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Die Rechtsreformen von Joseph II. Waren sie für das Scheitern seiner Regierung verantwortlich?

Überzeugter Naturrechtler. Kein kluger Taktiker

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Moderne Geschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Mitregentschaft
2.1 Erziehung
2.2 Die Denkschriften
2.3 Konflikt mit Maria Theresia

3. Alleinregentschaft
3.1 Grundsätze der Gesetzgebung
3.2 Die Reformen
3.2.1 Allgemeine Gerichtsordnung
3.2.2 Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch
3.2.3 Strafgesetz

4. Radikale Umsetzung und Scheitern

5. Resümee

6. Literatur- und Quellenverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur

1. Einleitung

Joseph II. ist einer der Monarchen, die als herausragendes Beispiel für den Aufgeklärten Absolutismus genannt werden. Nach dem Tod seines Vater Franz I. von Österreich blieb er 17 Jahre lang Mitregent neben seiner Mutter Maria Theresia, worauf 10 Jahre Alleinregentschaft folgten. In dieser Zeit prägte Joseph II. sein Bild als aufgeklärter Herrscher, mit dem er heute hauptsächlich in Zusammenhang gebracht wird. Ein Aspekt unter dem seine Regierungszeit in die Thematik der Aufklärung eingefügt werden kann sind die Rechtsreformen Joseph II.

Die Reformierung des habsburgischen Reiches begann schon unter Josephs Großvater Kaiser Karl VI. und wurde darauf von Maria Theresia fortgeführt. Auf dieser Basis begann Joseph II., als er die alleinige Herrschergewalt innehatte, sein Reich radikal umzustrukturieren.

Gegenstand dieser Arbeit soll es sein, die erlassenen Rechtsreformen der josephinischen Zeit einerseits zu erläutern und zusätzlich zu untersuchen inwiefern sie für das Scheitern seiner Regierung verantwortlich waren. Denn zum Ende seiner Herrschaftszeit stand die Monarchie kurz vorm Auseinanderbrechen und Joseph wurde als Schuldiger angesehen.[1]

Dazu sollen zuerst die Verhältnisse der Mitregentschaft in Bezug auf Josephs Kindheit, seine ausdrucksstarken Denkschriften und das schwierige Verhältnis zu seiner Mutter erläutert werden. Die Zeit seiner Alleinregentschaft soll danach ganz im Zeichen der Rechtsreformen und ihrer Merkmale stehen, anhand denen das Scheitern Josephs Regierung rekapituliert werden soll. Im Resümee wird zum Schluss seine Wirkung auf die Nachwelt eingesehen werden, um die Titelthese dieser Arbeit zu unterstützen: Joseph war ein im positiven Sinne überzeugter Naturrechtler, aber ein schlechter Taktiker in der Umsetzung seiner Reformierung.

Um Erläuterungen nicht über den Rahmen hinweg auszudehnen, kann im Folgenden nicht auf die ebenfalls bedeutenden Umbrüche im Kirchenwesen und der Wirtschaft, sowie die militärische Tätigkeit und die außenpolitischen Verhältnisse eingegangen werden.

Da die Forschungssituation zum Leben von Joseph II. und dem Aufgeklärten Absolutismus im Bezug auf ihn einige sehr nützliche Werke beinhaltet, in denen alle wichtigen Fakten zu seiner Person zu finden sind, waren bei der Untersuchung der Fragestellung hauptsächlich Sekundärliteratur über die Zeit des Aufgeklärten Absolutismus und Biographien behilflich, wie zum Beispiel von Francois Feitö oder Gernot Kocher[2]. Als Quellen wurde unter anderem mit Harm Kluetings „Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte“[3] und einer Lobrede von Herrmann Meynert[4] gearbeitet, um eine eigen fundierte Einschätzung zur Thematik zu erreichen. Die erarbeiteten Erkenntnisse sollen nun in chronologisch orientierter Reihenfolge dargelegt werden.

2. Mitregentschaft

Joseph II. wurde noch während der Regierungszeit seiner Vorgängerin und Mutter Maria Theresia zu deren Mitregent erhoben. Nachdem er 1864 zudem zum Kaiser gekrönt wurde hatte er zwar eine etablierte Machtstellung, die erste Instanz im Staat blieb jedoch bis zu ihrem Tod Maria Theresia. Dementsprechend eingeschränkt waren Josephs Zuständigkeiten in Außenpolitik und als Oberbefehlshaber der Armee.[5] Diese Begebenheiten stellten die bemühte Mäßigung des jungen und impulsiven Mitregenten des Öfteren auf die Probe. Joseph, der schon früh Neigungen zum Absolutismus entwickelte, fiel immer wieder seinem ehrgeizigen Willen zum Opfer und überschritt seine Grenzen.[6] In den Sitzungen des Staatsrats ließ er keine ausführlichen Diskussionen zu und wurde ausfällig bei Widerspruch zu seinen Ansichten.[7]

