapitel 4.1. der vorliegenden Arbeit näher eingegangen werden soll.

2.3. Das HICT-Projekt und neuere Arbeiten Morleys

Inspiriert durch die ethnografisch orientierten Fernsehstudien der 1980er Jahre begannen David Morley, Roger Silverstone, Eric Hirsch und zeitweise noch andere Forscher gegen Ende der 1980er Jahre die Arbeit am Projekt „The Household Uses of Information and Communication Technology“ (HICT). Ziel des Projekts war „eine breite Kontextualisierung der Mediennutzung“ (Röser 2009: 284), d.h. die Einbeziehung soziotechnischer und kultureller Aspekte. Statt sich wie unter anderem in den bisherigen Studien Morleys (siehe Abschnitte 2.1. und 2.2.) auf ein bestimmtes Medium zu konzentrieren, wurde die Nutzung des gesamten Ensembles der im Haushalt vorhandenen Medien und Kommunikationstechnologien betrachtet. (vgl. ebd.) Diese Herangehensweise entspricht der Forderung Morleys (2007: 200), „not […] to modernise media studies by reconceptualising it as web studies or the like, for this would simply be to put the Internet at the centre of the equation, where television used to stand“. Die Medienaneignung und –nutzung wurde ähnlich der Herangehensweise in Morleys Studie „Family Television“ im Kontext „der Haushalte, der Familien, der Generationen- und Geschlechterbeziehungen“ (Röser 2009: 284) untersucht. Damit wird der Weg für die Entwicklung einer „non-mediacentric form of media studies“ (Morley 2007: 200) weiter voran getrieben, auf die Morley (vgl. ebd.) große Hoffnungen setzt, um das Zusammenspiel alter und neuer Medien und deren Einbettung in das lokale Lebensumfeld der Menschen besser untersuchen zu können. Insgesamt kann das HICT-Projekt als „Pionierstudie über die Frühphase der Digitalisierung der Haushalte“ (Röser 2009: 285) angesehen werden. Insbesondere durch den im Rahmen des Projekts entwickelten Domestizierungsansatz, der in Kapitel 3 näher erläutert wird, hat das Projekt einen entscheidenden Beitrag für die Entwicklung der Medienaneignungsforschung geleistet (vgl. ebd.).

Auch durch die neuere Forschung Morleys zieht sich die Beschäftigung mit dem Zuhause und dem lokalen Lebensumfeld als Kontext für die Analyse übergreifender gesellschaftlicher Prozesse wie ein roter Faden (siehe hierzu auch Abschnitt 4.1.). Er beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, „wie Medien den lokalen Raum mit geografisch entfernten, aber kommunikativ präsenten Orten verbinden“ (ebd.). Hierbei analysiert er sowohl das Potential der Medien zur Konstitution nationaler Gemeinschaften und Identitäten als auch die Mediennutzung durch weit verstreut lebende Mitglieder transnationaler Gemeinschaften bzw. Diasporas. Vor allem seit dem Aufkommen der Mobilkommunikation betrachtet Morley auch den Bedeutungswandel des Zuhauses unter den Bedingungen fortschreitender Digitalisierung und Mediatisierung. (vgl. ebd.: 285f.) Diese Thematik wird ausführlich in Kapitel 4 der vorliegenden Arbeit diskutiert.

3. Der Domestizierungsansatz

Im folgenden Kapitel wird der Domestizierungsansatz näher erläutert. Betrachtet werden die beiden zentralen Konzepte innerhalb des Ansatzes – die moralische Ökonomie des Haushalts und die doppelte Artikulation – sowie die verschiedenen Phasen der Domestizierung nach Silverstone, Hirsch und Morley (1992).

