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Die Psychologie. Grundkonzepte und Anwendungen

Hausarbeit 2018 15 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Psychologie als Wissenschaft
1.1 Vorerfahrungen mit der Psychologie
1.2 Mein Menschenbild
1.3 Rat an einen Freund

2 Menschliche Wahrnehmung
2.1 Erklärungsversuche für Urteilsfehler bei der Personenwahrnehmung
2.2 Selektion als Merkmal der menschlichen Wahrnehmung

3 Entwicklung
3.1 Eine Annäherung an meine Identität
3.2 Beurteilung des Entwicklungsstandes meiner Kommilitonin Amanda

4 Differentielle Psychologie
4.1 Aussagekraft von Intelligenztests
4.2 Was mir wichtig ist bei der Beurteilung der Intelligenz einer Person

5 Sozialpsychologie
5.1 Reduktion der kognitiven Dissonanz
5.2 Unterschiede zwischen Stereotyp, Vorurteil und Diskriminierung
5.3 Gruppenarten und ihre charakteristischen Merkmale
5.4 „Schwachstellen“ einer neu gebildeten Gruppe

6 Anmerkungen zum Kursmaterial

7 Literaturverzeichnis

1 Psychologie als Wissenschaft

1.1 Vorerfahrungen mit der Psychologie

Mit Fragestellungen, Gegenständen und Zielen der Psychologie habe ich mich in meiner Funktion als Beratungslehrer an zwei berufsbildenden Schulen in Baden-Württemberg beschäftigt. Mein Aufgabenbereich erstreckte sich von der Beratung zur Schullaufbahn über Hilfestellungen bei Schulproblemen und Lernschwierigkeiten (Prüfungsangst, Motivations-probleme, Leistungsschwächen) bis hin zur Unterstützung in Krisen- und Konfliktsituationen (Lüske 2017, S 1).

Schwerpunkte der 18-monatigen Ausbildung zum Beratungslehrer waren diagnostisches Grundlagen- und Methodenwissen, Gesprächsführung und Methoden, um Interventionen zu unterstützen.

Seit September 2017 bin ich beurlaubt und studiere Politikwissenschaften und Soziologie in Würzburg. Das Studium möchte ich auch dazu nutzen, um mich mit psychologischen Themen umfassender zu beschäftigen als dies in der Beratungslehrerausbildung geschah, denn die war doch sehr „kompakt“ und ausschließlich auf den schulischen Bereich ausgerichtet. Ich habe den Wunsch, meine basalen Kenntnisse und Fähigkeiten durch die Teilnahme an diesem Psychologie-Kurs zu erweitern und breiter aufzustellen, denn die Inhalte des Kurses bieten ein umfangreiches Spektrum psychologischer Fragestellungen an.

1.2 Mein Menschenbild

Nach persönlicher Auswertung der drei Trainingsaufgaben 1.2 komme ich zu dem Ergebnis, dass bei mir keine „Brille“ wirklich dominant ist. Aufgrund meiner Erfahrungen aus schulischen Beratungsgesprächen glaube ich allerdings, dass mich ein humanistisches Menschenbild im Sinne von Carl Rogers leitet, der die natürliche Tendenz des Individuums zur geistigen Weiterentwicklung betont, „ein Vorgang, der durch die positive Wertschätzung von Menschen in der Umgebung noch verstärkt wird“ (Gerrig et al. 2016, S. 14).

In seiner holistischen Herangehensweise hebt Rogers hervor, dass das Wissen über das Verhalten eines Menschen vor dem Hintergrund sozialer und kultureller Faktoren berücksichtigt werden muss, ein Ansatz, den ich auch favorisiere und der in der kultur-vergleichenden Psychologie besondere Berücksichtigung findet (Gerrig et al. 2016, S. 16 f.).

1.3 Rat an einen Freund

Mich irritiert die Annahme, dass sich ein Freund bei mir „beschwert“, er habe Probleme mit der Prüfungsvorbereitung; soll ich davon ausgehen, dass ich die Vorbereitung für ihn entworfen habe und er jetzt Probleme mit meinem Entwurf hat? Oder ist „beschweren“ hier gemeint als Synonym für das wertfreie Wort „mitteilen“?

