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Im Namen der Freundschaft! Die "amicitia" im römisch-aitolischen Bündnisvertrag von 212 v.Chr.

Hausarbeit 2018 21 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Forschungsstand

2. Ausgangslage und Ziele der Römer und Aitoler beim Vertragsabschluss um 212 v.Chr.

3. Vertragsaufbau und Stipulationen

4. Die Rechtsstellung der Verbündeten
4.1. Außenpolitische Verhältnisse Roms vor 212 V.Chr.
4.2. Römische Zusicherungen im Vergleich zu ihrer Umsetzung
4.3. Die amiciţia als diplomatische Strategie Schlussbetrachtung Quellenverzeichnis Literaturverzeichnis

Einleitung

״Streitigkeiten sollen sie unter sich nach Recht und Verfahren entscheiden, oder, wenn es beiden beliebt, durch Krieg.“1 Wie dieses Zitat bei Livrus bezeugt, ist selbst der Krieg bei den Römern, wo doch die Rechtsmentalität mit der Religiosität einhergeht, ein Rechtsverfahren. Es ist ein Charakteristikum der römischen res publica nicht nur militärisch, sondern auch durch eine gewisse Normativität in der Organisation internationaler Rechtsverhältnisse, die römische Hegemonie im antiken Mittelmeerraum zu manifestieren.2 Dazu gehört vor allem die strategische Bindung anderer Gemeinwesen durch Verträge. K.H. Ziegler, der in seiner Erörterung über die Entstehung des römischen Völkerrechts, die Römer als Rechtsvolk par excellence bezeichnet, nennt allein die Idee von einer Staatsgewalt, die Begrenzung der Herrschaftsgewalt, den zwischenstaatlichen Verkehr und die Anerkennung des Machtbereichs des anderen Gemeinwesens als Vorraussetzungen für eine funktionierende internationale Rechtsordnung, deren Charakter als frühes Völkerrecht kontrovers debattiert wurde.3 Um die Herausbildung eines bestimmten zwischenstaatlichen Rechtsverhältnisses im Ersten Makedonischen Krieg (215-205 V.Chr.) soll es im Folgenden gehen.

Roms erstes Ausgreifen in den griechischen Osten im Ersten Makedonischen Krieg war zunächst nicht für lange Zeit angelegt.4 Den kriegerischen Feldzügen ging eine lange Reihe diplomatischer Feldzüge voraus. Der erste Bündnisschluss mit einer hellenistischen Macht entstand allein aus der Zwangslage der Römer heraus, sich im Westen und im Osten gleichzeitig gegen die Invasoren Hannibal aus Karthago und Philipp V. von Makedonien behaupten zu müssen. Infolge kam es 212 V.Chr. zur Ausarbeitung des ersten Bündnisvertrages der Römer mit einer hellenistischen Mittelmacht, dem Aitolerbund. Dass Rom nicht als Hegemonialmacht operierte, die Bündnispartner also gleichrangig waren, hatte einen entscheidenden Einfluss auf den Charakter der vertraglichen Stipulationen.

Gegenstand dieser Arbeit soll der sogenannte Raubvertrag sein, den die Römer 212 V.Chr. mit den Aitolem beschlossen. Anhand seiner Rekonstruktion, der genauen Formulierung der Stipulationen, des Nachvollzugs ihrer anschließenden Umsetzung und der Erörterung der Ausgangslage sowie der politischen Ziele der Vertragspartner soll die Frage erörtert werden, welches Verhältnis zwischen Rom und dem Aitolerbund, durch den Vertrag definiert wird?5

Laut Livius wurde das Verhältnis durch die Römer als amiciţia - Freundschaft bezeichnet, was ebenso nach der außenpolitisch-diplomatischen Strategie fragt, mit der die Römer diesen Terminus beim Bündnisbeschluss einsetzten.6

