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Umgang mit sexueller Vielfalt in den Kindermedien

Essay 2018 9 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Umgang mit sexueller Vielfalt in den Kindermedien - sollte der nächste Disney-Film von einem homosexuellen Paar handeln?

Obwohl die gleichgeschlechtliche Ehe nicht nur in Deutschland, sondern in vielen weiteren europäischen Ländern und den meisten Staaten der USA bereits legalisiert wurde, und die gesellschaftliche Akzeptanz von vielfältiger sexueller Orientierung zunimmt[1], wird Homosexualität in einigen Lebensbereichen unserer Gesellschaft dennoch weitestgehend ausgeblendet. Insbesondere Medien für Kinder machen einen großen Bogen um das Thema "Gleichgeschlechtliche Liebe und Partnerschaft" und präsentieren die Ehe zwischen Mann und Frau als normatives Beziehungsmodell - homosexuelle Prinzessinnen oder schwule Prinzen haben in Disney-Filmen keinen Platz.

Die Welt des Kinderfernsehens wird also noch immer stark von Heterosexualität und traditionellen Rollenbildern dominiert. Kindern und Jugendlichen wird damit vermittelt, dass Beziehungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern "unnormal" und kein fester Bestandteil unserer Gesellschaft sind. Dagegen besteht in Deutschland gleichzeitig der Wunsch nach mehrToleranz und Akzeptanz von sexueller Vielfalt und die große Mehrheit der Bevölkerung nimmt wahr, dass Homo- und Bisexuelle noch immer Diskriminierung und Benachteiligung im Alltag erleben müssen.[2]

Der bestehende Gegensatz zwischen Tabuisierung und dem Streben nach Gleichstellung wirft die Frage auf, ob es nicht auch für die Medienwelt der Kinder an der Zeit wäre, sich dem Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe zu öffnen und einen Beitrag zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Homosexualität zu leisten. Sollte beispielsweise die Walt Disney Company ein homosexuelles Paar ins Zentrum ihres nächsten Filmes stellen? Oder sollten Kinderbuchautoren und -autorinnen künftig noch häufiger von zwei Mamas oder zwei Papas schreiben und damit die Regenbogenfamilie als normale Familienkonstellation präsentieren?[3]

Dass diese Fragen nicht leicht zu beantworten sind und sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung treffen, zeigen die Diskussionen um den Disney-Animationsfilm "Finding Dory" oder um den schwulen Nebencharakter "LeFou" in der Neuverfilmung von "Beauty and the Beast":

Der Trailer zu "Finding Dory" enthält eine kurze Szene, in der zwei Frauen mit einem Kinderwagen in einem Zoo zu sehen sind. Kurz nach dem Erscheinen dieser Vorschau wurden Gerüchte laut, die den kurzen Ausschnitt als Darstellung einer gleichgeschlechtlichen Beziehung und damit als ein Bekenntnis von Disney gegen die Ausblendung von Homosexualität deuteten.[4] Neben einigen negativen Reaktionen, die darin eine "Sexualisierung von Kinderfilmen" sahen, und Kritikern, die befürchteten, der Film könne eine "falsche Botschaft" vermitteln, gab es dennoch sehr viele Befürworter. Ähnliche Wünsche nach einer Gleichstellung von homo- und heterosexuellen Beziehungen zeigten sich in der Debatte um den Disney-Film "Frozen", für dessen Fortsetzung man unter dem Hashtag #GiveElsaAGirlfriend eine weibliche Partnerin für die Hauptfigur "Elsa" forderte.[5]

Insgesamt negativer fielen die Reaktionen zum Einsatz eines schwulen Charakters in der Neuverfilmung von "Beauty and the Beast" aus: Christliche Kinobetreiber aus Alabama verweigerten eine Ausstrahlung des Filmes mit der Begründung "Wenn ich einen Film nicht mit Gott oder Jesus an meiner Seite sehen kann, gibt es keinen Grund, dass wir ihn zeigen"[6], ein russischer Abgeordneter forderte wegen "Schwulen-Propaganda" ein generelles Verbot und der US-amerikanische Missionar Franklin Graham warnte davor, Kinder mit homosexuellen Inhalten zu überfordern.[7]

