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Die Darstellung von Kaiser Heinrichs IV. in den Quellen zum Sachsenkrieg

Hausarbeit 2014 11 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Brunos Buch vom Sachsenkrieg

III. Das Carmen de bello Saxonico

IV. Zusammenfassung

V. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich primär mit der Darstellung des Kaiser Heinrichs IV. in den Quellen seiner Herrschaftszeit, mit besonderem Augen- merk auf der unterschiedlichen Charakterisierung seiner Person und der da- mit verbundenen möglichen Intentionen der Verfasser in Bezug auf den Sachsenkrieg. Herangezogene und interpretierte Quellen sind Brunos Buch vom Sachsenkrieg und das Carmen de Bello Saxonico. Weitere zu interpre- tierende Quellen wären vor allem die Vita Heinrici IV. imperatoris und die An- nalen Lamperts von Hersfeld. Auf Grund des vorgegebenen Rahmens ist die Erfassung und Interpretation der letzteren genannten Quellen und anderer relevanter Schriftstücke leider nicht möglich und somit muss auf den An- spruch der Vollständig verzichtet werden. Durch das Vergleichen der Quellen soll die differenzierte Darstellung des Kaisers an sich, nicht zuletzt aber auch die unterschiedlichen Auffassungen darüber, welche Ursachen letztendlich zu diesem Kräftemessen mit den sächsischen Fürsten führten, hinterfragt und interpretiert werden, und final zu einer Erkenntnis darüber führen, welche Intentionen und Beweggründe hinter den Verfassern dieser Quellen standen. Vorangestellt an die Interpretation der Quellen steht natürlich die Analyse anhand der inneren Quellenkritik.

II. Brunos Buch vom Sachsenkrieg

Möchte man den vorliegenden Quellen nun eine Gewichtung zuordnen, so bietet sich Brunos Buch vom Sachsenkrieg aus verschiedenen Gründen als voranzustellende Quelle an. Zum einen ist der Verfasser bekannt, was im Vergleich zum Carmen de Bello Saxonico den Vorteil bringt, dass Absichten, überspitzte oder minimierende Darstellungen leichter zu durchleuchten sind. Des Weiteren spricht natürlich der Umfang des Buches an sich schon für ei- ne wesentlich detailgetreuere und umfassendere Darstellung als etwa das Carmen liefern könnte. Sein Werk beginnt mit der Schilderung der Kindheit Heinrichs und geht dazu über diverse Gräueltaten des selbigen zu Schildern. Die Ursachen des Sachsenkrieges sowie der Verlauf und das Ende werden von aus seiner Sicht erfasst. Weiterführend nimmt er diverse Briefe so zum Beispiel ein Schreiben Papst Gregors und des Erzbischofs von Magdeburg in auf um somit seine Darstellung zu untermauern.

Möchte man nun die Fertigstellung des Werkes datieren, stößt man auf zwei verschiedene Argumentationen. Zum einen hat Lohmann in seinen einleiten- den Worten zu Brunos Buch vom Sachsenkrieg das Werk auf das Jahr 1082 datiert. Die Begründung besteht darin, dass das letzte von Bruno genannte Datum der Stephanstag – also der 26. Dezember – im Jahr 1081 war, was natürlich impliziert, dass er das Buch nach diesem Datum fertiggestellt hatte. Die weitere Argumentation, dass Bruno das Buch vor dem Tod Ottos von Northeim am 11. Januar 1083 beendet hatte, gründet sich darauf, dass Bruno den Herzog nicht als verstorben kenntlich gemacht hat.1 Schmale hat hingegen in den Anmerkungen zu seiner Übersetzung des Buches darauf hingewiesen, dass es nicht zwingend zutrifft, dass Bruno noch zu Otto von Northeims Lebzeiten das Buch vollendet haben müsste. Seine zutreffende Begründung besteht darin, dass Bruno verstorbene Personen nicht immer mit einem Zusatz die den Tod angeben bezeichnet hatte.2 Die genaue Da- tierung als Bestandteil der Quellenanalyse wird an dieser Stelle aber nicht weiter ausgeführt werden, da sie im Bezug auf die hier bearbeitete Fragestel- lung weitestgehend außer Acht gelassen werden kann. Relevant ist nur, dass Bruno als direkter Zeitzeuge die Geschehnisse miterlebt hat und somit in di- rektem Bezug zu den Geschehnissen und Personen geschrieben hat.