1. Forschungsstand

Wie Ziegler in seinem Text über das römische Völkerrecht herausstellt, gestaltet sich die Aufstellung eines in sich geschlossenen Systems der römischen Staatsverträge als schwierig. Es könne nicht von einer Einteilung der Staatsverträge, sondem von verschiedenen völkerrechtlichen Zuständen im Verhältnis zwischen den Staaten gesprochen werden.7 Die amiciţia als formlos hergestelltes völkerrechtliches Freundschaftsverhältnis war nach Ziegler kein Staatsvertrag und bedeutete sich im Kriegsfälle an die Seite Roms zu stellen, ohne dass ein förmlicher Bundesvertrag geschlossen wurde.8 Ziegler knüpft mit seinem theoretischen Konzept hauptsächlich bei T. Mommsen, в. Paradisi, E. Täubler und A. Heuss an. Insbesondere auf Heuss wird in der neueren Forschungsdiskussion, etwa durch G. Klaffenbach und A. Zack, häufig Bezug genommen.9 Heuss sieht es als feststehend, dass das rechtliche Verhältnis zwischen Rom und dem Aitolerbund die amiciţia gewesen ist und, dass der Vertrag, der nie eine Hauptfünktion als Freundschaftsvertrag hatte, als Modus der Aktualisierung der Freundschaft und nicht ihrer Neubergründung fungiere.10

Die ausführlichste Aufarbeitung der römischen zwischenstaatlichen Verhältnisse im dritten und zweiten Jahrhundert V.Chr. ist durch w. Dahlheim gegeben. Er rekonstruiert aus den Überlieferungen des Aitolervertrags einen möglichen Vertragsaufbau und leitet daraus den ephemeren Charakter des Vertrags ab, der zum einmaligen politischen Zweck konzipiert worden sei.11 Was dieser umfangreichen Untersuchung ergänzend beigefügt werden kann, ist die kritische Betrachtung des Umgangs der Römer mit dem Temiinus amiciţia in ihren gesandtschaftlichen, diplomatischen und vertraglich-sprachlichen Handlungen.

2. Ausgangslage und Ziele der Römer und Aitoler beim Vertragsabschluss um 212 v.Chr.

Der Erste Makedonische Krieg fand in einer Phase tiefgreifender politischer Veränderungen im Mittelmeerraum statt. 264 V.Chr. war Rom so weit, dass es durch Kriege und taktisch kluge Vertragsabschlüsse und Verleihung von Bürgerrechten die unbestrittene Hegemonie auf italischem Boden innehatte.12 218 V.Chr. kam es zum Ausbruch des zweiten Krieges

zwischen Rom und Karthago. Hannibal überquerte die Alpen und überrumpelte die Römer mit einem Angriff auf italischem Boden. In der Schlacht von Cannae im August 216 V.Chr. erlitt die römische Streitmacht ihre schwerste Niederlage gegen den überragenden karthagischen Feldherm. 215 V. Chr. schickte der makedonische Herrscher Philipp V. aus dem Haus der Antigoniden nach längeren Verhandlungen eine Gesandtschaft unter Führung des Atheners Xenophanes nach Capua in Süditalien und schloss dort mit den Karthagern ein Bündnis.13

Zuvor war Rom militärisch im ersten Illyrischen Krieg an der östlichen Adriaküste gegen die Illyrier vorgegangen. Das Ziel war nicht, sich dauerhaft an der östlichen Adria festzusetzen, sondem den Handel römischer Kauffahrer vor der dort florierenden Piraterie zu schützen. Nach Roms Sieg im zweiten Illyrischen Krieg machte es Illyrien zum römischen Protektorat und erhielt damit die Hegemonie über einen Großteil der östlichen Adriaküste.14

Die Intervention in Illyrien sei der erste Schritt zur Erobemng des Ostens gewesen, schreibt Gerold Walser.15 Illyriens geografische Nähe zu Makedonien und zum ehrgeizigen Philipp V. war jedoch geiahrlich. Philipp hatte sich im Bundesgenossenkrieg (220-217 V.Chr.) behaupten können, hielt die Hegemonie über den Großteil Griechenlands und hatte sich die makedonische Expansion über die griechischen Grenzen hinaus zum Ziel gemacht. Roms jüngste Niederlage gegen Hannibal machte es verwundbar und Philipp hatte zu diesem Zeitpunkt die beste Möglichkeit die Römer aus Illyrien zu vertreiben und seine eigenen Machtansprüche zu verwirklichen. 213/12 V.Chr. eroberte er beinahe ganz Illyrien, darunter die Küstenstadt Lissos und erhielt damit einen in Richtung Italien strategisch günstigen Zugriff zur Adria.16 Dann hätte er mit Hannibal in Italien zusammenzutreffen können, um den

Bündnisvertrag von Capua zu verwirklichen. Rom war zu geschwächt, um gegen die Karthager aus dem Westen und Makedónén aus dem Osten Krieg zu führen. 215 v.Chr. kam es zum Ausbruch des Ersten Makedonischen Krieges, der bis 205 V.Chr. andauem sollte und für die Römer ein Nebenkriegsschauplatz während des Zweiten Punischen Krieges (218-201 V.Chr.) war.17 Es war weniger ein Krieg zwischen Makedónén und Römern, als mehr ein Krieg zwischen Makedónén und Griechen.