Meinen Freund Ferdinand würde ich fragen, ob er Interesse an den unterschiedlichen Menschenbildern habe, die Psychologinnen und Psychologen zugrunde legen, wenn sie Verhalten, Erleben und Bewusstsein beschreiben, erklären, vorhersagen und verändern wollen. In Bezug auf seine Probleme mit der Prüfungsvorbereitung würde ich ihm sagen, dass ich gerade fünf Perspektiven kennengelernt hätte, die auf unterschiedlichen Annahmen beruhen und die zu unterschiedlichen Arten der Antwortsuche auf Fragen zu seinem Verhalten bzw. Erleben führen.

Die Psychologie mit einer tiefenpsychologischen Perspektive untersucht Triebe und Konflikte; das Verhalten als sichtbarer Ausdruck unbewusster Motive wird vorrangig erforscht. Ferdinands Problem könnte als Reaktion auf Frustrationen untersucht werden, die er bereits als Kind bzw. Jugendlicher mit unzureichenden Prüfungsvorbereitungen erlebt hat und die jetzt wieder zu Tage treten.

Ein verhaltenswissenschaftlich (behavioristisch) orientierter Psychologe stellt nicht die Frage nach unbewussten Konflikten oder nach Erlebnissen in der Kindheit. Statt Vermutungen zählt nur die objektive Messung der Variablen, die ein bestimmtes Verhalten auslösen. Bei Ferdinand würde sich der Psychologe zunächst nur auf die Verhaltensbeobachtung beschränken; diese erlauben es ihm, therapeutisch einzugreifen, z.B. durch das Einüben neuer Lerntechniken und -strategien.

Meinem Freund Ferdinand würde ich empfehlen, die psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerks aufzusuchen. Die Psychologin / der Psychologe dort arbeitet eventuell auf der Basis eines humanistischen Menschenbildes, d.h. sie /er sieht Menschen als aktive Wesen, die von Natur aus fähig sind, ihren eigenen Weg zu wählen. In einem klientenzentrierten Gespräch sucht die Therapeutin / der Therapeut zusammen mit dem Hilfesuchenden nach Lösungsmöglichkeiten ausgehend von der Frage, wie Ferdinand in der Vergangenheit Prüfungsvorbereitungen gestaltet hat.

2 Menschliche Wahrnehmung

2.1 Erklärungsversuche für Urteilsfehler bei der Personenwahrnehmung

Die Wahrnehmung von Personen umfasst Prozesse, die zur Bildung von Einstellungen, Meinungen und Bewertungen anderer Personen führen. Auf Grund wahrgenommener oder oft nur angenommener Äußerungen und Handlungen von Menschen gelangt man zu Meinungen über seine Absichten, Einstellungen, Eigenschaften und seine momentane Stimmung. Menschen beobachten und beurteilen deren Eigenarten, bemühen sich deren Absichten zu entdecken und entwickeln Annahmen über ihr potentielles Verhalten. Manchmal werden die Erwartungen bestätigt, manchmal werden sie auch nicht bestätigt, sodass man nach Gründen dafür sucht, die Sichtweisen verändert oder auch verunsichert ist. Das eigene Verhalten ist meist eine Folge dieser Einschätzung der anderen Person (implizite Beurteilung) (Stangl 2018, S. 1).

Es ist offensichtlich, dass die Objektivität bei der Wahrnehmung und der damit verbundenen Beurteilung von Personen in den Hintergrund rückt; zwei unterschiedliche Personen können eine völlig unterschiedliche Meinung über eine dritte Person haben. Bei der inneren Verarbeitung der äußeren Reize entsteht eine subjektive Wirklichkeit, die nicht vernachlässigt werden darf.

Typische Wahrnehmungsfehler in diesem Zusammenhang sind Verteilungsfehler, die dann entstehen, wenn die Häufigkeitsverteilung von Beurteilungsdaten systematisch von der theoretisch zu erwartenden Verteilung abweicht, z.B. Milde- und Strengefehler, die Zentraltendenz und die Schwarz-Weiß-Malerei.

