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Das Herbizid-Dilemma. Die wachsende Weltbevölkerung im Konflikt mit unserer Lebensgrundlage

Facharbeit (Schule) 2018 18 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biochemische Konzerne und ihre Geschichten
2.1 Monsanto Company
2.2 Bayer AG

3. Böden als Existenzgrundlage

4. Herbizide im Gebrauch und ihre Folgen
4.1 Definition „Herbizid“
4.2 Wirkungsweisen von Herbiziden
4.2.1 Kontaktherbizide
4.2.2 Wuchsstoffherbizide
4.2.3 Bodenherbizide
4.3 Glyphosat
4.4 Glufosinat

5. Die globale Ungerechtigkeit der Lebensmittelversorgung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In unserem modernen und wissenschaftlich fortgeschrittenen Zeitalter haben sich die Lebensaussichten und der Lebensstandard eines Menschen stark erhöht. Dies bedeutet, dass die Weltbevölkerung, dank dem Fortschritt in der Medizin und der Nahrungsmittelversorgung, rasant ansteigt. Besiedelten Mitte des 20.Jahrhunderts noch circa 2,5 Milliarden Menschen unseren Erdball, so sind es heutzutage bereits knapp 7,5 Milliarden.[1] Das ist sozusagen eine Verdreifachung der Bevölkerung innerhalb des Zeitraums von 1950 bis 2017, also in weniger als 70 Jahren. Diese sogenannte „Bevölkerungsexplosion“ bringt eine Vielzahl an Konflikten und Herausforderungen mit sich, denn die Erde besitzt nur eine begrenzte Tragfähigkeit. Mehr Menschen bedeuten einen größeren ökologischen Fußabdruck, der besonders in der heutigen Zeit verstärkt wird durch die Emissionen und Abwärme-Erzeugungen von Flügen, Industrieanlagen und dem täglichen Hochverkehr in Großstädten. Auch der unverantwortliche Umgang mit Ressourcen trägt unter anderem durch Waldrodungen und chemische Bearbeitungen von Agrarnutzflächen zur Veränderung der Erdoberfläche bei. Je mehr Menschen die Welt besiedeln scheint es, desto stärker versuchen sie Herr über diese zu werden. Man versucht, in Form von künstlicher Bewässerung, Trockenlegung von Gewässern oder der kompletten Umschichtung von Rohstoffen wie Sand und Erde zu komplett neuen Inseln, in Naturvorgänge zu intervenieren. Daraus entstehen ganze wirtschaftliche Sektoren, die sich wenig um den Schaden kümmern, den sie durch ihr Geschäft mit der Natur anrichten. Es mag nahezu absurd klingen, doch ein Beispiel hierfür ist der Sandhandel, welcher mittlerweile wie Gold gehandelt wird – in Indien ist aus der immensen Nachfrage heraus, sogar eine „Sand-Mafia“ entstanden, deren Umsatz in den Milliarden Bereich geht.[2] Die hohe Nachfrage resultiert daraus, dass Sand der meistgenutzte Rohstoff der Welt, direkt nach Wasser, ist. Aus ihm werden sowohl Glas, Nahrungsmittel, Kosmetika und elektronische Geräte hergestellt, als auch ganze Metropolen mit und auf ihm hochgezogen.

Die ansteigende Weltbevölkerung stellt, wie man sehen kann, alle Menschen vor große gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und ökonomische Konflikte.

In dieser wissenschaftlichen Arbeit thematisiere ich diese Konflikte unter dem Hauptaspekt der Zerstörung von komplexen, auf Wechselwirkung beruhenden Ökosystemen, durch die Behandlung von Agrarnutzflächen mit chemischen Substanzen, durch biochemische Konzerne.

2. Biochemische Konzerne und ihre Geschichten

2.1 Monsanto Company

Es ist allgemein bekannt, dass große landwirtschaftliche Unternehmen mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten, um der weltweit steigenden Lebensmittelnachfrage gerecht zu werden, und einen hohen Absatz zu erzielen. Hierbei gibt es wohl keinen wichtigeren Faktor als den des Geldes. Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit dienen hierbei nur als weitere Verkaufsstrategien für ein sauberes Image und höhere Verkaufszahlen. Hierbei sehen sich agrochemische Unternehmen heutzutage im Zentrum des Beschusses – ihnen wird vorgeworfen, hinter ihrem zurechtgelegten Image, der Umwelt zu schaden. Einer der wohl bekanntesten und kontrovers wahrgenommenen Pharmakonzerne der letzten Jahre ist Monsanto.

