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Der Körper als ökonomische Ressource

Eine ethnologische Diskussion der kommerziellen Nutzung des Körpers

Essay 2018 16 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Positionalisierung

3. Der Körper als ökonomische Ressource
a. Der Körper als Kapital
b. Der Körper als Ressource

4. Das Dilemma der kommerziellen Nutzung des Körpers
a. Ethik
b. Politik

5. Körperethnologische Analyse

6. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Körper wird seit jeher von gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflusst, die wachsenden Tendenzen der Kapitalisierung und Globalisierung allerdings werden zu den Determinanten der Moderne: Durch sie entsteht ein globaler Markt, welcher kaum effektiven Regularien unterliegt und damit Raum bietet für den Handel mit dem menschlichen Körper. Der illegale und brutale globale Schmuggel mit Körperteilen, Gewebe und Körperflüssigkeiten (vgl. Scheper-Hughes 2000, 2002) steht allerdings nicht im Fokus dieses Essays, viel mehr soll die Alltagspraxis der Kommerzialisierung des Körpers diskutiert werden, insbesondere in Deutschland. Tatsächlich ist gerade diese Betrachtung interessant, da sie in einem Kontext völliger rechtlicher und gesellschaftlicher Illegalisierung steht und dennoch stattfindet: Während jede Kommerzialisierung des Körpers in Deutschland als Sittenwidrigkeit und Verletzung der Persönlichkeitsrechte verboten ist, diskutieren deutsche Bioethiker über den “Rohstoff Mensch” (Taupitz 2007: 4). Diese paradoxe Situation wirft die Frage nach der Beziehung zwischen Körper, Mensch, Gesellschaft und Staat auf: Kann der Mensch über seinen Körper verfügen? Warum wird der Körperlichkeit des Menschen so große Bedeutung zugemessen? Inwiefern beeinflusst die Marktlogik die Beziehung zwischen Individuum und Körper, passt sich der Körper seiner kommerziellen Nutzung eventuell sogar an?

Ausgehend von einer Selbst-Positionalisierung wird die Thematik des Körpers als ökonomische Ressource theoretisch ausgeführt. Aufbauend folgt eine ethische und politische Diskussion des Dilemmas einer kommerziellen Nutzung des Körpers, welcher sich eine körper-ethnologische Analyse anschließt. Die Erkenntnisse dieser Untersuchung sollen als Grundlage für einen neuen Diskurs über die Kommerzialisierung des Körpers anregen: In einem kapitalistischen Weltmarkt können sich Menschen kaum des Prozesses einer voranschreitenden Kommodifizierung entziehen, was einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema höchste Relevanz verleiht.

2. Positionalisierung

Da keine Forschung neutral ist, sondern stets im zeitgesellschaftlichen und geografischen Kontext steht und die Perspektive des Forschenden einnimmt, möchte ich mich einleitend selber positionalisieren: Das Thema, welches ich behandele, ist auch Teil meiner Lebensrealität. Geprägt durch das Aufwachsen in einer sozialschwachen, relativ armen ländlichen Region Deutschlands, ist mir das Verständnis des Körpers als ökonomische Ressource nicht fremd: Das Spenden von Plasma, Blut und Samen, das Angebot von sexuellen Dienstleistungen oder schwere körperliche (illegale) Arbeit für einen kleinen Nebenverdienst ist in meinem Umfeld akzeptiert und normalisiert. Die eigene Erfahrung als Plasmaspenderin eröffnete mir die Widersprüchlichkeit der Thematik, das ethische Dilemma und die gesellschaftliche Ambivalenz gegenüber der kommerziellen Nutzung des Körpers.

