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Familienunternehmen im internationalen Kontext. Eine Untersuchung der Vorteilhaftigkeit internationaler Rechnungslegung nach IFRS for SMEs

Hausarbeit 2018 21 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Grundlagen des IFRS SME
2.1.1. Entwicklung und Aufbau
2.1.2. Ziele und Grundsätze
2.2. Anwendbarkeit und Bestandteile vom IFRS for SME
2.2.1. Anwendungsbereich
2.2.2. Abschlussbestandteile

3. Wesentliche Unterschiede in der Bilanzierung zwischen HGB und IFRS (for
SMEs)
3.1. Strukturelle und formelle Unterschiede
3.2. Inhaltliche Unterschiede
3.2.1. Prinzipien-basierte Unterschiede
3.2.2. Bilanzielle Unterschiede

4. Wirtschaftliche Auswirkungen der Erstellung eines Rechnungsabschlusses nach
IFRS SME
4.1. Konvergenz von internem und externem Rechnungswesen
4.2. Beschaffung von Fremd- und Eigenkapital
4.3. Zunehmende Internationalisierung

6. Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Formelle Unterschiede IFRS / HGB

Tabelle 2: Prozentuale Veränderungen der Bilanzpositionen HGB/IFRS

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Mit der Globalisierung der Wirtschaft und der damit zusammenhängenden Internationalisierung der Unternehmen entstehen Ansprüche an eine modernisierte Rechnungslegung. Externe Adressaten fordern zunehmend die Vorlage eines Abschlusses nach der IFRS Rechnungslegung ein, um sich ein möglichst realistisches und vergleichbares Bild von der Situation des Unternehmens machen zu können.1 Da eine Rechnungslegung nach IFRS SME nicht verpflichtend ist, stehen insbesondere international tätige klein- und mitteständische Unternehmen (KMU) dadurch zunehmend vor der Entscheidung eine Rechnungslegung nach IFRS SME Richtlinien einzuführen.2

In der vorliegenden Arbeit soll daher kritisch die zentrale Frage der Vorteilhaftigkeit einer Rechnungslegung nach IFRS SME diskutiert werden. Im Einzelnen werden hierfür die verschiedenen wirtschaftlichen Auswirkungen, die mit einer Einführung von IFRS SME in Verbindung stehen, erörtert.

Die Struktur der vorliegenden Arbeit gestaltet sich vom Allgemein-faktischen aufbauend zum Speziell-kritischen. Im ersten Teil der Arbeit werden zunächst grundlegende, theoretische Aspekte der Rechnungslegung nach IFRS (SME) vorgestellt. Darunter fallen Inhalte der Entwicklung sowie Ziele des Systems als auch die Darstellung des Anwendungsbereiches und der Abschlussbestandteile. Aufbauend, werden wesentliche Unterschiede zwischen der Bilanzierung nach IFRS (SME) und nach dem HGB vorgestellt, um folglich im letzten Hauptkapitel der Arbeit auf die damit einhergehenden Auswirkungen und Vorteile schließen zu können.

Anzumerken ist, dass die Diskussion um die Auswirkungen der Erstellung eines Rechnungsabschlusses nach IFRS SME eine junge Thematik darstellt. Daher wurde die Quantität der genutzten Quellen im Hinblick auf die Aktualität und der damit verbundenen Qualität der Quellen bewusst nicht ausgeweitet.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Grundlagen des IFRS SME

2.1.1. Entwicklung und Aufbau

Die IFRS (International Financial Reporting Standards) werden von dem privat organisierten IASB (International Accounting Standard Board) entwickelt und stetig überarbeitet und sind - ähnlich wie DIN-Normen - nicht verbindlich. Verbindlich werden sie jedoch dann, wenn sie in nationalen Rechtsakten als verbindlich erklärt werden.