Beispielhaft sei hier der Mildefehler erwähnt, für den es verschiedene Erklärungen gibt:

- Der Beurteiler ist mit dem Beurteilten persönlich verbunden.
- Der Beurteiler scheut die Konfrontation mit dem Beurteilten.
- Der Beurteiler möchte durch Anerkennung positiv motivieren.

In meiner Tätigkeit als Lehrer war ich auch mit dem Referenzproblem konfrontiert: In überdurchschnittlichen Klassen ist mir manchmal der Fehler unterlaufen, dass ich dort höhere Anforderungen gestellt habe, wodurch Lernende einer solchen Klasse für dieselbe Leistung schlechter benotet wurden als die einer Klasse, die als schwächer eingestuft wurde.

Ein Korrelationsfehler, der im schulischen Umfeld häufig auftritt, ist der Halo- oder Hof-Effekt. Dieser Effekt beschreibt die Tendenz von Beurteilern, Menschen mit einer offenkundig positiven Eigenschaft auch in anderer Hinsicht positiv zu beurteilen, ohne dass es dafür eine Grundlage gibt (Überstrahlungseffekt). Am deutlichsten konnte dieser Effekt beim Aussehen nachgewiesen werden: Attraktiven Menschen schreibt man tendenziell vergleichsweise hohe Intelligenz zu (Mietzel 2017, S. 585).

Abschließend sei hier noch der Konformitätseffekt erwähnt, der die Tendenz von Menschen beschreibt, das Verhalten und die Meinungen anderer Gruppenmitglieder zu übernehmen. Ich erinnere mich an Notenkonferenzen, in denen über die Kopfnoten „in einhelliger Meinung“ abgestimmt wurde. In Anlehnung an Asch benennt Gerrig als Grund für dieses Verhalten einen Prozess des Normeneinflusses - „das Bedürfnis, von anderen gemocht, akzeptiert und geschätzt zu werden“ (Gerrig et al. 2016, S. 655).

2.2 Selektion als Merkmal der menschlichen Wahrnehmung

Im vorherigen Kapitel wurde auf die Subjektivität als ein wichtiges Merkmal im Wahrnehmungsprozess hingewiesen. Daneben spielt auch die Selektion eine wichtige Rolle bei der Informationsverarbeitung. Bei der selektiven Wahrnehmung werden nur bestimmte Aspekte der Umwelt aufgenommen und andere ausgeblendet. Dies ist erforderlich, um die Fülle an Informationen überhaupt bewältigen zu können.

Schon bei der Aufnahme von Reizen in den Rezeptoren geht viel Information verloren, z.B. dadurch, dass die Rezeptoren nur innerhalb eines begrenzten Bereichs sensibel sind.

In der Wissenschaft der Psychologie versuchen zwei Modelle zu erklären, wann und wo die Auswahl im Wahrnehmungsprozess stattfindet. Nach dem Modell von Broadbent geschieht die Filterung vor der zentralen Informationsverarbeitung, Deutsch und Deutsch hingegen gehen in ihrem Modell davon aus, dass die Auswahl erst während der Verarbeitung abläuft.

Strittig bleibt allerdings, welches Modell eher zutrifft.

Mit dem „The Monkey Business Illusion-Experiment“ von Christopher Chabris und Daniel Simons möchte ich auf das Phänomen der selektiven Aufmerksamkeit in meinem Lehreralltag eingehen: Den Gorilla nicht zu bemerken, ist eine natürliche Fähigkeit und es ist sehr wichtig für uns, unsere Aufmerksamkeit fokussieren zu können. Wir müssen in der Lage sein, Ablenkungen zu filtern, sie dürfen uns nicht bei wichtigen Aufgaben stören.

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf einen Aspekt der Welt lenken, haben wir für die anderen Dinge nur noch eine begrenzte Aufnahmefähigkeit. Wir nehmen nur die Dinge wahr, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten. Das Problem ist, dass wir gelegentlich Dinge herausfiltern, die wir besser bemerken sollten.