Seine Anfänge hat Monsanto Chemical Company 1901 in Sankt Louis, Missouri, USA. John Francis Queeny als Gründer des US-Unternehmens, nahm sich vor, den Zusatzstoff Saccharin[3] in den Vereinigten Staaten monopolistisch herzustellen, da Saccharin zu dieser Zeit nur in Deutschland hergestellt wurde. In den 1940er Jahren beginnt der Konzern mit der Herstellung von PCB’s[4], welche zu den als das „Dreckige Dutzend“ bekannten organischen Giftstoffen gehören.[5]

Die Abfälle dieser Stoffe haben sich im Laufe der Zeit in Folge von unvermeidbaren Havarien und nicht entsprechender Entsorgung in der Umwelt verteilt. Die Folge davon: Die bioakkumulativen[6] Stoffe gliedern sich in die Nahrungskette ein und lassen sich in der Muttermilch, in menschlichem Gewebe und in (antarktischen) Fischen nachweisen. Die Toxine schaden nicht nur der Gesundheit von Lebewesen in Form von Organschäden, neurologischen Schäden, Krebs und Unfruchtbarkeit, sondern zerstören auch Lebensräume, indem sie Erde und Gewässer kontaminieren.[7]

Auf das Konto des biochemischen Konzerns gehen einige irreversible Vergehen der Umweltverschmutzung mit unüberschaubaren Zukunftsauswirkungen. Doch klickt man auf die Homepage des US-Agrar-Riesen, so erscheinen Naturlandschaften mit Solarzellen auf grüner Wiese, freudestrahlende Menschen und Slogans wie „Together We Feed The World And Protect The Planet“ oder „[…] Conserving Resources“[8]. Dass nicht alle dasselbe von Monsanto halten, wie das Unternehmen selbst, sieht man an dem bereits langjährigen, globalen Streit über die Nutzung von Glyphosat, welches das Unternehmen unter dem Namen „ROUNDUP READY“, weltweit verkauft.

Dem Herbizid wurden gesundheitliche Gefahren und umweltschädigende Eigenschaften nachgewiesen. Aus diesem Grund forderte die Umweltbehörde des US-Staates Kalifornien, dass die chemische Substanz in die Liste der krebserregenden Mittel aufgenommen wird. Monsanto erhob sogleich Klage gegen die Behörde und tat das Übliche, um seine Skandale nicht den Umsatz schädigen zu lassen, also die Wahrheit, durch massive Lobbyarbeit und gefälschte Studien, in ein für sie passendes Licht zu rücken. Bei einem steigenden Umsatz des Konzerns mit 4,8 Milliarden Dollar (2015), allein für das „Roundup-Mittel“, sucht Monsantos Lobbyarbeiten ihresgleichen: Korrupte Politiker, Forscher und Unternehmer, sind bei richtiger Bezahlung oder passender Interessenvertretung, nur zu gerne beim wirtschaftlichen Aufstreben der biochemischen Firma behilflich. So entschieden etwa Europa-Politiker 2016, trotz heftiger Proteste der Bevölkerung, eine Zulassungsverlängerung für das Herbizid Glyphosat durchzusetzen. Nur Frankreich, Schweden und die Niederlande sprachen sich deutlich gegen eine Verlängerung aus, während Deutschland sich lediglich enthielt.[9] Letzteres ist wenig verwunderlich, schließlich greifen in Deutschland alle großen Lebensmittelkonzerne auf die Produkte von Monsanto zurück. Es herrscht ein Geflecht bestehend aus wirtschaftlichen Konzernen, bei der die eine Hand die andere wäscht, und sich gegenseitig hohe wirtschaftliche Stellung und gesellschaftliche Wichtigkeit verschaffen, was wiederum darin resultiert, dass Konzerne starken Einfluss auf politische Entscheidungen gewinnen, wenn nicht sogar komplette Zielsetzungen vorlegen können. Betritt man beispielsweise einen Supermarkt offenbaren sich Regale voller Lebensmittel von verschiedensten Anbietern, die eine Anbietervielfalt suggerieren. Was die wenigsten wissen ist, dass die meisten Nahrungsmittelhersteller die im Laden vertreten sind, sich einem der zehn Lebensmittelgiganten, wie Nestle oder Unilever, zuordnen lassen. Unsere Markendiversität wird also von wenigen Konzernen bestimmt, und täuscht somit.

