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Mode aus soziologischer Sicht. Mode als Repräsentationsmittel im Bezug auf die Produktivität der Frau

Hausarbeit 2018 13 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. sozialer Status und Identität der Frau um 1900

2. Die soziale Funktion der Kleidung

3. Mode als Zeichen des Prestige - was bedeutet demonstrativer Konsum?

4. Produktivität der Frau als Sozialprestige

5. Die produktive Rollenverteilung im Wandel.

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Einleitung

Der erste Gedanke an Mode ist immer die Kleidung in seiner Schmuck-, Schamund Schutzfunktion an sich. Jedoch steckt in Mode ein viel größeres Phänomen. Mode in seiner sozialen Funktion ist der Schwerpunkt dieser Arbeit.

Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, die Mode aus soziologischer Sicht zu betrachten und dessen Auswirkung auf die einzelnen Individuen und der Gesellschaft. Dabei wird der Zusammenhang der Rollenverteilung der verschiedenen Geschlechter hergestellt und die Stellung der Frau wird mit hoher Aufmerksamkeit beleuchtet. Dabei wird unter anderem der Frage auf den Grund gegangen, ob die Mode als Repräsentationsmittel in der heutigen Rollenverteilung noch eine Rolle spielt. Denn schaut man sich den sozialen Status und die Identität der Frau im Blickwinkel der Mode und dessen soziale Funktion an, kommt die Frage der Rollenverteilung auf. Wird Mode überhaupt als Repräsentationsmittel gesellschaftlich genutzt?

Um ein Verständnis für das Thema aufbringen zu können, muss der soziale Status und die Identität der Frau um 1900 in Europa näher betrachtet werden. Kontext mit der Kleidung wird hergestellt, indem wir die soziale Funktion der Kleidung genauer studieren. Haben wir die Grundlagen für unser Verständnis gelegt, wird der Zusammenhang zwischen der Mode in der Gesellschaft und dessen Art des Konsums hinterfragt. Dabei spielt die Produktivität der Frau eine große Rolle. Thorstein Veblen’s „Theorie der feinen Leute“ wird als Grundlage genutzt und Aspekte aus Georg Simmel’s „Philosophie der Mode“ hinzugezogen. Im Ausblick auf die jetzige Situation der Gesellschaft wird der Wandel der produktiven Rollenverteilung anhand der Familien-, Arbeits- und Haushaltsaufteilung aufgeschlüsselt. Mode und ihre Funktion ist vielschichtig. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengetragen und der Wandel der Funktion der Mode dargestellt. Denn die Funktion der Mode hat sich verändert und es steht die Repräsentation des einzelnen Individuums im Vordergrund.

1. Der soziale Status und Identität der Frau um 1900

Der soziale Status der Frau ist zu einem großen Teil von ihrer Stellung innerhalb des Berufssystems und innerhalb ihrer Klasse abhängig. Die Rolle der Frau bestand bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in Europa darin, Kinder zu bekommen und die Familie zu repräsentieren. Die Aufgaben des Haushaltes fielen den Bediensteten zu. Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich die wirtschaftliche Situation der Länder. Das Einsetzen der Industrialisierung veränderte das heimische Bild und dessen Ordnung. Es wurde klar getrennt zwischen Heim- und Arbeitsplatz und schließlich veränderte sich das Aufgabenbild der Frau.1 Sie wurde zur Hausfrau und kümmerte sich um den Haushalt und die Erziehung der Kinder. Dies wurde zur einzigen Bestimmung der Frau erklärt. Dieses Geschlechtermodell blieb jedoch nicht unangefochten, denn die Frauen hatten keinen Subjekt-Status, also wurde ihnen die Mündigkeit und Autonomie abgesprochen und sie benötigten eine Geschlechtsvormundschaft, ausgeübt durch den Vater, Bruder oder Ehemann.2 Zur Zeit des 2. Rokoko machte die Rolle der Frau einen Rückschritt, denn sie wurde an der Seite ihres Gatten zum Symbol des Wohlstandes und Protz. Im Kaiserreich war der soziale Status der Frau der des Mannes weit unterlegen. Die Schwäche der sozialen Position, zu der Frauen den überwiegenden Teil der Geschichte verurteilt waren, ergab die enge Beziehung zu allem was Sitte war - zu der allgemein gültigen und gebilligten Daseinsform.3 Das Idealbild der Frau wurde überwiegend über ihr Äußeres bestimmt. Die Frau diente als Accessoire des Mannes und musste die Aufgabe übernehmen, stellvertretend für das Oberhaupt der Familie zu konsumieren4 und somit das Prestige der Familie zu erhalten. In der vom Geld bestimmten, geprägten Kultur wird die Dame des Hauses als erste Dienerin des Haushaltes angesehen5 und untersteht somit dem Herren des Hauses. Im Bezug auf den stellvertretenden Konsum der Dame des Hauses ist vergleichsweise das Streben des Bürgertums klar zu erkennen.

