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Religiöse Glaubensvorstellungen in der römischen Antike

Hausarbeit 2014 24 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Allgemeines

III. Die Gotter der Romer

IV. Kulthandlungen und Rituale

V. Mystische Sonderkulte im Romischen Reich

VI. Der Herrscherkult

VII. Fazit

VIII. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Das Romische Reich ist fur seine politische Klugheit, Bildung, Kultur, Architektur, fur seine Rechtssprechung und Herrschaft uber viele unterschiedliche Volker bekannt.1 Nicht aber fur seine Religion. Woran glaubten die Romer?

Die vorliegende Arbeit beschaftigt sich mit dem Wesen der romischen Religion und ihrem Umgang mit den heterogenen religiosen Glaubensvorstellungen im Romischen Reich. Die Ausarbeitung gliedert sich in einen einleitenden Teil, in welchem ein Uberblick uber die Entstehung und Entwicklung der fruhromischen Religion gegeben wird. Daran anknupfend werden die traditionellen Gotter der Romer und ihre Funktionen naher thematisiert. Daruber hinaus werden die Kulthandlungen, Opfer und Rituale erlautert, die dazu dienen sollten, die Mithilfe der Gotter zu erwirken.

Sodann wird die Zeit des Umbruchs skizziert, wobei besonders der Mithraskult in Augenschein genommen wird. Es wird die Frage aufgestellt, welche maBgeblichen Faktoren und Ursachen zu einer derartigen Faszination und Entfaltung dieses neuen Kultes fuhrten. Des Weiteren wird dargelegt, wie die Anhangerschaft aussah und welche Entwicklung der Mithraskult letztendlich nahm.

Im letzten Schritt werden die Auswirkungen der orientalischen Kulte in der romischen Republik, die religiosen Umbruche und die damit verbundenen Reformen und Wiederbelebungen unter Kaiser Augustus beschrieben. Insbesondere der sogenannte Herrscher- oder Kaiserkult, welcher sich unter Augustus im Romischen Reich zu entwickeln begann, ist ein wesentlicher Bestandteil der romischen Religion und lasst sich nicht ohne Berucksichtigung seiner Voraussetzungen verstehen.

Die Schwerpunkte dieser Arbeit finden sich in den folgenden Leitfragen: Welche Religionen wurden ausgeubt und wie gelang es dem riesigen Staat, mit dieser Vielfalt an Religionen umzugehen? An welchen Stellen setzte der romische Staat der religiosen Toleranz Grenzen? Welche Funktion trug der Kaiserkult im Imperium Romanum?

Die Zeit der romischen Republik ist zu groB und zu vielseitig, als dass sich eine umfangreiche Thematik wie die der romischen Religionsgeschichte auf den vorgegebenen Rahmen begrenzen lassen konnte. Die behandelten Facetten sind demnach nur Bruchstucke eines umfassenden Gebiets und erheben keinerlei Anspruch auf Vollstandigkeit.

II. Allgemeines

Es ist allgemein anerkannt, dass eine Kultur durch andere kulturelle Einflusse beeinflusst wird und nicht isoliert betrachtet werden kann. So ist es auch bei den Romern, deren Einwohnerschaft ein Ergebnis des Zusammenwachsens und Verschmelzens verschiedener Volkergruppen reprasentiert.2 Es lassen sich dementsprechend die etruskischen Einflusse seit der Tarquinischen Epoche nicht bestreiten.3 Volksreligion und Staatskult scheinen neben den Etruskern besonders von den Griechen, die vom 8. Jahrhundert ab Kolonien in Unteritalien anlegten, beeinflusst worden zu sein.4 Die Griechen, die dank ihrer kulturellen Uberlegenheit als die Gegebenen auftraten, wirkten bei den Romern vor allem auf das Gebiet der Gottervorstellung ein.5 Und zwar so nachhaltig, dass es lange Zeit schwierig war, die Religion und den Kultus losgelost von der griechischen Mythologie zu betrachten6 bzw. uberhaupt als eine Eigenart der Romer anzuerkennen. Als spater noch die verschiedenen Elemente der orientalischen Religionen hinzutraten, wurde das Gesamtbild noch vielfaltiger. Die romische Religion erscheint ebenso wie die Struktur der Stadt mit all ihren verschiedenen Volkergruppen, Sprachen und Religionen selbst uneinheitlich und komplex.7 Und dennoch gelang es den Romern, an ihren eigenen religiosen Vorstellungen im Reich festzuhalten und im Imperium Romanum weiterzuverbreiten.

