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Bewegungstherapie bei verschiedenen Formen der Essstörungen wie Bulimie und Anorexia Nervosa

Hausarbeit 2017 27 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhalt

1 Abbildungsverzeichnis

2 Tabellenverzeichnis

3 Abkürzungsverzeichnis

4 Einleitung

5 Krankheitsbild
5.1 Anorexia nervosa (Magersucht)
5.1.1 Symptomatik
5.1.2 Körperliche und physische Probleme
5.2 Bulimie (Ess-Brech-Sucht)
5.2.1 Symptomatik
5.2.2 Körperliche und physische Probleme

6 Gewichtsbestimmung

7 Gesundheitliche Konsequenzen der Essstörungen für die sportliche Aktivität

8 Sport- und Bewegungstherapien zur Behandlung von Essstörungen
8.1 Wirkung der Bewegungstherapie bei Patienten mit Essstörungen
8.2 Therapiemethoden und Praxisempfehlung

9 Therapeutisches Sportprogramm nach Rachel M. Calogero und Kelly N. Pedrotty
9.1 Methode
9.2 Das Übungsprogamm
9.3 Ergebnisse

10 Zusammenfassung und Ausblick

11 Inhaltsverzeichnis

12 Anhang

1 Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Perzentilkurven für den Body Mass Index von Mädchen im Alter von 0-18 Jahren (vgl. Kromeyer-Hauschild, K., Wabitsch, M., Kunze, D. et al., 2013, S. 14) 11

Abb. 2: Perzentilkurven für den Body Mass Index von Jungen im Alter von 0-18 Jahren (vgl. Kromeyer-Hauschild, K., Wabitsch, M., Kunze, D. et al., 2013, S. 13) 11

2 Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Einstufung des Gewichts (vgl. Gerlinghoff, M. & Backmund, H., 2006, S. 18) 10

Tab. 2: Die Zieldimensionen der Bewegungspsychotherapie (Huber, G., 1990, S. 19) 14

Tab. 3: Vergleich der Eigenschaften der Übungs- und Kontrollgruppen (Calogero & Pedrotty, 2004, S. 282) 18

Tab. 4: Gewichtszunahmeergebnisse nach Gruppe und Diagnose (Calogero, R. M. & Pedrotty, K. N.,2004, S. 284) 21

Tab. 5: Variabilität der OEQ Eigenschaften für die Diagnose von Gruppen- und Essstörungen bei Aufnahme und Entlassung (Calogero, R. M. & Pedrotty, K. N.,2004, S. 285) 21

3 Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4 Einleitung

Schlank und schön wollen sie werden, wie die Mädchen in Heidi Klums „Germany’s Next Topmodel“, Stärke beweisen, wo andere immer wieder schwach werden – bei Eis, Schokolade und Genuss überhaupt. […] Ärzte versuchen dann zu retten, was zu retten ist. Und selbst wenn die Magersucht irgendwann überwunden ist, die Narben an Körper und Seele bleiben. Oft ein Leben lang. (Kloepper & Weiguny, 2016, Abs. 2)