Wichtiger an dieser Stelle ist die Frage nach dem Verfasser selbst. Stellt man die Frage, wer Bruno eigentlich war, stößt man allerdings schon an die Gren- zen der uns überlieferten Quellen, in welchen über Brunos Leben kaum et- was bekannt ist. Es lassen sich folglich lediglich Mutmaßungen über Brunos Werdegang anstellen.3 Nichts desto Trotz kann man durch die überragende Subjektivität mit der Bruno schreibt, ein Bild seiner Person zu fassen be- kommen. Gerade diese unverhohlene Parteilichkeit hat, wenn man Bruno denn einen Historiker nennen will, ein Gefecht der Forschungsmeinungen heraufbeschworen, das seines Gleichen sucht. Auf Grund seiner durchweg überspitzen, man möchte fast sagen gehässigen Darstellung Heinrichs – wie an dieser Stelle mit fortlaufender Arbeit dargelegt wird – bringt sich Bruno selbst zum großen Teil um seine Glaubhaftigkeit. So wird er unter anderem als „Lügner ersten Ranges“4 bezeichnet. Dass sich diese Meinung in der Forschung mittlerweile teils relativiert haben dürfte, lässt sich durch den Zu- spruch einer Wahrhaftigkeit im Sinne dessen, dass Bruno nicht aus persönli- chem Missfallen gegenüber Heinrich, sondern aus einer Überzeugung her- aus völlig im rechten Glauben über die Untaten des „Teufelsherrrscher[s]“5 zu sein, geschrieben hat, bestätigen.6 Für die hier erörterte Fragestellung bedeutet dies, dass man die „mit glühendem niedersächsischen Stamme- spatriotismus gegen Heinrich IV. geschleuderte[…] Kampfschrift“7 als Quelle durchaus ernst nehmen muss, sie aber auch mit äußerster Vorsicht zu inter- pretieren ist.

Sein Werk widmete er dem [d] omino suo dilectissimo, numquam sine pia veneratione nominando, Werinhero sanctae Merseburgensis ecclesiae prae- suli venerando 8. Dies tut er zum einen wohl wirklich aus Verehrung gegen- über dem Merseburger Bischof, aber wie er selbst offenlegt auch aus dem rein eigennützlichen Zweck heraus, sein Werk durch die Nennung des Bi- schofs zu schützen.9 Dies impliziert an dieser Stelle schon, dass er wohl schon Erahnt hat, dass sein Werk nicht nur Fürsprecher finden wird.

Worauf sich die weiter oben genannte Vorsicht begründet, erkennt man recht schnell. Bereits in der Beschreibung zu Heinrichs Kindheit, lässt er diesem kein gutes Wort zukommen. Weiter noch legt er hier die Wurzeln al- les weiteren Übels zu Grunde: Sed cum procedente temporis cursu puer ae- tate quidem, sed non sapientia vel apud Deum vel apud homines proficeret matrisque monita regio fastu tumidus iam minus audiret […] 10. Bruno spricht Heinrich also schon im Erwachsenwerden ein mangelndes vorhanden sein von Weisheit und im weitesten Sinne ein Pflichtbewusstsein gegenüber den Menschen und gegenüber Gott ab. Somit rechtfertig Bruno auch den Staats- streich von Kaiserswerth, bei welchem Heinrich in jungen Jahren zum Wohl des Reiches entführt und in die Obhut Annos von Köln11 überführt wird.12 Auch in Bezug auf die Jahre seiner Herrschaft hat Bruno nur Kritik für Hein- rich übrig. Die wesentlichen Charaktereigenschaften, mit welchen Heinrich beschrieben wird, sind crudelitas et luxuria 13. Hierbei fällt dem aufmerksa- men Betrachter merklich ins Auge, dass Bruno seine Behauptungen durch- aus durch ihm überlieferte Berichte auszuschmücken weiß. Gerade an sol- chen Stellen, an denen er von an ihn herangetragenen Geschehnissen spricht, kann man ihm diese gewisse „subjektive Wahrhaftigkeit“14 zuspre- chen, schreibt er doch in dem Glauben, ihm würde nur die Wahrheit berichtet werden. Dass er allem Anschein nach aber überhaupt keinen Zweifel an der Richtigkeit seiner Niederschrift hat, zeigt aber auch, dass es ihm nicht unbe- dingt auf wahrheitsgemäße Überlieferung ankommt. Es scheint viel mehr, dass Bruno nur allzu willig alles schlechte Gerede über Heinrich heranzieht, um seine Konstruktion des schlechten und unehrenhaften Kaisers aufrecht halten zu können. Natürlich darf man nicht so weit gehen und der veralteten Forschungsmeinung folgen und Bruno als Lügner bezeichnen. Auch wenn seine Darstellungen überspitzt sind, so liegt doch allem zumindest ein wenig Wahrheit zu Grunde. Um die Gründe für den Sachsenkrieg offenzulegen, verfällt Bruno in äußert detaillierte Beschreibungen.