So wurde am 27. November 2017 erneut über die Zulassungsverlängerung des Pestizids Glyphosat auf fünf Jahre abgestimmt. Europarlamentarier und Landwirt Karl-Heinz Florenz äußerte in einem Interview, dass er die Zulassungsverlängerung auf fünf Jahre unterstütze und er davon ausgehe, dass diese zustande kommen werde, da die Industrie mehr Zeit für die Entwicklung neuer Pflanzenschutzmittel brauche.[10]

Letztendlich behielt Florenz Recht: 18 der 28 EU-Länder beteiligten sich an der Abstimmung, wobei die Mehrheit einer Verlängerung zustimmte.[11]

Monsanto selbst akzeptierte im September 2016 eine Übernahme durch das chemische und pharmazeutische Unternehmen „Bayer AG“ für 66 Milliarden US-Dollar. Nach langwierigen Diskursen wurde die Übernahme am 7. Juni 2018 vollzogen.

2.2 Bayer AG

Seinen Anfang nimmt das Unternehmen im August 1863 in Wuppertal, Deutschland; wo Friedrich Bayer[12] und Johann Weskott[13] die Farbenfabrik „Friedr. Bayer et comp.“ gründen. Der Unternehmensname und die Tätigkeitsbereiche veränderten sich im Laufe der Zeit, so heißt der Konzern heute „Bayer AG“.

Die Firma produzierte anfangs Fuchsin und Anilin, und vermarktete diese im 20.Jahrhundert unter den Namen Heroin, Aspirin und Prontosil. Durch sie erlangte man einen hohen Bekanntheitsgrad.

Heutzutage ist die Bayer Aktiengesellschaft ein weltweit etabliertes und führendes Unternehmen, das Umsätze von rund 46,769 Milliarden Euro jährlich macht (Stand 2016).[14]

Die Konzernstruktur des Unternehmens wurde, aufgrund der verschiedenen Tätigkeitsfelder, in drei fachspezifische Bereiche unterteilt:

1. Pharmaceuticals – die Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Medikamenten,

2. Consumer Health – die Herstellung von verschreibungsfreien Medikamenten,

3. Crop Sciene & Animal Health – kümmern sich um den Pflanzenschutz, Saatgut und der Gesundheit von hauptsächlich Nutztieren.[15]

Die Division Crop Science, welche für die Schädlingsbekämpfung zuständig ist, wurde 2002 während der Neustrukturierung als Tochtergesellschaft unter dem Namen „Bayer Crop Science AG“ ausgegliedert, jedoch 2016 wieder in eine effizientere Division umfunktioniert.

Die offizielle Website des agrarchemischen Konzerns macht beim Abrufen einen positiven Eindruck: eine modern und in den harmonischen Naturfarben blau und grün gestaltete Seite öffnet sich auf dem Bildschirm. Das Firmenmotto in großer Schrift im Kopfteil der Seite eröffnet den Unternehmensleitsatz „Bayer: Science For A Better Life“.[16]

So sieht Bayer seine Mission darin, der wachsenden Weltbevölkerung eine immer besser werdende medizinische Versorgung und somit die Erhöhung der Lebensqualität zu gewährleisten. Auch werden in den Firmentexten auf der Homepage monopolistische Ziele aufgeführt; so will Bayer sich beispielsweise auf den Märkten, auf welchen es vertreten ist, eine Hegemonialstellung erzielen und behaupten, was die Übernahme Monsantos erklärt. Des Weiteren verspricht das Unternehmen Nachhaltigkeit, sowie verantwortungsvolles und ethisches Handeln.[17]

Dazu steht jedoch das Verhalten des Konzerns in Diskrepanz zum Versprochenen. Bayer geriet zum Beispiel im Oktober 2010, zusammen mit anderen Unternehmen, wie BASF und US-Politikern, in die Kritik, da sie mit Hilfe von Lobbyismus den Klimawandel vehement leugneten und Gesetze zum Klimaschutz sabotierten.[18]

Eine weitaus verheerendere Aktion lieferte die Bayer AG jedoch bereits im 20. Jahrhundert, gemeinsam mit seinem Gemeinschaftsunternehmen „Mobay“, welches Bayer zusammen mit Monsanto führte, und dem Chemieunternehmen „Dow Chemical[19] “, zu Zeiten des Vietnam-Krieges.

