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Gestaltung einer altenfreundlicheren Welt auf Grundlage einer empirischen Erhebung

von Clemens Schmied (Autor)

Studienarbeit 2018 18 Seiten

Gerontologie / Alterswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen
2.1. Definition: Alter und alte Menschen
2.2. Fakten und Daten zur Lebenssituation alter Menschen

3 Empirische Forschung
3.1. Qualitative vs. Quantitative empirische Forschung
3.2. Auswahl einer geeigneten Forschungsmethode
3.3. Durchfuhrung der Befragung in Form eines Interviews

4 Fazit / Zusammenfassung

Anlagen
Anlage 1
Anlage 2

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prognostizierte Bevolkerungsentwicklung in Deutschland, 2013 - 2060

Abbildung 2: Schematischer Vergleich quantitativer und qualitativer Forschung

1 Einleitung

1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas

„Das Altern geht uns alle an."[1]

In den vergangenen Jahrzehnten haben die alter werdende Gesellschaft und der damit verbundene demografische Wandel zunehmend an Bedeutung gewonnen und stellen eine groGe Herausforderung fur aktuelle sowie kunftige Generationen dar. So stieg die durchschnittliche Lebenserwartung in den OECD-Staaten zwischen 1970 und 2015 von 70.6 Jahren auf 80,6 Jahre.[2]Die Grunde fur die Zunahme der menschlichen Lebenser­wartung sind unter anderem eine sinkende Sterberate, die Verbesserung der medizini- schen Versorgung, optimierte Hygienebedingungen sowie gesundheitsorientierteres Verhalten. Dabei wachst die Bevolkerung im Alter von 60 Jahren oder alter schneller als alle jungeren Altersgruppen. Es handelt sich um ein globales Phanomen, von welchem Industrielander gleichermaGen betroffen sind wie Schwellen- und Entwicklungslander.[3]Um den vorgegebenen Rahmen der Arbeit einhalten zu konnen, sollen sich im folgen- den Assignment die Betrachtungen zur Problematik ausschlieGlich auf Deutschland be- ziehen. In Abbildung 1[4]ist zu erkennen, dass im Jahr 2013 in Deutschland 80,8 Millio- nen Menschen lebten, davon waren 15,1 Millionen Menschen uber 67 Jahre. Dies ent- spricht einem Anteil von 18,7%. In den folgenden Jahrzehnten wird eine dramatische Verschiebung der Bevolkerungsgruppen prognostiziert. Es wird damit gerechnet, dass die Einwohnerzahl in Deutschland im Jahr 2060 auf 67,6 Millionen sinkt. Davon werden 20.6 Millionen Menschen uber 67 Jahre sein, ein Anteil von dann 30,5%. Aktuelle Daten zur Entwicklung des Durchschnittsalters bestatigen diese Entwicklung. So ist das Durchschnittsalter der Bevolkerung zwischen 1871 und 2015 bereits von 27,2 Jahren auf 44,3 Jahre angestiegen.[5]Es ist davon auszugehen, dass diese Tendenz unveran- dert bestehen bleibt und die Menschen in Zukunft noch alter werden.

Da altere Menschen trotzdem immer langer psychisch und physisch gesund bleiben, andern sich auch deren Anspruche an den eigenen Lebensstandard. Um diesen Anfor- derungen gerecht zu werden, mussen sich die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an die alternde Gesellschaft anpassen.

1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Auf Grund der aktuellen Relevanz verfolgt die Arbeit das Ziel, aufzuzeigen, wie sich die Lebensbedingungen alter Menschen aktuell darstellen und ausgehend vom Thema des Assignments einen Ausgangspunkt fur die Auseinandersetzung mit der Hypothese zu schaffen. Dieser soll in Form eines ausgewahlten Forschungsdesigns sowie einer ent- sprechenden Untersuchungsmethode erreicht werden.

