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Sensation Seeking, Eigenschaften und Zustände, Intelligenz

Einsendeaufgabe 2017 23 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

A1: „Sensation Seeking“ nach Zuckermann
1.1. Die „Sensation Seeking Scale“
1.2. High Sensation Seekers
1.3. Nutzen des SS- Konzepts für die Gesundheitsprävention

A2: Eigenschaften, Zustände und Gewohnheiten
2.1. State-Trait- Debatte an einem Alltagsbeispiel
2.2. Eigenschaften, Zustände und Gewohnheiten bei Assessment Center

A3: Intelligenz
3.1. Hauptdimensionen der Intelligenz
3.2. Modell der Multiplen Intelligenzen
3.3. Multiple Intelligenzen und berufliche Tätigkeiten
3.4. Intelligenztest bei der Personalauswahl

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grafische Darstellung BIS

Abbildung 2: Multiple Intelligenzen, eigene Darstellung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A1: „Sensation Seeking“ nach Zuckermann

Extremsportarten sind im Trend. Immer mehr Menschen suchen den Adrenalinkick, indem sie sich waghalsig auf einem Mountainbike steile Hänge hinunterstürzen oder sich mit einem Gleitschirm in den Lüften treiben lassen. Dabei nehmen diese Menschen das Risiko schwerer Unfälle bzw. manchmal sogar den Tod in Kauf.

Die Frage, was Menschen antreibt riskante Unternehmungen auszuüben, hat erstmals Marvin Zuckermann zu Beginn der 60er Jahre untersucht. Zuckermann begründet den Hang zu Extremen mit einer Verhaltensdisposition, welche bis zu 60 Prozent genetisch bedingt ist.[1] Lt. Zuckerman hat jeder Mensch ein für sich optimales Erregungsniveau bei welchem er sich wohl fühlt. Dieses beschreibt den ausgeglichenen Zustand zwischen Langeweile und Überstimulation. Bei Menschen mit einer hohen Ausprägung in der Persönlichkeitseigenschaft „Sensation Seeking“, ist das Bedürfnis nach Erregung, im Vergleich zu anderen Menschen erhöht. Zuckerman beschreibt diese Eigenschaft, wie folgt: "Sensation seeking is a trait defined by the seeking of varied, novel, complex, and intense sensations and experiences, and the willingness to take physical, social, legal, and financial risks for the sake of such experience" [2]. Damit ist gemeint, dass Sensation Seeking ein relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal ist, welches durch die Verhaltenstendenz, physische, psychische oder soziale Risiken einzugehen, charakterisiert ist. High Sensation Seekers können als Reizsuchende bezeichnet werden. Ihr genetisch vorhandenes Erregungslevel ist im Vergleich zu anderen Menschen relativ niedrig und wird durch das Erleben und Erfahren neuer und intensiver Eindrücke, Erfahrungen und Situationen der Außenwelt erhöht. Dafür sind High Sensation Seekers bereit weitereichende Risiken in Kauf zu nehmen.

Im Gegensatz dazu ist das genetisch terminierte Erregungslevel bei Low Sensation Seekers (Risikovermeidern) viel höher, so dass nur eine geringe Stimulation von außen notwendig ist, um das optimale Erregungslevel zu erreichen.[3] Dieses Konzept des optimalen Erregungslevels (OLA) steht bei Zuckermann im Mittelpunkt seiner Überlegungen. Es ist abhängig von den individuellen Lebenserfahrungen, dem Alter und dem Geschlecht.

Dabei kann diese Stimulation aus verschiedenen Bereichen kommen und muss nicht ausschließlich aus dem Bereich der Extremsportarten sein.