Basierend auf meiner persönlichen (nicht wissenschaftlichen) Empirie in einem privaten Blut- und Plasmaspendezentrum in Leipzig über einen Zeitraum von mehreren Monaten werde ich im Folgenden meine theoretischen Diskussionen aufbauen, daher eine kurze Darstellung interessanter Beobachtungen:

Entgegen meiner Erwartungen lässt sich keine spezifische “Klientengruppe” der kommerziellen (da in einer privaten Blutspendeeinrichtung geleisteten) Plasmaspende ausmachen; Menschen verschiedener Altersgruppen, verschiedener Lebensumstände und (oberflächlich eingeschätzter) Einkommensklasse spenden. Besonders auffallend ist die Sprache, welche im Spendezentrum verwendet wird: Plakate sprechen einen mit “Lebensretter” oder “Blutengel” an, eine Spende sei “die gute Tat am Tag”. Es wird also aktiv suggeriert, dass es sich bei der kommerziellen Plasma- und Blutspende um eine altruistische Tat handelt, andererseits werden auch finanzielle Anreize offen in Aussicht gestellt: Mit dem “Spendenmarathon”, einer Anwerbung von potentiellen Spender*innen oder Gewinnspielen kann man zusätzliche Prämien erhalten. Die kommerzielle Nutzung der Spenden durch das Spendenzentrum, der Weiterverkauf an Krankenhäuser oder Pharmaunternehmen, wird hingegen nicht thematisiert. Die Situation einer kommerziellen Plasmaspende ist höchst widersprüchlich, und der routinierte Ablauf der Spende, die langen Reihen von Liegen und das geschäftige Personal, welches viele Spender*innen gleichzeitig betreuen, erwecken die Atmosphäre einer Art “Ernte humaner Ressourcen”.

Kann dies als Prozess der Kommodifizierung gedeutet werden? Und worin begründet sich die Widersprüchlichkeit, das Oszillieren zwischen Ware und Spende, zwischen Altruismus und Kommerz, zwischen einem liberalen Markt und moralisch legitimierter legaler Restriktionen? Dieses ethische Dilemma einer Alltagspraxis soll im Folgendem diskutiert werden und aus einer körper-ethnologischen Perspektive betrachtet werden.

3. Der Körper als ökonomische Ressource

a. Der Körper als Kapital

Woraus begründet sich die Kommerzialisierung des Körpers? Der Historiker Philipp Sarasin ordnet den Ursprung dieses Prozesses in der westlichen Aufklärung ein: Die Entwicklung der Idee eines subjektiven Selbst ergibt sich auch die Annahme einer uneingeschränkten Verfügungsgewalt über den Körper: “Weil, indem jeder Menschen einem anderen gleich, und folglich unabhängig, frei gebildet ist, jeder auch unumschränkter Herr, vollkommener Eigentümer seines Körpers und der Früchte seiner Arbeit ist.” (Volney 1910: 256) Wer sich also des Körpers eines anderen Subjekts bedient, muss dies in einem Äquivalententausch mit Lohn oder Nahrung begleichen – Und damit stellt der Körper die erste Form des Eigentums dar (Sarasin 2007: 9ff.).

Lohnarbeit, der Verkauf seiner Körperkraft und Zeit, ist bereits eine Art der Wahrnehmung des Körpers als Kapitals, und unterwirft Körper auch der kapitalistischen Marktlogik: Gemäß dem liberalen Gesetzt von Angebot und Nachfrage wird manchen Tätigkeiten mehr Wert zugemessen, abhängig vom zeitlichen und lokalen Kontext. Und da die Relation zwischen Subjekt und Körper der einer Besitzbeziehung ist, bietet der Körper Raum zur “Optimierung” und “Steigerung” des Lebens (Sarasin 2007: 16, vgl. Foucault 1977), indem er umfassend genutzt und angepasst wird.

Dieser gesellschaftliche Trend einer intensiven kommerziellen Nutzung des Körpers hat einen Höhepunkt erreicht: Während in der Lohnarbeit vorrangig körperlicher Verschleiß Ausdruck der Kapitalisierung ist, ist im medialen 21. Jahrhundert die individuelle Persönlichkeit und der Körper zur Werbefläche geworden. Durch die Dezentralisierung von Unterhaltungsmedien (z.B. durch Plattformen wie YouTube oder Instagram) hat sich die Medienbranche auch de-professionalisiert: Diese wird nicht länger von professionellen Models oder Sportlern dominiert, jede erfolgreiche Selbstdarstellung im Internet kann zu bezahlten Tätigkeiten und Arbeitsverträgen führen (Döring 2014: 72). Das fordert eine intensive Kultivierung des Körpers, welcher Schönheits- oder Fitnessidealen entsprechen muss, um sich zu verkaufen (Döring 2015: 9).