Das ist der Punkt, der für mich als Lehrer überaus aufschlussreich ist. Besonders Kinder (in eingeschränkterem Maße auch Jugendliche und Erwachsene) filtern Ereignisse weg, von denen ich erwarte, dass sie bemerkt werden sollten. Ein Beispiel:

Wenn sich zwei Schüler während des Unterrichts flüsternd über ein neues Computerspiel unterhalten, dann ist das für sie natürlich wesentlich wichtiger als mein gleichzeitig stattfindender Lehrervortrag. Wenn ich nun die Jungs um Ruhe bitte und diese absolut nicht reagieren, sondern weiterflüstern, dann könnte das als Akt der Provokation aufgefasst werden ("Sie ignorieren mich."). Dabei tun die beiden Schüler nur, was für sie in diesem Augenblick sinnvoll ist: Sie konzentrieren sich auf das wirklich Wichtige und blenden die Umwelt aus. Möglicherweise wiederhole ich die Ermahnung ein zweites Mal etwas lauter und werde wieder ignoriert, was zu einem heftigen Protest mit einer Sanktionierung führen kann.

Natürlich haben Gespräche über Computerspiele nichts im Unterricht zu suchen. Überaus wichtig ist aber die Erkenntnis, dass die beiden Schwätzer weder meine Autorität willentlich untergraben noch mich provoziert haben, sondern lediglich eine natürliche und sinnvolle menschliche Verhaltensweise an den Tag gelegt haben. Meine Ermahnung war sozusagen der Gorilla, während die Schüler/innen die Pässe mit dem Basketball gespielt haben. Kein Wunder, dass die Ermahnung trotz ihrer Eindringlichkeit nicht wahrgenommen wurde.

3 Entwicklung

3.1 Eine Annäherung an meine Identität

Erik H. Erikson stellte ins Zentrum seiner Forschung das Ziel, die Entwicklung der Identität des Individuums zu verstehen und verständlich zu machen. Er entwarf ein 8-Phasen-Modell, das die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit als einen Prozess darstellt, der das ganze Leben andauert und in einen vielschichtigen sozialen Kontext eingebunden ist. Zur Frage der Definition von Identität schrieb er: „Ich habe mir diese Frage mehr als einmal gestellt, während ich das wieder las, was ich über die Identität geschrieben habe und ich beeile mich zu erklären, dass ich in diesem Buch keine eindeutige Erklärung dafür geben werde. Je mehr man über diesen Gegenstand schreibt, desto mehr wird das Wort zu einem Ausdruck für etwas, das ebenso unergründlich wie allgemeingegenwärtig ist. Man kann ihn nur untersuchen, indem man eine Unentbehrlichkeit in verschiedenen Zusammenhängen feststellt“ (Erikson 2003, S. 7).

Eine Begriffsbestimmung könnte lauten: Identität bedeutet, dass man weiß, wer man ist und wie man in die Gesellschaft passt. Die Identität definiert eine Person als einmalig und unverwechselbar, dies geschieht sowohl durch das soziale Umfeld als auch durch die Person selbst.

Als Soziologie-Student habe ich auch Arbeiten von Goffman zur Identität gelesen; er hat mit seinen Werken ganz entscheidend zur „Alltagswende“ in der Soziologie und den angrenzenden Wissenschaften beigetragen. Auch für Goffman umfasst die Identität mehrere Aspekte: die persönliche (Selbstkonzept) und soziale Identität, die erwartete und tatsächliche Identität (Goffman 2002, S. 72 ff.).

Gerrig definiert das Selbstkonzept als das mentale Modell einer Person über ihre Fähigkeiten und Eigenschaften. Elemente seines Konzepts sind u. a.:

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668810723
ISBN (Buch)
9783668810730
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v443777
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Lern-Innovation
Note
1,0
Schlagworte
Psychologie Grundkonzept Anwendung Entwicklung der Psychologie Menschliche Wahrnehmung Kognition Emotion Entwicklungspsychologie Differentielle Psychologie Sozialpsychologie

Autor

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Titel: Die Psychologie. Grundkonzepte und Anwendungen