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"Blind Side - Die große Chance". Analyse der Verfilmung aus pädagogischer Perspektive

Hausarbeit 2017 9 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Erziehungs- und Bildungstheorien der Aufklärung und Reformpädagogik
2.1 Immanuel Kant
2.2 Wilhelm von Humboldt
2.3 Hermann Nohl

3. „Bilnd Side – Die große Chance“
3.1 Zusammenfassung
3.2 Szenenanalysen aus pädagogischer Sicht

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Viele Erziehungssituationen, die uns im alltäglichen Leben begegnen, beinhalten bei genauer Betrachtung weit zurückliegende, pädagogisch wertvolle Theorien. In der folgenden Arbeit möchte ich folgender Frage nachgehen: Inwiefern kann man die Vorstellungen und Theorien Immanuel Kants, Willhelm von Humboldts und Hermann Nohls in heutigen Erziehungssituationen wiederfinden?

Zunächst sollen die drei unterschiedlichen, zum Teil aufeinander aufbauenden Perspektiven auf die kindliche Erziehung und Bildung vorgestellt werden.

In einem zweiten Teil sollen die zuvor beschriebenen Theorien anhand eines Beispiels praktisch verdeutlicht werden. Dazu möchte ich einen bekannten Film mit dem Titel „Blind Side – Die große Chance“ aus dem Jahre 2009 aus pädagogischer Perspektive beleuchten. Nach einer kurzen Zusammenfassung des Inhalts möchte ich die ausgewählten Theorien auf ihre Aktualität hin untersuchen und feststellen inwiefern man diese auf die im Film gezeigten Erziehungssituationen beziehen kann.

In einem kurzen Fazit möchte ich meinen eigenen Eindruck wiedergeben und diskutieren ob klassische Theorien, wie die hier vorgestellten, auch in Zukunft noch Bestand haben werden.

2. Erziehungs- und Bildungstheorien der Aufklärung und Reformpädagogik

2.1 Immanuel Kant

„ Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht. Es ist zu bemerken, dass der Mensch nur durch Menschen erzogen wird, durch Menschen, die ebenfalls erzogen sind […] Vielleicht, dass die Erziehung immer besser werden und dass jede folgende Generation einen Schritt näher tun wird zur Vollkommung der Menschheit; denn hinter der Edukation steckt das große Geheimnis der Vollkommenheit der menschlichen Natur.“ (Kant 1804, zit. N. Baumgart. 2001. S. 42)

Immanuel Kant war einer der bedeutsamsten deutschen Philosophen der Aufklärung. Seine philosophischen Arbeiten beeinflussten die Aufklärungspädagogik maßgeblich.

Laut Kant soll der Mensch durch Erziehung zu einem zukünftigen, besseren Zustand geführt werden. Der Erziehungsprozess vollzieht sich seiner Theorie zufolge in vier Stufen: 1.: Disziplinierung (die Triebe des Menschen sollen zunächst bezähmt werden), 2.: Kultivierung (Ausbildung von Fähigkeiten und Fertigkeiten), 3.: Zivilisierung (gesellschaftliche Manieren und Umgangsformen werden erlernt), und 4.: Moralisierung (das Kind lernt nach moralischen Prinzipien zu handeln). Das Ziel der Erziehung ist es, den Menschen mündig zu machen. Das heißt er soll eigene Entscheidungen treffen können, welche sich im Idealfall nach dem Leitsatz des „kategorischen Imperativs“ orientieren. Dieser lautet: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann.“ (Kant 1788/1983, S. 140).

Nach Kants Verständnis, ist jeder einzelne Mensch dazu imstande moralisch zu Handeln. Voraussetzung dafür ist es, sein eigenes Handeln auf die zugrundeliegenden Maxime auszurichten, welche ein friedliches Zusammenleben von allen Menschen ermöglichen. (ebd. S. 125ff)

Prägend für Kants Philosophie ist der Denkansatz „Sapere aude“ – Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Er unterstreicht das Erziehungsziel der Mündigkeit. Obwohl der Mensch diszipliniert und kultiviert werden soll, ist er stets dazu angehalten seinen eigenen Verstand einzusetzen und aus eignen Überzeugungen heraus richtig zu handeln. Die paradoxe Betrachtungsweise wird häufig von der Frage begleitet: „Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?“ (Kant 1804, zit. N. Baumgart 2001, S. 45). Mit dem Appell an die eigene Vernunft und die scheinbare Freiheit, ist eine Einschränkung der eigenen Bedürfnisse verbunden. Das Kind soll zum Gebrauch seiner eignen Freiheit geführt werden. Ohne Einschränkungen kann es jedoch keine Selbstbestimmung erreichen. Durch eine zielgerichtete, judiziöse Pädagogik mit Regeln zur Einschränkung der Freiheit, soll das Kind zum selbstständigen Gebrauch des eigenen Verstandes angehalten werden. Die Einschränkungen sind dabei jedoch stets auf die zukünftige Freiheit auszurichten.