Hierzu ist die Arbeit in vier Kapitel untergliedert. Um fur die thematisierte Problemstel- lung in Bezug auf die folgende Untersuchung einen Einstieg zu formulieren, werden in Kapitel 2 zunachst begriffliche Grundlagen theoretisch erortert. Dabei soll versucht wer­den, eine Einordnung zum Begriff „Alter“ bzw. „alte Menschen" zu erhalten. Daruber hinaus wird anhand von Daten und Informationen, welche in diversen Studien gesam- melt wurden, die momentane Lebenssituation alter Menschen im Vergleich zu vorange- gangen Generationen aufgezeigt.

Im Folgenden wird in Kapitel 3 zunachst die empirische Forschung im Allgemeinen und anschlieGend die Differenzierung in qualitative und quantitative Forschung im Speziel- len betrachtet. Daran schlieGt sich die Auswahl und Begrundung einer, fur das Thema geeigneten, empirischen Methode zur Datenerhebung an. Betrachtungen zur Durchfuh- rung der Erhebungsmethode werden das Kapitel abschlieGen.

Die Untersuchung beenden wird Kapitel 4 mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse, einem kritischen Fazit und einem Ausblick, wie das Thema detailliert wei- terverfolgt werden kann.

2 Grundlagen

2.1. Definition: Alter und alte Menschen

Um eine Basis fur die folgenden Ausfuhrungen zu schaffen, soil zunachst fur den Begriff „Alter" bzw. „alte Menschen" eine weitreichende Erlauterung erfolgen. Hier ist vorab an- zumerken, dass es keine allgemein verbindliche Definition fur das „Alter" gibt, sondern sich verschiedene Bereiche (Soziologie, Biologie, Psychologie, Wirtschaft etc.) in ihren jeweiligen Fachdisziplinen dem Begriff annahern. Wissenschaftlich untersucht wird das „Alter" von der Gerontologie. Gerontologie beschaftigt sich mit der Beschreibung, Erkla- rung und Modifikation von korperlichen, psychischen, sozialen, historischen und kultu- rellen Aspekten des Alterns und des Alters, einschlieGlich der Analyse von altersrele- vanten und alterskonstituierenden Umwelten und sozialen Institutionen.[6]Hervorzuhe- ben ist, dass das Alter eines jeden Menschen subjektiv anderes wahrgenommen wird als es eine objektive Zuordnung ermoglicht.

Damit, ausgehend von der Hypothese der altersunfreundlichen Welt, trotzdem eine Ab- grenzung erfolgen kann, ist die Zuordnung nach dem chronologischen Alter eine weit verbreitete und anerkannte Methode. Das chronologische Alter ist ein Merkmal einer Person. Es ist die zeitliche Altersangabe, die sich aus der Differenz des aktuellen Da­tums und dem Geburtsdatum errechnet. Ein Mensch hat keinen Einfluss auf sein chro- nologisches Alter.[7]Die WHO[8]teilt die chronologischen Lebensabschnitte alterer Men­schen wie folgt ein:[9]

- alternde Menschen
- altere Menschen
- alte Menschen
- sehr alte Menschen
- langlebige Menschen

In der vorliegenden Arbeit werden die Menschen zusammenfassend als „alt“ bezeich- net, die mindestens 65 Jahre sind und damit in etwa das aktuell gultige gesetzliche Renteneintrittsalter in Deutschland[10]erreicht haben.

2.2. Fakten und Daten zur Lebenssituation alter Menschen

In einer Gesellschaft, in welcher die Menschen standig mit Schonheitsidealen von jun- gen Menschen konfrontiert werden und suggeriert wird, dass „alt sein“ etwas Negatives bedeutet und mit vielen Mitteln versucht wird, seine „Jugend“ zu erhalten, mangelt es haufig an Akzeptanz und Toleranz gegenuber alten Menschen. Bedingt durch den de- mographischen Wandel wird es allerdings kunftig noch notwendiger sein als bisher, alte Menschen besser in die einzelnen Lebensbereiche zu integrieren und deren Potentiale fur die Gesellschaft zu nutzen. Zu diesen soziookonomischen Bereichen zahlen u.a. die Erwerbstatigkeit und finanzielle Situation, Gesundheit und Pflege sowie die Ausgestal- tung individueller Lebensvorstellungen.