1.1. Die „Sensation Seeking Scale“

Die Messung der Ausprägung der Persönlichkeitseigenschaft „Sensation Seeking“ erfolgt durch die Sensation Seeking Scale (SSS). Dieses Erhebungsinstrument ist in vier verschiedene Dimensionen aufgeteilt. Durch das Abfragen von Verhaltenstendenzen auf Reizreaktionen, wird der Grad des optimalen Erregungsniveaus bestimmt. Die Sensation Seeking Scale wurde seit den ersten Erfassungen mehrmals durch Zuckerman überarbeitet und in weitere Unterbereiche der Persönlichkeitsausprägung unterteilt. Diese sind im Folgenden dargestellt:

Suche nach Gefahr und Abenteuer / Thrill and Adventure Seeking (TAS)

Diese Facette beschreibt das Verlangen, Reizbefriedigung durch Ausübung ungewöhnlicher physischer Aktivitäten oder Erfahrungen zu erlangen. Als Beispiel können hier Extremsportarten wie Klettern oder Tauchen genannt werden. Die Kennzeichnung dieser Aktivitäten als „extrem“ geht mit dem Risiko einher, welches die Ausübung dieser Sportarten mit sich bringt. Wobei es nicht das Risiko an sich ist, welches auf die High Sensation Seekers motivierend wirkt, sondern das belohnende Gefühl sich über das Risiko hinweg gesetzt zu haben. Low Sensation Seekers werden von dem Risiko gefährlicher Aktivitäten, eher abgeschreckt.

Erfahrungssuche / Experience Seeking (ES)

Sensation Seekers der Dimension der ES empfinden Erregung durch kognitive Stimulation und Erfahrungen durch Sinneseindrücke. Musik, Kunst und Reisen können solche Stimuli liefern, aber auch nicht-gesellschaftskonforme Lebenseinstellungen, wie zum Beispiel die Hippie–Bewegung in den 70ern oder die Punk-Generation der 80er Jahre lassen sich hier als Beispiel dieser Ausprägung nennen.

Enthemmung im Verhalten / Disinhibition (DIS)

„Disinhibition“ beschreibt die Stimulationssuche im Sozialleben. Sie ist die älteste Form von Sensation Seeking und hat durch die Manifestierung von Karneval oder Festivitäten im alten Rom gesellschaftliche Akzeptanz gefunden.

High Sensation Seekers dieser Dimension, sind oft durch einen hedonistischen Lebensstil gekennzeichnet. Zum Beispiel durch wilde Partys, außergewöhnliche Sexpraktiken, erhöhten Alkoholkonsum und/oder Drogenkonsum. Aber auch das Rauchen kann als eine abgeschwächte Form zur Sensation Seekers Ausprägung der DIS Dimension gezählt werden.

Empfänglich für Langeweile / Boredom Susceptibility (BS)

BS beschreibt eine Aversion gegen jede Art von Monotonie oder Wiederholung. Personen mit hohen Werten im Bereich der BS- Merkmalsausprägung sind schnell gelangweilt und bleiben nicht lange bei einer Sache. Im Beruf sind zum Beispiel viele Jobwechsel zu beobachten. Im Privatleben dieser Personen kann oft beobachtet werden, dass diese Personen viele neue Hobbies ausprobieren und erlernen, aber sobald eine Tätigkeit beherrscht wird, wieder eine neue Herausforderung gesucht wird. In Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen empfinden High Sensation Seekers der Dimension BS, Mitmenschen , oft als langweilig, wenn sie zwar zuverlässig, aber nicht interessant oder aufregend sind.[4]

1.2. High Sensation Seekers

Bei High Sensation Seekers lassen sich einige biologische Unterschiede im Vergleich zu anderen Menschen beobachten. Während bei Low Sensation Seekern schon bei einem geringen Stimulus der Herzschlag steigt, sinkt dieser bei High Sensation Seekers eher ab. Ein weiterer Unterschied lässt sich bei der Bewertung von Reizen feststellen. Mittels der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) wurde das Gehirn von High Sensation Seekers der ersten Dimension (Gefahr und Abenteuer) untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass das belohnende Gefühl des Erlebnisses höher bewertet wird als das des Risikos an sich.

