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Deskription des Stressphänomens und dessen Effekte auf den menschlichen Körper anhand von Stressmodellen

von Thomas Neufert (Autor)

Hausarbeit 2018 18 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abstract

2. Einleitung

3. Wirkungskaskade von Stress im Körper

4. Genesis Stressdisposition

5. Prädisposition für Stress

6. Stressmodelle

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1. Abstract

The following work deals with the phenomenon of stress as a subjective effect on the body, its individual processing and the influence of stressors on the individual. It describes which physiological processes and somatic effects stress in a person has. Furthermore, various stress models from different eras are presented and discussed

2. Einleitung

Den Begriff „Stress“ kennt nahezu jeder Mensch und hat schon "Stress" erfahren.

Was aber ist Stress? Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich dem Thema "Stress" zu nähern.

"Stress" beschreibt eine evolutionäre bedingte und natürliche Reaktion des Menschen auf diverse Situationen einer subjektiven Bedrohung. In der frühen Geschichte der Menschheit und auch während der weiteren Evolution war es überlebenswichtig in einer gefährlichen Lage zu entrinnen. Zum Überleben schüttet der menschliche Organismus Stresshormone aus, die kurzzeitig die physische Leistungsfähigkeit erhöhen, um in lebensgefährlichen Situationen durch Kampf oder Flucht reagieren zu können. In der heutigen Gesellschaft und im modernen Alltagsleben stellen Kampf und Flucht jedoch kaum noch eine angemessene Verhaltensweise dar. Wenngleich die Relikte der Urzeit bis zur Gegenwart Einfluss haben. Den Menschen in der Gegenwart fehlt oftmals ein Regulationsmechanismus um die einwirkenden Stressoren ab zu puffern. Die Folge ist eine permanente Anspannung des gesamten Organismus, welche auf Dauer psychisch und physisch gesundheitsschädlich ist.

Laut einer repräsentativen Umfrage der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2016 [1] leiden in Deutschland mehr als 60% der Erwachsenen Bevölkerung zumindest "gelegentlich" unter Stress - nahezu 23 % sogar "häufig". Es zeigt sich auch eine Geschlechter-spezifität. Männer scheinen demnach weniger betroffen zu sein als Frauen. Stress ist kein Phänomen, welches sich auf Erwachsene beschränkt. Auch annähernd 25% der Kinder gaben an, "oft" oder "sehr oft" unter Stress zu leiden. Bei Erwachsenen lassen sich drei große Stressoren unterscheiden: das Berufsleben, hohe Selbsterwartungen und private Auseinandersetzungen. Im Arbeitsprozess werden primär zu lange Arbeitszeiten und ständiger Termindruck als große Stressoren angegeben. Ein Wandel der Arbeitswelt und deren Anforderungen gelten in der Stressforschung ursächlich für die Entstehung von Stress. Charakteristisch für diesen Wandel ist neben einer dauerhaften hohen Arbeitsbelastung vor allem die so genannte "Erosion des Privaten". Darunter werden vor allem die Resultate einer hohen Arbeitsstundenzahl und der Unterwerfung einer permanenten Erreichbarkeit sowie der daraus resultierenden wachsenden Disbalance von Beruf und Privatleben konzentriert.

Eine dauerhafte Stressbelastung protegiert neben den allgemeinen Einschränkungen die Entfaltung konkreter physischer und vor allem psychischer Erkrankungen. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf die Verflechtung zwischen Stresslevel und psychischer Erkrankungen wie Angststörungen, Burn-Out oder Depressionen. Steigende Arbeitsunfähigkeitszeiten ursächlich durch psychische Erkrankungen sind schon länger bekannt. Eine wichtige Aufgabe zumindest in der Arbeitswelt wäre eine stärkere Sensibilisierung von Arbeitgebern für die Stressbelastung ihrer Mitarbeiter. [2]