Dieses Zitat beschreibt nur zu gut den modernen Schlankheitswahn, der immer mehr dazu führt, dass viele junge Mädchen an Essstörungen wie Bulimie oder Anorexia nervosa leiden. Prominente Models wie Heidi Klum verbinden ihre Vorstellungen von schlanken Mädchen mit berühmten Models. Dass sie damit als Vorbilder bei jungen Mädchen wirken und somit die Selbstwahrnehmung beeinflussen, ist ihnen nicht klar. Und somit verbreitet sich die Vorstellung von schlanken hübschen Models in den Köpfen der jungen Generation. Viele junge Mädchen hungern um diese Körperideale zu erreichen, bis hin zu krankhaften Essstörungen. Denn sie wollen doch so hübsch und vor allem so schlank sein wie die Supermodels im TV oder in Zeitschriften. Um diese Essstörungen in Kliniken zu besiegen, gibt es verschiedene Therapiemethoden. Die Bewegungstherapie wird bei der Bekämpfung dieser Krankheit immer bedeutsamer. ,,Sporttraining kann bei essgestörten Patienten die Einstellung gegenüber dem Körper, begleitende Angst- und Depressionssymptome sowie psychosoziale Aspekte verbessern‘‘ (Oertel-Knöchel & Hänsel, 2016, S.19). Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Bewegungs-therapie bei Essstörungen wie Anorexia nervosa und Bulimie. Dabei möchte ich der Fragestellung auf den Grund gehen, ob Bewegungstherapien bei Essstörungen eine Gewichtszunahme begünstigen und ob sie psycho-soziale Einstellungen zum eigenen Körper verändern. Meine Hypothese lautet: Bewegungstherapien helfen Patienten mit Essstörungen, dass sie an Gewicht zunehmen und ihre Selbstwahrnehmung zum Körper positiv verändern. Dazu werde ich zum Anfang konkret auf die beiden Krankheitsbilder Anorexia nervosa und Bulimie eingehen und die hier für wichtig erachteten Gewichtsbestimmungen erläutern. Im Anschluss werde ich die Gesundheitlichen Konsequenzen von Essstörungen im Sport erklären. Danach werde ich das Ziel und die Therapiemethoden von Bewegungstherapien bei Essstörungen erläutern. Abschließend werde ich das Therapeutische Sportprogramm von Calogero und Pedrotty darlegen, mit dem ich meine Hypothese bearbeiten werde.

5 Krankheitsbild

Anorexia nervosa und Bulimie gehören zu den Essstörungen, die ich konkret erläutern möchte. Bei der Anorexia nervosa handelt es sich um die Magersucht und bei der Bulimie um die sogenannte Ess-Brech-Sucht. Diese Essstörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen. Sie beinhalten eine Störung des Essverhaltens, welche auftritt, wenn man innerseelische Konfliktspannungen vermindern und Einfluss auf zwischen-menschliche Beziehungen nehmen möchte (vgl. Schmidt, E., 2016, S. 208). Die Diagnosekriterien sind im ,,International Classification of Diseases‘‘ (ICD) und dem ,,Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders‘‘ (DSM) festgelegt. Das ICD ist ein internationales Klassifikations-verzeichnis und das DSM ist ein amerikanisches Klassifikationsverzeichnis (Jacobi, C., Paul, T. & Thiel, A., 2004, S. 1). Die dafür beschrieben Diagnosekriterien aus dem ICD und dem DSM befinden sich im Anhang. Essstörungen beginnen fast immer im Jugendalter und setzten sich bis in das Erwachsenalter fort. Durch diese große Zeitspanne werden unterschiedliche ärztliche Kompetenzbereiche benötigt. Dies erschwert es, eine optimale Therapiemethode zu entwickeln, da ein intensiver Erfahrungsaustausch von Kinder- und Jugendpsychiatern und Erwachsenentherapeuten nötig ist. Dabei ist es bei Essgestörten nicht selten, dass sie zusätzlich an psychiatrische Erkrankungen leiden. Allerdings ist bei Essstörungen die genaue Ursache nicht bekannt. Verschiedene Faktoren nehmen auf die Entstehung und Entwicklung der Krankheit Einfluss. Dabei spielen biologische, psychosoziale und soziokulturelle Faktoren eine große Rolle. Auch individuelle und familiäre Faktoren beeinflussen die Entstehung und Entwicklung von Essstörungen (vgl. Gerlinghoff, M. & Backmund, H., 2006, S. 20-25).

