Lade Inhalt...

Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Legalisierung von Marihuana in Deutschland

Studienarbeit 2018 21 Seiten

VWL - Mikroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen: Was ist Cannabis?

3. Die Historie
3.1 Entstehung des Cannabisverbots in Deutschland
3.2 Die Gegenwehr der USA gegen Cannabis
3.3 Das deutsche Betäubungsmittelgesetz

4. Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Liberalisierung von Marihuana in Deutschland
4.1 Potenzieller Steuerertrag
4.2 Einnahmen durch Lizenz und Anmeldegebühren
4.3 Positive Auswirkung auf Repressionskosten
4.4 Kostenbedingte Auswirkungen der Legalisierung
4.5 Liberalisierung schafft neue Arbeitsplätze
4.6 Liberalisierung ermöglicht Investitionen

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bestandteile und die Nutzung der Pflanze

Abbildung 2: Legalisierung als Investitionsfaktor im volkswirtschaftlichen Sinne

Abbildung 3: Auswirkungen der Legalisierung anhand des IS-LM-Modells

1. Einleitung

Überall auf dem Globus entstehen gerade Gesetze zur Cannabislegalisierung, und die Strafen für den Konsum werden immer milder. Selbst die Bundeskanzlerin musste sich zuletzt aufgrund des öffentlichen Interesses zu besagtem Thema äußern und für den Wirtschaftswissenschaftler Justus Haucap, ist die Cannabis-Legalisierung in Deutschland nur noch eine Frage der Zeit.1 Uruguay war 2013 das erste Land, das den Marihuanahandel frei gab.2 Der Staat Colorado in den Vereinigten Staaten von Amerika gestattet seit Anfang 2014 den Verkauf von Cannabis in lizensierten Verkaufsstellen. Weitere Staaten gaben mittlerweile bekannt, dem durchaus erfolgreichen Beispiel Colorados zu folgen und den Cannabismarkt regulieren zu wollen.3

Trotz dieser offensichtlich positiven, alternativen Drogenpolitik scheint die Cannabisle- galisierung keine klare Sache zu sein. Während sich Cannabisbefürworter hauptsäch- lich auf den medizinischen Nutzen sowie auf das Scheitern der deutschen Drogenpo- litik berufen, verweisen die Gegner auf die jahrzehntelang bestehenden Gesetze und auf die Suchtgefahr, die von Cannabis ausgeht. Aus Sicht des Ökonomen stellt sich zudem eine noch viel bedeutendere Frage: Welchen ökonomischen Nutzen könnten durch die Cannabis-Legalisierung für eine Volkswirtschaft erzielt werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, die möglichen volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Libera- lisierung von Marihuana aufzuzeigen. Daher wird zunächst die Cannabis-Pflanze vor- gestellt und kurz erläutert. Aufbauend darauf werden die geschichtlichen Hintergründe dargelegt, um eine Verknüpfung zur aktuellen rechtlichen Verankerung der Marihuana- Pflanze zu schaffen. Nachdem der Überblick im Kapitel 2 und 3 geschaffen wird, wer- den im Kapitel 4 die ökonomischen Auswirkungen der Legalisierung dargestellt und ausführlich erläutert. Die Arbeit schließt sich in einem Fazit und Ausblick ab.

2. Grundlagen: Was ist Cannabis?

Das Wort Cannabis ist der lateinische Name für Hanfpflanze, und im Zusammenhang mit Drogen wird „Cannabis“ als „Marihuana“ oder „Haschisch“ verstanden. Wenn der- zeit vom „Cannabis in der Medizin“ gesprochen wird, so ist damit das Dronabinol ge- meint. 4

Cannabis gilt als eines der ältesten bekanntesten Rauschmittel und hat eine alte Tradition als Nutz- und Heilpflanze.5 Seit mehr als 10.000 Jahren wird Cannabis von Menschen als Nahrungsmittel, Rohrstoff, Medizin sowie als Droge benutzt, da alle Bestandteile diese Pflanze sinnvoll verwertet werden können.6 In der Abbildung 1 sind die einzelnen Bestandteile dargestellt und kurz erläutert.