Im Jahr 1961 gewährte der Präsident der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy, den Einsatz eines chemischen Entlaubungsmittels mit dem Namen „Agent Orange“. Ziel der als „Operation Ranch Hand“ bezeichneten Aktion, war die Entlaubung des vietnamesischen Dschungels und die Destruktion der Unterschlupf- und Ernährungsmöglichkeiten der „Vietcong[20] “. So kam es, dass die oben genannten Chemiekonzerne die US-amerikanische Regierung mit 75 Millionen Liter Entlaubungsmittel belieferten. Es war zu dieser Zeit jedoch bereits allseits bekannt, dass die chemische Kriegsführung von der Genfer Kriegskonvention strengstens untersagt wurde; doch man einigte sich dennoch auf die Durchführung unter „Geheimhaltung“ der Operation, und führte die chemische Entlaubungssubstanz unter einem Decknamen. „Agent Orange“ wurde mit Hilfe von Flugzeugen über den Großteil des Dschungels versprüht, und führte durch sein höchst giftiges Dioxin zu irreversiblen Schäden für Mensch und Umwelt.[21]

[...]


[1] Vgl. UN Population Database: http://pdwb.de/nd02.htm, entnommen am 04.11.17, 21:43 Uhr

[2] Vgl.: https://netzfrauen.org/2015/08/29/unserer-erde-geht-der-sand-aus-sand-wird-zur-schmuggelware/, entnommen am 26.11.17, 15:51 Uhr

[3] Synthetischer Süßstoff mit der Bezeichnung E 954; Geschmacksverstärker ohne Mehrwert für den menschlichen Organismus und krebserregenden Eigenschaften.

[4] Polychlorierte Biphenyle; krebsauslösende Chlorverbindungen, welche als Weichmacher in synthetischen Mitteln dienen.

[5] Vgl.: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Monsanto#Anfangszeit_von_Monsanto, entnommen am 24.11.17, 16:50 Uhr

[6] Bioakkumulation; Anreicherung eines Organismus an einer Substanz durch Aufnahme aus der Umwelt oder über die Nahrung.

[7] Vgl.: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Polychlorierte_Byphenyle, entnommen am 24.11.17, 16:45 Uhr

[8] siehe https://monsanto.com/, entnommen am 25.11.17, 14:40 Uhr

[9] Vgl.: http://www.deutsche-gesundheits-nachrichten.de/2016/03/10/eu-parlament-verschiebt-abstimmung-ueber-glyphosat-zulassung/, entnommen am 25.11.17, 15.47 Uhr

[10] Vgl.: www.deutschlandfunk.de/eu-parlamentarier-karl-heinz-florenz-glyphosat-fuenf-jahre.697.de.html?dram:article_id=401403, entnommen am 25.11.17, 16:40 Uhr

[11] Vgl.: http://www.rp-online.de/politik/eu/glyphosat-fuer-weitere-fuenf-jahre-in-der-eu-zugelassen-aid-1.7229735, entnommen am 27.11.17, 18:33 Uhr

[12] Friedrich Bayer, eigentlich Friedrich Beyer (* 6. Juni 1825; † 6. Mai 1880), war ein deutscher Unternehmer, Färber und Chemiker.

[13] Johann Friedrich Weskott (* 10. Oktober 1821; † 4. Oktober 1876) war ein deutscher Färber, Chemiker, Teerfarben-Pionier und Mitbegründer der heutigen Bayer AG.

[14] Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG, entnommen am 27.11.17, 19:47 Uhr

[15] Vgl.: https://www.bayer.de/de/profil-und-organisation.aspx, entnommen am 27.11.17, 20:00 Uhr

[16] Vgl.: https://www.bayer.de/, entnommen am 27.11.17, 20:13 Uhr

[17] Vgl.: https://www.bayer.de/de/crop-science-division.aspx, entnommen am 27.11.17, 20:40 Uhr

[18] Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG#Kritik_und_Skandale, entnommen am 27.11.17, 20:51 Uhr

[19] The Dow Chemical Company, war ein global tätiges Chemieunternehmen aus den Vereinigten Staaten. Es zählte als zweitgrößter Chemiekonzern der Welt (nach BASF). 2017 fusionierte Dow Chemical mit seinem Kontrahenten „DuPont“, zur „DowDuPont Inc“.

[20] Abkürzung der vietnamesischen Wendung „Viet Nam Ceng Sen“ („vietnamesischer Kommunist“).

[21] Vgl.: http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/149720.html, entnommen am 27.11.17, 21:45 Uhr

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668816107
ISBN (Buch)
9783668816114
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444069
Note
1,0
Schlagworte
Herbizide Wirtschaftsgeographie Dilemma Erdkunde Weltbevölkerung Nahrungsmittel Grund Boden Monsanto Bayer AG Roundup Glyphosat

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