3. Wirkungskaskade von Stress im Körper

Stress hat die unterschiedlichsten Auswirkungen auf den Körper. Der gestresste Mensch zeigt entweder körperliche Reaktionen oder psychische Reaktionen. Auch eine Kombination aus beidem ist möglich. Physiologisch zeigen sich die körperlichen Reaktionen an unterschiedlichen Strukturen des Körpers:

Auf die Muskulatur hat Stress eine Leistungssteigerung durch vermehrte Ausschüttung von Sauerstoff und Nährstoffen zu Folge. Für die Bereitstellung von Energie in Form von so genanntem ATP (Adenosintriphosphat) ist ein komplexes Zusammenspiel von Herz- Kreislauf, Atmung und der inneren Organe notwendig.

Stress hat nicht nur eine Leistungssteigerung der Muskulatur zur Folge, was in der Urzeit notwendig war um vor einer Gefahr zu flüchten, sondern wirkt sich an andere Strukturen hemmend aus. So werden die Funktionen der Verdauungsorgane, der lymphatischen Organe, Antikörper Produktion und Entzündungsreaktionen reduziert. Weiter zeigen sich erhöhte Sudomotorik, Erweiterung der Pupillen, Flüssigkeitsrentention in den Nieren, verminderte Sexualfunktion und eine Kontraktion der Haarbalgmuskulatur, was sich in der Aufrichtung der Körperhaare zeigt - der Mensch bekommt eine "Gänsehaut". Gesteuert wird diese ganze Kaskade über zwei Achsen der Stressverarbeitung. Einmal über die Hypothalamus - Sympathikus - Nebennierenmark Achse und über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinde Achse.

Bei der Hypothalamus - Sympathikus - Nebennierenmark Achse wird über das Stammhirn das Stresshormon Noradrenalin freigesetzt. Dieses Hormon aktiviert den Sympathikus des Vegetativen Nervensystems Stresshormone. Der Sympathikus wiederum stimuliert das Nebennierenmark, welches verstärkt Adrenalin frei setzt, welches ins Blut gelangt und dadurch zahlreiche Veränderungen im Körper, unter anderem Herz-Kreislauf und Stoffwechselvorgänge, hervorruft.

Bei länger anhaltender Stresseinwirkung wird der andere Weg der Stressverarbeitung über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinde Achse aktiviert. Dieser Möglichkeit der Stressverarbeitung wirkt vor allem über die Freisetzung des Stresshormons Cortisol, einem Glukokordikoid. Über Signale aus dem Hypothalamus und der Hypophyse welche zum zentralen Nervensystem des Großhirns gehören wird durch einen Botenstoff die Nebennierenrinde zur Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin angeregt. Die beiden Hormone haben dann die gleichen Auswirkung auf die Endorgane wie die Stressverarbeitung über den Weg oben beschriebenen Weg über den Sympathikus. Im optimalen Zustand funktioniert die Verknüpfung zwischen Sympathikus und Parasympathikus ausbalanciert. Die beiden Gegenspieler arbeiten in unserem Körper trotzdem zusammen, und die Hormonausschüttung über die Sympathikus-Achse bei Stresseinwirkung geht durch die folgende entspannende parasympathische Aktivierung wieder zurück.[3] Im Zustand der akuten Stressreaktion oder lebensbedrohlichen Situation ist der Mensch zu maximalen Höchstleistungen fähig. Der Körper bereitet sich auf zwei mögliche Reaktionen bzw. Optionen vor: Angriff oder Flucht. Dies ist ein uraltes Muster, welches von der Urzeit des Menschen bis in die Gegenwart seinen Bestand hat. Welches zu einer Zeit wichtig war, zu der es primär darum ging, den Tag zu überleben. Als Antwort auf Gefahrensituationen bzw. Bedrohungen(z. B. bei der Jagd) gab es damals nur diese beiden Alternativen. [4] Heute gilt es nicht jeden Tag zu überleben und doch ist der Mensch anderen Stressoren ausgesetzt. Wie Stressoren individuell wirken und wie der Mensch mit Stress umgehen und bewältigen kann wird in den folgenden Kapiteln beschrieben.

