Lade Inhalt...

Probleme von Lehrerinnen und Lehrern bei der Beurteilung von Schülerleistungen

Hausarbeit 2018 19 Seiten

Germanistik - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. der pädagogische Leistungsbegriff
2.2 Funktion schulischer Leistungsbeurteilung
2.3 Allgemeine Gütekriterien

3. die schulische Praxis- Das Notensystem
3.1. Erfüllung der Funktionen
3.2. Erfüllung der Gütekriterien

4. Alternative Formen der Leistungsmessung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ein Lehrer arbeitet für die Ewigkeit.

Niemand kann sagen, wo sein Einfluss endet.

Henry Brooks Adams

Über den Lehrer[1] und seine beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten wird seit jeher diskutiert. Obwohl keine empirischen Kriterien eines „ guten Lehrers“ existieren, hat so jeder mehr oder minder differenzierte Vorstellungen was einen guten Lehrer auszeichnet (Bromme u.a. 2006, 269ff.). In dieser Arbeit soll der Schwerpunkt jedoch nicht auf der Lehrperson selbst, sondern auf dessen Aufgabe, die Schülerleistungen[2] objektiv zu bewerten, liegen. Das stellt eine herausfordernde Aufgabe für ihn dar, die in dieser Arbeit untersucht werden soll.

Zeugnisse im heutigen Verständnis gehören seit dem 18. Jahrhundert zum Schulalltag (Urabe 2009, 25). Sie bestimmen durch Selektion und Allokation die Berechtigung zu einem Hochschulstudium oder einer Ausbildung. Noten sind Entscheidungsträger für das spätere Leben. Deshalb wird ihnen eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Jedoch gibt es auch Kritiker der Zensuren, die dessen Abschaffung fordern (Ziegenspeck 1973, 73f.). Lehrer haben die Verantwortung Noten gerecht zu verteilen. Das gelingt ihnen jedoch nicht immer.

Welche Probleme treten im Zusammenhang mit der Beurteilung von Schülerleistungen auf? Auf diese Frage soll ich der vorliegenden Arbeit näher eingegangen und eine Antwort formuliert werden. Es handelt sich um eine reine Literaturarbeit, die auf keiner eigenständigen Datenerhebung beruht.

Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im Ersteren sollen Informationen über den theoretischen Hintergrund von Leistungsbeurteilung, dessen Funktionen und allgemeine Gütekriterien für das Messen von Leistungen aufgezeigt werden. Der Begriff Leistung findet in vielen unterschiedlichen Kontexten Verwendung. Deshalb soll das erste Ziel dieser Arbeit darin liegen, Kriterien zu entwickeln, die eine Differenzierung zwischen dem pädagogischen Leistungsbegriff und anderen Leistungsbegriffen ermöglichen. Daran schließt ein Einblick in die schulische Praxis der Leistungsbeurteilung und Notenvergabe ( Kapitel 3.) an. In diesem Kapitel soll überprüft werden, ob die zuvor aufgezeigten Funktionen und Gütekriterien in der Schule erfüllt werden. Im weiteren Verlauf sollen alternative Formen der Leistungsmessung und Bewertung vorgestellt werden.

Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein persönliches Fazit gezogen (Kapitel 4).

2. Theoretischer Hintergrund

2.1. der pädagogische Leistungsbegriff

Der Terminus Leistung findet in unterschiedlichen Bereichen Verwendung und bedeutet je nach Kontext etwas anderes (Ziegenspeck 1999, 31ff.). In der physikalisch-technischen Perspektive steht der Leistungsbegriff für das Verhältnis zwischen geleisteter Arbeit und der dafür benötigten Zeit. Diese Berechnung findet unter anderem in der freien Wirtschaft gebrauch, wo sie die Leistungsfähigkeit und das mögliche Gewinnpotenzial von Unternehmen, Personen oder Maschinen errechnen kann. Nach einem psychologischen Verständnis beschreibt der Begriff die menschliche Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung der eigenen Motivation und des sozialen Umfeldes (Holmeier, 2013, 93f.). Leistung ist somit immer mit Zeit und Arbeit verbunden und meint sowohl das Endergebnis, als auch dessen Entstehungsprozess (Klafki 2007, 228).

Diese Arbeit bezieht sich auf den Bezugsort Schule und benötigt deshalb einen pädagogischen Leistungsbegriff, der die Schülerleistungen definiert.

Die Schule hat in gewisser Weise eine Gesellschaftsfunktion und müsste demzufolge einen gesellschaftsbezogenen Leistungsbegriff verfolgen. Dieser ist nach Bartnitzky und Christiani (1994, 8) als produkt-, konkurrenz- und ausleseorientiert charakterisiert. Auch wenn sich diese Prinzipien in der Schule wiederfinden, zeichnet sich die Institution nicht nur durch Konkurrenzkampf und Selektion aus. Die Schüler und Schülerinnen sollen gemeinschaftlich Lernerfolge und individuelle Förderung erhalten.

Somit wird deutlich, dass der gesellschaftliche Leistungsbegriff nicht gänzlich auf die Schule angewendet werden kann und ein neuer pädagogischer Ansatz formuliert werden muss (Jürgens 2005, 24). Diese Arbeit verwendet die Definition von Eiko Jürgens, der den pädagogischen Leistungsbegriff wie folgt charakterisiert (Jürgens, 2005, 26ff.):

- Leistung ist norm-und zweckgebunden. Um ein Verhalten oder ein Ergebnis als Leistung bewerten zu können, müssen Normen vorhanden sein, die dieses festlegen.

Der Leistungszweck und das Endergebnis müssen definiert sein.