5.1 Anorexia nervosa (Magersucht)

Anorexia nervosa oder auch Magersucht genannt ist die am längsten bekannte und auch am besten untersuchte Essstörung. Hier reduzieren die Patienten die Nahrungszufuhr auf ein Minimum. Die Patienten weigern sich ein normales Körpergewicht zu erreichen oder zu halten. Die Ursache hierfür ist eine verzerrte Selbstwahrnehmung, bei der sich die Patienten als zu dick empfinden. Sie haben Angst davor, Gewicht zu zunehmen. Dieser drastische Gewichtsverlust wird dadurch verursacht, dass die Nahrungsmenge reduziert wird. Hochkalorische Nahrungsmittel werden nur noch in einem sehr geringen Maße aufgenommen. Es entwickelt sich oft ein ,,streng ritualisiertes Essverhalten‘‘ (Jacobi, C., Paul, T. & Thiel, A.,2004, S. 3). Die Figur und das Körpergewicht haben einen großen Einfluss auf die Selbstbewertung. Die beiden Klassifikationsverzeichnisse ICD-10 und DSM-IV unterscheiden bei der Anorexia nervosa zwischen einem ,,restriktiven Typ‘‘ und einem ,,Binge-Eating/Purging Typ‘‘. Der Unterschied besteht darin, dass bei dem Binge-Eating/Purging Typ Fressanfälle hinzu kommen, sowie ein ähnliches Verhalten wie bei der Bulimie, mit anschließenden kompensatorischen Maßnahmen wie z. Bsp. das selbstinduzierte Erbrechen. Besteht bei dem Binge-Eating/Purging Typ Untergewicht, darf die Diagnose einer Bulimie nicht mehr gestellt werden. Bei dem restriktiven Typ werden keine aktiven Maßnahmen zur Gewichtsabnahme durchgeführt (vgl. Jacobi, C., Paul, T. & Thiel, A.,2004, S. 3-5). Bei der Anorexia nervosa besteht der Wunsch das Gewicht immer mehr zu reduzieren. Dabei gibt es keine Gewichtsgrenze. Eine große Rolle bei der Gewichtsabnahme spielt nicht nur die extreme Reduzierung der Nahrungsaufnahme, sondern auch die exzessive körperliche Aktivität. Im Zusammenhang mit dieser extrem gestörten Körperwahrnehmung kommt es zu einem Verhalten, in der die Patienten ihre Körperproportionen kontrollieren. Hierfür spüren sie die Knochen zur eigenen Rückversicherung. Dieses Verhalten wird auch ,,body checking behaviour‘‘ genannt. In diesem Zusammenhang ist auch ein übermäßig häufiges Wiegeverhalten zu beobachten. Die Patienten haben eine starke Angst an Gewicht zu zunehmen, diese Angst wird auch Gewichtsphobie genannt.

5.1.1 Symptomatik

Die Symptomatik wird durch ein generelles problembehaftetes Essverhalten gekennzeichnet. Dabei ist das Ziel der Patienten ihr Gewicht zu senken, indem sie ihre Nahrung so gut wie möglich reduzieren oder die Nahrungsaufnahme verweigern. Anorexia nervosa tritt am häufigsten bei Frauen im Alter von 15-30 Jahren auf (vgl. Rümmele, E., 1990, S. 17). Sie nehmen nur noch Lightprodukte zu sich. Sie lutschen zuckerfreie Bonbons als Essensersatz. Ihr Tagesablauf und ihre Gedanken drehen sich nur um das Essen, sodass es bei den Patienten auch zur Herstellung eines strukturierten und strengen Essensplans kommt. Trotz Hunger verbieten sie es sich zu essen. Essen sie trotzdem, plagen sie Schuldgefühle und es kommt zum exzessiven Sporttreiben. Sie essen nichts vor anderen und lügen auch wenn es ums Essen geht. Um das Magenknurren zu überspielen, kauen sie z. Bsp. Kaugummis. Jede Mahlzeit wird gezählt und auch die Kalorien, die man zu sich nimmt. Die Stimmung und auch das Selbstwertgefühl sind abhängig von dem Gewicht, welches auf der Waage steht. Ihr Verhalten wird charakterisiert durch Unsicherheit, übertriebene Eigenironie, abwertende Selbstgespräche vor dem Spiegel, extreme Lustlosigkeit, ständig anhaltende Trauer, Konzen-trationsschwierigkeiten, Müdigkeit, einem gereizten und aggressiven Verhalten und von Abneigungen vor Berührung. Die Patienten mit Anorexia nervosa fühlen sich rund um die Uhr zu dick und versuchen dieses Gefühl los zuwerden, in dem sie sich damit bestrafen, nichts zu essen (vgl. Gerlinghoff, M. & Backmund, H., 2006, S. 48-53).