In der westlichen Kultur herrscht die Wahrnehmung der Besitzbeziehung zum Körper vor, welcher in einer liberalen Wirtschaftsordnung als Kapital genutzt wird und gewinnmaximierend optimiert werden kann. Dieser Prozess findet seinen Höhepunkt in der Nutzung des Körpers als Ressource, bei welcher Substanzen und Teile des Körpers in finanziellen Wert gesetzt werden und verkauft werden.

b. Der Körper als Ressource

Ausgehend von einem allgemeinen Verständnis des Körpers als Besitz, kann der Körper auch als Ressource wahrgenommen werden. Und tatsächlich findet eine vielfältige Nutzung von Körpersubstanzen statt: Beispielsweise in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung, in der kommerziellen Forschung (z.B. Testung von Pharmaka, Kosmetik oder Insektiziden), aber auch in der Medizin, zur künstlichen Befruchtung oder zur Herstellung von Arzneimitteln und Transplanten (Taupitz 2007: S.9). Die Produkte und Prozesse mithilfe der Verwendung von Körpersubstanzen dienen teilweise ästhetischen Gründen (so z.B. Echthaar-Perücken), zur gesundheitlichen Vorsorge, zur Reproduktion oder sind eine notwendige, medizinische Maßnahme. Gerade der Bedarf an lebenserhaltender Medizin, welche auf Körpersubstanzen basiert, macht aus dem ethischen Dilemma der Thematik ein politisch höchst relevantes Thema.

So kann z.B. der Bedarf an Blut- und Plasmaprodukten nicht alleine durch unentgeltliche Spenden gedeckt werden, gerade angesichts der demographischen Entwicklung einer alternden Bevölkerung (Marckmann 2007: 69), und bietet so Raum für kommerzielle Alternativen. In Bezug auf das Beispiel der Blut- und Plasmaspenden bedeutet dies, dass private Unternehmen finanzielle Anreize zur Blut- und Plasmaentnahme stellen (restriktiert durch nationale gesetzliche Rahmenbedingungen) und die entnommenen Körpersubstanzen gewinnbringend weiterverkaufen. Dabei ist die “ (…) Teilhabe der Blutspender am Gewinn nicht gesichert” (Marckmann 2007: 79). Der Weiterverkauf von Körpersubstanzen ist problematisch, eine anteilige Entschädigung für die Bereitsteller*innen von Blut und Plasma allerdings auch: Eine erklärte Nutzung des Körpers als Ressource, der regenerierende Rohstoffe bereitstellt und kommerziell vom Menschen genutzt wird, widerspricht grundlegend der deutschen Gesetzgebung sowie gesellschaftlichen Werten und Normen in Deutschland. Das Dilemma der kommerziellen Nutzung des Körpers, und insbesondere der Nutzung des Köpers als Ressource wird im Folgen in seiner ethischen, religiösen und politischen Dimension diskutiert.

4. Das Dilemma der kommerziellen Nutzung des Körpers

a. Ethik

Gerade in Bezug auf einer alltäglichen, relativ risikofreien Form der Kommerzialisierung des Körpers (kommerzielle Blut- und Plasmaspende, Samenspende oder der Verkauf von Haaren) gegenüber Prozessen, die mit hohen Risiken belastet sind (Lebendspende von Organen), wird häufig utilitaristisch argumentiert: Demzufolge sind Handlungen dann moralisch legitim, wenn sie das Wohlbefinden aller, also den Gesamtnutzen, steigern (Birnbacher 2013: 153). In Zusammenhang mit derSelfownership-These (Brenner 2007: 153), der bereits erwähnten Auffassung des Körpers als persönlichen Besitz, ist so eine freiwillige Abgabe von Körpersubstanzen gegen eine finanzielle Entschädigung zulässig. Sie stellt eine “Win-Win Situation” dar: Alle Parteien des Tauschhandels, Geber*in, Agentur und Empfänger*in, profitieren, allerdings in einem unterschiedlichen Ausmaß, in verschiedenen Machtpositionen und unter der Marktlogik, welche den Wert und die Frequenz der Transaktion bestimmt.

