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Die Peer-Beziehungen hochbegabter Jugendlicher

Hausarbeit 2018 16 Seiten

Pädagogik - Begabtenpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklarung: Was ist Hochbegabung?
2.1. Intelligenz
2.2. Hochbegabung

3. Jugendliche und ihre Peer-Beziehungen
3.1. Begriffserklarung: Peers
3.2. Die Rolle der Peers im Jugendalter

4. Hochbegabung - Der Umgang mit Gleichaltrigen
4.1. Sind Hochbegabte anders? - Personlichkeitsmerkmale hochbegabter Jugendlicher
4.2. Hochbegabte Jugendliche und ihre Peers

5. Fazit

6. Literaturverzei chni s

1. Einleitung

In der Wissenschaft herrschen zwei gegensatzliche Annahme hinsichtlich der Un- terscheidung von Personlichkeitsmerkmalen Hochbegabter und durchschnittlich Begabter. Die Disharmoniehypothese geht davon aus, dass hochbegabte Menschen, trotz ihres hohen Intellekts, Schwierigkeiten hinsichtlich sozialer und emotionaler Kompetenzen haben und auffallige Personlichkeitsmerkmale zeigen (vgl. Preckel 2013, S. 72). Diese Einstellung ist in den Kopfen vieler Menschen verankert und der Fokus wird vor allem auf die ungunstigen Bedingungen Hochbegabter gelegt. Die Harmoniehypothese besagt gegenteilig, dass bei Hochbegabten von einer all- gemein positiven Gesamtentwicklung ausgegangen werden kann (vgl. ebd. S. 73). Diese Hypothesen lassen sich auch auf die Beziehungen hochbegabter Jugendlicher und ihrer Peers ubertragen, deren Bedeutung im Jugendalter besonders wichtig ist. (siehe 3.2) Deswegen sollen in dieser Arbeit, Unterschiede und mogliche Gemein- samkeiten in den Personlichkeitsmerkmalen Hochbegabter und durchschnittlich Begabten dargestellt werden (siehe 4.1) und die Beziehungen dieser beiden Grup- pen zu Gleichaltrigen und Freunden im Jugendalter verglichen werden (siehe 4.2). Bevor diese Analyse jedoch beginnt werden zunachst die Begriffe „Intelligenz“ (2.1) und „Hochbegabung“ (2.2) definiert, um ein grundlegendes und einheitliches Verstandnis zu gewahrleisten. SchlieBlich sollen folgende Fragen mithilfe dieser Ergebnisse beantwortet werden (siehe 5.):

- Werden hochbegabte Jugendliche eher als beliebt oder unbeliebt angese- hen?
- Lasst sich eher die Harmonie- oder Disharmoniehypothese belegen?
- Sind Hochbegabte in der Lage wichtige Kompetenzen im Umgang mit Peers zu erwerben?

2. Begriffserklarung: Was ist Hochbegabung?

2.1. Intelligenz

Wen wurden Sie als intelligenten Menschen bezeichnen? Eine Antwort auf diese Frage, wurde fast jedem einfallen. Was aber versteht man uberhaupt unter Intelli­genz? Wie wird Intelligenz definiert? Welche Rolle spielt sie fur uns und wann bezeichnen wir Menschen als intelligent?