Um Philipps Invasion in Italien zu verhindern, ergriff Rom 212 V.Chr. die diplomatische Initiative: ״Etwa um diese Zeit traf M. Valerius Laevinius mit einem Geschwader von schnellen Kriegsschiffen zu einer Bundesversammlung der Aitoler ein [...]“18, berichtet Livrus. Laevinus war der römischer Proprätor in Illyrien, der mit wenig Erfolg versucht hatte, dort die Stellung zu halten. Er hatte das Treffen mit den Aito lern, Philipps alten Feinden aus dem Bundesgenossenkrieg, länger vorbereitet ״[...] denn vorher hatte er in geheimen Unterredungen die Einstellung ihrer führenden Männer erkunden lassen“19. Die Bundesversammlung der Aitoler war eigens für das Vorhaben einberufen worden, einen Bündnisvertrag zwischen Rom und dem Aitolerbund abzuschließen.20

Der Aitolerbund war, neben dem Achäischen Bund, ein Bund aus Städten, der sich in Griechenland seit dem 3. Jahrhundert gegenüber den Großpoleis Athen und Sparta profilieren konnte und immer mehr an lokaler Macht gewonnen hatte. Der Erfolg des Aitolerbundes lag in seiner Außenpolitik. Im Schatten der hellenistischen Großreiche war es ihm gelungen früh ein Netz zwischenstaatlicher Beziehungen aufzubauen. Staaten im näheren Umkreis wurden durch sympolitische Bindungen in den eigenen föderativ strukturierten Bund aufgenommen und weiter entfernte Staaten durch symmachiale oder isopolitische Bindungen integriert, darunter Mytilene am Mäander, Milet und Herakleia am Latmos.21 p. Funke stellt in dieser Hinsicht heraus, dass die Aitoler aktive Seepolitik durch eine hohe Präsenz auf Delos betrieben und durchaus Ambitionen hatten ihren Machtbereich über das griechische Festland hinaus auszudehnen.22 Ihre Dominanz der delphischen Amphiktionien ab 277 V.Chr., ihr Werben um die Anerkennung der delphischen Soterien und ihre Verleihung von Asylie- und Isopolitieverträgen offenbaren den Führungsanspruch in der aitolischen Außenpolitik. 220

V.Chr. erreichten sie den Höhepunkt ihrer Macht in Mittelgriechenland. Genau in dieser Zeit brach der Bundesgenossenkrieg (220-217 v.Chr.) los, in dem Philipp V. die hegemoniale Stellung Makedoniens in Griechenland ausbauen wollte und der Achäische Bund Peloponnes eroberte. Der Kampf gegen die Allianz der Aitoler mit Sparta und Ellis zerrüttete das Land durch Plünderungen und Piraterie. Er endete im Friedensschluss von Naupaktos mit der Anerkennung des Status quo.23 Im Ergebnis behielten die Makedónén und Achaier Peloponnes weitgehend unter Kontrolle und die Aitoler, die mit ihrer aggressiven Machtpolitik den Krieg provoziert hatten, verloren Randgebiete an die Makedónén.24

Nun ist die Ausgangslage vor dem Beschluss des Vertrages der Römer mit dem Aitolerbund soweit geklärt, als dass die Ziele und Hintergründe für eine Zustimmung zu einem Bündnis der jeweiligen Seite erschließbar werden.