High Sensation Seekers brauchen zum Erleben von Glücksgefühlen eine stärkere Stimulation von außen, was mitunter in einer schlechten Weiterleitung des Dopaminsignals begründet ist und genetisch bedingt ist. Ein Allel des Dopamin-D4-Rezeptors, welches für schlechtere Signalweiterleitung bekannt ist, kommt bei Sensation Seekern besonders oft vor.[5] Aus diesen Gründen ist es nachvollziehbar, warum High Sensation Seekers eine größere Risikobereitschaft aufweisen, als andere Personen. Sie fahren zum Beispiel gerne schnell Auto oder üben, wie bereits erwähnt, Extremsportarten wie Fallschirmspringen oder Klettern aus. Des Weiteren lässt sich vor diesem Hintergrund auch erklären, warum Sensation Seekers schneller gelangweilt sind, da bei diesen Personen der Dopaminspiegel niedriger ist und dadurch immer wieder ein Input von außen erfolgen muss. Diese genetische Disposition kann bei Sensation Seekers auch in einer größeren Empfänglichkeit für Drogen oder Alkohol münden.

1.3. Nutzen des SS- Konzepts für die Gesundheitsprävention

Das Wissen um das Konzept des Sensation Seeking kann bei der Gesundheitsprävention von großem Nutzen sein. In Bezug auf das Rauchen kann erklärt werden, warum Menschen überhaupt mit dem Rauchen beginnen und welche Rolle dabei die genetischen Dispositionen des Sensation Seekings, bzw. welche Rolle Umwelteinflüsse auf das Rauchverhalten haben.[6]

Das Rauchen gehört zu den gesellschaftlich unauffälligen Risikoverhalten. Dennoch ist allgemein bekannt, dass das Rauchen große gesundheitliche Risiken mit sich bringt, sogar in vielen Fällen zum Tod führt. 2012 veröffentlichte die American Cancer Society WLF eine Studie zu den Anteilen der weltweiten Todesfälle infolge von Tabakkonsum. Die Ergebnisse der Studie belegen, dass im Jahr 2011, 15% der Todesfälle bei Männern und 7% der Todesfälle bei Frauen, auf Folgen des Rauchens zurückzuführen waren.[7]

Trotz dieser abschreckenden Fakten gehört das Rauchen (zusammen mit dem Konsum von Alkohol) zu dem am meistverbreiteten gesundheitsbezogenem Risikoverhalten in Deutschland.[8]

Die Gesundheitspsychologie und insbesondere die Gesundheitsprävention beschäftigt sich deshalb mit den Fragen, warum Menschen überhaupt anfangen zu Rauchen und wie beim Aufhören unterstützt werden kann.

Bei unterschiedlichen Studien konnte dabei eine hohe Übereinstimmung zwischen der Sensation Seeking Ausprägung und dem Rauchverhalten gefunden werden.[9] In einer Langzeitstudie verglich man z.B. die in den 60er Jahren erhobene Persönlichkeitseinschätzungen ausgewählter Testpersonen beiden Geschlechts, mit ihrem späteren Rauchverhalten (Raucher oder Nichtraucher) in den 80er Jahren. Dabei konnte festgestellt werden, dass Personen, die in den 60er Jahren als Sensationssuchende beschrieben wurden, mit hoher Wahrscheinlichkeit 20 Jahre später rauchten. Als eine Erkenntnis aus dieser Studie haben sich Gesundheitspsychologen zur Aufgabe gemacht, bereits den Beginn des Rauchens für Sensation Seekers unattraktiv zu machen, indem Sie das Image des Rauchens in eine „uncoole Aktivität“ wandeln.[10]

A2: Eigenschaften, Zustände und Gewohnheiten

Schon seit Aristoteles wurde durch die jeweiligen Forscher und Denker seiner Zeit versucht, menschliches Verhalten vorherzusagen, indem unterschiedlichen Personen bestimmte Persönlichkeitseigenschaften zugeordnet wurden.