Abgleitet wurde das Wort von dem lateinischen Begriff „intellegere der „erken- nen, begreifen, verstehen“ bedeutet. Auch auf „intelligentia“ geht der Ursprung zuruck, was im Deutschen soviel wie „Einsicht, Verstandnis, Kennerschaft, Er- kenntnisvermogen“ heiBt. (vgl. Lohaus & Vierhaus 2015, S. 131) Im alltaglichen Gebrauch assoziieren wir meist ahnliche Fahigkeiten wie diese mit Intelligenz. Die Gesellschaft nutzt den Terminus ganz selbstverstandlich, obwohl keine klare Be- griffserlauterung bekannt ist (vgl. ebd., S. 132). Wissenschaftlich gesehen bringt die Vereinheitlichung einer Definition namlich Schwierigkeiten mit sich. Es fallt schwer „eine verbindliche und hinreichend befriedigende Aussage daruber zu ma- chen, was man eigentlich unter »Intelligenz« zu verstehen habe“, schreibt Heller (1976, S. 5). Als ein elementares Merkmal vieler Intelligenzdefintionen sieht er die „die biologische versus soziale Anpassungsfahigkeit an neue [...] Problem- und Aufgabensituationen bzw. Umweltbedingungen“ (ebd. S.6). Diese Erklarung wird auch von Stern vertreten, der Intelligenz als die „allgemeine Fahigkeit eines Indi- viduums [sieht], sein Denken bewuBt auf neue Forderungen einzustellen“ (Stern 1912, S.3). Eine weitere bekannte Definition stammt von Wechsler, der unter Intel­ligenz die „globale Fahigkeit des Individuums zielgerichtet zu handeln, rational zu denken und sich wirkungsvoll mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen“ (Wechsler 1961, S.13) versteht. Ein entscheidender Punkt bei Wechsler ist, dass Intelligenz aus qualitativ unterschiedlichen Elementen besteht (vgl. ebd.). Daruber jedoch gibt es keine einheitliche Meinung. Viele Forscher entwickelten Intelligenztheorien und -modelle, welche die Ursachen und Auswirkungen von Intelligenz beschreiben. Laut dem Generalfaktormodell von Spearman, beeinflusst eine allgemeine Intelli­genz (g-Faktor) jede Intelligenzleistung. Zusatzlich gibt es noch die sogenannte s- Faktoren, die spezifisch fur bestimmte Aufgaben erforderlich sind. (vgl. Preckel & Brull 2008) Mithilfe vieler Intelligenztests kann der sogenannte Intelligenzquotient (IQ) ermittelt werden. Dieser wird haufig als Kriterium fur die Festlegung von Hochbegabung genutzt. (vgl. Ziegler 2017, S.21) und kann als eine Art g-Faktor aufgefasst werden. Thurstone widerspricht der Annahme von Spearman und geht von sieben (spater neun) unabhangigen Intelligenzfaktoren aus. Catell wiederum unterscheidet die fluide und die kristalline Intelligenz. (vgl. Preckel & Brull 2008) Es gibt noch viele weitere Modelle, deren Definitionen von Intelligenz sich unter- scheiden. Dementsprechend ist es kompliziert eine einheitliche Beschreibung fur Intelligenz zu finden. Im Folgenden soll Intelligenz als „die Fahigkeit, sich an neue Situationen und Anforderungen der Umwelt anzupassen, und ebenso die Fahigkeit, die umgebende Umwelt zu verandern“ (Lohaus & Vierhaus 2015, S.132) verstan- den werden.

2.2. Hochbegabung

Fur viele zeigt sich Hochbegabung in Form eines hohen Intelligenzquotienten, da- her gilt dieser als ein Hauptindikator zur Festlegung einer Hochbegabung (vgl. Ziegler, S.20). Der IQ wird in Relation zum Populationsdurchschnitt betrachtet, welcher zwischen 85-115 Punkten liegt, und muss mindestens zwei Standardabwei- chungen uber dem Mittelwert liegen (vgl. Rost 2001, S. 239). Lediglich drei Pro- zent der Bevolkerung erfullen dieses Kriterium und weisen einen IQ-Mindestwert von 130 auf. Ein Bruchteil dieser ubersteigt sogar 145 Punkte und wird als hochst- begabt eingestuft. (vgl. Webb 2017, S. 32f)

Neben dieser Definition vertreten einige Wissenschaftler einen leistungsbasiert Er- klarungsansatz, bei dem Hochbegabung „[n]ur an Leistung [...] gemessen werden [kann]“ (Gotze zitiert nach Ziegler 2017, S. 13). Hochbegabte zeichnen sich dem- nach durch ihre herausragenden Leistungen in bestimmten Bereichen aus (vgl. Ziegler, S.21). Eine weitere Moglichkeit, um Hochbegabung zu klassifizieren ist die Prozentsatz-Definition. Diese besagt, ein Hochbegabter gehort, gemessen an festgelegten Kriterien, zu einer Spitzengruppe. Zuletzt soll auch die Moglichkeit einer Kreativitats-Definition erklart werden. Hochbegabung zeigt sich hier in der Fahigkeit, Neues zu schaffen und kreativ zu handeln. (vgl. Lucito zitiert nach Feger 1988, S. 57f)