Abbildung 1: Bestandteile und die Nutzung der Pflanze7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus der Abbildung 1 wird ersichtlich, dass die Pflanze vielseitig genutzt werden kann. Aus den Blättern und Samen werden Nahrungsmittel, wie beispielsweise Margarine, Speiseöl, Hanfmehl und das hochwertige Hanföl erzeugt. Die Fasern werden im Haus- bau oder industriell verarbeitet. Aus den Blüten wird das Cannabinoid THC gewonnen, das wegen seiner psychoaktiven Wirkung auf der Liste der UN Suchtgiftkonvention aufgelistet ist.8

Cannabis ist als eine sehr schnell wachsende Pflanze bekannt. Kaum eine andere Pflanze besitzt ein größeres Wachstumspotential als Cannabis. Schon in vorchristlicher Zeit wurde Hanf in China angebaut, um daraus Textilien zu fertigen. Von innerhalb nur vier Monaten kann diese Pflanze bis zu 4m hohen Baum wachsen, und ist auch sehr robust sowie sehr Schädlings resistent.9

Trotz dieser offensichtlich positiven und vielseitigen Eigenschaften von Cannabis, wird diese oft nur auf berauschendes Mittel reduziert und als „Droge“ und „Gefährlich“ bezeichnet, wobei es bis heute kein Fall weltweit bekannt ist, indem eine Person direkt durch die Wirkung von Cannabis gestorben war.10 Das Klischee des Schuleschwänzenden jugendlichen Kiffers scheint in den Köpfen der meisten Deutschen tief verankert zu sein. Die Tatsache, dass sich in fast allen Bevölkerungsgruppen Cannabiskonsumenten wiederfinden und der Konsum der Pflanze einen nachgewiesen therapeutischen Nutzen besitzt, scheint allerdings oft irrelevant zu sein.11

3. Die Historie

Um eine Verknüpfung zur aktuellen rechtlichen Verankerung der Marihuana-Pflanze zu schaffen, ist es zunächst wichtig, die Entstehung des Cannabisverbots in Deutschland und den Kampf gegen Cannabis in den USA zu beschreiben. Daher werden in dem nachfolgenden Kapitel diese Punkte im Einzelnen erläutert und ein kurzer Überblick über das deutsche Betäubungsmittelgesetz gegeben.

3.1 Entstehung des Cannabisverbots in Deutschland

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts galt die deutsche Drogenpolitik als sehr liberal. Erst als die Zahl an Opiumkonsumenten in Europa stieg, wurde ein steigender Wunsch nach umfangreichen Regulierungen der Drogenmärkte ersichtlich.12 Die im Jahr 1909 gegründete, Internationale Opium-Kommission hielt von 1911 bis 1912 in Den Haag ihre erste globale Opium-Konferenz ab.13 Die dort beschlossenen, beschränkenden Regeln zum Handel mit Rohopium, Opiaten und Kokain wurden jedoch erst nach lan- gen Übergangsfristen in die Tat umgesetzt. Grund hierfür waren die wirtschaftlichen Interessen damaliger Kolonialmächte, die mit Opiaten Handel getrieben haben. Die Droge Cannabis wurde nur am Rande behandelt, weshalb es zu keinen erwähnens- werten Umsetzungen verbietender Cannabispolitik in den Mitgliedsstaaten - darunter auch in Deutschland - kam. Erst im Jahr 1925, bei der internationalen Opium-Konfe- renz in Genf, wurde Cannabis in die Liste der zu kontrollierenden Substanzen aufge- nommen. Delegierte Ägyptens und der Türkei beantragten die Aufnahme zum Schutz nationaler Cannabisproduktionen vor indischer Konkurrenz. Diese Willenserklärung wurde am 10. Dezember 1929 vom deutschen Reichstag in das deutsche Gesetz um- gewandelt und stellt seither den unberechtigten Besitz von Cannabis unter Geld- und Freiheitsstrafe.14