2.2 Wilhelm von Humboldt

Humboldts Grundüberzeugungen orientieren sich ebenfalls an der Aufklärung. Anders als Kant, dessen Bildungsauffassung besonders von der Moralvorstellung geprägt ist, fokussiert sich Humboldt mehr auf die „Vervollkommnung“ der Individualität des Menschen (Kuhlmann 2013, S.47). Seiner Auffassung nach ist das oberste Ziel des Menschen „sowohl während der Zeit unseres Lebens, als auch noch über dasselbe hinaus, durch die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zurücklassen, einen so großen Inhalt, als möglich, zu verschaffen“ (Humboldt 1793/1964, S.6). Aus dieser Vorstellung heraus resultiert sein Bildungsbegriff. Humboldt versteht Bildung als inneren Prozess. Im Mittelpunkt steht dabei der individuelle Mensch. Der zentrale Gedanke des Bildungsprozesses ist die Verknüpfung des Ichs mit der Welt, welche sich im Geist des Kindes ausbildet. Bildung beinhaltet nach Humboldt lediglich die Erweiterung der eigenen Erkenntnis und Wirksamkeit. Bildung im beruflichen, ökonomischen oder politischen Kontext gehört nicht dazu und wird unter den Begriff der „Ausbildung“ gefasst. Bildung soll demnach zweckfrei und persönlichkeitserweiternd sein (vgl. Kuhlmann 2013, S.47). Das geistliche und sprachliche Vermögen des Menschen bildet dabei die Basis der Bildung. Sie ermöglicht es ihm, die Welt als Ganzes wahrzunehmen und sich selbst auszudrücken.

2.3 Hermann Nohl

Hermann Nohl beschäftigte sich primär mit den zwischenmenschlichen Beziehungen von Erziehendem und Zu-Erziehendem. Trotz des Eigenrechtes des Kindes, ist ein erzieherischer Umgang von unterschiedlichen Generationen notwendig um es zu seiner idealen Form zu führen. Den Fokus legt Nohl dabei nicht auf den pädagogischen Inhalt, wie man vielleicht annehmen würde, sondern viel mehr auf das zwischenmenschliche Verhältnis der Generationen zueinander (Nohl 1929, S. 112). In diesem Zusammenhang ist auch die Rede vom „pädagogischen Bezug“. Damit ist ein auf Liebe, Vertrauen und Achtung aufbauendes Verhältnis gemeint, welches Erzieher und Zögling verbindet (vgl. Nohl 1927, S. 153). Nach Nohl ist „die Grundlage der Erziehung also das leidenschaftliche Verhältnis eines reifen Menschen zu einem werdenden Menschen, und zwar um seiner selbst willen, dass er zu seinem Leben und seiner Form komme“ (Nohl 1933, S. 22). Die Aufgabe des Erziehers besteht darin, die individuellen Fähigkeiten eines Kindes und seine Persönlichkeit zu erkennen und dessen eigenes geistiges Leben hervorzubringen. Der Pädagoge soll dem Zögling zu seinem individuellen Ideal verhelfen und sein pädagogisches Handeln dabei stets auf das Kind ausrichten. Jede Pädagogik ist demnach Individualpädagogik (vgl. Nohl 1978, S. 167). Die Haltung des Pädagogen zu seinem Zögling soll wohlwollend und liebevoll sein, gleichzeitig jedoch auch autoritär und in einer eigentümlichen Art distanziert. Die innere Haltung des Zöglings hingegen ist hingebungsvoll und vertrauend auf den Gedanken ausgerichtet: „Wo ich vertraue, handle ich selbst besser, wo mir vertraut wird, fühle ich mich gebunden und bekomme Kräfte über mein Maß“ (ebd. S.170)

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Details

Seiten
9
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668810785
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v443077
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Humanwissenschaftliche Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
Film Pädagogik Analyse Football Blind Side Sandra Bullock

Autor

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