Die heutige Differentielle Psychologie beschäftigt sich eben mit dieser Erforschung des menschlichen Verhaltens und der Persönlichkeit. So werden interindividuelle Differenzen zwischen Individuen in Bezug auf kognitive, verhaltensbezogene und emotionale Aspekte hin erfasst.

Eigenschaften werden in der Differentiellen Psychologie (engl.: traits) als grundlegende Einheiten der Persönlichkeit beschrieben, welche zeit- und situationsbeständig auftreten. D.h., dass eine hohe Ausprägung eines bestimmten Merkmals in verschiedenen Lebenssituation unterschiedlich stark zum Ausdruck kommt, der Kern des Verhaltens aber über die verschiedenen Situationen hinweg stabil bleibt. So ist eine extrovertierte Person, die eine Vorlesung für ihr Studium besucht, zwar weniger gesellig als wenn sie sich auf einer Party befinden würde, dennoch ist sie auch in der Vorlesungssituation aufgeschlossener als eine an sich introvertierte Person. Persönlichkeitseigenschaften repräsentieren demnach ein Kontinuum, in welcher sich die Ausprägung für bestimmte Verhaltensweisen bewegen.[11] Diese beiden Annahmen der Zeit- und Situationsbeständigkeit bilden die Basis der Theorie der Persönlichkeitseigenschaften.[12]

Die Theorie der Persönlichkeitseigenschaft kann somit das alltägliche Verständnis um das menschliche Verhalten vereinfachen, dennoch scheint es fast unmöglich anhand von Persönlichkeitseigenschaften vorherzusagen, wie sich eine Person in bestimmten Situationen verhält.[13]

Diese Einschränkung erkannte erstmals der Psychologe Gordon Allport (1897 - 1967). Lt. Allport bilden die Persönlichkeitseigenschaften den konsistenten Teil des menschlichen Verhaltens, welcher allerdings durch einen variablen und situativ bedingten Teil ergänzt wird.[14] Diese s.g. Zustände (engl.: states), sind im Gegensatz zu den Persönlichkeits eigenschaften nicht zeitlich stabil, sondern treten situativ auf.

In seinem universellen Ansatz unterscheidet Allport zwischen drei verschiedenen Hierarchien der Persönlichkeitseigenschaften. Die höchste Ebene ist die der cardinal traits. Diese Eigenschaften dominieren die Persönlichkeit und haben den größten Einfluss auf das Verhalten. Die zentralen Eigenschaften, bilden die zweite Ebene und liefern die Beschreibung einer Person. Die sekundären Eigenschaften, bilden die unterste Ebene der Persönlichkeitseigenschaften und liefern die situativ variierenden Präferenzen.[15]

[...]


[1] Vgl. Becker B. Prof. (2014), S. 68

[2] Zuckerman (2008), S. 49

[3] Vgl. Becker B. Prof. (2014), S. 69

[4] Vgl. Zuckerman (2008), S. 13

[5] Vgl. Heymann J. (07.07.2017), http://www.spektrum.de

[6] Vgl. Gerrig/Zimbardo/Graf (2011), 489 - f.

[7] Vgl. The Tobacco Atlas (08.07.2017), http://de.statista.com

[8] Vgl. Roth/Hammelstein (2003), S. 143

[9] Vgl. Roth/Hammelstein (2003), S. 144

[10] Vgl. Gerrig/Zimbardo/Graf (2011), 489

[11] Vgl. Maltby/Day/Macaskill (2011), S. 293

[12] Vgl. Maltby/Day/Macaskill (2011), S. 292

[13] Vgl. Maltby/Day/Macaskill (2011), S. 297

[14] Ebenda

[15] Vgl. Maltby/Day/Macaskill (2011), S. 299

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668818781
ISBN (Buch)
9783668818798
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444816
Institution / Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,3
Schlagworte
sensation seeking eigenschaften zustände intelligenz

Autor

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