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Sozialer Vergleich als Quelle der Selbsterkenntnis bei Führungskräften

Hausarbeit 2016 17 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitang

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Sozialer Vergleich nach Festinger
2.2 selbst und selb stwertgefühl
2.3 Aufwärts- und abwärtsgerichteter Vergleich
2.4 Assimilation und Kontrastbildung als Folge des sozialen Vergleichs

3 sozial er Vergieich mitselb sterkenntnis
3.1 Selb sterkenntnis
3.2 Motive

4 Anforderungen an die Führungskraft

5 Analyse des sozialen Vergleichs der Selbsterkenntnis
5.1 Fragestellung und ZielSetzung
5.2 Sozialer Vergleich als Quelle der Selbsterkenntnis bei Führungskräften...

6 Fazit und Ausblick

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 : Selective Accessibilty Model nach Mussweiler

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Menschen vergleichen sich permanent mit ihrer sozialen Umwelt. Dieses Verhalten beginnt bereits in der Kindheit, wenn eigene Einstellungen mit denen anderer Personen verglichen werden. Individuen neigen dazu, ihre Fähigkeiten und Eigenschaften mit anderen zu vergleichen, um ein positives Selbstbild zu erlangen.

Dazu vergleichen wir uns ständig in Lei stungs situati onen des alltäglichen Lebens. Festingers Theorie (1954) der sozialen Vergleichsprozesse, beschreibt unter welchen Bedingungen und mit welchen Konsequenzen Personen einander vergleichen. Der Mensch tut dies, um zu einer akkuraten Selbsteinschätzung zu gelangen, aber auch, um sich mit anderen verbunden zu fühlen. Ferner erfüllt es den Zweck sich durch die herausragenden Leistungen anderer inspirieren zu lassen und um positive Gefühle in Bezug auf das eigene Selbst zu erfahren. Doch welche negativen Konsequenzen kann das ständige Vergleichen mit anderen nach sich ziehen? Eine Möglichkeit diese unterschiedlichen Konsequenzen von sozialen Vergleichen zu erklären bietet das Selective Accessibility Model von Mussweiler am Beispiel von Führungskräften.

Mit dieser Seminararbeit soll untersucht werden, wieso soziale Vergleiche durchgeführt werden und wie sich Vergleichseffekte auf das Selbstbild auswirken. Dazu wird geprüft, welche Konsequenzen sich aus dem Vergleich mit anderen ergibt und welche Auswirkungen dies auf die Selbsterkenntnis hat.

Die vorliegende Seminararbeit besteht aus weiteren sechs Kapiteln. Kapitel zwei beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen des sozialen Vergleiches. Das dritte Kapitel erläutert den Zusammenhang von sozialem Vergleich und unseren Motiven. Im vierten Kapitel werden die Anforderungen an eine Führungskraft definiert. Hier wird verdeutlicht, welche Ziele die Führungskraft gegenüber dem Unternehmen, der Organisation und sich selbst hat. Die Hypothese des ״Sozialen Vergleich als Quelle der Selbsterkenntnis bei Führungskräften“ wird in Kapitel fünf, durch die Abbildung 1: Selective Accessibility Model nach Mussweiler am Beispiel der Führungskräfte, analysiert. Kapitel sechs fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet diese. Abschließend wird ein Ausblick auf die zukünftige Relevanz des Themas im Hinblick auf die Führungskräfte für ein Unternehmen gegeben.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Sozialer Vergleich nach Festinger

