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Die Theorie des Pragmatismus

Hausarbeit 2005 17 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einführung
a) Ausgangslage
b) Geschichte

II Die pragmatische Methode und der Staat

III Der Wahrheitsbegriff, Konfliktlösung

IV Pragmatismus und Demokratietheorie

V Zum Gemeinwohl

VI Individuum und Gemeinschaft

VII Religion

VIII Zur Aktualität des Pragmatismus

Bibliografie

Die Theorie des Pragmatismus

I. Einführung

„Was zunächst den Pragmatismus als Methode betrifft, so besteht sie in der Anweisung bei Fragen nach der Richtigkeit oder Falschheit von Gedanken, Überzeugungen oder Behauptungen auf die praktischen Konsequenzen zu achten, die mit dem jeweiligen Gedanken, Überzeugungen oder Behauptungen verbunden sind.“[1]

a) Ausgangslage

Zunächst einmal müssen wir uns den Ausgangspunkt der Theorie vor Augen halten, die Zeit, in der sie entstand: Nietzsche formuliert hintergründig und kompromisslos das kulturelle Unbehagen der Zeit der wissenschaftlichen und technischen Erfolge, der beschleunigten Industrialisierung, aber auch des Zerfalls sozialer Strukturen und der Einsicht in die Irrationalität der Welt. Zentrale politische Begriffe werden fragwürdig und beweisen sich als unhaltbar: Begriffe, wie etwa: Gemeinschaft, soziales Band, Tugend, Recht und politisches Handeln.[2]

Zwei verschiedene Denkrichtungen versuchen auf diese veränderte Sachlage zu reagieren: Heideggers Seinsphilosophie ist eher auf die theoretische Reflektion, als auf das praktische Handeln bezogen.

Von Heidegger führt die Linie zum Neostrukturalismus und der französischen Philosophie der Postmoderne, hier zu Michel Foucault, Jean- Francois Lyotard, Jacques Derrida und Jean Baudrillard. Da die Welt nach ihrem Denken unendlich komplex ist, sei es eben auch unmöglich sie rational zu beherrschen. Man müsse ihr nachspüren, wenn man ihrer Komplexität gerecht werden will. Dieses neue Denken läutet einen Wandel im Denken des 20. Jahrhunderts ein.

Die andere Antwort nun, will ich hier näher beschreiben. Sie ist die eher amerikanische Antwort auf die Frage nach dem Beherrschen oder zumindest Verstehen einer immer komplexer werdenden Welt. Sie wendet sich ebenso von allem Denken der rationalistischen Tradition ab, aber weniger nach theoretischen Reflektionen, sondern eben eher aus pragmatischer Sicht. Man will sich also nicht mehr auf nicht enden wollende theoretische Dispute einlassen, die sowieso nie zu einer Lösung kommen könnten und somit folgenlos blieben. Die Frage nach dem Zweck einer Handlung scheint wichtig. Der Pragmatismus wählt nicht den Weg ins Denken, in die Frage nach dem Seinsverständnis, er konzentriert sich auf fundamentale Ziele, also auf die Praxis, das pragmatische Handeln.

Am Ende des 20. Jahrhunderts stehen also entweder die Hinwendungen zum Primat der Praxis oder eben hin zur kritischen Reflektion.[3]

b) Geschichte

Der Name Pragmatismus stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Handlung“, der Stamm ist derselbe, der heute unseren Wörtern „praktisch“ und „Praxis“ zu Grunde liegt.

Der pragmatische Ansatz hat zu den meist diskutierten philosophischen Bewegungen im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts gehört, sein beredtester und bekanntester Vertreter ist der Harvard- Professor William James (1842-1910), mit dessen Ansichten ich mich hier hauptsächlich beschäftigten möchte. Zurück geht diese philosophische Richtung jedoch auf die Arbeiten des amerikanischen Logikers, Mathematikers und Philosophen Charles Sanders Peirce, der mit James befreundet war.

