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Partizipation in der frühpädagogischen Praxis. Das Beispiel der pädagogischen Praxis der "Kinderkluse" in Menden

Hausarbeit 2018 13 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Partizipation
Definition des Begriffs
Historische Entwicklung
Rechtliche Grundlage von Partizipation

Partizipation in der frühpädagogischen Praxis – anhand des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplanes

Die Relevanz des Sozialraumes als Lernort für demokratische Prozesse

Praxisbeispiel der „Kinderkluse“ in Menden – Benedikt Sturzenhecker
Methoden der Partizipation von Kindern
Der „Mitbestimmungstag“
„Der Tag ohne Regeln“ – „Herrschaft der Kinder“ = Anarchie?

Fazit

Literatur

Einleitung

Durch die gesetzliche Verankerung im § 8 SGB VIII der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, die UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 12) und die Bildungs- und Erziehungspläne der Bundesländer sind Eltern sowie Bildungseinrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland dazu aufgefordert demokratische (Lern-)Prozesse mit in die Erziehung von Kindern und Jugendlichen einfließen zu lassen. Doch wie kann diese Form des Lernens von Demokratie nachhaltig in die pädagogische Praxis eingeführt und von Pädagoginnen und Pädagogen angewandt werden? In dieser Hausarbeit möchte ich die Notwendigkeit der Partizipation für den Prozess des Demokratielernens, im Besonderen im frühkindlichen Bildungsbereich von Kindern im Alter von null bis zehn Jahren aufzeigen.

Das gesellschaftliche Bedürfnis der Partizipation wird im weiteren Verlauf mithilfe von geschichtlichen Aspekten in der (Weiter-)Entwicklung der Pädagogik, beispielsweise durch das Aufkommen demokratischer Erziehungsansätze, bis hin zu antipädagogischen Theorien zur Erziehung, näher beschrieben. Weiterhin wird im Rahmen dieser Hausarbeit eine Betrachtung der Partizipation in der frühpädagogischen Praxis vorgenommen, die mittels des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans näher erläutert und fachlich begründet wird. Aufgrund des Themas dieses Moduls (Gruppen- und Sozialraumarbeit), soll die Relevanz des Sozialraumes für das Erlernen demokratischer Prozesse überprüft werden. Zudem wird anhand einer im Rahmen des Moduls „4.3 Gruppen- und Sozialraumarbeit“ gehaltenen Präsentation „Recht auf Mitbestimmung als Grundlage des Demokratielernens – Partizipation von Kindern als ‚Grundrecht‘“ und dem darin bearbeiteten Fachtext von Benedikt Sturzenhecker „Partizipation von Kindern als sozialräumliche Aneignung in der Offenen Jugendarbeit der ‚Kinderkluse‘ in Menden“ verdeutlicht, inwiefern partizipatorische Methoden in Form eines „Mitbestimmungstages“ und eines antipädagogischen Experiments, dem „Tag ohne Regeln“, ihre pädagogische Praxisanwendung finden können. Abschließend wird durch ein Fazit das Thema unter Betrachtung der momentanen Situation des Partizipationsgedankens in Deutschland kritisch zusammengefasst und dessen Potential durch einen komprimierten Ausblick in die Zukunft der Bildungs- und Erziehungsbereiche dargestellt.

Partizipation

Definition des Begriffs

Partizipation findet in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen ihre Anwendung und meint das Beteiligtsein oder die Teilhabe von Menschen an unterschiedlichen Prozessen (vgl. Hessisches Ministerium für Soziales und Integration 2015: 144). Im Kontext der Pädagogik ist Partizipation die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidungsprozessen – also Kinder als Experten für ihre eigenen Belange zu betrachten, beispielsweise in Form einer „Kinderkonferenz“, in der über bestimmte Fragestellungen demokratisch abgestimmt wird (vgl. Gawlitzek et al. 2012: 227). Die gesellschaftliche oder soziologische Partizipation meint eine Eingliederung von Individuen in bestehende Strukturen, wie etwa der Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern zu Initiativen, die für eine bestimmte Thematik einstehen und geht damit beinahe fließend in eine Form der politischen Partizipation über, bei der durch Abstimmungen und Wahlen eine Mitbestimmung an demokratischen Prozessen innerhalb der Gesellschaft gewährleistet werden soll. Demgemäß kann der Partizipationsgedanke auch als „[…] ein interdisziplinäres Querschnittsthema.“ (Kersting 2008: 11) verstanden werden. Aufgrund dessen, dass alle drei zuvor genannten Fachgebiete den Sozialwissenschaften zuzuordnen sind, sind die Begriffsbestimmungen somit oft ähnlich zu verstehen und zielen im Allgemeinen auf das Erlernen demokratischer Kompetenzen und eine Herausbildung eines gesellschaftlichen Verständnisses des Zusammenlebens ab. In diesem Zusammenhang ist es durchaus notwendig den Begriff des Demokratielernens mit in die Definition von Partizipation aufzunehmen, da die Möglichkeiten, welche den Kindern in den Bildungsinstitutionen im besten Fall gewährt werden, eben dieses, im vorigen Satz beschriebene, „Verständnis des Zusammenlebens“ erlernen sollten, um sich eigene Meinungen bilden und auch kritisch mit bestimmten Fragestellungen auseinandersetzen zu können. Vielmehr ist hierbei darauf zu achten Kindern Freiheiten einzuräumen damit sie sich ausprobieren und durch Erfahrungen lernen können. Dabei sind die pädagogischen Fachkräfte in der Beobachterrolle zu verorten, in der sie die Lernprozesse der Kinder professionell beobachten und dokumentieren und die in Nachbesprechungen, anknüpfend an die (Lern-)Methoden demokratischen Lernens, gemeinsam diskutiert und reflektiert werden (vgl. Sturzenhecker 2009: 290 f.).