Einigkeit über einen richtigen Umgang mit sexueller Vielfalt in den für Kinder zugänglichen Medien herrscht offensichtlich noch lange nicht. Wir leben allerdings in einer stark mediengeprägten Gesellschaft, in der Fernsehen, Internet und Zeitungen nicht nur einen wesentlichen Einfluss auf unsere Kultur haben, sondern auch wichtige politische Funktionen übernehmen und durch Information, Kritik und Diskussion an der Meinungsbildung des Einzelnen beteiligt sind. Daher erscheint es mir umso wichtiger, sich begreiflich zu machen, welche Chancen eine Auseinandersetzung mit Homosexualität im Kindesalter bieten kann und welche Gefahren oder negativen Folgen sich daraus entwickeln können.

Dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften noch immer nicht mit heterosexuellen Beziehungen gleichgestellt werden, zeigt bereits der Wirbel um die mögliche Darstellung eines lesbischen Paares im bereits angesprochenen Disney-Film "Finding Dory". Viele Schwule und Lesben erfahren heutzutage durchaus noch Diskriminierung und teilweise sogar gewaltsame Belästigungen im Alltag.[8] Vor allem homosexuelle Jugendliche leiden sehr unter dieser Situation, sie fühlen sich unverstanden, abgelehnt und gemobbt. Nicht verwunderlich ist daher, dass die Suizidrate dieser Gruppe deutlich höher ist als die der heterosexuellen Vergleichsgruppe.[9]

Um diese Situation zu verbessern, muss sich unsere Gesellschaft gegenüber unterschiedlicher Lebensweisen definitiv öffnen und es muss ein respektvolles Miteinander gestärkt werden. Der erste Ansatz kann hierbei natürlich in der Erziehung von Kindern, und damit von der zukünftigen Gesellschaft, liegen. Toleranz, Akzeptanz von Andersartigkeit und Empathie müssten daher als grundlegende Werte von klein auf vermittelt werden.

Dass das Fernsehen und Bücher als Chance genutzt werden können, bereits im Kindesalter über Homosexualität aufzuklären und es als normale sexuelle Orientierung zu präsentieren, lässt sich aus den vielfältigen Studien ableiten, die belegen, dass der Medienkonsum von Kindern einen wesentlichen Einfluss auf ihre spätere Entwicklung, ihre Einstellungen und ihr Verhalten hat.[10] Filme und Bücher präsentieren über ihre Inhalte Beispiele von Lebensentwürfen, sie schaffen mit ihren Figuren und Charakteren mögliche Vorbilder und vermitteln darüber Normen und Werte, an denen sich Heranwachsende orientieren. Der Informations- und Aufklärungscharakter von Medien kann also dazu genutzt werden, die klassischen Geschlechterrollen aufzubrechen und die verschiedenen Facetten sexueller Orientierung als gleichwertige Lebensformen nebeneinander zu stellen. Wie die aktuelle Kinder-Medien-Studie 2017 zeigt, eignen sich das Fernsehen, sowie Bücher und Zeitschriften hierfür in der Tat, da sie noch immer zu den beliebtesten und von Kindern am häufigsten genutzten Medien gehören. So werden sie beispielsweise von mehr als der Hälfte aller Vier­bis Dreizehnjährigen mehrmals pro Woche konsumiert.[11]