5.1.2 Körperliche und physische Probleme

Die körperlichen Folgen bei der Anorexia nervosa werden hauptsächlich durch das Hungern entwickelt. Bei dem Binge-Eating/Purging Typ kann es zu körperlichen Folgen kommen, die der Bulimie ähneln. Das liegt daran, dass hier das Erbrechen und der Abführmittelmissbrauch eine große Rolle spielen. Diese körperlichen Folgeerscheinungen befinden sich im Kapitel 5.2.2 körperliche und physische Probleme der Bulimie. Pirmärsymptome der Anorexia nervosa sind unter anderem das zunehmende Interesse für Nahrungszusammensetzung und Kaloriengehalt, Nahrungsvermeidung oder Nahrungs-verweigerung, häufige Gewichtskontrollen, ständige Unzufriendheit mit sich selber und mit seinem Aussehen und zunehmende Leistungsorientierung und Isolation (vgl. Hebertz, S., de Zwaan, M. & Zipfel, S., 2008, S. 20). Die körperlichen Folgen des Hungerns werden außerdem charakterisiert durch Untergewicht, Verlangsamung des Herzschlages, Herzrhythmusstörungen, Kreislaufstörungen und niedrigem Blutdruck, trockene Haut, Lanugobehaarung1, Störungen des Blutbildes, Stoffwechselstörungen, Schädigung der Nieren, Durchfall, Blähungen, Trommel-schlegelfinger2 und Osteoporose (vgl. Meermann, R. & Borgert, E., 2006, S. 22-23). Durch Anorexia nervosa wird die Entstehung und Entwicklung einer Amenorrhoe3 gefördert. Diese entsteht aufgrund der verringerten Hormonausschüttung von Östrogen, als Folge des Gewichtsverlustes. Dabei kann es auch zur Verzögerung des Auftretens der Regelblutung bei präpubertären Frauen kommen (vgl. Jacobi, C., Paul, T. & Thiel, A.,2004, S. 3).

5.2 Bulimie (Ess-Brech-Sucht)

Hauptmerkmal dieser Krankheit sind Heißhungerattacken mit darauffolgendem selbstinduziertem Erbrechen, Hungern oder der Missbrauch von Medikamenten wie Abführ- oder Brechmitteln. Bei den Heißhungerattacken nehmen die Patienten eine Nahrungsmenge zu sich, die eindeutig größer ist als die Menge, die die meisten Menschen zu sich nehmen. Dabei werden oftmals einige tausend Kalorien den Körper zugeführt, die mittels hochkalorische, sonst gemiedene Nahrungsmittel (Süßes, Fettes Kohlenhydrate) zu sich genommen werden. Diese Heißhungerattacken zählen zu den sogenannten ,,objektiven‘‘ Fressanfällen. Unter den sogenannten ,,subjektiven‘‘ Fressanfällen, versteht man die Einnahme von kleineren Nahrungsmengen, die häufig nebenbei zu sich genommen werden und nicht als vollständige Mahlzeit zählen. Beispiele hierfür sind Kekse, ein Stück Kuchen, ein Eis oder ein Brötchen. Diese Nahrungseinnahme widersprechen den oftmals rigiden Vorstellungen, worauf die gleichen kompensatorischen Maßnahmen folgen, wie bei den ,,objektiven‘‘ Fressanfällen (vgl. Jacobi, C., Paul, T. & Thiel, A.,2004, S. 5). Der Kontrollverlust ist ein weiteres Merkmal der Krankheit. Die Patienten können nicht mehr aufhören zu Essen. Dabei können sie die Art und die Menge des Essens nicht kontrollieren oder sie fühlen ein Gefühl des Zwangs oder Dissoziation4. Außerdem wird der Figur und dem Gewicht eine besondere Bedeutsamkeit für die Selbstbewertung eingeräumt. Um diese Fressanfälle zu kompensieren gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen bei den Patienten. Zu den häufigsten zählt das sogenannte ,,Purging‘‘-Verhalten. Das beschreibt den Vorgang des Erbrechens. Aber auch die Laxantieneinnahme5 gehört zu den regelmäßigen kompensatorischen Maßnahmen. Für die Diagnose der Bulimie wird gefordert, dass der Patient mindestens zweimal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten Fressanfälle mit darauffolgenden kompensatorischen Maßnahmen ausgeführt hat (vgl. Jacobi, C., Paul, T. & Thiel, A.,2004, S. 7).