Einen Grund für die Expansion der Aitoler im Allgemeinen sieht der Geschichtsschreiber Polybios im Wesen des Volks der Aitoler und ihrem wirtschaftlichen System. Die Aitoler seien seit langem mit dem Frieden unzufrieden gewesen, der sie auf den ausschließlichen Zugriff auf ihre eigenen Ressourcen beschränkte. Es sei ihre natürliche Begehrlichkeit auf Kosten ihrer Nachbarn zu leben, denn sie seien es gewohnt ein Leben der Gier und Aggression zu führen, wie Raubtiere ohne das Band der Freundschaft und jeden als Feind betrachtend.25 Auch wenn diese Aussage des Polybios’ mit seinen prorömischen Ansichten kritisch zu betrachten ist, so bezeugt sie dennoch die herkömmlichen Ambitionen eines jeden kriegführenden Gemeinwesens, die eigenen Bedürfnisse an Ressourcen durch Kriegsbeute zu decken.

Ein weiterer naheliegender Grund für das Interesse an dem Vertrag der Aitoler war die Rückgewinnung zunächst von den Gebieten, die sie an Philipp V. verloren hatten. Livius berichtet über die Bestinmiungen des Vertragsabschlusses, dass die Aitoler die Abtrennung der Akamanen von ihrem Bund beklagten, die Laevinus in das alte Rechts- und Abhängigkeitsverhältnis zurückführen wolle. Am meisten bewege die Aitoler die Hoffnung, Akamanien zu erhalten.26 Darüber hinaus drohte Philipps Expansion nach Illyrien die Machtverhältnisse in ganz Griechenland grundsätzlich zu verändern. Der Zusammenschluss mit starken Bündnispartnern war für die Aitoler eine Chance Philipps Machtexpansion aufzuhalten.

Für die Römer dagegen war das Bündnis überlebenswichtig, w. Dahlheim macht deutlich, dass das Zugeständnis der Römer den Aitolem zu Akamanien zu verhelfen, einzig und allein aus der politischen Not der Römer resultierte, die den Aitolem gegenüber zu diesem Zeitpunkt keine gleichwertigen Partner waren.27 Er weist auf die Zwangslage der Römer hin, so schnell wie möglich einen Bundesgenossen zu finden, um ein Eingreifen durch Philipp in Italien möglich zu machen. Alle Bestimmungen des Vertrages seien ganz auf den zu führenden Krieg mit Philipp ausgerichtet.28 Auch p. Klose hält fest, dass die ungewöhnlichen Konzessionen Roms an die Aitoler, überhaupt das erste Militärbündnis einer hellenistischen Macht mit Rom und dem einzigen förmlichen Staatsvertrag auf paritätischer Grundlage ausschließlich auf die tödliche Gefahr durch Hannibal im Osten und Philipp im Westen zurückgingen.29 Die Frage ist nun, welches Verhältnis aus diesen besonderen Bedingungen heraus zwischen Rom und dem Aitolerbund und auch seinen Verbündeten durch den Vertrag von 212 v.Chr. hergestellt wurde und welche Auswirkungen dieser Vertrag auf die gesamtpolitischen Verhältnisse in Italien und Griechenland hatte.

3. Vertragsaufbau und Stipulationen

Der genaue Aufbau des Aitolervertrags wird durch zwei wesentliche Schriftstücke nachvollziehbar. Das erste Fundstück ist das Fragment einer Stehle aus Kalkstein, das in Haghios Vasillos (Tyrrheion) in Akamanien, südlich der Akropolis gefunden wurde. Die Inschrift weist auf die Stipulationen über die Aufteilung der eroberten Gebiete von Römern und Aitolem hin.30 Es war Brauch staatliche Verträge als steinerne oder bronzene Inschriften an zentralen Plätzen zu veröffentlichen, nachdem sie durch einen legitimierten Repräsentanten beider Staaten durch einen Schwur förmlich abgeschlossen worden waren.31 Tatsächlich berichtet Livius von der schriftlichen Niederlegung des Vertrages, die erst zwei Jahre später von den Aitolem in Olympia, also nicht dem Fundort der Stehle, von den Römern auf dem Capitol ausgestellt worden waren, sodass geweihte Denkmäler als Zeugen dienten.32

Weitaus mehr Zeugnisse über die Bundesversammlung der Aitoler, den Vertragsbeschluss und die genauen Stipulationen und den Kriegseintritt der Aitoler sind durch Livius in seinem Werk Ab urbe condita im Buch 26 berichtet. Gerade die Vertragsbestimmungen sind in summarischer Weise überliefert, wie w. Dahlheim feststellt. Livius berichtet zuerst vom Eintreffen des Laevinus auf der Bundesversammlung der Aitoler, seiner Rede und dann von den Vertragsstipulationen. Er beginnt mit der Zusatzklausel über mögliche andere Bündnispartner, berichtet dann von den Kriegszielen und der Festlegung des Operationsgebiets, anschließend von den Bedingungen des Friedensschlusses mit Philipp, von der Aufzeichnung und Aufstellung des Vertrages an geweihten Denkmälern und zum Abschluss von der Durchführung der gemeinsamen Feldzüge gegen Philipp.33