An verschiedenen Stellen unterscheiden sich die Romer bewusst von ihren Nachbarn: Zum Beispiel lasst sich dies an ihrem starken religiosen Selbstbewusstsein festmachen. Obwohl dies erst durch Cicero und Sallust schriftlich belegt wurde, glaubten die Romer schon fruh daran, andere Volker und Nationen in ihrerpietas und religio zu ubertreffen.8 Denn wie bei keinem anderen Volk ist bei den Romern der Verlauf des offentlichen und des privaten Lebens mit sakralen Bezugen verknupft.9 In ihrer politisch-romischen Weltansicht seien sie von den Gottern ganz besonders geschatzt und mit einer auBergewohnlichen religiosen Begabung ausgezeichnet worden und hatten aus diesem Grund von ihnen den Anspruch auf die Weltherrschaft ubertragen bekommen.10

III. Die Gotter der Romer

„Das Verhaltnis zu den Gottern ist der wichtigste Faktor fur die Erkenntnis der Wesenheit eines Volkes.“11

Die Quellenlage fur die nahere Erforschung der fruhen romischen Gotterwelt und Kultrituale ist hierfur eher unzureichend.12 Genauere Informationen uber das Verhaltnis der Romer zu ihren Gottern konnen lediglich Quellen wie den Festbrauchen, Kultveranstaltungen und Vertragsformularen entnommen werden.13

Viele der spateren religiosen Kulthandlungen hatten ihren Ursprung im bauerlichen Lebenskreis, ehe sie den kollektiven Charakter fur die Gemeinde gewannen. Die Ackerbau und Viehzucht betreibende Gemeinde wand sich den damals noch gestaltenlosen Kraften, den sogenannten numen zu. Diese hilfreichen Krafte versuchte man durch magische Zeremonien fur sich zu gewinnen, um damit Feindliches abzuwehren.14 Sie waren fur das Wachstum des Getreides und die Acker zustandig sowie fur viele weitere Dinge, die ein romischer Landmann fur seine damaligen taglichen Verhaltnisse als wichtig empfand.15 Diese sogenannten echtromischen und einheimischen Gotter werden als „indigites“ bezeichnet16 und gelten als die „Stammvater“17 der romischen Religion.

In Bezug auf die Gottervorstellung scheint sich auch hier wieder die „romische Nuchternheit“ durchzusetzen. Die Gotter der Romer kannten im Gegensatz zu den Griechen keine fantasievolle Welt der Mythologie oder eine genealogische Verknupfung innerhalb der Gotterwelt. In der Vorzeit verehrten die Romer zwar uber 170 Jahre18 lang ihre Gotter ohne jedes Bild, doch das Streben nach bildlicher Darstellung gewann allmahlich Uberhand. Dies stieB zunachst nicht auf Wohlwollen. Denn wenn ein Gott nach dem Bildnis des Menschen erschaffen wird, kann dieser ihm Schwachen der menschlichen Seele und des menschlichen Korpers zuschreiben.19 Nicht allen Gottern wurden anthropomorphe Eigenschaften verliehen, aber die meisten von ihnen erhielten einen Tempel und ein Tempelbild.20

Neben den indigites dringen von auBen importierte Gottheiten in die romische Religion ein, die sogenannten ,,di novensides"21. Hauptsachlich sind es griechische Gotter, Vorstellungen und Gebrauche, die mit zunehmendem Einfluss einen gegenseitigen Austausch forderten, sodass die altromischen Gotter hellenisiert wurden und ihre Namen an die griechischen Gottheiten abgaben.22

Die romische Religion zeugt von einer grundlegenden polytheistischen Offenheit und der Moglichkeit, fremde Gotter gleichsam durch Adoption mit in das Pantheon einzureihen.23 Es ist offenbar eine Eigenart der Romer, die im Verlauf der romischen Geschichte immer wieder auftritt, im Sinne der interpretatio romana24, die Bewahrung der mos maiorum25 streng zu beachten und gleichzeitig das Fremde so zu integrieren, dass es zum Eigenen wird und unter romischem Namen auf andere Volker ubergeht.26 Dabei handelte es sich nicht nur um eine einseitige Ubertragung romischer Vorstellungen auf die Provinzen, sondern vielmehr um einen gegenseitigen Austausch und eine Annaherung religioser Vorstellungen. Die Romer vertraten die Auffassung, dass die Gottheiten fremder Religionen sich nur im Namen unterschieden, im Wesen aber gleich seien. Oft blieb der einheimische Name als Beiname neben dem romischen bestehen oder verschwand ganzlich. Viele griechische Gottesnamen wie Latona, Apollo und Lucoris27 wurden vollstandig mit ubernommen, sodass nur relativ wenige Namen romischer Gottheiten auf italischer Grundlage basieren.28 Ein weitaus kritischeres Urteil erhebt Minucius Felix, der anfuhrt, dass die Romer, welche die Gotter vieler Volker gleichsam mit in ihre Verehrung aufgenommen haben und die sacra fur sie mitvollzogen, gleichzeitig auch den Anspruch auf die Herrschaft uber diese Volker erhoben.29