4. Genesis Stressdisposition

Im vorherigen Kapitel wurde beschrieben mit welchen physiologischen Möglichkeiten der Organismus auf Stress reagiert. Wie der Körper auf die Auslöser reagieren, Reserve-Energiequellen anzapfen oder Entzündungen unterdrücken kann. Wird der kurzfristige Ausnahmezustand ununterbrochen zum Dauerzustand, sind veränderte physische und psychische Veränderungen nur einige der Folgeerscheinungen. In den diversen Forschungsgebieten manifestiert sich immer mehr, dass permanenter Stress auch Folgen für die Hirnentwicklung und dessen Anfälligkeit für Stress– vor allem in der frühen Kindheit und in den reifen Jahren.

Bereits pränatal macht sich anhaltender Stress bemerkbar. Wissenschaftler um die Neurobiologin Djoher Abrous von der Université Victor Segalen Bordeaux in einem Experiment mit Ratten setzten sie die trächtigen Ratten Stressoren aus. Nach der Geburt untersuchten die Forscher die Nebennieren und fanden heraus, dass sie praktisch auf Hochtouren lief. Die Stressachse der Tiere war noch im Mutterleib zum negativen geeicht worden. Postnatal führt psychische Belastung bei Tieren zu ängstlichem oder bedrücktem Verhalten. Ähnlichkeiten sind auch beim Menschen zu entdecken. Hatten die Mütter im Lauf der Schwangerschaft unter Depressionen oder Angstzuständen gelitten, entwickelten die Kinder vermehrt eine hyperaktive Stressachse. Die Kinder hatten Auffälligkeiten in ihrem Sozialverhalten und waren anfälliger für Schlaf- und Angststörungen. [5]

Eine Forschungsgruppe um die Psychiaterin Sonia Lupien von der Université de Montréalin berichtet in einer Überblicksstudie von 2009, dass Kinder durch positive soziale Einflüsse oder elterlicher Pflege und Zuwendung weniger auf Stressoren reagieren. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass sich Eltern die sich nur wenig um ihren Nachwuchs kümmern oder fehlende soziale Kontakte der Kinder psychische Belastung respektive Stress auslösen kann. [6]. Diese prä- bzw. postnatalen und frühkindliche Exposition mit Stress hat nicht nur kurzfristige Konsequenzen, sondern können ein ganzes weitere Leben mitbestimmen und beeinflussen. Die Arbeitsgruppe von Michael Meaney von der kanadischen McGill University in Montreal konnte bereits 2004 in einer Untersuchung mit Ratten feststellten, dass eine glückliche (Ratten-) Kindheit epigenetisch die Stressachse herauf setzt. Die Ratten waren im Laufe ihres Lebens deutlich resistenter gegen Stress

Die Forschungsfrage war nun ob sich die Ergebnisse bei den Ratten auch auf den Menschen übertragen lassen. Das Team um Meaney überprüfte ob ihre Forschungsergebnisse auch für Menschen Gültigkeit haben. Die Forscher untersuchten Suizidopfer, welche als Kind sexuell oder physisch missbraucht worden waren. Die Hypothese des Transfers der Forschungsergebnisse zwischen den Spezies bestätigte sich. Die kanadischen Wissenschaftler konnten beweisen, dass sich traumatische Stresserlebnisse, auch aus frühester Kindheit, in das Genom der Betroffenen unauslöschbar triggern. Damit ist eine Wechselwirkung zwischen Gene und Umwelt nachgewiesen.

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Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668834620
ISBN (Buch)
9783668834637
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444654
Note
1,0
Schlagworte
Stress Stressmodelle Dawson Cannon Adrenalin Selye Holmes Rahe Lazarus

Autor

  • Thomas Neufert (Autor)

    2 Titel veröffentlicht

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Titel: Deskription des Stressphänomens und dessen Effekte auf den menschlichen Körper anhand von Stressmodellen