Doch hatte seine Entschlossenheit und Überzeugung auch den Vorteil, dass er ganz für seinen Staat einstand. Er verfehlte keine Möglichkeit seinen Patriotismus zur Schau zu stellen und klar zu machen, dass er sich ein einheitliches Reich als „Vaterland“ wünsche.[8] Seiner Ansicht nach sollten die Dinge sofort angepackt und möglichst schnell durchgezogen werden. Eine Einstellung, die er in seiner Alleinregentschaft nicht wahrhaftiger hätte durchsetzen können.[9] Dabei verpasste Joseph es nicht, auch seine neuartige aufgeklärte Denkweise preis zu geben. Angetrieben von der Vorbildwirkung anderer europäischer Herrscher, allen voran Friedrich der Große[10], verkündete er früh Reformationspläne über Zentralisierung und Nivellierung in seinen Denkschriften.[11]

Josephs extrem engagierter Einsatz für die Staatsaufgaben wurde noch mehr genährt von den persönlichen Schicksalsschlägen, die ihn früh trafen. Den schweren Schock über den Tod seiner ersten Frau, der Bourbonin Isabella von Parma, der sie nach drei Jahren Ehe ereilte, versuchte er durch harte Arbeit zu überwinden. Er schaffte es sich so weit zu erholen, um in eine zweite Ehe mit der Wittelsbacherin Maria Josepha einzuwilligen. Als diese wiederum nach wenigen Jahren Ehe verstirbt, gilt seine einzige Zuwendung der Aufgabe als Staatsdiener. Versuche zur Wiederverheiratung blockte er seit dem ab, da die Nachfolge der Habsburgerherrschaft mit seinem Bruder Leopold II. gesichert war.[12]

Dass Joseph II. sich schon in seinen Jungen Jahren der Mitregentschaft seiner selbst so äußerst sicher war und so zielgerichtet handelte kann auf seine Erziehung zurückgeführt werden.

2.1 Erziehung

Im Jahre seiner Geburt 1940 hatte Maria Theresia mit dem österreichischen Erbfolgekrieg zu kämpfen. Der neugeborene Thronfolger Joseph wurde mitten in der Krise als neuer Hoffnungsträger der Habsburgischen Monarchie gefeiert und genoss damit die besondere Aufmerksamkeit seiner Mutter.[13]

Maria Theresia sorgte dafür, dass Joseph die gründliche Ausbildung bekam, die ihr als junge Thronfolgerin nicht möglich gewesen war.[14] Der Tagesablauf Josephs war beinahe minuziös durchgeplant und richtete sich nach den physischen und vor allem auch den psychischen Anforderungen an den Jungen.[15] Seine umfassende Ausbildung beinhaltete Unterricht in Sprachen, Geschichte, Geographie, Ethik, Philosophie und Mathematik, aber auch in Kirchenrecht, bürgerlichem Recht, Natur- und Völkerrecht und Deutschen Staats- und Lehenrecht.[16] Eine für die Bildung Joephs zuständige markante Person war Christian August Beck. Dieser machte Joseph vor allem mit dem Natur- und Völkerrecht vertraut, sowie dem Deutschen Staats- und Lehenrecht. Seine intensiven Vorlesungen über die aktuelle interne Verfassung der Monarchie und deren unterschiedlich strukturierten Länder, bereitete Joseph zusätzlich systematisch auf seine Regierungszeit vor.[17] Joseph II. erhielt also schon als Kind eine sehr intensive und umfassende Ausbildung, die naturrechtlich geprägt und mit Elementen der Aufklärung gespickt, die Grundlage seiner Auffassung über die Pflichten eines monarchischen Herrschers bereitstellte.

[...]


[1] Feitö, Francois: Joseph II. Stuttgart 1956, S. VII.

[2] Kocher, Gernot: Die Rechtsreformen Joseph II., In: Reinalter, Helmut (Hg.): Josephinismus als aufgeklärter Absolutismus. Wien 2008, S. 125 – 162.

[3] Klueting, Harm (Hg.): Der Josephinismus, Darmstadt 1995, (=Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte, Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Band XII a).

[4] Meynert, Hermann: Kaiser Joseph II. Ein Beitrag zur Würdigung des Geistes seiner Regierung, Wien 1862.

[5] Baumgart, Peter: Joseph II. und Maria Theresia 1765 – 1790. In: Schindling, Anton; Ziegler, Walter (Hg.): Die Kaiser der Neuzeit 1519 – 1918. Heiliges Römisches Reich, Österreich, Deutschland. München 1990, S. 257.

[6] Feitö, S. 89.

[7] Ebd., S. 88.

[8] Ebd., S. 89.

[9] Ebd., S. 90.

[10] Kocher, S. 137.

[11] Feitö, S. 94.

[12] Baumgart, S. 255.

[13] Ebd., S. 250.

[14] Barton, S. 110.

[15] Baumgart, S. 253.

[16] Barton, Peter F. (Hg.): Im Zeichen der Toleranz, Institut für protestantische Kirchengeschichte. Wien 1981, S. 110.

[17] Baumgart, S. 254.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668814967
ISBN (Buch)
9783668814974
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444241
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Schlagworte
Rechtsreform Joseph aufgeklärter Absolutismus Österreich Monarchie josephinische Zeit Naturrecht

Autor

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Titel: Die Rechtsreformen von Joseph II. Waren sie für das Scheitern seiner Regierung verantwortlich?