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Soziale Ungleichheit im Trash-TV

Seminararbeit 2014 13 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EinleitungPAGEREF

2. Forschungsgegenstand

3. Methodologie

4. „Die Geissens – eine schrecklich glamouröse Familie“

5. „Family Stories“

6. Zusammenfassung

7. Fazit

8. Bibliographie

1.Einleitung

Immer öfter geben Prominente durch „Homestories“ Einblick in ihr Privatleben. Der (vermeintliche) Alltag wird von der Kamera eingefangen und danach der breiten Öffentlichkeit zur Schau gestellt. Das millionenschwere Anwesen, die sündhaft teuren Familienkutschen und der verwöhnte Hund werden ins richtige Licht gerückt. Oftmals bekommen die Promis dann auch noch Besuch, meist von ebenfalls bekannten Personen, und das wird gefeiert – natürlich nur mit den edelsten Weinen und Magnum-Sektflaschen.

Auf der anderen Seite werden Sendungen ausgestrahlt, die Menschen in misslichen Lagen zeigen. Die Mutter alleinerziehend, die Kinder nehmen Drogen, haben die Schule abgebrochen und werden schnell aggressiv. Die Wohnung ist verdreckt, die Kleidung schmutzig und die Umgangsformen innerhalb der Familie sind mehr als nur rau. So oder so ähnlich sehen die Requisiten und die Hauptfiguren in sogenannten „Trash-TV“-Sendungen aus.

Nicht nur bei der Betrachtung dieser Sendungen klafft die gesellschaftliche Schere immer weiter auseinander, und die Ungleichheiten werden auch immer deutlicher sichtbar. Um den Begriff der sozialen Ungleichheit besser verstehen zu können, muss man schon in der Historie weit zurückgehen. In der Ständegesellschaft wurden die Menschen nach Grund und Boden und nach den Eltern eingeteilt. An der Spitze stand der König, es folgten der Klerus als erster Stand, der Adel als zweiter Stand und die Bauern und Bürger stellten den dritten Stand dar. Ein sozialer Aufstieg war fast unmöglich, ein Abstieg hingegen durchaus üblich. (vgl. Bosl 1987: 61-84)

Bei der Klassengesellschaft gab es die Kategorien der Industriellen, der Arbeiterklasse und der Angestellten und Beamten. Eingeteilt wurde man aufgrund der Berufshierarchie und des Besitzes industrieller Produktionsmittel. Wiederum konnte man kaum einen sozialen Aufstieg erleben, dafür mit Leichtigkeit einen Abstieg.

In der geschichteten Gesellschaft kommt es auf die Bildung und den Beruf an. Der soziale Auf- und Abstieg ist leichter möglich, dennoch selten, weil es auf die individuelle Leistung ankommt. (vgl. Bühler-Niederberger 2009: 3-8)

Wie man an den vorher beschriebenen Modellen gut sehen kann, gab es in allen Epochen Ungleichheiten. Die Personen in den verschiedenen Klassen hatten unterschiedliche Rechte und Pflichten und nahmen andere soziale Positionen ein. Heute sehen wir die damalige Zeit als ungerecht oder unfair, aber damals kannten die Leute nichts anderes, daher erschien es als normal.

Heutzutage erkennen wir die Ungleichheiten an der strukturellen und kulturellen Ebene. Lebenssituation, Bildung, Einkommen und Beruf bilden in der Gesellschaft gewisse Strukturen, die nur schwer zu brechen sind. Kulturelle Barrieren wie Religion oder politische Orientierung führen häufig zu heftigen Auseinandersetzungen bis hin zu Krieg. (vgl. Hradil 2010: 216-225)

Ungleichheiten hat es immer gegeben und wird es auch in Zukunft weiterhin geben. Der entscheidende Unterschied etwa zwischen dem Mittelalter und heute ist, dass diese Unterschiede bewusst aufgezeigt und häufig absichtlich verstärkt werden. Die TV-Branche hilft mit ihrer Sendungsauswahl, den Menschen einerseits das wundervolle Leben in Reichtum, aber auch andererseits ein Leben in Plattenbauten mit einem tristen, grauen Alltag zu zeigen.

In der nachstehenden Arbeit werde ich beide, in dieser Hinsicht „extremen“, Filmformate des Trash-TV anhand einer Filmanalyse durchleuchten und die heutige soziale Ungleichheit mit Hilfe der Sprache, der Darstellung der Personen und der allgemeinen Lebensumstände herausarbeiten.