5.2.1 Symptomatik

Die Symptomatik wird auch hier wie bei der Anorexia nervosa durch ein generelles problembehaftetes Essverhalten gekennzeichnet. Allerdings kommt es hier nicht zu einem deutlich sichtbaren Untergewicht. Die Fressattacken wechseln sich mit dem Erbrechen ab. Die Krankheit tritt am häufigsten bei Frauen im Alter von 15-30 Jahren auf (vgl. Rümmele, E., 1990, S. 17). Weitere Symptome für Bulimie ist die Energiezufuhr ohne einen Fressanfall, bei dem nur leichte Produkte oder eine geringe Nahrungsmenge zu sich genommen wird, wie beispielsweise Lightprodukte, Magerprodukte, Milchprodukte, Salat, Suppe, Joghurt, Getränke oder Früchte. Weitere Symptome für einen Fressanfall sind das Kaufen von billigen Lebensmitteln im Supermarkt, das Klauen von teuren Produkten oder von spontanen Einkäufen abends oder nachts. Diese Einkäufe werden von einer Kaufsucht mit übertrieben Geldausgaben begleitet. Um die zugenommenen Kalorien nach Fressanfällen zu verbrauchen wurden verschieden Maßnahmen festgestellt. Hierzu zählen das Erbrechen, der Missbrauch von Abführmitteln, Joggen, Tanzen, im Stehen oder Gehen essen und das Trinken von viel Entwässerungstee. Die Verhaltensweisen zwischen den Fressanfällen und den kompen-satorischen Maßnahmen werden von sozialer Isolation, Aggression, Depression, Minderwertigkeitsgefühle und großer Unzufriedenheit beschrieben. Die Patienten sagen kurzfristig Treffen ab oder sie sagen auch oft, dass sie schon vorher was gegessen haben und trauen sich auch nicht vor anderen zu essen. Sie melden sich tagelang nicht und liegen den ganzen Tag nur im Bett. Außerdem wird der Tagesablauf von Müdigkeit, Lustlosigkeit, Trägheit, Konzentrationsschwierigkeit und Migräne bestimmt. Es begleiten sie immer Schuldgefühle während und nach den Fressänfällen, welches von wenig bis hin zu gar keinen Selbstwertgefühl reichen kann (vgl. Gerlinghoff, M. & Backmund, H:, 2006, S. 51-57).

5.2.2 Körperliche und physische Probleme

Hier gibt es eine Reihe von körperlichen Folgeerscheinungen, die durch die Dauer der Erkrankung gravierend bis lebensbedrohlich werden können. Die Beeinträchtigungen entstehen nicht nur als Folge des Hungerns, sondern auch als Folge des Erbrechens und des Missbrauchs von Abführmitteln. Diese Folgen können Stoffwechselstörungen, Herz-rhythmusstörungen, Muskelkrämpfe, Schläfrigkeitsgefühl, Austrocknung, Krampfanfälle, Nierenschäden, Aussetzen der Magenaktivität, Risse in der Magenwand, Anschwellen der Speicheldrüsen, Heiserkeit und Halsschmerzen, Zahnschäden, Schädigung der Darmwand oder eine Verletzung der Speiseröhre sein (vgl. Meermann, R. & Borgert, E., 2006, S. 22-23). Nicht nur körperliche Veränderungen sind die Folge, sondern auch verschiedene psychische Probleme können auftreten. Dazu zählen häufig Depressionen. Man findet auch Störungsbilder mit mangelnder Selbstkontrolle die als Folge Alkohol- und Drogenmissbrauch mitbringen. Deviante Verhaltensweisen6, wie sich selber zu verletzen, durch das Ritzen mit scharfen Gegenständen, Stehlen und auch Wutausbrüche sind die Folge von schlechter Impulskontrolle.