Historische Entwicklung

In der Geschichte der Pädagogik hat sich der Wert der Zusammenarbeit zwischen der/dem Erziehenden und der/dem zu Erziehenden (lat. Educandus), in den letzten Jahrzehnten von einer stark autoritär geprägten Erziehungspraktik, hin zu demokratischen und ko-konstruktiven Erziehungsmodellen entwickelt, die sich durch eine aktive Beteiligung von Kindern und Erwachsenen auszeichnen und die frühkindliche Bildung als sozialen Prozess begreifen (vgl. Hessisches Ministerium für Soziales und Integration 2015: 21).

Bereits der US-amerikanische Pädagoge und Philosoph John Dewey bezeichnete in seinem Werk „Demokratie und Erziehung“ von 1916 demokratische Lernprozesse von Kindern für deren soziale Entwicklung als Notwendigkeit für einer Weiterentwicklung der bestehenden Gesellschaft, da „[…] eine Gesellschaft, die […] diesen Wandel – zum Besseren – als ihren Lebenszweck betrachtet, andere Normen und Methoden der Erziehung haben muß [sic!] als eine, die lediglich ihren unveränderten Fortbestand erstrebt.“ (Dewey 1916/2000: 113). Dewey beschreibt damit den Willen zur Veränderung, zur Verbesserung, der bestehenden Strukturen, die es durch eine von Grund auf andere Idee von Erziehung zu erreichen gilt. Bereits weit vor Deweys Forderung nach demokratischer Erziehung erkannten Pioniere der Frühpädagogik wie Amos Comenius, Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi, Maria Montessori oder Célestin Freinet, dass das Kind in seinem Bildungs- und Erziehungsverlauf miteinzubeziehen ist und es einer menschenfreundlichen (philanthropischen) Erziehung bedarf (vgl. Gawlitzek et al. 2012: 214-223). Im Laufe der Jahre, bis zum Ende der 1960er Jahre kamen in der Historie der Erziehung immer wieder Fragen auf, ob nicht doch andere Methoden der Bildungsvermittlung sinnvoller für Kinder seien, da immer noch Gewalt in Bildungseinrichtungen und Familien an der Tagesordnung war (Schwarze Pädagogik). Im weiteren Verlauf der Zeit begannen sich modernere Konzepte um Pädagoginnen und Pädagogen, wie beispielsweise Loris Malaguzzi (Reggio-Pädagogik[1] ) oder Jürgen Zimmer (Situationsansatz[2] ) zu bilden, die das Kind ins Zentrum seiner Bildungsprozesse rückten und dadurch selbstbestimmtes Lernen in den Bildungssystemen vieler Staaten teilweise etablieren konnten.

[...]


[1] Eine Pädagogik, die in den 1960er und 1970er Jahren in der norditalienischen Stadt Reggio Emilia entstand und sich nicht als statisches Konzept, sondern vielmehr als pädagogisches Begleiten und das Verstehen-wollen kindlichen Handelns versteht (vgl. Gawlitzek et al. 2012: 224 f.).

[2] Der Situationsansatz hat sich in den 1970er Jahren entwickelt und bezeichnet ein pädagogisches Konzept, in dem Kinder „[…] in die Lage versetzt werden, konkrete Lebenssituationen zu bewältigen.“ (Gawlitzek et al. 2012: 227), um Autonomie und unterschiedliche Kompetenzen zu erlangen.

Details

Seiten
13
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668828506
ISBN (Buch)
9783668828513
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v447345
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda
Note
1,0
Schlagworte
Partizipation Sozialraum Frühpädagogik Demokratielernen frühkindliche Bildung Erziehung anarchistische Pädagogik

Autor

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Titel: Partizipation in der frühpädagogischen Praxis. Das Beispiel der pädagogischen Praxis der "Kinderkluse" in Menden