Frauen unternahmen den Versuch, sich durch Objekte des Prestiges in der sozialen Welt einzuordnen, den angestrebten Lebensstil nach außen zu repräsentieren. Dies war schwierig umzusetzen, denn es benötigte viel Zeit und Muße und vor allem die Befreiung von Erwerbsarbeit.6 Die bürgerliche Frau wurde nicht durch die Schönheit allein bestimmt. Hinzu kam eine klassische Ausbildung in den Künsten, wie Musik. Die Bildung der Frauen war jedoch nicht auf den späteren Wunsch des Berufes ausgelegt. Sie sollte der Frau den kommunikativen Umgang mit Gästen beibringen und sie lehren, ihre repräsentative Aufgabe perfekt erfüllen zu können. In den unteren Ständen war das bei weitem nicht möglich, denn hier waren die Frauen viel mehr in die Arbeitswelt eingebunden und hatten nicht die Zeit, wie Frauen höherer Schichten, sich diesen speziellen, kulturellen Praktiken zu widmen.7

2. Die soziale Funktion der Kleidung

Das im 19. Jahrhundert entstandene und vorherrschende Bürgertum und dessen entwickelte Klassenstruktur änderte das gesamte Sozialgefüge der Gesellschaft. Soziale Positionen wurden nicht mehr vererbt und man konnte sich diese erarbeiten. Somit waren sie generell für jeden erreichbar und Klassen konnten durchdrungen werden. Die Mode war das offensichtlichste Sprachrohr zur Differenzierung der einzelnen Klassen. Dadurch, dass der soziale Status bei der Geburt nicht mehr zwingend durch Vererbung weitergegeben wurde - dies gilt ebenfalls für wirtschaftliche Mittel wie z.B. Geld, musste sich ein neues Distinktionsmerkmal entwickeln. Es entstand der Begriff des Prestiges. Und Prestige wurde am einfachsten Mittels Kleidung dargestellt, da Mode die erste Erscheinung des Menschen prägt und repräsentiert. Kleidung repräsentiert einen gewissen Lebensstil und hilft bei der Abgrenzung zu den unteren Schichten. Sobald wir von der modischen Nachahmung sprechen, geht es nicht grundlegend um die Form des Kleidungsstücks- viel eher wird eine bestimmte Lebensart imitiert.8

die Geschichte zeigt, ist Kleidung nicht willkürlich gewählt, irrational oder gar nur schmückendes Beiwerk, schicksalshafter Zwang oder eigenwillige Gesellschaftsoberfläche.9 Ganz im Gegenteil: die Entwicklung, Veränderung und der Ausdruck von Kleidung wird geprägt von einem geschichtlich unterschiedlich begriffenen Verständnis der Selbstpräsentation und einer sozialhistorischen Vernunft.10 Das soziale Urbedürfnis des Menschen wird mittels Mode bzw. Kleidung befriedigt. Soziale Anlehnung wird durch die Nachahmung eines gegebenen Musters erreicht. Mode ist „ein Produkt klassenmäßiger Scheidung und verhält sich so wie die Anzahl anderer Gebilde, vor allem wie die Ehre, deren Doppelfunktion es ist, einen Kreis in sich zusammen- und ihn zugleich von anderen abzuschließen.“11 Je nach Position im sozialen Gefüge, erhält jedes Individuum durch das Gesellschaftsdiktat eine Rolle, welche die Person entweder eingeht oder aktiv entgegengeht. Jeder entwickelt ein Verhältnis zu seiner Kleidung und kann sie als Sprachrohr nutzen und eigene Ziele verwirklichen. Die soziale Schicht jedes Einzelnen bestimmt, welche Einstellung die Person zur Mode haben muss. In vorindustriellen Gesellschaften weist das Bekleidungsverhalten sehr genau auf die Position einer Person in der sozialen Struktur hin. Kleidung offenbarte nicht nur soziale Klasse und Geschlecht, sondern häufig auch Beruf, Religionszugehörigkeit und regionale Herkunft. 12 Neue Kleidung war für die Armen unzugänglich. Sie trugen gebrauchte Kleidung, die oft durch viele Hände gegangen war, bevor sie sie erreichten.13 Wenn man die Geschlechter und deren Verhältnis zur Mode im sozialen Kontext setzt, hatte die soziale Funktion der Kleidung bei der Frau einen deutlich höheren Stellenwert im Vergleich zum Mann. Die Frauen trugen aufwendigere Kleidung. Die soziale Position der Frau lässt ebenfalls auf diese These hindeuten.

[...]


1 Vgl. hierzu Landesausstellung 1998: Geschichte der Frauen in Bayern Von der Völkerwanderung bis heute: Kapitel Weiblicher Lebenslauf: http://www.hdbg.de/frauen/fbrue.htm, Haushalt, Z.7-9

2 Vgl. http://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauenbewegung/35252/wie-alles-begann-frauen-um- 1800?p=all, Situation von bürgerlichen Frauen in Deutschland um1800, Z.7-8 (Stand: 08.09.2008)

3 Vgl. Klepper, Erhard: Die Mode des 18. Jahrhundert, München: Rogner & Bernhard 1971, S. 19

4 Vgl. Veblen Thorstein, Theorie der feinen Leute - Eine ökonomische Untersuchung der Institutionen, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 1986, S. 175

5 Ebd. S.178

6 Vgl. Frevert Ute: „Mann und Weib, und Weib und Mann“ -Geschlechter - Differenzen in der Moderne. München: Beck 1995, S. 155

7 Vgl. Frevert, S. 151 f.

8 Vgl. König, René: Macht und Reiz der Mode, Wien: Econ Verlag 1971, S. 147 f.

9 Vgl. König, René, S.61

10 Vgl. Bombek, Marita, Kleider der Vernunft - Die Vorgeschichte bürgerlicher Präsentation und Repräsentation in der Kleidung, Münster: Lit Verlag 2005, S.8.

11 Simmel, Georg: Philosophie der Mode, Berlin: Moderne Zeitfragen, Nr. 11, hg Hans Landsberg 1905, S.9

12 Vgl. Crane, Diana: Fashion and Its Social Agendas - Class, Gender, and Identity in Clothing, London: University of Chicago Press 2000, S. 3

13 Ebd.

Details

Seiten
13
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668812994
ISBN (Buch)
9783668813007
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444244
Institution / Hochschule
AMD Akademie Mode & Design GmbH
Note
1,3
Schlagworte
Soziologie Mode Produktivität der Frau Rollenverteilung Konsum soziale Funktion sozialer Status

Autor

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