Im Kindergarten- und Grundschulalter sind Kinder noch sehr wissbegierig und von Neugierde erfüllt. Sie sind meist noch aufgeschlossener und weniger von Vorurteilen belastet als Kinder und Jugendliche höherer Altersstufen, die Begriffe wie "Schwuchtel" und "Homo" oftmals schon als Schimpfwörter benutzen, obwohl sie sich noch nie ernsthaft mit deren Bedeutung auseinandergesetzt haben. Stereotype Vorstellungen von Homosexuellen, wie das der "männerfeindlichen Lesbe" und des "übersensiblen Schwulen" existieren in den Köpfen von Kleinkindern noch nicht, sie formen sich erst mit zunehmendem Alter. Die Thematisierung von gleichgeschlechtlicher Liebe in Filmen und Büchern für Heranwachsende könnte diesem Phänomen entgegenwirken und Vorurteile gegenüber Homosexuellen abbauen, die unbestreitbar zu einem großen Teil aus mangelnder Aufklärung und einer Tabuisierung resultieren.

Genauso wie die Präsentation von heterosexuellen Beziehungen in den Kindermedien keinerlei Demonstration von sexuellen Intimitäten einschließt, ist unter der Darstellung von "gleichgeschlechtlicher Liebe" selbstverständlich keine Aufklärung über Sexualpraktiken zwischen homosexuellen Partnern zu verstehen. Es würde nicht darum gehen, ein für ihr Alter unangemessenes Interesse an Sexualität bei Kindern zu wecken oder sie zu bestimmten Handlungen zu ermutigen. Heranwachsende sollten lediglich so früh wie möglich lernen, dass neben der klassischen "Mutter-Vater-Kind-Familie" auch weitere Familien- und Beziehungsmodelle existieren, die gleichermaßen "normal" und Teil unserer Gesellschaft sind. Toleranz, Gleichberechtigung für alle und die Akzeptanz des "Anders-Seins" sind Werte, die Kindern auf diese Weise vermittelt werden können, um ein friedliches Miteinander zu schaffen und die freie Persönlichkeitsentfaltung des Einzelnen zu sichern.

Die in der Einleitung gestellte Frage, ob Disney einen Film produzieren sollte, in dessen Zentrum ein homosexuelles Paar steht, erscheint mir auch deshalb berechtigt, weil das Medienunternehmen bereits andere Minderheiten inhaltlich aufgegriffen und sich mit dem Thema der Darstellung von Geschlechterrollen auseinandergesetzt zu haben scheint: Die klassischen Rollen der wunderschönen Prinzessinnen, die sich in den mutigen Prinzen verlieben, wurden in den Filmen der letzten Jahre von Willensstärken und unabhängigen, weiblichen Figuren abgelöst. Ihr Lebensziel besteht nicht länger im Finden eines geeigneten Ehemanns, sondern viel mehr in der Verwirklichung ihrer Selbst.[12] Darüber hinaus widmet sich der Konzern auch der Darstellung von ethnischen Minderheiten, wenn er beispielsweise in den Filmen "Küss den Frosch", "Aladdin" und "Pocahontas" Prinzessinnen unterschiedlicher Herkunft einsetzt. Warum dürfen sich Homosexuelle also in den meisten Filmen, und insbesondere in denen für Kinder, noch immer nicht repräsentiert fühlen?

Ein häufig genanntes Argument gegen eine Darstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe in Kinderfilmen und -büchern ist die Befürchtung, Verwirrung und Irritation in den Köpfen der Kleinen auszulösen. Vor allem Eltern sehen in der Thematisierung von Homosexualität die Gefahr der sogenannten "Frühsexualisierung": Heranwachsende könnten mit sexuellen