Auf Grund des Zustands, dass in Deutschland mehr Menschen aus der Arbeitswelt aus- treten, als das neue Menschen in diese eintreten, ist es sinnvoll zu versuchen, alte Menschen als Fachkrafte langer in der Erwerbstatigkeit zu halten. Es ist belegt, dass sich die Erwerbstatigkeit in der Gruppe der 65- bis 69-jahrigen zwischen 2007 und 2014 bereits von 7% auf 14% verdoppelt hat. Dabei war die Erwerbstatigkeit fur 340.000 Per- sonen die vorwiegende Quelle fur den Lebensunterhalt, da die Rente als alleiniges Ein- kommen als nicht ausreichend bezeichnet wurde. Fur die Mehrzahl von 588.000 Perso- nen war es dagegen ausschlieGlich ein Zuverdienst, da diese bereits von ihrer Rente ihre Lebenshaltungskosten bestreiten konnten. Vor allem Selbstandige und Menschen mit einem hohen Bildungsniveau arbeiteten uber die Regelaltersgrenze hinaus.[11][12]Dem gegenuber steht jedoch die Erkenntnis, dass sich die Armutsgefahrdungsquote der ab 65-jahrigen von 10,4% im Jahr 2006 auf 14,3% im Jahr 2013 erhoht hat.[13]Hiervon be- troffen waren zumeist Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau und nicht vorhan- dener bzw. geringqualifizierter Berufsausbildung.

Auch im Bereich Gesundheit zeigen sich starke Differenzierungen bei alten Menschen. Bei den uber 65-jahrigen ist die subjektive Zufriedenheit mit dem eigenen Gesundheits- zustand zwischen 1996 und 2014 zwar von 45,7% auf 58,1% gestiegen.[14]Im Kontrast dazu stehen allerdings Studienergebnisse, in welcher der Gesundheitszustand vieler Menschen als so unzureichend bezeichnet wird, dass diese als pflegebedurftig einge- stuft wurden. So stieg in den vergangen Jahren die Anzahl der pflegebedurftigen Per- sonen zwischen 1999 und 2015 von 2,02 Millionen auf 2,86 Millionen, wovon 83% der Pflegebedurftigen alter als 65 Jahre waren.[15]

Weitere Bereiche, deren Wichtigkeit von besonderer Bedeutung fur das Wertgefuhl alter Menschen sind, sind die gesellschaftliche Integration in den Alltag sowie die Realisie- rung eigener Lebensvorstellungen. Wichtige Aspekte konnen, neben einer moglichen Berufstatigkeit, vor allem das familiare Umfeld oder ein soziales Engagement in Verei- nen sein. Aber auch das selbstandige Leben im eigenen Haushalt, Mobilitat, die Mog- lichkeit Freizeitaktivitaten wahrzunehmen und die Teilhabe an der Digitalisierung ge- winnen zunehmend an Relevanz. So erhohte sich zum Beispiel der Anteil der Internut- zung von Menschen, die 65 Jahre und alter waren im Zeitraum zwischen 2011 und 2015 von 35,0% auf 49,0%.[16]

Die aufgezeigten Daten verdeutlichen den Trend, dass alte Menschen selbstbestim- mend Leben wollen und es das Ziel dieser Generation ist, weiterhin unabhangig und eigenstandig Entscheidungen zu treffen. Allerdings sind die Voraussetzungen, um diese Ziele zu erreichen, unterschiedlich. Besonders Menschen, die bereits im Alter unter 65 Jahren finanzielle oder gesundheitliche Schwierigkeiten hatten, haben sich auch weiter­hin und verstarkt mit diesen Problemen auseinanderzusetzen.