3.2 Die Gegenwehr der USA gegen Cannabis

Die Opium-Konferenz von 1912 in Den Haag inspirierte in erster Linie die USA, den Drogen den Kampf anzusagen.15 Am 1. März 1915 trat der „Harrison Act“ in Kraft. Im Zuge dessen wurden alle legalen Hersteller und Veräußerer der zu kontrollierenden Substanzen erfasst und registriert. So entstand die Überwachung des Drogenmarktes, denn nicht nur die Händler, auch die damals legitimen Besitzer der Drogen, wurden in die Datenbank aufgenommen. So konnten Drogenbesitzer bestraft werden, deren ille- gale Substanzen, nicht auf Verfügung eines registrierten Verteilers zurückgeführt wer- den konnten.16 Der explizite Kampf gegen Cannabis, welches zum Zeitpunkt des „Har- rison Acts“ noch nicht in der Liste der kontrollierten Substanzen aufgeführt wurde, be- gann erst in den 30er Jahren.17 Cannabis-Prohibitionist und Beauftragter des „US Bu- reau of Narcotics“, Harry J. Anslinger führte die erste Anti-Cannabis-Kampagne durch. Durch Propaganda gelang es Anslinger ein negatives Umdenken bezüglich Cannabis entstehen zu lassen, was maßgeblich zur Einführung des „Marihuana Tax Act“ führte. Das 1937 verabschiedete Steuergesetz legte dem Handel mit Cannabis solch enorme Steuern auf, dass kein gewinnbringendes Geschäft mit der Pflanze mehr erwirtschaftet werden konnte. Die USA setzte Ihre Anti-Cannabis-Kampagne mithilfe Anslingers, der 1947 zum Chef der UN-Drogenbehörde ernannt wurde, erfolgreich fort. Anslinger, der Cannabis zur Einstiegsdroge deklarierte, gelang 1954 sein erster internationaler Er- folg: Mithilfe handverlesener Experten brachte er die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu, eine Erklärung abzugeben, die den therapeutischen Nutzen von Canna- bis völlig dementierte. In der „Single Convention on Narcotic Drugs“, die 1961 von allen Mitgliedstaaten der UNO ratifiziert wurde, wird zudem die Beschränkung verbotener Substanzen - darunter auch Cannabis - auf medizinische und wissenschaftliche Zwe- cke vertraglich festgehalten.18

[...]


1 Vgl. Grundler J. (2018): Eine simple Rechnung zeigt, welche überraschenden Auswirkungen die Cannabis-Le- galisierung in Deutschland haben könnte.

2 Vgl. Cressey D. (2015): Das Cannabis-Experiment.

3 Vgl. Sutthoff D. (2015): 7 Anzeichen, dass sich jetzt beim Thema Cannabis in Deutschland etwas tun wird.

4 Vgl. Cannabis-Club.de (o. J.): Was ist Cannabis?

5 Vgl. Kmdd.de (o. J.): Cannabis.

6 Vgl. Cannabis-Club.de (o. J.): Was ist Cannabis?

7 Cannabis-Club.de (o. J.): Was ist Cannabis?

8 Vgl. Cannabis-Club.de (o. J.): Was ist Cannabis?

9 Vgl. Kmdd.de (o. J.): Cannabis.

10 Vgl. Schulzeug.at (o. J.).

11 Vgl. Khue P. (2015).

12 Vgl. Geyer S. und Wurth G. (2008), S. 25-26.

13 Vgl. Renggli R. und Tanner J. (1994), S. 92 -93.

14 Vgl. Geyer S. und Wurth G. (2013), S. 26-27.

15 Vgl. Martin A. und Rashidian N. (2014), S. 38.

16 Vgl. Briesen D. (2005), S. 79-80.

17 Vgl. Martin A. und Rashidian N. (2014), S. 41.

18 Vgl. Geyer S. und Wurth G. (2008), S. 28-30.

Details

Seiten
21
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668837782
ISBN (Buch)
9783668837799
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v448198
Schlagworte
auswirkungen legalisierung marihuana deutschland

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Legalisierung von Marihuana in Deutschland