Durch diese fast schon wirklichkeitsferne Vielfalt von Gottheiten konnten die Menschen bei diesem groBen Angebot zwischen einer oder mehreren Gottheiten wahlen und Opfer darbringen. Alle Gottheiten gleichsam zu verehren, ware nahezu unmoglich gewesen, sodass es schlieBlich auch die wichtigsten Staatsgotter gab, deren Anzahl jedoch begrenzt war. An der Spitze aller Gotter stand die „kapitolinische Trias“, bestehend aus Iuppiter Optimus Maximus mitsamt Iuno Regina und Minerva. Ursprunglich bestand dieser einst aus Iuppiter, Mars und Quirinus.30 Sie zu verehren, galt als Loyalitatsbeweis gegenuber der respublica und war zudem eine Pflicht jedes Burgers.31

Der auffalligste und bedeutendste Gott dieser Trias ist Iuppiter Optimus Maxiumus. Neben seinem auffalligen Namen trat dieser in der Funktion als Himmels- und Wettergott als Ratgeber der Gemeinde durch Blitz und Donner und als Schutzgott der romischen Gemeinde bei privaten und offentlichen Angelegenheiten schon in urgeschichtlicher Zeit auf.32 Als machtigste Gottin des latinisch-romischen Pantheons war luno an Iuppiters Seite. Sie verkorpert die Lebenskraft der Jugend und hatte ebenso wie luppiter viele weitere Funktionen.33 Sie galt aber nicht als die Gemahlin luppiters, da es in Rom keine Gotterehen gab. Minerva., Schutzgeist des lernenden Menschen34, Fursorgerin des Schulwesens und der Heilkunst35, umfasst die dritte Gottheit der Trias.

IV. Kulthandlungen und Rituale

Die groBe Anzahl von gottlichen Wesen beruht auf dem Bedurfnis, im Alltaglichen das gottliche Walten zu erkennen.36 Der Mensch ist in allen Bereichen seines Lebens dem individuell-gottlichen Einfluss ausgesetzt. Inwieweit der romische Burger von transzendenten Machten abhangig ist, lasst sich daran erkennen, dass die Handlung menschlicher Initiative und Eigenverantwortung zum groBen Teil in die Hande gottlichen Wollens gelegt wird.37 Es ist die providentia, die Vorstellung, die darauf beruht, dass Gotter Einfluss auf die Angelegenheiten der Menschen und die Ereignisse ausuben. Die Gotter wachen nicht nur sorgsam uber Rom, sondern sorgen auch fur dessen Wohl. Aus diesem Grund hatten die Gotter den Anspruch und das Recht auf kultische Verehrung und Ergebenheit.38 Geschah dies nicht, brachten die Gotter ihren Zorn in Form von Umweltkatastrophen, Kriegen oder anderen Unglucksfallen zum Ausdruck.

Kulthandlungen und Rituale sind als Akt von Kommunikation zwischen Gottern und Menschen zu verstehen und der sichtbarste Teil der Religion.39 Robert Muth konstatiert infolge des Fehlens eines Gottermythos und der bildhaften Gottervorstellung ein Vakuum in der romischen Religion, welches durch eine umso intensivere Kultpflege gefullt werden musste.40 Die Romer achteten besonders darauf,

[...]


1 Vgl. Wilken, Robert L.: Die fruhen Christen. Wie die Romer sie sahen. Graz; Wien; Koln 1986, S. 66.

2 Radke, Gerhard: Gottesverehrung in Rom. Zur Entwicklung der GottesvorsteUung und der Gottesverehrung in Rom. (Impulse der Forschung; Bd. 50), Darmstadt 1987, S. 296.

3 Vgl. Altheim, Franz: Griechische Gotter im alten Rom.

4 Vgl. Pfister, Friedrich: Die Religion der Griechen und Romer. Mit einer Einfuhrung in die vergleichende Religionswissenschaft, Darstellung und Literaturbericht (1918-929/30). Burrians Jahresberichte Suppl., Bd. 229. Leipzig 1930, S. 377.