Peirce hat in einer kleinen, zunächst auch verkannten und unbedeutenden Schrift[4], ein Verfahren vorgestellt, das es uns erlauben soll, die Bedeutung von Begriffen festzustellen. Danach ist es notwendig, auf die unter einen Begriff fallenden Objekte bestimmte Handlungen auszuüben, um die wahrnehmbaren Phänomene zu bestimmen, die dieser Handlung folgen.[5]

Die Regel, die diesem Verfahren zu Grunde liegt nennt Peirce „pragmatische Maxime“, der Name Pragmatismus entsteht. James entfernt nun diese Leitidee immer weiter von der reinen Wissenschaftslogik und wendet sie auf die volle Bandbreite „humanistischer Lebensentwürfe“[6] an.

Auch Peirce bemerkte Differenzen: „ Obwohl James sich einen Pragmatisten nennt und zweifellos seine diesbezügliche Idee von mir herleitet, ist sein Pragmatismus von meinem wesentlich unterschieden“, so schrieb er 1905 in einem Brief an Mrs. Ladd Franklin.[7]

Befürworter sagen, es sei James gewesen, der den Pragmatismus zu dem weltanschaulichen Programm gemacht habe, das er heute sei. Kritiker behaupten, dies sei der Fall, weil er die Ansichten Peirce` immer weiter trivialisiert habe. Als ein Anhänger James` könnte man dem wiederum entgegenhalten, dass er die Theorie umformuliert hat, damit sie direkt dem Leben der Menschen entspricht und praktisch umzusetzen ist.[8]

Wie lässt sich also, so die pragmatische Debatte, eine demokratische Gemeinschaft jenseits aller Probleme und ethischer, philosophischer oder weltanschaulicher Begründungen aufrechterhalten und weiterentwickeln? Diese „Säkularisation“ der Politik fordert dann keinen Staat mit einer riesigen Verwaltung und einem charismatischen Führer, sondern eine starke Einbindung der Bürger in die Demokratie.[9]

.

II. Die pragmatische Methode und der Staat

„Die pragmatische Methode bedeutet also keineswegs bestimmte Ergebnisse, sondern nur eine orientierende Stellungnahme. Und zwar eine Stellungnahme, die uns absehen macht von ersten Dingen, von Prinzipien, von Kategorien, von vorausgesetzten Notwendigkeiten; und dien Stellungnahmen, die uns hinblicken lässt auf letzte Dinge, auf Früchte, auf Folgen, auf Tatsachen.“[10]

[...]


[1] Zitiert nach: HORSTMANN, Rolf- Peter: Vorbemerkung. In: JAMES, William: Was ist Pragmatismus?. Weinheim: Athenäum 1994, S.11.

[2] SCHÖNHERR-MANN, Hans- Martin: Postmoderne Theorien des Politischen. München: Fink 1996, S. 11ff.

[3] SCHÖNHERR-MANN, Hans- Martin: Postmoderne Theorien des Politischen. München: Fink 1996, S. 45ff.

[4] Ein Aufsatz mit dem Titel „Wie wir unsere Ideen klar machen können“. PEIRCE, Charles Sanders: How to make our ideas clear. In: Popular Science Monthly 12 (1878), S. 286-302.

Eine französische Übersetzung findet man in der Revue philosophique XLIII (1879),S. 39-57. Hier unter dem Titel „Comment rendre nos idées claires“.

[5] HORSTMANN, Rolf- Peter: Vorwort. In: JAMES, William: „Was ist Pragmatismus?“. Weinheim: Athenäum 1994, S.10

[6] NAGL, Ludwig: Pragmatismus. Frankfurt a .M., New York: Campus 1998, S. 60.

[7] In: The journal of philosophy. New York: Columbia University Press 13 (1916), S.718.

[8] Zitiert nach: HORSTMANN, Rolf- Peter: Vorwort. In: JAMES, William: was ist Pragmatismus?. Weinheim: Athenäum 1994, S.12

[9] SCHÖNHERR-MANN, Hans- Martin: Postmoderne Theorien des Politischen. München: Fink 1996, S. 47.

[10] JAMES, William: Was ist Pragmatismus? Weinheim: Athenäum 1994, S. 25.

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638419277
ISBN (Buch)
9783638750462
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v44300
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,0
Schlagworte
Theorie Pragmatismus

Autor

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Titel: Die Theorie des Pragmatismus