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Interpersonelle Psychoanalyse nach Edgar A. Levenson

Ausarbeitung 2017 11 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

Biografie

Behandlungstechniken

Aufgaben des Analytikers

Arbeit mit der Gegenübertragung

Detaillierte Befragung

Das Level der Abstraktion

Fazit/Kritik

Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Die folgende Arbeit stellt die interpersonelle Psychoanalyse nach Edgar A. Levenson dar und versucht, sein Selbstkonzept und den daraus resultierenden Behandlungstechniken zu beschreiben. Da Levensons Arbeit sich darauf stützt kein therapeutisches Imperativ zu nutzen, finden sich oft Widersprüche in den Behandlungstechniken. Ein besonderes Augenmerk wird jedoch auf die Arbeit mit der Gegenübertragung und die detaillierte Befragung gelegt. Trotz der Schwierigkeiten Levensons Stil praktisch anzuwenden, gehört er zu den größten interpersonellen Psychoanalytikern dieser Zeit.

Biografie

Edgar A. Levenson begann seinen beruflichen Werdegang mit einem Medizinstudium in den 1940er Jahren, da es zu der Zeit keine große Auswahl an Alternativen gab und sich viele mittelständige jüdische Jugendliche zu solch einem Studium entschlossen (Levenson, Hirsch & Iannuzzi, 2005). Nach seinem Studium trat er der Armee für 2 Jahre bei und da er zuvor in seinem Studium eine Facharztausbildung zum Neurologen absolviert hatte, bekam er von der Armee eine “Fachrichtungseinstufung” (speciality rating), die ihn, nach Austritt der Armee, offiziell als Psychiater arbeiten lies. Anfang der 1950er Jahre begab Levenson sich in Richtung Psychoanalyse, weil er selbst eine brauchte. Da jedoch die soziale Akzeptanz der Psychoanalyse gegenüber gering war und sie Levenson unangenehm war, beschönigte er seine Analyse vor Freunden und Bekannten als Voraussetzung für seine Ausbildung, die er jedoch erst später am William Alanson White Institute in New York begann (Levenson, Hirsch & Iannuzzi, 2005). Levenson (2005) gibt an, nie geplant zu haben Analytiker zu werden und kommentiert, dass wenn er seine Analyse schon Jahre zuvor gemacht hätte, dann wäre er wohl Versicherungskaufmann geworden. Sein Weg führte jedoch nicht nur ans psychoanalytische Institut, sondern auch zu bekannten Persönlichkeiten der Interpersonellen Psychoanalyse wie Harry Stuck Sullivan, Clara Thompson, Erich Fromm & Frieda Fromm-Reichmann. All diese Personen brachten mehr oder weniger ihren Einfluss auf Edgar Levensons herausgearbeitete neuzeitige Interpersonelle Psychoanalyse ein. Nicht allen begegnete Levenson persönlich, doch mit vielen nahm er an Supervisionen teil. Levenson (2005) gibt des Weiteren seine Supervisoren Ed Tauber und Meyer Maskin als große Einflüsse seiner Arbeit an. Alfred Korzybski war eine große Inspiration für Levensons Überlegungen, insbesondere Korzybskis Arbeit der „General Semantics“, ein Therapieverfahren das darauf abzielt, menschliche mentale Verhaltensweisen und Angewohnheiten zu regulieren und dafür Erklärungen auf neurologischer Ebene benützt. Korzybskis Arbeit fällt heutzutage in die Rubrik der Pseudowissenschaft.

Mit Clara Thompson arbeitete Levenson besonders viel und ihre gemeinsame Arbeit diente teilweise als Grundlage für seine Methodik, insbesondere für seine Handhabung der Gegenübertragung, auf die im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch näher eingegangen wird.

Behandlungstechniken

Levenson (2005) definiert die Psychoanalyse als eine Methode zum Erreichen von validen Schlüssen über die Funktionen des Verstandes. Es werden nicht etwa, wie oft angenommen, verdeckte Wahrheiten herausgearbeitet, sondern es wird ein hohes Level an Komplexität im Verständnis erreicht. Dem Patienten werden kognitive und semiotische Fähigkeiten mitgegeben, die es ihm erlauben Erlebtes und Gefühltes aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Die Symptomreduktion allein reicht Levenson nicht, für ihn muss die Psychoanalyse den blinden Bereich der psychologischen Kompetenz des Patienten füllen.

Die klassische Psychoanalyse nimmt aus ihrer intrapsychischen Perspektive an, dass Patienten die Realität wegen ihrer Triebe oder Fantasien, die ihre Ursprünge in frühen Erfahrungen haben, verzerren. Dies bildet einen Unterschied zur interpersonellen Perspektive, denn diese nimmt an, dass Patienten ihre Erfahrungen als Versuch die Realität zu begreifen verzerren (Levenson, 1989). Die Patienten sind aus interpersoneller Perspektive nicht wegen ihrer Triebe oder inadäquater Abwehrmechanismen gestört, sondern wegen ihrer Unfähigkeit die Welt zu lesen und zu interpretieren, was auch das Begreifen von Nuancen beinhaltet und die Fähigkeit ausreichend auf die eigene Umwelt zu reagieren (Levenson,1989).

