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Essstörungen: Formen, Ursachen, Phänomene, Folgen und Therapiemöglichkeiten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 18 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Formen von Essstörungen
2.1 Adipositas
2.1.1 Arten der Adipositas
2.1.2 Folgen der Adipositas
2.1.3 Therapiemöglichkeiten bei Adipositas
2.2 Bulimie
2.2.1 Ursachen
2.2.2 Phänomene
2.2.3 Folgen
2.3 Anorexia nervosa
2.3.1 Ursachen
2.3.2 Phänomene
2.3.3 Folgen
2.4 Essstörungen bei Männern

3. Wege aus der Sucht: Therapiemöglichkeiten bei Magersucht und Bulimie
3.1 Das therapeutische Konzept nach Gerlinghoff und Backmund
3.1.1 Die vorstationäre Phase
3.1.2 Die stationäre Phase
3.1.3 Die ambulante Phase
3.2 Therapiekonzept nach Eberhard Okon
3.3 Hilfen bei Magersucht oder Bulimie

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der heimliche Kampf begann. Mein Kampf![...] Aber ich mußte stark sein, stark und eisern, aus dem einfachen Grund, weil ich seit jeher gerne gegessen habe. Jeder Tag wurde zu einem Kampf zwischen mir und den Kalorien. Ich mußte mich selbst maßregeln und erziehen. Der Anfang war am schwersten. Etwas leichter wurde es, als ich anfing, auf einer Liste festzuhalten, wie viel ich jeden Tag aß. Die Ergebnisse habe ich am Abend verglichen und mir selbst Noten gegeben. Auf diese Weise wurde es zu einer Art Sport. Der spannendste Augenblick war jeden Morgen, wenn ich mich im Bad auf die Waage stellte. Nie vergesse ich das Kribbeln im Körper, als zum ersten Mal der Zeiger auf die 40 zukroch.“[1]

Dieser kurze Auszug aus einem Jugendbuch beschreibt leider keinen Einzelfall, sondern kann exemplarisch für eine große Anzahl essgestörter Jugendlicher stehen. Vor allem junge Mädchen leiden an Essstörungen, aber es sind auch zunehmend Jungen betroffen. Prominente Beispiele gibt es genügend und aufgrund des schlanken Schönheitsideals, das uns aus Zeitschriften, Medien usw. suggeriert wird, geraten besonders Jugendliche in der Adoleszenz, ein Zeitalter, das geprägt ist wie kein anderes von Selbstzweifeln, Identitätskrisen und Persönlichkeitsstörungen, unter einen starken Druck und glauben, diesem Ideal unbedingt entsprechen zu müssen. Dieser Wunsch, mit diesem Ideal übereinstimmen zu wollen, endet oftmals tödlich.

Alarmierend sind Statistiken, die besagen, dass bereits 50 % aller Elfjährigen sich schon mit Diäten beschäftigt haben, 25 % aller Mädchen unter zwölf Jahren und 50 % aller 18jährigen schon Diäterfahrung haben, 40 % der normal- und untergewichtigen Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren sich selbst zu dick finden, 90 % aller Frauen abnehmen möchten, nur 1 % zufrieden mit ihrer Figur ist und 70-80 % aller Frauen sich nicht richtig satt essen, aus Angst , zu dick zu werden[2].

Es gibt verschiedenen Arten von Essstörungen: Anorexia nervosa, Bulimarexie und Adipositas.

Ob das Gewicht der Körpergröße entspricht oder ob eine Form der Essstörungen vorliegt, lässt sich anhand des Body – Mass – Indexes (BMI) bestimmen, der folgendermaßen berechnet wird: Man nimmt sein Gewicht und dividiert es durch seine Körpergröße zum Quadrat, z. B. ist der BMI bei einer Körpergröße von 1,80m und einem Gewicht von 70kg 21,6, da 70 : 1,82= 21,6. Normalgewichtige haben einen BMI von 18,5 bis 25. Bei fettsüchtigen Menschen mit nur mäßigem Übergewicht liegt der BMI über 25, ab einem BMI von 30 spricht man von Adipositas. Alle Menschen, die einen BMI unter 18 haben, sind nicht besonders schlank, sondern untergewichtig und unterernährt.

Diese Arbeit wird einen kurzen Überblick über die verschiedenen Formen von Essstörungen geben. Ihr Schwerpunkte liegen sowohl auf der Bulimarexie als auch auf der Anorexia nervosa, deren Phänomene, Ursachen und Folgen ausführlich skizziert werden und im Anschluss daran werden verschiedene Therapiemöglichkeiten und Wege aus der Sucht vorgestellt.

2. Formen von Essstörungen

Es gibt drei verschiedene Arten von Essstörungen. Im folgenden werden Ursachen, Phänomene und Folgen von Adipositas kurz skizziert, der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung des Krankheitsbildes von Bulimie und Anorexia nervosa, die häufig in Verbindung miteinander erscheinen.

2.1 Adipositas

2.1.1 Arten der Adipositas

Fettsucht ist am häufigsten bei Menschen mittleren Alters vorzufinden, wobei Frauen stärker als Männer betroffen sind. Es muss zwischen drei Arten der Fettsucht unterschieden werden: Normale Fettsucht, reaktive Fettsucht und Entwicklungsfettsucht.

Bei der normalen Fettsucht haben die Personen ein geringes und stabiles Übergewicht, sie leiden auch nicht an abnormalen psychischem Verhalten[3].

Die reaktive Fettsucht ist dadurch gekennzeichnet, dass sie als Reaktion auf traumatische Ereignisse und Erfahrungen entsteht und als Abwehrfunktion gegen Ängste und Depressionen dient. Sie tritt meist bei Erwachsenen auf, wobei sich die Betroffenen bewusst über den Unterschied zwischen Hunger und ihrem neurotischen Verhalten sind[4].