3.1. Vorbemerkung: Theoretische Grundannahmen des Domestizierungsansatzes

Der Domestizierungsansatz ist ein Konzept zur Analyse der individuellen Medienaneignung. Diese erfährt im Ansatz eine breite Kontextualisierung, d.h. der Fokus ist nicht allein auf ein bestimmtes Medium, sondern in der Regel auf das gesamte einer Person zur Verfügung stehende Medienensemble gerichtet. Außerdem fließen Wechselwirkungen zwischen der Mediennutzung, anderen häuslichen Aktivitäten sowie der Ausgestaltung sozialer Interaktionen vor allem innerhalb des Haushalts in die Betrachtung ein. Entsprechend dieses weitgefassten Kontextes wird nicht nur der Medieninhalt, d.h. die übermittelten Botschaften, untersucht. Wesentlich ist auch die Auffassung des Mediums als Objekt bzw. Symbol, dessen Vorhandensein einen Einfluss auf die Konstitution und Veränderung häuslicher Routinen und Beziehungen hat. (vgl. Hartmann 2008: 402ff.) Der Domestizierungsansatz bietet eine Alternative zu technikdeterministischen Ansätzen, indem er dem Individuum eine aktive Rolle im Prozess der Medienaneignung einräumt, gleichzeitig jedoch berücksichtigt, dass die Medien ein Potential zur Veränderung des Menschen, seiner Gewohnheiten und seiner Umgebung aufweisen (vgl. Silverstone 2006: 232). Auf viele dieser hier knapp zusammengefassten Aspekte wird im Verlauf dieses Kapitels ausführlicher eingegangen.

3.2. Moralische Ökonomie des Haushalts

Zu den wesentlichen Konzepten innerhalb des Domestizierungsansatzes zählt das Verständnis des Haushalts, des bisher zentralen Untersuchungskontextes des Ansatzes, als moralische Ökonomie. Der Haushalt wird als transaktionales System aufgefasst, er ist „an economic unit, which is involved, through the productive and consumptive activities of its members, in the public economy, and at the same time it is a complex economic unit in its own terms“ (Silverstone et al. 1992: 18). Der Haushalt als privater Bereich ist also in einer Vielzahl von transaktionalen Prozessen mit der öffentlichen Sphäre verbunden – hierher rührt der Begriff der Ökonomie. Eine wichtige Rolle in diesen Transaktionsprozessen spielen die Medien: Zum einen sind Medientechnologien Konsumobjekte, die von der öffentlichen Ökonomie hervorgebracht und in das private Lebensumfeld integriert werden, folglich also die Schwelle zwischen öffentlichem und privatem Bereich überschreiten. Zum anderen dringen vermittelt über Medientechnologien soziales und kulturelles Wissen in den Haushalt ein. Dieses fördert eine Integration des Haushalts und seiner Mitglieder in den breiten gesellschaftlichen Rahmen und bildet somit eine Basis für weitere Konsum- und Transaktionsprozesse. (vgl. ebd.; Hartmann 2006: 84) Außerdem finden auch innerhalb des Haushalts Transaktions- und Aushandlungsprozesse zwischen den Haushaltsmitgliedern statt – dies verdeutlicht der Passus „it is a complex economic unit in its own terms“ (Silverstone et al. 1992: 18; siehe oben).

[...]


[1] Dies sind: „Everyday Television: Nationwide“ und „The Nationwide Audience: Structure and Decoding“.

[2] So unterschied sich zum Beispiel die Leseweise von Arbeitern je nachdem, ob sie einer Gewerkschaft angehörten oder nicht.

[3] Hier verweist Krotz (2009: 216) auf die Missverständlichkeit der Formulierung: Die Unterteilung in drei Lesarten bedeutet nicht, dass es nur eine oppositionelle Lesart geben könne.

[4] In einigen Gruppen verband sich z.B. ideologische Zustimmung, d.h. eine Konformität mit der dominanten Lesart, mit ästhetischer Ablehnung, d.h. einer oppositionellen Lesart in Bezug auf die Darstellung der Inhalte (vgl. Röser 2009: 279).

[5] Und auch heute, trotz beobachtbarer De-Domestizierungsprozesse des Fernsehens z.B. beim Public Viewing, noch stattfindet.

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668799844
ISBN (Buch)
9783668799851
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v441860
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Institut für Kommunikationswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
David Morley Domestizierung Aneignung mobile Medien Rezeptionsstudien Medienaneignung Domestizierungsansatz moralische Ökonomie doppelte Artikulation Domestizierungsprozess Cultural Studies

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