Menschen vergleichen sich, um Informationen über sich selbst zu gewinnen. Individuen vergleichen sich miteinander, um realistische Informationen über das gegenwärtige Selbst zu bekommen, das Selbstwertgefühl zu schützen oder zu verbessern. Ferner findet ein Vergleich mit anderen statt, wenn wir wissen wollen, welche Verbesserungsmöglichkeiten wir für das Selbstwertgefühl haben (Jonas et al, 2014, s. 148). Soziale Vergleiche sind durch den Wunsch motiviert, die Unsicherheit darüber, wie ein Sachverhalt zu bewerten ist, zu reduzieren (Biefhoff, 2006, S.30). Die Theorie des sozialen Vergleichs von Festinger (1954) vertritt die Auffassung, dass ״wenn Menschen sich ihrer Fähigkeiten oder Meinungen unsicher sind - wenn objektive Standards fehlen -, dann nehmen sie eine Selbstbewertung durch den Vergleich mit ähnlichen anderen vor“ (Jonas et al, 2014, s. 169). Festinger (1954) ist der Auffassung, dass Individuen bemüht sind, Informationen über die eigene Meinung und Fähigkeiten zu erhalten und zu bewerten (Kolominski, S.158) Dazu gehören Meinungen zu Einstellungen, Kenntnissen und Werthaltungen über eigene physische und intellektuelle Kompetenzen. Viele Fähigkeiten und Meinungen sind nicht direkt anhand realer Situationen überprüfbar, sondern unter solchen Bedingungen wird auf soziale Informationen zurückgegriffen (Wagner, u.; Christ, o., ohne Jahr). Das Wissen einer Person über sich selbst und die subjektive Bewertung der eigenen Persönlichkeit, erhalten wir über das Selbst.

2.2 Selbst und Selbstwertgefühl

Das Selbst beschreibt die drei Komponenten der psychologischen Aspekte der eigenen Person. Die erste Komponente bildet das Selbstkonzept, als Bild welches die Person von sich hat. Zweitens die affektive Komponente mit dem Selbstwert, wie die Zielperson das Selbstbild bewertet und drittens der konativen oder handlungsbezogenen Komponente, welche die Selbstdarstellung und Selbstwirksamkeit umfasst (Kolominski, S.153). Das Selbst entwickelt sich somit durch eine Handlung in Form von Verhalten und Interpretation der sozialen Welt. Die moderne Psychologie vermutet, dass das Selbst das Zentrum der Persönlichkeit ist. Es ordnet Gedanken, Gefühle und Handlungen (Myers, 2014, s. 587).

Unter Selbstwertgefühl wird in der Psychologie die emotionale Einschätzung des eigenen Wertes verstanden (http://lexikon.stangl.eu/627/selbstwertgefuehl/, 22.05.2016). Damit ist die subjektive Bewertung der eigenen Persönlichkeit gemeint und bezeichnet die Evaluation der eigenen Person. Somit spiegelt das Selbstwertgefühl die Einstellung gegenüber sich selbst wieder. Es gibt Auskunft, wie der Mensch von Moment zu Moment fühlt. Eine positive Selbstbewertung lässt Individuen gut funktionieren und ihre Ziele erreichen (Smith & Mackie, 2000, s. 104). Je unsicherer sich eine Person ist, desto stärker wird die Vergleichsmotivation.

2.3 Aufwärts- und abwärtsgerichteter Vergleich

Wann finden soziale Vergleichsprozesse statt? Individuen vergleichen sich immer mit andern, wenn kein objektiver Maßstab zur Orientierung verfügbar ist. Dies deutet auf einen eine gewisse Unsicherheit im jeweiligen Bereich hin. Wenn die Zielperson unsicher ist, wie gut sie in einem Bereich ״abschneidet“, wird sie eine andere Person zum Vergleich heranziehen. Der erste Impuls ist, sich wahllos mit irgendjemanden im eigenen Umfeld zu vergleichen. Dieser erste Vergleich läuft schnell und automatisch ab. Da aber nicht alle Vergleiche gleichermaßen informativ sind, wird die Person diesen Vergleich überdenken. Soll eine akkurate Einschätzung unserer Fähigkeiten erfolgen, werden wir uns mit jenen vergleichen, die uns ähnlich sind. Soll hingegen herausgefunden werden, welches der höchste erreichbare Standard ist, wird ein sogenannter aufwärtsgerichteter Vergleich vorgenommen (http://psycnet.apa.0rg/joumals/bul/90/2/245/, 05.08.2016). Hierbei geht es darum, zur Selbsterkenntnis zu gelangen. Wird das Ziel gesetzt, den Selbstwert zu steigern oder zu schützen, wird ein abwärtsgerichteter Vergleich vorgenommen. Dieser Vergleich mit Menschen, die in Bezug auf eine bestimmte Fähigkeit oder Eigenschaft weniger gut sind, als man selbst, stärkt den Selbstwert (Aronson, Wilson & Akert 2004, S.151). Eine andere Form des abwärtsgerichteten Vergleichs besteht darin, sich mit dem eigenen Selbst der Vergangenheit zu vergleichen. Dieses Handeln resultiert aus dem Bedürfnis, sich besser zu fühlen (Aronson Wilson & Akert 2004, s. 176). Zusammenfassend führt der abwärtsgerichtete Vergleich zu einer Erhöhung der Zufriedenheit und zu einem stärkeren Selbstwert (Andresen, 2009, s. 197). Je nachdem welcher Zweck mit einem Vergleich verfolgt wird, werden unterschiedliche Standards zur Bewertung herangezogen.