Die Entwicklung und Entstehung der IFRS for SME Rechnungs-legungsvorschriften reichen bis ins Jahr 1998, wonach das damals noch IASC (International Accounting Standard Committee) den Bedürfnissen kleiner- und mittelständischer Unternehmen gerecht werden will.3 Der IASB hat trotz der Einführung dieses speziellen Regelwerks die Überzeugung, dass die Full IFRS für die Rechnungslegung aller Unternehmen geeignet sind.4 „Dennoch erkennt das Board an, dass die Bedürfnisse der Abschlussadressaten, der vorhandene Bilanzsachverstand und auch die für die Rechnungslegung zur Verfügung stehenden Finanzmittel bei mittelständischen Unternehmen für ein vereinfachtes Regelwerk sprechen können.“5 Diese drei Säulen bildeten daher auch die Leitlinien der Erstellung des komprimierten Regelwerks. Hauptsächliche Adressaten der IFRS SME Abschlüsse stellen dem IASB zufolge kreditgebende Banken, Lieferanten, Ratingagenturen, Kunden und Anteilseigner dar.6

Nach 7 Jahren Projektarbeit wurde im Jahr 2007 daraufhin der erste Exposure Draft „IFRS for Small and Medium-sized Entities“ veröffentlicht, dessen endgültige Fassung im Juli 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der „IFRS for SMEs“ Standard wurde plangemäß mit Wirkung zum 21. Mai 2015 im Rahmen der Amendements zum „IFRS for SMEs“ überarbeitet und aktualisiert.7

Auf europäischer Ebene bestehen derzeit keine Bestrebungen den IFRS SME Standard europaweit verbindlich zu machen. Dies liegt womöglich nicht zuletzt daran, dass die meisten Mitgliedsstaaten keinen Bedarf darin sehen. Deutschland hat in diesem Zusammenhang bereits durch das BilMoG (Bilanzrechtmodernisierungsgesetz) eine umfangreiche Modernisierung des Handelsbilanzrechts auf den Weg gebracht und umgesetzt.8

Innerhalb eines eigenen Standards regelt der IASB mit dem „IFRS for SMEs“-Standard die Rechnungslegung in insgesamt 35 Abschnitten. Ergänzend gibt der IASB IFRS SME-spezifische Begriffe zur Verwendung in der Rechnungslegung in Form eines Glossars vor. Die einzelnen Abschnitte des Standards führen zum einen allgemeine Rechnungslegungsinstrumente aus und behandeln zum anderen spezielle, thematische Rechnungslegungsfragen.9 Die IFRS SME Rechnungslegungsvorschriften haben mit 250 Seiten einen verhältnismäßig geringen Umfang im Vergleich zu den Full IFRS mit 2.800 Seiten. Der IFRS SME orientiert sich dabei an den Grundprinzipien der Full IFRS. Die Vereinfachung der Vorschriften wird durch das Weglassen bestimmter Vorschriften, Einschränken von Wahlrechten und Reduzieren von Anhangangabe- pflichten gewährleistet.10 „[Somit] stellt der Standard ein Konglomerat von Rechnungslegungsgrundsätzen dar, das als eigenständiges, leicht anwendbares Regelwerk den besonderen Bedürfnissen mittelständischer Unternehmen und ihrer Abschlussadressaten Rechnung tragen soll.“11

2.1.2. Ziele und Grundsätze

Im Sinne des Abschnitts 2.2 IFRS SME besteht die Zielsetzung eines IFRS SME Abschlusses in der Bereitstellung von Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens, welche dazu beitragen soll Abschlussnutzer bei ihren wirtschaftlichen Entscheidungen zu unterstützen. Damit ist die Geschäftsführung des Unternehmens ebenso wenig Teil des Adressatenkreises eines Abschlusses nach IFRS SME wie die Steuerbehörden. Begründet liegt dies in der Tatsache, dass beide Instanzen unmittelbar die Möglichkeit haben, eine auf ihre Informationsbedürfnisse zugeschnittene Aufstellung zu verlangen.12 Weiterhin soll im Rahmen des Abschnitterhin soll im Rahmen des Abschnittes 2.3 das Ergebnis aus der Verwaltungstätigkeit der überlassenen Ressourcen, das durch das Management erzielt wurde, dargestellt werden. Damit liegen Rechnungslegungsabschlüsse von SMEs dieselben Ziele zugrunde, wie die der Full IFRS. Diese vom IASB getroffene Entscheidung steht vielfach in der Kritik, da insbesondere die Bedürfnisse der Abschlussnutzer stark abweichend sein können. So stehen beispielsweise (kurzfristige) Kosten-Nutzen Überlegungen bei KMUs vermehrt im Vordergrund.13

