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Flexion versus Derivation. Morphologie, Morphemtypen, Abgrenzungskriterien

Seminararbeit 2017 22 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Morphologie
2.2 Morphemtypen
2.3 Flexion
2.4 Derivation

3. Abgrenzungskriterien
3.1 Verbindung mit Wortklassen
3.2 Position im Wort
3.3 Prädiktabilität
3.4 Wortgrenzen
3.5 Ersetzbarkeit
3.6 Parallelismus
3.7 Was sagt Duden?

4. Derivation oder Flexion?
4.1 Komparation
4.2 Partizip I und Partizip

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Zuge der Lehrveranstaltung und des darin enthaltenen Referats „Flexionsmorphologie des Deutschen“ beschäftigte ich mich mit dem interessanten Thema der Flexion und der Derivation. Diese beiden Kategorien sind auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, doch auf den zweiten Blick und mit Zugabe von einigen nicht klaren Beispielen scheint die Unterscheidung nicht mehr ganz eindeutig zu sein.

Ich möchte in dieser Arbeit versuchen, einige Regeln aufzustellen, die eine Trennung von Flexion und Derivation erleichtern sollten. Meist scheint es oft intuitiv klar zu sein, um welche Erscheinung es sich bei bestimmten Beispielen handelt. Um jedoch zu überprüfen, ob es sich wirklich, wie vermutet, um Derivation oder Flexion handelt, wurden im Laufe der Jahre unterschiedliche Regeln, Bedingungen, Begründungen und Eigenschaften aufgestellt. Meist jedoch taucht nach der Abgrenzungsregel sofort eine Ausnahme auf, die die Bedingung nicht zu hundert Prozent als hilfreich erscheinen lässt.

Ich möchte in dieser Arbeit mit den Grundlagen beginnen und zuerst in Kürze und nur das Wichtigste betreffend, die Morphologie näher erläutern, Morphemtypen kategorisieren und kurz auf Flexion und Derivation getrennt eingehen. Danach werde ich unterschiedliche Regeln und Hilfen aufzeigen, die eine Unterscheidung möglich machen und erleichtern. In einigen weiteren Kapiteln werde ich auf die drei Beispiele Komparation, Partizip I und Partizip II eingehen und versuchen, anhand der aufgestellten Regeln, diese Beispiele der Flexion oder der Derivation zuzuordnen. Am Ende der Arbeit werde ich die wichtigsten Punkte noch einmal zusammenfassen.

2. Grundlagen

2.1 Morphologie

Die Morphologie (gr. morphos ‘Gestalt‘, logos ‘Lehre‘) ist die Lehre von den Gestalten, Formen und ihren Organisationsprinzipien und bezieht sich in dieser Bedeutung zunächst auf den Bau lebender Organismen, dann auch auf Oberflächenformen der Erde. (Elsen 2011: 1)

Der Terminus der Morphologie wurde aus der Botanik übernommen und entscheidend von Johann Wolfgang von Goethe geprägt, der sich in seinem Leben großteils mit botanischen Studien beschäftigte. Später wurde der Begriff von August Schleicher für die Sprachwissenschaft übernommen. So beschäftigt sich die Morphologie mit den Formen und den inneren Struktur von Wörtern, auch Wortbildungs- und Formlehre genannt.

Linke, Nussbaumer und Portmann erkennen folgende Aufgaben der Morphologie:

Die klassische strukturalistische Morphologie – segmentiert die Wortformen einer Sprache in einzelne Morpheme mit Bezug auf die Merkmale, die die Wortformen als signifikant von syntaktischen Wörtern tragen, - inventarisiert die Morpheme, - klassifiziert sie und – sucht nach Regeln der Verkettung der Morpheme zu Wortformen für syntaktische Wörter. (Linke/Nussbaumer/Portmann 52004: 66)

Im Gegensatz zur Morphologie generell gibt es zum großen Teilbereich Flexionsmorphologie eher wenig Literatur.

Die Flexionsmorphologie beschäftigt sich mit der sogenannten „Beugung“ von Wörtern. Hier steht die äußere Struktur im Vordergrund, Wörter werden mit grammatischen Informationen (Flexionskategorien) systematisch kombiniert. (vgl. Nübling 2002: 87)

So flektieren Verben zum Beispiel nach den Kategorien Person, Numerus, Tempus, Modus und Genus Verbi, Substantive, Adjektive und Artikel nach Numerus und Kasus etc..

Zur Flexionsmorphologie abzugrenzen, ist die Wortbildungsmorphologie ein weiteres Teilgebiet der Morphologie. Diese Abgrenzung spielt eine wesentliche Rolle in der Unterscheidung von Flexion und Derivation. Die Bildung von einzelnen Wortformen ist der Flexionsmorphologie und die Bildung neuer Wörter der Wortbildungsmorphologie zuzuschreiben.

Der zentrale Aspekt der Morphologie ist das Morphem, die kleinste bedeutungstragende Einheit einer Sprache.