- Leistung ist durch Anlage und Umwelt bedingt. Die Gesellschaft übt Einfluss auf die Schülerleistungen aus. Der Lernerfolg darf nicht nur auf Begabung basieren, sondern muss auch durch Anstrengung erreichbar sein. Die Schulleistung beruht auf einem ermutigendem und anstrengendem Lernen. Dafür soll der Schüler durchaus anspruchsvolle Aufgaben erhalten, die er jedoch mit Unterstützung durch die Lehrperson bewältigen kann. So werden Motivation und Lernfreude generiert.

- Leistung ist produkt- und prozessorientiertes Lernen. Nicht nur das Endergebnis einer Schülerleistung darf bewertet werden, der damit verbundene Prozess und die Bedingungen müssen ebenso berücksichtigt werden.

- Leistung entsteht beim sozialen und individuellen Lernen. In Einzelarbeit und in gemeinschaftlichen Lernprozessen wie beispielsweise in einer Gruppenarbeit sollen Leistungen gemeinsam erarbeitet werden.

- Leistung ist problemmotiviertes und vielfältiges Lernen. Die Eigenständigkeit der Schüler und Schülerinnen muss unter Berücksichtigung des sozialen Umfeldes und der Individualität des Lernenden gefördert werden.

Es wird deutlich, dass der pädagogische Leistungsbegriff die Schüler und Schülerinnen auf die Leistungsgesellschaft vorbereiten soll, jedoch unterscheidet er sich maßgeblich vom gesellschaftlichen, meist ökonomischen Leistungsbegriff.

2.2 Funktion schulischer Leistungsbeurteilung

Zeugnisse sind mitunter fester Bestandteil des schulischen Lebens. Sie gelten als amtliche Dokumente, die kontinuierlichen Beurteilungsprozessen durch Lehrpersonen zugrunde liegen. Zeugnisse entscheiden über die Versetzung eines Schülers, ein mögliches Studium oder den Ausbildungsplatz. Die numerische Bewertung bestimmt letztendlich die Laufbahn eines Schülers.

In der Literatur zum Thema Funktion von Leistungsbeurteilung finden sich unterschiedliche Definitionen. Es werden verschiedene Begriffe verwendet, die im Grunde jedoch das selbe thematisieren. Lütgert (u.a. o. J., 7) ordnet der Leistungsbeurteilung zwei funktionale Kategorien zu. Einerseits die gesellschaftliche- und andererseits die pädagogische Funktion. Die Erstere umfasst die Qualifikations,- Selektions,- und Legitimationsfunktionen und soll die Lernenden auf das spätere Leben innerhalb der Gesellschaft vorbereiten. Zu der pädagogische Funktion, die zur Optimierung des individuellen Lernerfolges beitragen soll, gehören die Rückmelde- und Orientierungsfunktion, sowie die Motivations- und Disziplinierungsfunktion.

In der folgenden Tabelle sollen diese Funktionen dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Qualifikationsfunktion

Noten haben eine Qualifikations,- bzw. Sozialisationsfunktion. Mit dem Eintritt in das Schulleben lernen Kinder neue Leistungsnormen kennen, die sich von denen aus Familie und Kindergarten unterscheiden (Gläser-Zikuda 2010, 370). Sie erfahren außerdem, dass unterschiedliche Leistungen auch unterschiedliche Konsequenzen zur Folge haben. Noten und Zeugnisse sollen als Lernanreize verstanden werden, die zur späteren beruflichen Qualifizierung notwendig sind. Durch die Leistungsbewertung sollen zusätzlich Werte und Normen vermittelt werden, die für ein Leben in der Gesellschaft essentiell sind (Schweer, 2008, 17).

Selektionsfunktion

Auf Grundlage der Selektions- oder Berechtigungsfunktion wird die Vergabe von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, sowie Zugangsberechtigungen für Universitäten

und Fachhochschulen bestimmt. Schüler und Schülerinnen, die Leistungserwartungen nicht erfüllen, bleiben bestimmte Bildungsabschlüsse und Berufe verwehrt. Folglich tragen Lehrer als Zensurengeber eine große Verantwortung, denn Noten gelten als zentrales Instrument der Selektion. Durch Leistungsbeurteilung in der Schule werden Lernende entsprechend ihrer Leistung eingeteilt (Selektion) und auf unterschiedliche Berufe und soziale Positionen aufgeteilt (Allokation) (Böhmer, 2017, 5).

Legitimationsfunktion

Zeugnisse entscheiden maßgeblich über das Gewähren oder Verwehren einer hochschulischen oder beruflichen Ausbildung. Für viele Studiengänge ist ein spezieller Notendurchschnitt nötig, um diese überhaupt studieren zu dürfen. Somit wird dem Zeugnis und der Leistungsbewertung durch den Lehrer generell eine wichtige Funktion zugesprochen (Jachmann 2003, 28f.). Kommt es zu einem Verfahrensmangel oder einer Rechtsverletzung, kann der Schüler und dessen Eltern gegen ein schulisches Zeugnis juristisch vorgehen (Jürgens & Sacher 2008, 55).

[...]


[1] Wenn in dieser Arbeit nur die männlichen Form verwendet wird, soll die weibliche auch immer mit eingeschlossen sein.

[2] Schüler soll auch gleichzeitig Schülerinnen mit einschließen.

Details

Seiten
19
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668823518
ISBN (Buch)
9783668823525
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v445394
Note
2.0
Schlagworte
probleme lehrerinnen lehrern beurteilung schülerleistungen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Probleme von Lehrerinnen und Lehrern bei der Beurteilung von Schülerleistungen