Er führt den von Heinrich veranlassten Burgenbau in Sachsen als unmittelba- re Gefahr auf.15 Weiter noch die aus seiner Sicht unwahrheitsgemäße An- schuldigung, Otto von Northeim und Magnus Billung hätten einen Mordan- schlag gegen Heinrich geplant, stellt er als weiteren Beweis der Boshaftigkeit des Königs gegen die Sachsen dar.16 Als letztendlichen Auslöser für den Beginn des Krieges mit den Sachsen, sieht Bruno das nicht standesgemäße Verhalten Heinrichs gegenüber den sächsischen Fürsten beim Zusammen- treffen in Goslar.17 Bevor es aber zum wirklichen Ausbruch des Krieges kam, hat sich laut Bruno der König auf Grund seiner militärischen Unterlegenheit zu einem Friedensgesuch durchgerungen. Teil dieser Friedensabmachung war es, dass die Burgen, die er in Sachsen erbauen lassen hatte, abgerissen werden sollten.18 Bruno schmückt an dieser Stelle die Beschreibung Hein- richs erneut auffällig aus, indem er ihm wieder die niedersten Charakterei- genschaften zuspricht und ihn einer List beschuldigt, um die Burgen nicht abreißen zu müssen. Dass die sächsischen Bauern darauffolgend die Harz- burg und die zugehörige Stiftskirche selbst niederrissen und die königlichen Gräber entweihten, versucht Bruno auch noch weitestgehend zu verteidi- gen.19 Verwunderlich ist nur, dass Bruno im weiteren Verlauf das Bitten Hein- richs an die übrigen Reichsfürsten, dass sie ihm gegen die Sachsen beiste- hen sollen, erwähnt. Hier schildert er zwar mit einem gewissen sarkastischen Unterton – [ n]am narravit eis lacrimans 20 – die Ausführung Heinrichs, aber dennoch lässt er diese den Sachsen wenig schmeichelnde Darstellung nicht aus. Trotz dieser wenigen und dem Rahmen dieser Arbeit geschuldeten nur kurz interpretierten Auszüge aus Brunos Darstellung lässt sich die Frage nach Brunos Absicht hinter seinem Werk doch schon ein wenig erläutern. Zum einen ist klar, dass Bruno als leidenschaftlicher Sachse jedes Fehlver- halten welches zu diesem Krieg geführt hat bei Heinrich zu finden sucht. Der Frage, ob sein Werk allerdings über den Zweck der Geschichtsschreibung hinaus geht und damit vielleicht noch andere Beweggründe impliziert, muss an dieser Stelle auch die gebührende Bedeutung beigemessen werden. Es scheint ja durchaus möglich, dass Bruno sein Werk als Streitschrift geschrie- ben hat um einen oder sogar beide später folgende Gegenkönige zu unter- stützen. Ob man aber so weit gehen kann ihm Pragmatismus zu unterstellen ist streitig.21 Zumal Bruno ja explizit den Bischof Werinher aufführt um sein Werk zu schützen, was unsinnig wäre wenn seine Niederschrift ohnehin als Streitschrift umhergehen würde. Was man aber wohl annehmen kann ist, dass Bruno nicht nur als Historiker geschrieben hat sondern auch zu dem Zweck seinen Volksmännern die Schandtaten Heinrichs gesammelt an die Hand zu geben und Ihnen somit umfassendes Material für etwaige politische Auseinandersetzungen zu liefern.

[...]


1 Vgl., Bruno, Einleitung S. 2.

2 Vgl.: Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs IV., S.29.

3 Hierzu: Schmale, Bruno von Magdeburg.

4 Martens: Gregor VII., S. 155. zitiert nach: Bruno. Einleitung, S. 3.

5 Nowatzki: Brunos Liber, S. 9.

6 Hierzu: Nowatzki: Brunos Liber.

7 Bruno, Einleitung, S. 1.

8 Bruno, Prologus.

9 Vgl., ibid.

10 Bruno, 1.

11 Zum Staatsstreich und der Person Annos von Köln: Schieffer: Anno II.

12 Vgl., Bruno, 1.

13 Vgl., ibid., 14.

14 Bruno, Einleitung, S. 3.

15 Vgl., Bruno, 15.

16 Vgl., ibid., 19.

17 Vgl., ibid., 23.

18 Vgl., ibid. 31.

19 Vgl., ibid., 33.

20 Ibid., 35.

21 Hierzu: Eggert: Wie „pragmatisch“ ist Brunos Buch vom Sachsenkieg?

Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668812291
ISBN (Buch)
9783668812307
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444198
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Historisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Kaiser Heinrich IV. Sachsenkrieg

Autor

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