Der IFRS SME Rechnungslegung liegen ebenso wie der Full IFRS Rechnungslegung gewisse qualitative Anforderungen zugrunde. Diese werden im Abschnitt 2 des „IFRS for SMEs“ Standard konkretisiert und umfassen folgende maßgebende Prinzipien:14

(1) Verständlichkeit (Understandability)
(2) (Entscheidungs-)Relevanz (Relevance)
(3) Wesentlichkeit (Materiality)
(4) Verlässlichkeit (Reliability)
(5) Wirtschaftliche Betrachtungsweise (Substance over form)
(6) Vorsicht (Prudence)
(7) Vollständigkeit (Completeness)
(8) Vergleichbarkeit (Comparability)
(9) Zeitnähe (Timeliness)
(10) Abwägung zwischen Nutzen und Kosten (Balance between benefit and cost)
(11) Übermäßige Kosten oder Anstrengungen (Undue cost or effort)15

Die Erfassung von Abschlussposten findet wie in der Full IFRS Rechnungslegung in einem zweistufigen System statt. Zunächst werden in der ersten Stufe die jeweiligen Abschlussposten auf die entsprechenden Definitionskriterien überprüft. Abschließend - in der zweiten Stufe - werden die erforderlichen Kriterien für den Ansatz im Abschluss überprüft.16

2.2. Anwendbarkeit und Bestandteile vom IFRS for SME

2.2.1. Anwendungsbereich

Der Anwenderkreis der IFRS for SMEs ergibt sich aus der Begriffsdefinition kleiner und mittelgroßer Unternehmen. Unter „small and medium-sized entities“ im Rahmen dieses Standards werden Unternehmen zusammengefasst, die keine Pflicht zur öffentlichen Rechenschaft haben, und die - allgemein ausgerichtete (general purpose) - Abschlüsse für externe Abschlussadressaten veröffentlichen.17 Die Pflicht zur öffentlichen Rechenschaft wiederum sind (gem. IFRS SME 1.3) Unternehmen, „deren Schuld- oder Eigenkapitalinstrumente an einem öffentlichen Markt gehandelt werden […]“ sowie Unternehmen, Treuhändereigenschaften Vermögenswerte verwalten […]“, wenn diese Tätigkeit die Hauptaktivität der Unternehmung darstellt. Eine Vorgabe quantitativer Schwellenwerte findet durch den IASB bewusst nicht statt, da nach Aussage des Komitees diese Aufgabe der nationalen Jurisdiktion vorbehalten bleiben soll, da eine größenbezogene Abgrenzung aufgrund der nationalen Unterschiede in den einzelnen Zielländern keinen langfristigen Bestand haben könne.18

Unternehmen, die sich außerhalb dieses Definitionsbereiches befinden, sind vom Anwendungsbereich der IFRS SME ausgeschlossen.19

2.2.2. Abschlussbestandteile

Im Rahmen des Abschnitts IFRS SME 3.17 sind der Aufbau sowie die Bestandteile eines IFRS SME-Abschlusses geregelt. Demnach sind folgende Bestandteile beinhaltet:

- Bilanz,
- Gesamtergebnisrechnung unter Ausweis des Periodenergebnisses als

Zwischenergebnis oder einer GuV-Rechnung sowie einer Gesamt- ergebnisrechnung, welche ausgehend vom Periodenergebnis die Komponenten des sonstigen Gesamtergebnisses enthält und zum Gesamtergebnis überleitet,
- Eigenkapitalveränderungsrechnung
- Kapitalflussrechnung und
- Anhang, welcher die maßgeblichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

zusammenfast und sonstige Erläuterungen enthält.20

3. Wesentliche Unterschiede in der Bilanzierung zwischen HGB und IFRS (for SMEs)

3.1. Strukturelle und formelle Unterschiede

Zunächst sind die formalen Unterschiede der verschiedenen Vorgehensweisen der Rechnungslegung zu unterscheiden, wobei zu beachten ist, dass sich die Full IFRS bereits formal zu den IFRS SME unterscheiden. Die wichtigsten formalen Unterschiede lassen sich in folgender Tabelle strukturiert zusammenfassen:21

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Formelle Unterschiede IFRS / HGB

Quelle: Vgl. u.a. o.V. (2017a), http://www.ifrs-portal.com..., abgerufen am 01.10.2017; PricewaterhouseCoopers AG (2011), S. 4 f.