Finanzielle Entschädigungen dienen dabei als “Motivationsverstärker”, indem sie der “moralischen Motivation gewissermaßen nachhelfen”, sie sind “Ausdruck verdienter Anerkennung”, auch könnte Geld das “vage Unbehagen konterkarieren” (Schöne-Seifert 2007: 46). Schließlich ist ein weiterer, entscheidender Faktor in einer utilitaristischen Überlegung die hohe Nachfrage an beispielsweise Blut- und Plasmaprodukten, und deren lebenserhaltende Wirkung. Angesichts dieses gravierenden Bedarfs sind viele Maßnahmen, unter anderem eine finanzielle Entschädigung, zu rechtfertigen, teilweise werden sie sogar gefordert: Zum einen könnten durch die Liberalisierung der Gesetzeslage Menschenleben retten oder qualitativ verbessern (vgl. Schöne-Seifert 2007: 37), andererseits wird gelegentlich “sogar vertreten, es bestehe spenderseitig ein grundrechtliches oder ethisches Recht auf den Verkauf eigener, nicht lebensnotwendiger Körpersubstanzen und –teile.” (Schöne-Seifert 2007: 44). Prämisse dafür ist die Annahme der Rationalen Wahl, also einer freien, auf vernünftigen Abwägungen beruhende Entscheidung für die (partielle) Kommerzialisierung des Körpers (Diefenbach 2009: 239).

Und doch scheint es Grenzen der Kommerzialisierung zu geben, welche nicht mit einer utilitaristischen Ethik zu erklären sind. Constantin Volney, ein Philosoph zur Zeit der Französischen Revolution, formuliert dabei mit seinemLoi Naturelle,dem “Natürlichen Gesetz”, einen gegensätzlichen Ansatz: Die Essenz allem menschlichen Streben bestehe hiernach in der “conservation de soi-même", dem Selbsterhalt (vgl. Volney 1910). Ausgehend von diesem Grundsatz leitet Volney “(..) alle Begriffe von Gut und Übel (…)” ab, “(…) von Laster und Tugend, von Recht und Unrecht, von Wahrheit und Irrtum, von Erlaubt und Verboten, welche die Moralität des individuellen oder des gesellschaftlichen Menschen begründen” (Volney 1910: 232). Als Übel deklariert er dabei alles, was den Menschen zerstört oder verschlimmert. Damit ist der Selbsterhalt des Körpers zu einem moralischen Wert geworden, untrennbar von der Idee der Subjektivität und Autonomie der Menschen. Der Körper ist die notwendige Voraussetzung zum Leben des Menschen, daher obliegt es dem Menschen seine Potentiale zu entwickeln, ihn in Stand zu halten und ihn an sozialen Normen anzupassen, um ihn in die Gesellschaft zu integrieren (vgl. Sarasin 2007).

Innerhalb dieser Logik bedeutet die kommerzielle Nutzung des Körpers eine “Relativierung absoluter Werte” (Taupitz 2007: 6). Die Integrität dieser Werte wird in einem kapitalistischen Weltmarkt korrumpiert: “By their nature markets are indiscriminate, promiscuous and inclined to reduce everything, including human beings, their labor, their bodies and their sexual and reproductive capacities to the status of commodities, things that can be bought, sold, traded and stolen” (Scheper-Hughes 2001: 43). Gefährdet wird durch diesen Prozess der Kommerzialisierung unter anderem die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Körper, welcher zum Objekt und zum finanziellen Potential wird (Brenner 2007: 157).

Über die individuelle Ebene hinaus droht durch die zunehmende Kommerzialisierung aller Lebensbereiche bis hin zu Körpern eine Erosion sozialer Werte und Normen. Albert Borgmann, ein deutsch-amerikanischer Philosoph, versucht gesellschaftliche Bereiche zu definieren und zu kategorisieren, welche nicht kommerzialisiert werden sollten: “Der Bereich öffentlicher Güter, z.B. Erziehung, der Bereich der intimen Güter, z.B. des Kindergebärens, und der Bereich des Gabentausches” (Borgmann 2006: 4). Der Verlust einer “Kultur der Gabe” (vgl. van den Daele 2007), welche das altruistische Spenden von Körpersubstanzen in dem Kontext bedeutet, könnte eine Gefährdung des Gemeinwesens bedeuten: Es “formt, sammelt und erhält sich eine Gruppe, wenn Eigentum als Gabe zirkuliert; sie beginnt zu zerfallen, wenn der Gabentausch unterbrochen wird oder Gaben in Waren verwandelt werden.” (Hyde 2008: 49).