Morpheme bestehen aus Phonemen und Silben, die selbst keine Bedeutung haben. Im Gegensatz zum Phonemintervall einer Sprache ist die Anzahl der Morpheme um einiges größer. (vgl. Heringer 2009: 27)

2.2 Morphemtypen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Morphemtypen (Elsen 2011: 3)

Laut Elsen werden die Morpheme zunächst in lexikalische und grammatische unterteilt, die sich auf die Bedeutung dieser beziehen. Erstere sind alleine sinntragend und beziehen sich auf Sachverhalte und Gegenstände wie {frau, tür, prüf-}, während als grammatischen Morpheme solche bezeichnet werden, die Beziehungen zwischen lexikalischen Elementen oder Bedeutungsänderungen an einem Lexem versprachlichen, wie zum Beispiel {in, und, -bar, -keit, -e}. Beide Kategorien können wiederum in freie oder gebundene gegliedert werden. Freie Morpheme können auch isoliert vorkommen {über, mann, tür, er, heute, weil}, während jedoch die gebundenen vielfach platzfest sind {-keit, ge-, sprech-}. Derivations- und Flexionsmorpheme befinden sich beide auf der Seite der grammatischen, gebundenen Typen. Sie können nicht alleine stehen, sie sind immer an ein anderes Wort gebunden. Beispiele für Derivationsmorpheme wären {ver-, -lich, be-}, für Flexionsmorpheme {-en, -s, ge-t}. Ein weiterer wichtiger Begriff ist der der Wurzel. Diese morphologische Einheit enthält den Aspekt, nicht weiter zerlegbar zu sein und somit die Wurzel eines Wortes darzustellen. Die Begriffe Stamm oder Basis- beziehungsweise Grundmorphem werden ebenfalls in diesem Kontext verwendet. Als Stamm werden jedoch auch häufig die Wurzel selbst und auch der Wortrest ohne die Endung verstanden. Als Stamm/Basis wird auch ein Morphem oder eine Morphemkonstruktion, die durch ein Morphem erweiterbar ist, bezeichnet. Zum Beispiel gilt in dem Wort glücklicher {glück} als Wurzel, da sie morphologisch nicht weiter zerlegbar ist. Glücklich wird als Basis beziehungsweise Stamm bezeichnet, an die/der das Suffix {-er} angehängt wird. (vgl. Elsen 2011: 2-4)

„Eine Wurzel ist sowohl ein lexikalisches Grundmorphem, also nach Tilgung aller Affixe oder anderer Grundmorpheme, als auch historisch gesehen die Ausgangsform.“ (Elsen 2011:

2.3 Flexion

Bei der Flexion handelt es sich, wie bereits erwähnt, um gebundene, grammatische Morphemtypen, sie verändert die Wortform. Durch die Flexion, dessen Herkunftsquelle die Syntax (Satzlehre) ist, werden grammatische Inhalte am Wort ausgedrückt.

Im fortlaufenden geschriebenen und gesprochenen Text verknüpfen wir sprachliche Einheiten miteinander, die wir Wortformen genannt haben. […] Wie eine Wortform genau aussieht, richtet sich einerseits nach dem syntaktischen Kontext, in dem sie steht. […] Andererseits richtet es sich danach, was die Wortform bedeutet. […] Jede einzelne Wortform ist als substantivisch, adjektivisch, verbal usw. auf bestimmte Weise kategorisiert. (Eisenberg 42013: 145)

Wörter können, je nach Wortart, nach Person, Genus, Numerus, Tempus, Modus, Kasus, Komparation und Genus Verbi flektieren. Die Flexion wird entweder Konjunktion (bei Verben) oder Deklination (bei allen anderen Wortarten) genannt.

Die Informationen, wann eine Handlung oder ein Ereignis stattfindet, wer der Aktant ist, der die Handlung verursacht, wer spricht, angesprochen wird, oder ob eine dritte Person oder Sache beteiligt ist und durch wie viele Personen oder Sachen eine bestimmte Handlung ausgeführt wird, werden durch diese Flexionskategorien ausgedrückt. (vgl. Nübling 2002: 89)

Diese unterschiedlichen Kategorien haben auch unterschiedlich Relevanz. Je nach dieser steht die Flexionskategorie näher am Stamm. So im Beispiel auf den Bäumen. Das Numerusaffix {-e} steht näher am Stamm als die Kasusendung {-n}, da Numerus bedeutendere Informationen als der Kasus liefert.

Eine wichtige Unterscheidung ist diese zwischen synthetischen und analytischen Formen. Die Flexion erfolgt durch die synthetische Form, das heißt, dass mit möglichst wenig Aufwand und möglichst viel Information am Wort selbst kodiert wird.

So geben wir zum Beispiel die Information, dass es sich um mehrere Bäume handelt dadurch, dass der Stamm Baum verändert (Fusion) und ein Affix {-e} angehängt wird (agglutinierend).

In anderen Sprachen, zum Beispiel im Chinesischen, verwendet man eine Einheitsform wie in unserem Beispiel Baum. Soll nun die Mehrzahl, der Plural, thematisiert werden, kommen quantifizierende Wörter wie einige, mehrere, viele, zwei, fünf, etc. zum Einsatz und werden zu Baum hinzugefügt. Hierbei handelt es sich um eine analytische Sprache. Solche zusätzlichen Wörter sind meist länger als Flexive, die oft nur aus einem Laut bestehen. In Sprachen wie das Chinesische entfällt der permanente Zwang, Numerusangaben zu machen, doch bei Wichtigkeit der Anzahl müssen diese mit hohem materiellem Aufwand, mit einem Extrawort betrieben werden. Synthetische Sprachen schaffen dies ökonomischer, das heißt mit minimalem Aufwand. (vgl. Nübling 2002: 88)

In der Kategorie Tempus gehören nur Präsens und Präteritum zu den temporalen Flexionskategorien, da sie ohne Hilfswort direkt am Wort ausgedrückt werden.

Bei den Beispielen komm-e, komm-st, komm-t, komm-en werden jeweils die Informationen Person und Numerus durch die Flexionssuffixe angegeben.

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Details

Seiten
22
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668817609
ISBN (Buch)
9783668817616
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v445021
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
3
Schlagworte
Flexion Derivation Flexionsmorphologie Morphologie Linguisitk

Autor

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Titel: Flexion versus Derivation. Morphologie, Morphemtypen, Abgrenzungskriterien