5 Vgl. Radke, Gerhard, S. 73.

6 Vgl. ebd., S. 174.

7 Vgl. Muth, Robert: Einfuhrung in die griechische und romische Religion. Darmstadt 1988, S. 229.

8 Vgl. Koch, Carl: Religio. Studien zu Kult und Glauben der Romer. Hrsg. von Seel, Otto. Erlanger Beitrage zur Sprach- und Kunstwissenschaft; BD. VII. Nurnberg 1960, S. 178.

9 Vgl. Wissowa, Georg: Religion und Kultus der Romer. (Handbuch der Klassischen Altertumswissenschaft; Bd. 5; 4. Abt.).2 Munchen 1912, S. 386.

10 Vgl. Muth, Robert, S. 221.

11 Zit. nach: Deubner, Ludwig am 19. April 1932, in: Radke, Gerhard: Zur Entwicklung der Gottesvorstellung und der Gottesverehrung in Rom. Impulse der Forschung; Bd. 50. Darmstadt 1987, S. 15.

12 Vgl. ebd., S. 234.

13 Vgl. Radke, Gerhard: Die Gotter Altitaliens. Munchen 1965, S. 7.

14 Vgl. Latte, Kurt: Romische Religionsgeschichte. Handbuch der Altertumswissenschaft V 4, Munchen 1960. S. 107.

15 Vgl. Nilsson, M. P, Wide, S.: Einleitung in die Altertumswissenschaft. Griechische und Romische Religion; Bd. II, 4. Heft. Hg. von Gercke, Alfred; Norden, Eduard. Leipzig; Berlin 1922, S. 285.

16 Vgl. ebd., S. 284.

17 Vgl. Bomer, Franz: Ahnenkult und Ahnenglaube im alten Rom. Hrsg. von Harmjanz-Berlin, Heinrich; Wust-Munchen; Walther. (Beihefte zum Archiv fur Religionswissenschaft, Heft 1). Leipzig; Berlin 1943, S. 50.

18 Vgl. Wissowa, Georg: Gesammelte Abhandlungen zur romischen Religions-und Stadtgeschichte. Munchen 1904, S. 280.

19 Vgl. Radke, Gerhard, S. 173.

20 Vgl. Wissowa, Georg., S. 289.

21 Vgl. Bomer, Franz, S. 55.

22 Vgl. Nilsson, M. P, Wide, S. 284.

23 Vgl. Sommer, Michael, S. 125.

24 Vgl. Wissowa, Georg: Religion und Kultus der Romer. (Handbuch der Klassischen Altertumswissenschaft; Bd.5; 4. Abt.).2 Munchen 1912, S. 85.

25 Vgl. Bomer, Franz, S. 8.

26 Vgl. Radke, Gerhard: Zur Entwicklung der Gottesvorstellung und der Gottesverehrung in Rom. (Impulse der Forschung; Bd. 50), Darmstadt 1981, S. 16.

27 Vgl. Radke, Gerhard: Die Gotter Altitaliens. Munchen 1965, S. 12.

28 Vgl. ebd., S. 12.

29 Vgl. Radke, Gerhard: Zur Entwicklung der Gottesvorstellung und Gottesverehrung in Rom, S. 15.

30 Vgl. ebd., S. 229.

31 Vgl. Witteyer, Marion, S. 12.

32 Vgl. Bickel, Ernst: Der altromische Gottesbegriff. Eine Studie zur antiken Religionsgeschichte Leipzig; Berlin 1921, S. 45.

33 Vgl. Simon, Erika: Die Gotter der Romer. Munchen 1990, S. 94.

34 Vgl. ebd., S. 45.

35 Vgl. Radke, Gerhard, S. 261.

36 Vgl. Kerenyi, Karl: Die Religion der Griechen und Romer. Munchen; Zurich 1963, S. 228.

37 Vgl. Koch, Karl, S. 100.

38 Vgl. Wilken, Robert L., S. 72.

39 Zit. nach: Sommer, Michael: Roms orientalische Steppengrenzen. Palmyra - Edessa - Dura - Europos - Hatra. Eine Kulturgeschichte von Pompeius bis Diocletian. Stuttgart 2005, S. 127.

40 Vgl. Muth, Robert: Einfuhrung in die griechische und romische Religion. Darmstadt 1988, S. 218.

Details

Seiten
24
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668816602
ISBN (Buch)
9783668816619
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444709
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart
Note
2,0
Schlagworte
Rom Religion Antike Reich Kaiser Götter

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