Dahlheim macht den Versuch nach dem vorliegenden Quellenmaterial den formalen Vertragsaufbau neu zu rekonstruieren.34 Dabei wird deutlich, dass Livrus die Vertragsstipulationen in falscher Reihenfolge tradiert hat, die Dahlheim mithilfe der Inschrift neu geordnet hat. Dadurch ergibt sich eine ganz neue Perspektive auf die Menge der Gebiete, den Rom an den aitolischen Bundesgenossen abzutreten gedachte.35 Der rekonstruierte Vertrag beinhaltet eingangs eine Einleitungsformel, die zum selbstverständlichen Vertragsbrauch gehörte. Es folgt die Allianzbestimmung mit der Festsetzung des Kriegsziels und der römischen Errichtung zur Erreichung desselben.36 Livrus schriebt dazu: ״Krieg sollten die Aitoler sofort zu Lande gegen Philipp führen; die Römer sollten sie mit einer Flotte von mindestens 25 Quinqueremen unterstützen“37 und die Römer sollten sich bemühen, ״daß die Aitoler Akamanien erhielten.“38 Zu den Allianzbestimmungen gehörte auch die Abgrenzung des Kriegsbereiches von ״Aitolien ausgehend bis Korkyra“39 und die Festlegung der aitolischen Verpflichtungen, den Krieg gegen Philipp sofort zu führen40. Darauf folgte die Spezialbestimmung, in der festgelegt wurde, wie mit den einzelnen oder gemeinsam eroberten Gebieten zu verfahren sei, die durch die Inschrift überliefert ist.41 Städte und Stämme, die durch die Römer mit Gewalt erobert wurden, sollten mit Einverständnis des Volks den Aitolem gehören. Was außerhalb der Städte lag, sollte den Römern gehören. Städte, die gemeinsam erobert wurden, sollten mit Einverständnis des Volks den Aitolem gehören, was außerhalb der Stadt lag, sollte jedoch beiden gehören. Ging eine Stadt zu den Römern oder Aitolem über, sollten die Aitoler diese mit Einverständnis des Volkes in ihren Bund aufnehmen.42 Als Schlussbestimmung führt Dahlheim die Festlegung der Bedingungen auf, unter der allein beiden Vertragspartnern der Abschluss eines Sonderfriedens mit Philipp V.

[...]


1 Liv. XXXVIII 38, 17.

2 Vgl. Nörr, Dieter: Die Fides im römischen Völkerrecht. Heidelberg 1991, s. 28.

3 Vgl. Ziegler, Karl-Heinz: Das Völkerrecht der römischen Republik. Hamburg 1972, s. 76-78.

4 Vgl. ebdTs. 81f.

5 Zur Problematik, ob im römischen Verständnis von ״Innen‘■‘ und ״Außen“ gesprochen werden kann, siehe auch: Zack, Andreas: Forschungen über die rechtlichen Grundlagen der römischen Außenbeziehungen während der Republik bis zum Beginn des Prinzipats. III. Teil: Der personenrechtliche Status der amici, socii, amici et socii und die formula amic опт und die fohnula soconm. In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaftl6 (2013), s. 67.

6 Amiciţia im Vertrag bei Liv. XXVI 24, 4 и. 8.

7 Vgl. Ziegler 1972, S. 85.

8 Vgl. ebdŢ S. 88.

9 Siehe auch: Klaffenbach, Günther: Der römisch-aitolische Bündnisvertrag vom Jahre 212 V.Chr. Berlin 1954. Und: Zack, Andreas: Studien zum römischen Völkerrecht. Kriegserklärung, Kriegsbeschluss, Beeidung und Ratifikation zwischenstaatlicher Verträge, internationale Freundschaft während der römischen Republik bis zum Beginn des Prinzipats. Göttingen 2001, s. 167-179.