6 Gewichtsbestimmung

Für die diagnostische Zuordnung für eine Essstörung spielt das Körpergewicht eine entscheidende Rolle. Um das Körpergewicht vergleichbar zu bewerten ist ein internationales akzeptiertes Begriff- oder Messsystem notwendig. Dafür dient der so genannte Body Mass Index, kurz BMI (vgl. Gerlinghoff, M. & Backmund, H., 2006, S. 18) Die dafür benötigte Formel lautet: BMI=Körpergewicht(kg):Körpergröße(m²). In der Tabelle 1 erkennt man die Einstufung des Gewichtes. Diese Einstufung gilt nur für Erwachsene. Eine Essstörung wird dann diagnostiziert, wenn ein BMI von 17,5 oder niedriger erreicht wurde. Bei Patienten mit einer Essstörung ist die Körperwahrnehmung verzerrt. Sie empfinden sich als zu dick, obwohl sie objektiv beurteilt normal oder schon zu dünn sind. Dafür stellt die Waage eine wichtige Kontrollinstanz dar. Mit dieser Kontrolle des Körpergewichts kontrollieren sie auch Gleichzeitig, ob sie ihr Ziel erreicht haben oder ob sie noch mehr abnehmen müssen. Gleichzeitig kann es dadurch auch zu eigenen Bestrafungen kommen, wenn man unzufrieden mit den Werten auf der Waage ist.

Tab. 1: Einstufung des Gewichts (vgl. Gerlinghoff, M. & Backmund, H., 2006, S. 18)

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren wurde ein Messsystem in BMI-Perzentilenkurven erstellt. Hier wurde der berechnete BMI in Bezug auf das Alter und dem Geschlecht beurteilt. Kinder und Jugendliche die Werte unter der 10. Perzentile haben, werden mit Untergewicht eingestuft und es besteht die Gefahr einer Essstörung. Werte unter der 3. Perzentile sind lebensbedrohlich. Das Normalgewicht liegt zwischen der 10. Und 90. Perzentile und alles darüber wird als Übergewicht diagnostiziert. In Abbildung 1 werden diese Werte für Mädchen beschrieben und in Abbildung 2 für Jungs.

[...]


1 Als Lanugobehaarung bezeichnet man einen Wollflaum, der als Schutz gegen Hitze und Kälte dient, wenn das schwindenden Fettgeweben diesen Schutz nicht mehr leisten kann.

2 Trommelschlegelfinger nennt man kolbenartige Auftreibungen der Fingerendglieder mit Weichteilschwellung.

3 Amenorrhoe ist das Ausbleiben der Regelblutung bei Frauen.

4 Dissoziation ist ein Zustand, in dem motorische Handlungen nicht mit der Wahrnehmung übereinstimmen.

5 Eine Laxantieneinnahme ist der Missbrauch von Abführmitteln.

6 Deviante Verhaltensweisen stimmen nicht mit normativ erwarteten bzw. erwartbaren Verhaltensweisen überein.

Details

Seiten
27
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668826403
ISBN (Buch)
9783668826410
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v443882
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,7
Schlagworte
Magersucht Therapie bei Magersucht Bewegungstherapie Essstörungen Bulimie Anorexia Nervosa Sport mit Magersucht Bewegung bei Essstörungen

Autor

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Titel: Bewegungstherapie bei verschiedenen Formen der Essstörungen wie Bulimie und Anorexia Nervosa