2.4 Assimilation und Kontrastbildung als Folge des sozialen Vergleichs

Der Vergleich mit anderen Personen kann zu Assimilationseffekten oder zur Kontrastbildung führen. Diverse Faktoren können sowohl Assimilationen oder Kontraste nach sich ziehen.

״Die Theorie der Informationsverarbeitung und Änderung von Einstellungen, wonach die Informationen im Bereich der Annahmetoleranz des Empfängers von Informationen zur Stützung der eigenen Meinung verwendet werden, nennt sich Assimilationseffekt“ (http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/assimilations- kontrast-theorie/1450, 22.05.2016). Assimilation ist wahrscheinlich, wenn es sich um einen moderaten Standard handelt und man nur ein vages Selbstwissen bezüglich der einzuschätzenden Dimension hat (Mussweiler, 2003, s. 467). Hierbei nähert sich das Selbst dem Standard an. Dabei gleicht sich die Person in der Selbstbeschreibung mit dem jeweiligen Vergleichsstandard ab. Dies geschieht bei mittelguten bis mittelschlechten Leistungswerten auf bestimmten Dimensionen, wie Z.B. Meinungen, Verhalten oder Fähigkeiten. Das Ansehen der Zielperson färbt auf das Ansehen des Vergleichsstandards ab (http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/assimilationseffekt/1449, 22.05.2016).

Bei der Kontrastbildung entfernt sich dagegen das Selbst von dem Standard. Ein Kontrasteffekt bezeichnet ebenfalls eine Tendenz auf eine Einschätzung und soziale Vergleiche. Kontrastbildung ist wahrscheinlicher, wenn der Standard extrem ist und das Selbstwissen, bezüglich der einzuschätzenden Dimension, eindeutig erscheint. Bei einem Kontrasteffekt werden die Handlungen oder Eigenschaften anderer Personen in Abgrenzung von dem Standpunkt der Zielperson eingeschätzt. Die Unähnlichkeit zwischen der Person und dem Vergleichsstandard wird dadurch gefördert. Dies ist besonders der Fall, wenn der Standard extreme Leistungswerte auf der jeweiligen Dimension aufweist (Kolominski, s. 161).

3 Sozialer Vergleich mit Selbsterkenntnis

3.1 Selbsterkenntnis

Selbsterkenntnis ist die Erkenntnis einer Person über das eigene Selbst. Menschen kommen durch verschiedene Methoden zu einem Verständnis von Selbst. Einen beachtlichen Teil seiner Selbsterkenntnis erfährt der Mensch durch das Vergleichen mit anderen. Weitere Methoden der Selbsterkenntnis sind Z.B.

Introspektion und Selbstbeobachtung. Die Introspektion beschreibt das gezielte Erkunden des Selbst. Die Selbstbeobachtung konzentriert sich auf die Gefühle und Einstellungen der Person zu vergangenem Verhalten. Das Selbstbild entsteht unter anderem, indem der Mensch sich mit anderen vergleicht und so zur Selbsterkenntnis kommt (Jonas et al, 2014,s. 144). Die Selbsterkenntnis ist der Selbstreflexion, dem Nachdenken über sich selbst, ähnlich. Der Mensch hinterfragt sich stets kritisch und beurteilt das eigene Denken und Handeln.