10 Vgl. Heuss, Alfred: Amiciţia. Untersuchungen zu den rechtlichen Grundlagen der römischen Außenpolitik. Leipzig 1933, s. 37-4411. s. 57.

11 Vgl. Dahlheim, Werner: Struktur und Entwicklung des römischen Völkerrechts im dritten und zweiten Jahrhundert V.Chr. München 1968, s. 136-145 u. 181-206.

12 Vgl. Schneider, Helmut: Rom von den Anfängen bis zum Ende der Republik. (6. Jh.-30 V.Chr.). In: Geschichte der Antike. Herausgegeben von Hans-Joachim Gehrke. 3. erweiterte Auflage. Stuttgart/ Weimar 2010, s. 282-84.

13 Vgl. Polyb. VII 9. Kommentar bei: Schmitt, Hatto H.: Die Staatsverträge des Altertums. Bd. 3: Die Verträge der griechisch-römischen Welt von 338 bis 200 V.Chr. München 1969, s. 248.

14 ״Vgl. Polyb. II 2-9,12 u. III 16,18-19.

15 Vgl. Walser, Gerold: Die Ursachen des ersten römisch-illyrischen Krieges. In: Historia. Zeitschrift für Alte Geschichte 2 (1954), s. 308

16 Vgl. Polyb. VIII 13-14.

17 Vgl. Schneider 2010, s. 284.

18 Liv. XXVI 24, 1.

19 Liv. XXVI 24, 1-3. Kommentar hei: Schmitt 1969, s. 262.

20 ״־Vgl. Liv. XXV 23, 9.

21 Vgl. Funke, Peter: Die Aitoler in der Ägäis. Untersuchungen zur sogenannten Seepolitik der Aitoler im 3. Jh. V. Chr. In: Vom Euphrat bis zum Bosporus. Kleinasien in der Antike. Festschrift für E. Sclrwertheim zum 65. Geburtstag. Herausgegeben von E. Winter, Bonn 2008, s. 253 u. 264. Siehe im Vergleich auch die Isopolitiedekrete von Keos für den Aitolerbund und der Aitolische Asyliebschluss für Keos (223/2 V.Chr.); Vertragsfragmente u. Kommentar bei: Schmitt 1969, s. 217 u. Expansion der Aitoler in der Ägäis s. 220.

22 Vgl. Funke 2008, s. 254 u. 262.

23 Vgl. Klose, Peter: Die völkerrechtliche Ordnung der hellenistischen Staatenwelt in der Zeit von 280-168 V. Chr.. Ein Beitrag zur Geschichte des Völkerrechts. München 1972, s. 97.

24 Vgl. ebd, s. 96/7. Zu den Berichten über den Bundesgenossenkrieg siehe auch: Polyb. IV 62-67, 1-5, V 2-17.

25 Polyb. IV 3, 1-4.

26 Vgl. Liv. XXVI 24, 6-7. Zur Erörterung über Jahr des Vertrags und Akamanien als Operationsgebiet siehe: Dany, Oliver: Akamanien im Hellenismus. Geschichte und Völkerrecht Nordwestgriechenlands. München 1999, s. 153-167.

27 Vgl. Dahlheim 1968, s. 187f.

28 Vgl. ebd, s. 206.

29 Vgl. Klose 1972, s. 97.

30 ״Vgl. Schmitt 1969, s. 258.

31 Vgl. Kehne 2007, s. 228. Zur Bedeutung der Religiosität beim Vertragsabschluss siehe auch: Nörr 1991, s. 23-28.

32 Vgl. Liv. XXVI 24, 14.

33 Vgl. Liv. XXVI 24, 1-16.

34 Vgl. w. Dahlheim 1968, s. 182-186.

35 Vgl. ebd, s. 187.

36 Vgl. ebd, s. 183.

37 Liv. XXVI 24, 10.

38 Liv. XXVI 24, И.

39 Ebd.

40 Vgl. Liv. XXVI 24,10.

41 Vgl. Dahlheim 1968, s. 183.

42 IG IX l2 2, 241, Z. 4-21.

Details

Seiten
21
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668825888
ISBN (Buch)
9783668825895
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v443092
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
Schlagworte
namen freundschaft bündnisvertrag

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Titel: Im Namen der Freundschaft! Die "amicitia" im römisch-aitolischen Bündnisvertrag von 212 v.Chr.