Hochbegabung wird im aktuellen Forschungsstand in funf Bereiche differenziert, die sich unabhangig voneinander ausbilden. Die intellektuelle, die soziale und die musische sowie die bildnerisch-darstellerische und die psychomotorische Fahigkeit werden demnach unterschieden. (vgl. Stapf 2008, S. 18) Diese Bereiche entspre- chen auch den Begabungsfaktoren des Munchener Hochbegabungsmodells (vgl. Heller & Nickel 1990, S. 87). Grund dafur ist, dass die Ergebnisse, die Kinder in verschiedenen Intelligenztests erzielen nicht unbedingt ubereinstimmen. Trotz die­ser Erkenntnis werden gerade im Bildungswesen die schulischen Leistungen bezie- hungsweise die Ergebnisse von Intelligenz- und Leistungstests als Kernkriterien fur eine Hochbegabung diagnostisch genutzt. In den anderen Bereichen gibt es kaum wirkungsvolle und praktikable Testungsmoglichkeiten. (vgl. Webb 2017, S. 29)

Die Ergebnisse von IQ-Tests sind unter Psychologen sowie Padagogen eines der eindeutigsten Zeichen, um eine Hochbegabung zu identifizieren.

3. Jugendliche und ihre Peer-Beziehungen

3.1. Begriffserklarung: Peers

Bei Peers handelt es sich nach Webb (2017, S. 279), um Personen im gleichen Alter, mit uberschneidenden Interessen und ahnlichen Fertigkeitsniveaus. Der Begriff Peer stammt aus der englischen Sprache und bedeutet im Deutschen „Gleichrangi- ger“ (vgl. Duden). In der psychologischen Wissenschaft werden Peers oder Peer- groups oft fur die Analyse sozialer Interkationen genutzt. Dabei hat sich durchge- setzt, dass der Begriff vorrangig Gruppen gleichaltriger Personen definiert. (vgl. Amling 2015, S. 44) Der Grund dafur ist, dass Kinder und Jugendliche institutionell bedingt meist in Gruppen von Gleichaltrigen, wie Schulklassen oder Sportmann- schaften interagieren. Nach den von Webb genannten Kriterien, ergeben sich Schwierigkeiten bei der Findung passender Peers fur hochbegabte Kinder und Ju­gendliche. Aufgrund ihrer geringen Anzahl (siehe 2.2) und ihrer auBergewohnli- chen Interessen finden sie seltener Ihresgleichen. Beispielsweise wird ein Kind mit besonderer Begabung und Interesse im Fachgebiet der Astrophysik eher kein wei- teres Kind in seinem Alter mit dem gleichen Interessengebiet finden, mit dem es seine Vorlieben und Fahigkeiten teilt. Derselbe Schuler lasst sich aber im Bereich Sport mit seinen Mitschulern vergleichen, da sich hier Interessen und Fertigkeiten dem Alter entsprechend uberschneiden. (vgl. Webb, 279f) Peers konnen demnach nicht nur als Gruppe Gleichaltriger, wie in Schulklassen, definiert werden, sondern auch hinsichtlich ahnlicher Verhaltensweisen und Interessen.

3.2. Die Rolle der Peers im Jugendalter

In der Jugendphase, eine eigenstandige Phase des menschlichen Heranwachsens, nehmen die Peers in der sozialen Entwicklung des Individuums eine wichtige Rolle ein. Nach Oerter & Dreher (2008, S. 271f) befindet sich das Jugendalter nach der Kindheit und vor dem Erwachsenenalter, zwischen dem 11. und 17. Lebensjahr. Diese Zeitspanne ist neben physischen und neurobiologischen Veranderungen, vor allem durch psychische Entwicklungsschritte gepragt.

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Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668817869
ISBN (Buch)
9783668817876
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444690
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften
Note
Schlagworte
Begabung Begabte Hochbegabung Hochbegabte Peers Peergroup Intelligenz Persönlichkeitsmerkmale Jugendliche Maarburger Hochbegabtenprojekt

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Titel: Die Peer-Beziehungen hochbegabter Jugendlicher