Zu Beginn stelle ich beide Formate unabhängig von einander vor. Danach arbeite ich die Unterschiede heraus und vergleiche diese miteinander. Am Ende steht das Fazit mit dem Versuch, die möglichen Beweggründe der Sender, beide Formate auszustrahlen, aufzuzeigen.

2.Forschungsgegenstand

Für meine Proseminararbeit habe ich mir einerseits „Die Geissens – eine schrecklich glamouröse Familie“ und andererseits „Family Stories“ ausgesucht. Beide Sendungen laufen auf dem deutschen Sender RTL II und es handelt sich in beiden Fällen um Beschreibungen von Familien und deren Alltag. Für die Filmanalyse genügt ein einmaliges Ansehen nicht, darum war es natürlich auch wichtig, dass die Folgen im Internet verfügbar sind. RTL II Now bietet sieben Tage nach der TV-Ausstrahlung die Folgen kostenlos an und so wurde meine Auswahl eingeschränkt. Ich entschied mich bei „Die Geissens - eine schrecklich glamouröse Familie“ für die Folge „Inselshopping in der Karibik“ vom 21.09 und bei „Family Stories“ für „Hilfe – ich bin kuscheltiersüchtig“ vom 22.09. 2014.

Die Entscheidung für die Serien und die konkreten Folgen davon war semi-zufällig, da ich den genauen Inhalt vorher nicht gekannt habe. Wichtig war für mich vor allem, dass beide Serien vom gleichen Sender ausgestrahlt werden, um die Unterschiede besser herausarbeiten zu können.

Mittlerweile gibt es schon einige Sendungen, die erfolgreiche Unternehmer und deren Leben zeigen. Ein Beispiel dafür wäre „Michael Hausenblas – Staubsauger-Vertreter Deluxe“ oder auch „Daniela Katzenberger – natürlich blond“. Trotz dem großen Angebot entschied ich mich für Robert und Carmen Geiss, weil sie mir persönlich am sympathischsten waren und auch die Kinder nicht zu kurz kommen. Zufall hingegen war die Auswahl der Serie „Family Stories“. Ohne lange zu zögern durchsuchte ich die verfügbaren Folgen und entschied mich aufgrund des skurril klingenden Namens für Doreen, die als Protagonistin eine kuscheltiersüchtige Frau spielt.

3.Methodologie

Da meine Arbeit zwei Fernsehsendungen behandelt, habe ich mich entschieden, eine Filmanalyse durchzuführen. Filme können auf verschiedene Arten analysiert werden. Einmal liegt der Schwerpunkt auf dem Inhalt, einmal auf der Musik und ein anderes Mal auf der Kameraführung, dennoch besteht die Aufgabe darin, all diese Aspekte zusammenzufassen. Norman K. Denzin hat aus diesem Grund in seinem Text ‚Reading Film - Filme und Videos als sozialwissenschaftliches Erfahrungsmaterial‘ einen Leitfaden erstellt, der in vier Phasen gegliedert ist. Diese Punkte müssen auf die Forschungsfrage und auf den Forscher individuell abgestimmt und angepasst werden. Wie bereits erwähnt, werden vier Phasen unterschieden: ‚Sehen und Fühlen‘, ‚Welche Fragen soll man stellen?‘, ‚Strukturierte Mikroanalyse‘ und ‚Suche nach Mustern‘. All diese Punkte haben noch weitere Unterpunkte, die als Erklärungen und Hilfestellungen dienen. Im Allgemeinen kann man sagen: Zuerst sollte man sich einen ersten Eindruck verschaffen, danach Notizen zum Film anfertigen und schlussendlich den Film in kleine Teile zerlegen. (vgl. Denzin, 2010, S.426 f.)

Dieser methodologischen Anleitung folgte ich bei meinem Vorhaben ebenso und lege dabei den Fokus meiner Analyse auf die Faktoren Sprache, Darstellung der Protagonisten und Darstellung der allgemeinen Lebensumstände. Nach der Einzelanalyse der beiden ausgewählten Sendungen bzw. Folgen mittels dieser Faktoren versuche ich abschließend, gemeinsame Muster zu suchen sowie gegebenenfalls die entsprechenden Unterschiede aufzuzeigen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668819207
ISBN (Buch)
9783668819214
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444564
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
3
Schlagworte
soziale ungleichheit trash-tv

Autor

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Titel: Soziale Ungleichheit im Trash-TV