Im Gegensatz zu den HGB-Normen stellen die IFRS kein kodifiziertes System von abstrakten Normen dar, die für eine Vielzahl von Sachverhalten gelten, sondern die einzelnen Abschnitte der IFRS vielmehr „ausführliche, teils abstrakt-generelle, teils konkret-beschreibende Regelungen zu weitgehend abgegrenzten Einzelfällen der Rechnungslegung“ enthalten. Die Form der ausführlichen Darstellung von Einzelfällen kommt damit der amerikanischen Rechtsetzungstechnik gleich. Damit sind die IFRS als prinzipienorientiertes Regelwerk (principle based) zu verstehen.22

3.2. Inhaltliche Unterschiede

3.2.1. Prinzipien-basierte Unterschiede

Inhaltich unterscheiden sich die Rechnungslegungsverfahren zunächst deutlich durch die vorherrschend dominierenden Ziele. Während beim Jahresabschluss nach IFRS der Informationszweck im Vordergrund steht, dominieren bei Abschlüssen nach dem HGB die Erhaltung des in das Unternehmen investierten Kapitals. Der nach handels- rechtlichen Normen ermittelte Gewinn stellt so die Basis für die Ausschüttung von Dividenden an Anteilseigner und die Grundlage für die Steuerbemessung. Die Informationsfunktion der internationalen Rechnungsabschlüsse trägt hingegen vorrangig den Interessen der Investoren Rechnung. Daher spricht man in diesem Zusammenhang auch von einer kapitalmarkt- oder anlageorientierten Rechnungs- legung.23

[...]


1 Vgl. Funk, W. / Rossmanith, J. (2017), S. 4.

2 Vgl. Buschhüter, M. / Striegel, A. (2015), S. 15.

3 Vgl. u.a. Kirsch, H. (2016b), S. 1; Buschhüter, M. / Striegel, A. (2015), S. 15 f.

4 Vgl. Kunz, A. C. (2011), S. 52.

5 Kunz, A. C. (2011), S. 52.

6 Vgl. Kunz, A. C. (2011), S. 52.

7 Vgl. u.a. Kunz, A. C. (2011), S. 51; Kirsch, H. (2016a), S. 491 f.

8 Vgl. Buschhüter, M. / Striegel, A. (2015), S. 15 f.

9 Vgl. Kirsch, H. (2016a), S. 493 f.

10 Vgl. Buschhüter, M. / Striegel, A. (2015), S. 17 f.

11 Kunz, A. C. (2011), S. 51 f.

12 Vgl. u.a. Buschhüter, M. / Striegel, A. (2015), S. 29; Kirsch, H. (2016a), S. 495 f.

13 Vgl. Kirsch, H. (2016a), S. 495 f.

14 Vgl. Kirsch, H. (2016a), S. 496 ff.

15 Kirsch, H. (2016a), S. 496 f.

16 Vgl. Kirsch, H. (2016a), 496.

17 Vgl. Kirsch, H. (2016a), 492 f. „die für einen großen Kreis von Dritten in

18 Vgl. u.a. Kirsch, H. (2016a), S. 491 f.; Kunz, A. C. (2011), S. 54 f., Buschhüter, M. / Striegel, A. (2015), S. 23.

19 Vgl. Buschhüter, M. / Striegel, A. (2015), S. 24.

20 Vgl. Kirsch, H. (2016a),S. 502 f.

21 Vgl. Fey, G. / Schellhorn, M. (2011), S. 4.

22 Vgl. Kunz, A. C. (2011), S. 44.

23 Vgl. Kunz, A. C. (2011), S. 44 f

Details

Seiten
21
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668837522
ISBN (Buch)
9783668837539
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v446688
Schlagworte
familienunternehmen kontext eine untersuchung vorteilhaftigkeit rechnungslegung ifrs smes

Autor

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