Inhalten überfordert werden, die In Ihrem Alter weder eine relevante Rolle für Ihr Leben spielen, noch einen positiven Einfluss auf Ihre Entwicklung hätten. Da sie feste und verlässliche Strukturen zur Orientierung benötigen, könnten Kinder und Jugendliche durch die präsentierte Offenheit gegenüber unterschiedlicher Lebensstile verunsichert und damit In Ihrer Individuellen Identitätsentwicklung geschwächt werden. Konkret würde das beispielsweise bedeuten, dass Mädchen beginnen würden, sich zu fragen, ob es normal sei, mit der besten Freundin "Händchen zu halten" oder ob das positive Gefühl bei dieser Berührung bereits ein Indiz für homosexuelle Neigungen darstellen könne. Gerade Kinder und Jugendliche mit einem Bezug zu Religion würden stark unter der möglichen Desorientierung leiden und möglicherweise Ihren Glauben mitsamt seiner vorgesehenen Lebensentwürfe In Frage stellen. Darüber hinaus könnte eine Beschäftigung mit der Homosexualität als eine zur Heterosexualität gleichgestellten Orientierung auf Ablehnung Innerhalb der religiösen Familie stoßen, die nach traditionellen Werten und der Vorstellung lebt, Gott habe die Ehe zwischen Mann und Frau als einzige Lebensform vorgesehen.

In der Auseinandersetzung mit gleichgeschlechtlicher Liebe In jungen Jahren sehen Kritiker außerdem die Gefahr, Kinder und Jugendliche könnten zur Homosexualität "verführt" werden. Eine Intensive Beschäftigung mit der Thematik oder der Umgang mit Schwulen und Lesben könnte die Heranwachsenden derart In Ihrer sexuellen Identität Irritieren, dass sie das Verlangen verspüren würden, selbst Intime Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Personen zu sammeln. Darstellungen von homosexuellen Partnerschaften In Kinderfilmen und -büchern und der offene Umgang mit dieser sexuellen Orientierung würden demnach als Vorlage für das eigene Verhalten der Kinder und Jugendlichen verwendet werden.

Da nur aus einer Beziehung zwischen Partnern unterschiedlichen Geschlechts Nachwuchs hervorgehen kann, wäre es möglich, dass mit einer zunehmenden Toleranz und Akzeptanz von homosexuellen Partnerschaften die Lebensform der klassischen Ehe und damit verbunden die Geburtenzahl einen Rückgang erleben würden. Die Angst vor dem Bevölkerungsschwund In Deutschland und die unterdurchschnittliche Fertilitätsrate[13] untermauern diese Befürchtung zusätzlich. Die Begründung, dass eine Abwertung der traditionellen Mutter-Vater-Kind-Familie (im Sinne einer Gleichstellung zu anderen Lebensformen) eine Gefahr für den gesellschaftlichen Fortbestand darstellen würde, spricht eigentlich aber nur sekundär gegen den Umgang mit sexueller Vielfalt in den Medien für Kinder. Vielmehr handelt es sich hierbei um ein Argument gegen die Lebensform der Homosexualität an sich.

Man könnte an dieser Stelle auch auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verweisen, das in Artikel 6 vorschreibt, "die Ehe und Familie stehe [steht] unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung". Trotz der Einführung der "Ehe für alle" war der Begriff "Ehe" im Grundgesetz ursprünglich mit der Verschiedengeschlechtlichkeit der beiden Partner verbunden[14]. Homosexuelle Partnerschaften, die die Funktion des Erhalts der Gesellschaft nicht garantieren könnten, dürfe man daher zwar tolerieren, aber nicht mit der Ehe aus Mann und Frau gleichstellen.

Aus dem deutschen Grundgesetz lässt sich noch ein weiteres Argument gegen einen offeneren Umgang mit sexueller Vielfalt in den für Kinder zugänglichen Medien ableiten: Die Aufgabe der "Pflege und Erziehung der Kinder" wird ebenfalls in Artikel 6 als das "natürliche Recht der Eltern" festgelegt, die die "staatliche Gemeinschaft" lediglich überwacht. Sich auf dieses Recht berufend, fordern daher viele Eltern, selbst bestimmen zu können, zu welchem Zeitpunkt ihre Kinder auf welche Art und Weise über Sexualität und damit verbunden über verschiedene sexuelle Orientierungen aufgeklärt werden sollen. Nur wenn die Heranwachsenden sich aufgehoben und beschützt fühlen würden, wären Aufklärungsversuche ohne Verunsicherung oder Überforderung möglich. Eine Darstellung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen in Kinderbüchern und -filmen könnte man also als Eingriff in den elterlichen Erziehungsauftrag und damit als einen Verstoßgegen das Grundgesetz deuten.