Aufgaben des Analytikers

Die Haltung des Analytikers spielt hier, wie auch in jeder Analyse, eine wichtige Rolle. Levenson (2005) glaubt nicht daran, dass man einen Patienten nur durch therapeutisches Expertise, ein haltendes Umfeld oder die Korrektur der Gegenübertragung heilen kann. Als interpersoneller Analytiker vertritt er die Meinung, dass der therapeutische Prozess vor allem durch die Authentizität des Therapeuten zu einem heilenden Ergebnis führt. Dieser Prozess hängt also davon ab, auf welchem Weg sich der Analytiker einbringt und Levenson (2005) betont hierbei, nicht nach einer idealisierten Durchführung zu arbeiten, die Neutralität oder Empathie vorschreibt, sondern sich selbst, als der nicht perfekte Mensch, der man auch als Analytiker ist, in den Raum zu stellen. Solch eine Arbeit erfordert somit viel Selbstbeobachtung an der eigenen fehlerhaften Teilnahme, doch diese Fehler können im therapeutischen Prozess genutzt werden. Keineswegs sollten sie eliminiert werden, viel mehr schlägt Levenson (2005) vor, sie realistisch darzustellen. Dieser Aspekt wird im Unterkapitel der „Arbeit mit der Gegenübertragung“ im weiteren Verlauf der Hausarbeit näher beleuchtet.

Levenson (2005) schlägt vor dem Patienten genau zuzuhören und mit der Situation zu spielen. Der Wahrheitsgehalt der Erzählungen sollte nicht hinterfragt werden, auch solle dem Patienten weder zugestimmt noch widersprochen werden, da dies eine Art ist, sich dem Patienten überzuordnen. Der Patient soll nicht auf den Gedanken kommen, dass der Therapeut die Erzählungen des Patienten klarer sieht als er selbst. Für den Therapieverlauf wäre es viel besser, wenn der Patient zu dem Ergebnis kommt, dass er seine eigenen Wahrnehmungen mehr nutzen kann, als er anfangs eventuell gedacht hätte. Dies wirkt befreiend, jedoch nicht direkt heilend. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass dadurch ein Prozess in die Gänge kommt. Wenn der Patient in der Lage ist etwas von seinem Therapeuten aufzunehmen und zu identifizieren, dann wird die Art wie der Therapeut damit umgeht eine Erweiterung der Interaktion. In dem Moment wo man es zur Technik macht, versucht man eine erzwungene Veränderung herbeizuführen, was wiederrum ein sich-über-den-Patienten-stellen bewirkt (Levenson, Hirsch & Iannuzzi, 2005).

Die Achtsamkeit des Therapeuten ist das, was nach Levenson zu verändernden Ereignissen führt bzw. das, was dem Patienten im Endeffekt hilft (Levenson, Hirsch & Iannuzzi, 2005). Der Therapeut wird unvermeidlich ein Teilnehmer der erzählten Geschichten seiner Patienten und bringt sich selbst in den Prozess ein, in dem er sich die Geschichten aufmerksam anhört, sie innerlich visualisiert und dann versucht zu erkennen, welche verschiedenen Perspektiven es von derselben Geschichte noch geben könnte. Auch ist es die Aufgabe des Therapeuten durch die Visualisierung Lücken in den Erzählungen zu entdecken und ihnen auf den Grund zu gehen.

Der Therapeut agiert als beobachtender Teilnehmer, der sich dessen bewusst ist, dass Patienten sich nicht nur nach besseren Beziehungen sehnen und danach suchen, sondern immer noch tief verbunden mit ihren alten, ursprünglichen Beziehungen sind. Es ist zu erwarten, dass man als beobachtender Teilnehmer und Analytiker unvermeidlich in die erlernten Lebensmuster der Patienten hineingezogen wird (Levenson, Hirsch & Iannuzzi, 2005). Der Analytiker fungiert sozusagen als ein „Aktualisierer“ der Übertragung des Patienten. Zwar ist der Patient die Person, die die Therapie am meisten beeinflusst, doch reagiert der Analytiker mit seiner individuellen Persönlichkeit auf den Patienten, was dazu führt, dass beide Teilnehmer früher oder später die Übertragungserwartungen und behandelten Themen des Patienten inszenieren. Schon Stern (2005) bemerkte dieses Phänomen:

Without realizing it, the analyst of a masochistic patient makes sadistic interpretations of masochism; the analyst of a seductive patient who is nevertheless fearful of sexuality makes seductive interpretations of the patient’s fear; the analyst of a narcissistically vulnerable patient interprets the narcissism in a way that wounds. The analyst’s only resource is to turn back on her experience of herself, the patient, and the interaction between them, and try to formulate what was going on- and then dig herself out (Stern, 2005, zitiert nach Foehl, 2008, S. 1238).

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Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668812796
ISBN (Buch)
9783668812802
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444377
Institution / Hochschule
International Psychoanalytic University
Note
1,0
Schlagworte
Psychologie Levenson Behandlung Psychoanalystik

Autor

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Titel: Interpersonelle Psychoanalyse nach Edgar A. Levenson