3.2 Motive

Menschen vergleichen sich mit anderen, um etwas über ihre eigenen Einstellungen und Fähigkeiten in Erfahrung zu bringen (Johann, 2011, s. 39). Daher findet der soziale Vergleich eher in neuartigen, mehrdeutigen oder objektiv unklaren Situationen statt. Der Mensch ist in diesen Situationen oft unsicher und neigt stark dazu, Verhalten und Meinungen über ähnliche Personen zu beobachten und sich davon leiten zu lassen. Der Mensch hat das Bedürfnis, über eine stabile und korrekte Wahrnehmung des Selbst zu verfügen. Individuen benötigen Informationen, wie gut sie etwas können, ob sie eine bestimmte Fähigkeit haben oder ob ihre Einstellungen korrekt sind. Diese Neigung ist so stark ausgeprägt, dass Informationen aus sozialen Vergleichen manchmal selbst dann in die Urteile einfließen, wenn diese eigentlich nicht diagnostisch sind. Dies ist nicht der einzige Grund, warum Menschen motiviert sind, sich mit anderen zu vergleichen. Ein weiteres Motiv ist das Streben nach einem positiven Selbstbild. Durch den Vergleich mit anderen, gelangen sie auch dazu. Individuen fühlen sich dann gut, wenn sie besser als andere sind. Das Ziel ist, die eigene Überlegenheit festzustellen und den Selbstwert dadurch zu steigern (Jonas et al, 2014, s. 165). Zusammenfassend geht die Quelle der Selbsterkenntnis auf andere Menschen zurück. Dadurch lernt das Individuum sehr viel über sich selbst.

4 Anforderungen an die Führungskraft

Eine Führungskraft ist eine leitende Position, die Führungsaufgaben in einem Unternehmen oder einer Organisation wahmimmt. Führung von einer oder mehreren Managementfunktionen wie Planung, Organisation, Führung und Kontrolle, gehören zu ihren täglichen Aufgaben. Die Aussage ״Gute Führungskräfte führen sich selbst, das heißt unter anderem, sie müssen wissen was Ihre Stärken und Entwicklungsfelder sind“ von Ulrich Jordan (http://www.humanresourcesmanager.de/ressorts/artikel/was-ist-gute- fuehrung, 22.05.2016) verdeutlicht, dass die Führungskraft eine gute Wahrnehmung über sich selbst und deren Tätigkeiten haben sollte. Für ein gutes Selbstwertgefühl ist es wichtig, sich selbst zu kennen (Vgl. Nickelsen, 2015, S.55). Dies hat zur Folge, dass eine gute Auffassung des Selbst, große Relevanz für Erfolg und Zufriedenheit im alltäglichen Beruf hat. Nur eine von sich überzeugte Führungskraft schafft es, ein Team zu leiten und eine gewisse Vorbildfunktion gegenüber anderen Mitarbeitern zu haben. Um zu klären, welche Ziele Führungskräfte verfolgen, gibt es dem US-Psychologen Andrew Elliot und Marcy Church zufolge zwei Arten von Zielen bei Führungskräften. Dabei handelt es sich um Lern- und Leistungsziele. Mit der ersten Kategorie will die Führungskraft ihre Fähigkeiten perfektionieren. Sie geht in ihren Aufgaben auf und ist darauf fokussiert, immer besser zu werden. Wer dagegen leistungsorientiert denkt, sieht sich zu anderen Führungskräften im permanenten Wettkampf. Diese Individuen wollen immer besser sein, schneller arbeiten und weniger Fehler machen als die Anderen. Sie vergleicht sich permanent. Dies hat allerdings nichts mehr mit der Leidenschaft zum eigenen Beruf zu tun (WirtschaftsWoche, 2011, s. 134).

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Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668807174
ISBN (Buch)
9783668807181
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v442666
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Schlagworte
Sozialer Vergleich Führungskräfte Selbsterkenntnis Selbstbewusstsein Führung Festinger

Autor

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