Ich persönlich erkenne zwar die Gefahr, Kinder und Jugendliche durch die Konfrontation mit Thematiken sexueller Vielfalt zu irritieren und Verwirrung auszulösen. Dennoch bin ich der Meinung, dass der Beistand der richtigen Ansprechpartner - seien es die Eltern, die Erzieher, die Lehrer oder ein ausgebildeter Pädagoge in der jeweiligen Bildungseinrichtung[15] - dieser möglichen Orientierungslosigkeit entgegenwirken könnte. In intimen Gesprächen sollten die Heranwachsenden die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen oder über ihre Sorgen zu sprechen. Dies könnte im Beisammensein mit anderen Kindern und Jugendlichen oder im Einzelgespräch mit dem Ansprechpartner geschehen.

Natürlich möchte ich mich nicht für eine Darstellung von sexuellen Praktiken oder Handlungen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern in Kinderbüchern oder -filmen aussprechen. Kinder und Jugendliche sollten selbstverständlich nicht mit Inhalten überfordert werden, die für ihr Alter unangemessen sind. Ich sehe aberdasgroße Potential in den Medien, die Partnerschaft zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts als ein zu akzeptierendes Beziehungsmodell zu präsentieren, das genau deshalb dargestellt wird, weil es einen normalen Teil unserer Gesellschaft bildet. Wenn die Hauptfigur der Gute-Nacht-Geschichte zwei Papas oder zwei Mamas hat, dann sollte das in Zukunft keine Verwunderung mehr auslösen.

Die Forderung, Kinder sollten vor einer Frühsexualisierung beschützt werden, halte ich für übertrieben. Hinter diesem Anspruch liegt die Annahme, Kinder seien asexuelle Wesen, in deren "heilige Welt" man nicht durch Aufklärung über intime Themen einbrechen dürfe. Ganz im Gegenteil bin ich der Meinung, dass sich Heranwachsende heutzutage immer früher mit ihrer Sexualität auseinandersetzen. Zum Großteil liegt das daran, dass Kinder und Jugendliche in unserer mediengeprägten Welt viel schneller Zugang zu Inhalten erhalten, die für ihr Alter eigentlich noch nicht angemessen sind. Das sieht man beispielsweise an der aktuellen Werbung für die Fernsehshow "Germany's next Topmodel", für die sich Heidi Klum beinahe nackt vor der Öffentlichkeit präsentiert, oder daran, dass immer häufiger schon auf dem Schulhof pornografische Videos über die Handys der Schüler verbreitet werden. Ein frühzeitiger, aufklärender Umgang mit Sexualität und ihren möglichen Ausprägungen erscheint mir daher unausweichlich.

Da ich Ausblendung und Tabuisierung für eine wesentliche Form der Diskriminierung halte, bin ich der Meinung, dass ein offenerer Umgang mit sexueller Vielfalt in den Kindermedien zu einer höheren Akzeptanz von gleichgeschlechtlicher Liebe und zu einem Abbau der noch immer bestehenden Vorurteile gegenüber Homosexuellen verhelfen würde. Natürlich sollten Kinder und Jugendliche diesen Thematiken aber nicht ohne Unterstützung begegnen, weshalb Eltern, Erzieher und Lehrer, womöglich auch in Zusammenarbeit mit Sexualpädagogen, diesen Schritt bewusst begleiten müssen.

In unserer global vernetzten Welt, in der Grenzüberschreitungen zunehmende Wichtigkeit erfahren und immer häufiger unterschiedliche Ansichten aufeinandertreffen, ist es eine essenzielle Aufgabe der Gesellschaft, ein Klima der Akzeptanz und Toleranz zu schaffen. Hinsichtlich der Erziehung von Kindern und Jugendlichen halte ich es deshalb für sinnvoll, so früh wie möglich einen gesunden Umgang mit Vielfalt zu vermitteln. Ein homosexuelles Paar im Zentrum des nächsten Disney-Films würde ich daher als einen richtigen Schritt in die Richtung eines friedvollen Miteinanders und gegenseitigen Respekts, unabhängig von der Herkunft, Religion und sexuellen Orientierung des Einzelnen sehen. In diesem Sinne fordere auch ich: Give Elsa A Girlfriend!