3 Empirische Forschung

Im vorangegangen Kapitel wurde untersucht, wie sich die Lebenssituation alter Men- schen in den vergangenen Jahren entwickelt hat und aktuell darstellt. Daraus konnten Erkenntnisse gewonnen werden, in welchen Bereichen zum Teil eine altenunfreundliche Welt vorherrscht. Nun sollen darauf aufbauend Moglichkeiten aufgezeigt werden, mit welchen Methoden Daten gewonnen werden konnen, um Ansatze zur Gestaltung einer altenfreundlicheren Welt zu ermitteln. Hierfur ist es notwendig empirische Forschungs- methoden einzusetzen. Unter empirischer Forschung kann die Gesamtheit von Metho­den, Techniken und Instrumenten zur wissenschaftlich korrekten Durchfuhrung von Un- tersuchungen des menschlichen Verhaltens und sozialer Phanomene verstanden wer­den, die zur Informationsgewinnung oder Datenbeschaffung uber die Realitat eingesetzt werden konnen.[17]

3.1. Qualitative vs. Quantitative empirische Forschung

Die empirischen Forschungsmethoden konnen zusatzlich in qualitative und quantitative Forschung unterteilt werden. Daher ist es notwendig darzustellen, wodurch die qualitati­ve sowie die quantitative Forschung gekennzeichnet sind.

Qualitative Forschung erfasst die Variabilitat der Merkmale des Untersuchungsobjekts durch verbale Beschreibung am Beispiel sorgfaltig ausgewahlter Einzelfalle. Qualitative Forschung in Form von Fallstudien wird in Gebieten mit geringem Kenntnisstand mit dem Ziel eingesetzt, ein Tiefenverstandnis des komplexen Realphanomens zu gewin- nen. Auf Grundlage der vergangenheitsbezogenen Erklarung werden Hypothesen als Ergebnis formuliert, die uber die untersuchten Falle hinaus Gultigkeit haben sollen.[18]Qualitative Forschung kann somit genutzt werden, um ein noch unbekanntes For- schungsgebiet zu untersuchen, welches nicht auf rein statistische oder empirische In- halte setzt, sondern auch subjektive Ergebnisse auswertet. Dadurch wird der For- schungsgegenstand mittels Interpretation erschlossen, da dieser nicht offen vorliegt.[19]

[...]


[1]SCHUETT (2014), S. 11.

[2]Vgl. OECD (2017), S. 48.

[3]Vgl. UN World Population Prospects (2017), S. 11.

[4]Siehe Abbildung 1, Anhang.

[5]Vgl. Statistisches Bundesamt (2016), S.24.

[6]BALTES (1992), S. 8.

[7]WINKLER (2009), S. 8.

[8]World Health Organization.

[9]JUNKERS (1995), S. 7.

[10] Das Renteneintrittsalter ohne Abschlage in Deutschland betragt aktuell 65 Jahre und 7 Monate.

[11]Vgl. Statistisches Bundesamt (2016), S. 28.

[12]Als armutsgefahrdet gilt, wer inklusive staatlicher Transferleistungen uber weniger als 60% des Media- neinkommens verfugt.

[13]Vgl. LANGNESS / STARMANN (2015), S. 12.

[14]Vgl. SPULING / WURM / WOLFF / WUNSCHE (2016), S. 166.

[15]Vgl. Statistisches Bundesamt (2015), S. 7.

[16]Vgl. Statistisches Bundesamt (2015), S. 16.

[17]Vgl. HADER (2015), S. 12.

[18]RIESENHUBER (2009), S. 6.

[19]Vgl. MAYRING (2016), S.22.

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668805187
ISBN (Buch)
9783668805194
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v442550
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
gestaltung welt grundlage erhebnung

Autor

  • Clemens Schmied (Autor)

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