Die dritte Form der Fettsucht, die Entwicklungsfettsucht, bricht meist in der Kindheit oder in der Adoleszenz aus. Sie ist mit der Gesamtentwicklung verflochten, die durch viele Persönlichkeitsstörungen und Identitätskrisen gekennzeichnet ist. Kennzeichnend ist die Unfähigkeit der kontrollierten Nahrungsaufnahme: Es gibt weder Hunger- noch Sättigungsgefühle. Die Betroffenen sind mit ihrer Situation unzufrieden und suchen Trost im Essen, dadurch geraten sie in einen Teufelskreis, da sie weiter an Gewicht zunehmen. Die betroffenen Jugendlichen beklagen zwar ihr Schicksal, nutzen aber ihr Übergewicht als Alibi, um nicht an den Aktivitäten „normaler“ Jugendlicher teilnehmen zu müssen, sie empfinden ihre Situation als fremdbestimmt und fremdverschuldet. Der massige Körper vermittelt einerseits ein Gefühl von Stärke und Macht, andererseits empfinden sie Abscheu und Ekel gegenüber sich selbst.

2.1.2 Folgen der Adipositas

Adipositas wird nicht als eine eigenständige Erkrankung anerkannt, jedoch hat sie Auswirkung auf den gesamten menschlichen Organismus.

Die häufigsten gesundheitlichen Folgen sind: Arterielle Hypertonie, Diabetes Typ II, Erkrankungen an der Gallenblase, Nierenschäden, Wundheilungsstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (mit zunehmendem BMI steigt auch das Herzinfarktrisiko rapide an), Arthrosen, Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, Dickdarmkrebs und Hyperurikämie[5].

Des Weiteren kommt es häufig zu orthopädischen Komplikationen aufgrund des hohen Gewichts.

2.1.3 Therapiemöglichkeiten bei Adipositas

Eine Therapie sollte ab einem BMI von 30 erfolgen, da ein erhöhtes Risiko an Folgeerkrankungen besteht.

Inhalt der Therapie ist vor allem die psychologische Betreuung. Weitere Inhalte der Therapie sind die medizinische Betreuung, eine Ernährungstherapie, eine Sporttherapie, Elemente der Erlebnispädagogik sowie eine Anschlussheilbehandlung.

2.2 Bulimie

Bulimie bzw. Bulimarexie äußert sich durch wiederholte Heißhungerattacken und Fressanfälle mit anschließendem Erbrechen. Typisch ist, dass die Betroffenen einen Kontrollverlust während der Heißhungerattacken haben und anschließend voller Schuldgefühle sind.

„Ich bin nicht mehr ich selbst. Meine Hände schöpfen den Eintopf in einen Topf. [...]Alles in mir schreit. Ein wildes, ausgehungertes Tier wohnt in der Körperhöhle. Es reißt an den Fesseln, wirft sich nach allen Seiten, bis die Bande reißen und es sich über die dampfende Beute wirft. Ich esse mit dem Kochlöffel. Das Tier schlingt das Essen in sich hinein, berauscht sich am Futter mit einer Gier wie das Leben selbst. Mit einemmal erwache ich. Der Topf ist beinahe leer. Was habe ich getan? Ich streiche mit den Händen über den Körper und fühle, wie sich der Magen unter den Fingern ausbeult, aufgebläht und hart. Schon breitet sich in mir eine düstere Reue aus, die mit gewaltiger Kraft aufblitzt.[...]Ich bin vergiftet. Vergiftet! Ich presse die Hände fest gegen den Magen, um ihn zu bestrafen, beuge mich über die Kloschüssel und würge. Habe ein saures und brennendes Gefühl im Mund. Ja, ich werde es schaffen, ich werde es schaffen! Ich muss es rauskriegen! Der Kampf gegen das Gift ist hart, der Schweiß rinnt mir in kleinen Bächen über die Stirn. Da- etwas wälzt sich unter der Brust und will nach oben, ich krümme mich zusammen, stütze die Stirn gegen den Klodeckel und umklammere die Schüssel. Da...es kommt! Etwas Gelbes und Saures ergießt sich aus dem Mund und spritzt über die Kleider. Ich mag es nicht abwischen, stöhne nur vor Ekel und Abscheu. Danach grüße ich den Spiegel. Meine Augen sind klar und blank, die Wangen sind rot. Ich sehe beinahe schön aus. Nur die Haare sind scheußlich, schweißnass und verworren. ‚Bravo! Du hast es geschafft!’ sage ich zu mir. ‚So einfach ist das. Von jetzt an kannst du mit Mama und Papa zusammen essen, und danach kannst du ins Bad gehen und alles auskotzen. Niemand braucht es zu wissen.“[6]

[...]


[1] Gunvor A. Nygaard: Inger oder Jede Mahlzeit ist ein Krieg, München 51994, S. 17.

[2] Vgl. Maja Langsdorf: Die heimliche Sucht unheimlich zu essen. Bulimie-verstehen und heilen, Frankfurt/Main 2003, S. 17ff.

[3] Vgl. Hilde Bruch: Essstörungen, S. 141-144.

[4] Vgl. ebd., S. 163-170.

[5] Vgl. www.schule.a-city.de/staatliche_fos_bos/com-in-unsere-schule/ernaerung/eradipsit.html 24.05.2004

[6] G.A. Nygaard: Inger.S. 89f.

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638421812
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v44614
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Pädagogisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Essstörungen Formen Ursachen Phänomene Folgen Therapiemöglichkeiten Oberseminar Abhängigkeit Konzepte Prävention

Autor

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