[1] Deutscher Bundestag: Wissenschaftliche Dienste: Sachstand. Einstellungen zur Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in der Bundesrepublik Deutschland 1949-2016. 2016, S.14.

[2] Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland. Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage. Berlin 2017, S.2.

[3] Erste Tendenzen in diese Richtung existieren bereits. Beispiele: "De Haan, Linda/ Nijland, Stern: König und König. 2000." oder "Schreiber-Wicke, Edith: Zwei Papas für Tango. 2006."

[4] Reinsberg, Alexandra: Warum ein homosexuelles Paar bei Disney längst überfällig ist. 2016.

Unter: http://www.br.de/puls/themen/popkultur/finding-dory-erstes-lesbisches-paar-in-disney-film-100.html (zuletzt abgerufen am 28.02.18)

[5] Watson: Die Dorie Debatte: Lesbisches Paar in der Fortsetzung von Kinohit "Findet Nemo". 2016.

Unter: https://www.Watson.ch/Film/Populärkultur/178053601-Die-Dorie-Debatte—Lesbisches-Paar-in-der- Fortsetzung-von-Kinohit-«Findet-Nemo»- (zuletzt abgerufen am 28.02.18)

[6] Heywinkel, Mark: Die Aufregung um Disneys ersten offen schwulen Charakter ist großer Quatsch. 2017. Unter: https://ze.tt/die-aufregung-um-disneys-ersten-offen-schwulen-charakter-ist-grosser-quatsch/ (zuletzt abgerufen am 28.08.18)

[7] Bartels, Gunda: Der erste Disney-Film mit einer schwulen Figur. 2017.

Unter: https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/die-schoene-und-das-biest-der-erste-disney-film-mit- einer-schwulen-figur/19477750.html (zuletzt abgerufen am 28.08.18)

[8] European Union Agency For Fundamental Rights: EU LGBT survey: European Union lesbian, gay, bisexual and transgender survey: Results at a glance. 2013, S.15.

[9] Vonholdt, Christi R.: Flomosexuell empfindende Jugendliche und die Frage nach den Suizidversuchen.

Unter: http://www.dijg.de/homosexualitaet/jugendliche/selbstmord-suizid-teenager/ (zuletzt abgerufen am 28.08.18).

[10] Linebarger, Deborah/ Schmitt, Kelly/ Huston, Aletha/ Anderson, Daniel: Fernsehen in der frühen Kindheit und seine kognitiven Entwicklungsfolgen in der Adoleszenz, 2009, S.57.

[11] Kinder-Medien-Studie 2017, unter: http://www.kinder-medien-studie.de/wp- content/uploads/2017/08/KMS_Präsentation_PK_Final_Handout.pdf (zuletzt abgerufen am 05.03.18).

[12] Beispiel: Disneys Pixar Animations Studios: "Merida - Legende der Highlands". US, 2012.

[13] Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier: Demografischer Wandel.

Unter: www.bpb.de/politik/innenpolitik/demografischer-wandel/ (zuletzt abgerufen am 06.03.18)

[14] Bubrowski, Helene/ Haneke, Alexander: Grundgesetz: Alles eine Frage der Ehe. 2017.

Unter: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/was-sagt-das-grundgesetz-ueber-die-ehe-fuer-alle- 15083544.html (zuletzt abgerufen am 07.03.18)

[15] Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter.

Details

Seiten
9
Jahr
2018
ISBN (Buch)
9783668811690
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v443876
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Schlagworte
Kindermedien Homosexualität Sexuelle Vielfalt Disneyfilme Diskriminierung

Autor

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