Tatsächlich könnte die Kommerzialisierung einer bisher unentgeltlichen Spende zu einer Abkehr von Altruismus führen, “die Einführung finanzieller Anreize schwächt moralische Motive des Handels” (Frey/Oberholzer-Gee 1996: 24). Und weckt kapitalistische Beweggründe: Werden gewissen Körpersubstanzen Marktwerte zugeschrieben, und auch in dem Rahmen staatlicher Restriktionen, motiviert es gerade arme Bevölkerungsgruppen zum partiellen Verkauf ihrer Körper (van den Daele 2007: 138).

Diese asymmetrische Lastenverteilung zwischen armen und reichen Gesellschaftsschichten zeigt sich in ihrem Extrem in einem globalen Kontext: Die wachsende Nachfrage nach Körpersubstanzen- und teilen, nicht länger von nationalen Gesetzen restriktiert, wird vor allem von Körpern aus armen Weltregionen befriedigt (vgl. Scheper-Hughes 2000, 2001, Schneider 2007). Dramatisch ist dies vor Allem in Bezug auf den illegalen globalen Organhandel und –raub, aber auch in meinem Fallbeispiel, der Alltagspraxis der Kommerzialisierung des Körpers, wird dies relevant: Haare als Rohstoff für Echthaar-Extension und Perücken werden häufig von südasiatischen Frauen in Armut verkaufen (vgl. Sandberg 2008), aber auch Blutkonserven und Plasmaspenden, welche in Europa zu Medikamenten weiterverarbeitet werden, kommen teilweise aus verarmten Regionen in den USA (vgl. Pilet/Maurisse 2017). “The dilemma is one of uneven development. Open and democratic societies require strong social values and political institution to serve such ends as social justic, olitical freedom and social equality. The evolution of the global market has far outstripped the development of a mediating global society equipped with necessary moderating and regulatory functions to preserve human dignity and basic human rights.” (Scheper-Hughes 2001: 43)

Zusammenfassend ist also ethisch bedenklich, dass “anti-social market values” westlich-humanistische Werte wie der Integrität des Körpers relativieren: Im Sinne desNatürlichen Gesetzesnach Constantin Volney, welches die Selbsterhaltung des Körpers zum höchsten Ziel erklärt, aber auch gemäß der Ethik des Utilitarismus, auch hier wäre der völlige Ausverkauf eines Menschen mit dem Gesamtnutzen nicht zu legitimieren (vgl. Sarasin 2007). Soziale Fragen werden zum Politikum und auch das Dilemma der kommerziellen Nutzung des Körpers verlangt nach politischer Rahmengebung.

b. Politik

Ziel der deutschen Gesetzgebung ist vor Allem eine Steuerung von Gefahrenpotentialen, die die Kommerzialisierung des Körpers mit sich bringen: Die “Lebensgefahr für den Spender, Situationen der Unfreiwilligkeit und des Drucks, Ausnutzung wirtschaftlicher Not, Veränderung des Menschenbildes in der Gesellschaft und die Degradierung des Menschen zur Ware” (Taupitz 2007: 4). Diese deklarierten Gefährdungen der deutschen Gesellschaft implizieren bereits normative Wertvorstellungen: Das Verbot einer Kommerzialisierung des menschlichen Körpers wird juristisch aus zwei verschiedenen Aspekten heraus begründet, zum einen als Schutz der Menschenwürde und zum anderen als Sittenwidrigkeit (vgl. Roidis-Schnorrenberg 2015, Mieth 2007).

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Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668809345
ISBN (Buch)
9783668809352
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v442434
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Ethnologisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Körper Kommodifizierung Ökonomisierung Ethik

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Titel: Der Körper als ökonomische Ressource