Lade Inhalt...

Fortuna und Virtu in Niccolo Machiavelli's Il Principe

Seminararbeit 2003 15 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung

II. Fortuna und Virtù
1. Historischer Kontext
1.1 Florenz zur Zeit Machiavellis
1.2 Einflüsse auf Machiavellis Werke
2. Definitionen
2.1 fortuna
2.2 virtù
2.3 necessità
2.4 occasione
2.5 qualità dei tempi
3. Der Fürst
3.1 Eigenschaften (virtù)
3.2 Die Minister des Fürsten
3.3 Schicksal und Glück
3.4 Zusammenfassung

III. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die politischen Schriften Niccolò Machiavelli`s, insbesondere Il Principe, polarisieren seit Erscheinung ihre Leserschaft. Ein Teil sieht in ihnen die Niederschriften eines grausamen Machtpolitikers, der andere Teil verteidigt seine Erkenntnisse durch die Einbindung in den historischen Kontext und dadurch, dass diese letztendlich auf das Gemeinwohl abzielen. Manche halten Machiavellis Werke nur für seine Zeit bedeutend, andere für immer noch aktuell und missbrauchen ihn nicht selten, indem sie seine Schriften bruchstückartig wiedergeben. Egal welche Position man dazu bezieht gilt Machiavelli als ein bedeutender politischer Denker, dessen Ideen als Beginn der Neuzeit in der politischen Theorie gelten. Machiavelli distanziert sich nicht nur von der Religion, indem er allein den Charakter der Religion für Politik als wichtig erachtet, sondern lehnt auch, entgegen der früheren Gegebenheiten in der politischen Theorie, eine metaphysische Begründung seiner Ideen ab. An deren Stelle tritt „die politische Aktivität, das zielgerichtete Tun des Menschen.“.[1] Dies umschreibt bereits einen der Zentralen Begriffe Machiavellis Theorie und zwei dieser Begriffe, fortuna und virtù, werden in dieser Arbeit, ohne Bezug auf eine der oben erwähnten Positionen, vor allem in den Kapiteln IV und XVII-XXVI aus Machiavelli`s Il Principe, näher betrachtet und deren Bedeutung im seinem Gesamtmodell des idealen Herrschers erläutert.

II. Fortuna und Virtù

1. Historischer Kontext

Zunächst gilt es den geschichtlichen Hintergrund Machiavellis Werke kurz zu betrachten, da dieser eine nicht geringe Rolle bei der Verfassung seiner Schriften gespielt hat.

1.1 Florenz zur Zeit Machiavellis

Im Geburtsjahr Machiavellis 1469 übernahm Lorenzo der Prächtige de´ Medici die Regierung in der damaligen Republik Florenz. Diese Bezeichnung ist etwas missverständlich, da die Stadt im Grunde unter der alleinigen Herrschaft der Medicis stand. Piero de´ Medici, Sohn von Lorenzo, brach nach dessen Tod mit der zuvor praktizierten Gleichgewichtspolitik gegenüber den anderen größeren italienischen Teilstaaten, insbesondere mit dem Herzogtum Mailand, was zur Folge hatte, dass Florenz 1494 vor Karl VIII. von Frankreich kapitulieren musste. Girolamo Savonarola, ein Dominikanermönch aus Florenz, vertrieb mit Hilfe des Volkes Piero de´ Medici und errichtete eine theokratische Republik mit neuer Verfassung. Seine politischen Ziele, dem mittleren Bürgertum einige Mitspracherechte ermöglichten, aber auch seine Prophezeiungen und Predigten führten zu einem Konflikt mit Papst Alexander VI., der schließlich in der Exkommunikation Savonarolas gipfelte. Er wurde 1498 gehängt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Seine Nachfolge trat Pierro Soderini an. Unter ihm war Machiavelli Sekretär des wichtigsten Gremiums der Republik (Segretario della Repubblica) Durch die Wahrnehmung der Aufgaben dieses Amtes lernte unter anderem Cesare Borgia kennen, der als Paradebeispiel seines Principe gilt. 1512 griff ein spanisches Heer Florenz an und ermöglichte den Medicis die Rückkehr an die Macht über die Republik. Machiavelli wurde seines Amtes enthoben und bald darauf aus Florenz verbannt. Neun Jahre später kehrte Machiavelli zurück, wurde aber nur mehr mit kleinen Aufgaben betraut. 1527 plünderte Kaiser Karl V. Rom, die Medici wurden erneut aus Florenz vertrieben und Machiavelli starb, nachdem er erneut seiner Ämter enthoben worden war, im Alter von 58 Jahren.[2]

1.2 Einflüsse auf Machiavellis Werke

Es wäre vermessen zu sagen, allein die Zeit und deren Umstände haben Machiavelli zu diesem bedeutenden politischen Denker gemacht, schließlich bedarf es, um mit seinen eigenen Worten zu sprechen, immer einer gewissen virtù und eine durch Umstände gegebene Gelegenheit, dennoch steht der große Einfluss der Geschehnisse in Florenz auf Machiavelli außer Zweifel. So prägt ihn nicht nur die oben erwähnte Bekanntschaft zu Cesare Borgia, sondern auch Girolamo Savonarola, der ihn zu der Erkenntnis bringt „(...) dass alle bewaffneten Propheten gesiegt haben und die unbewaffneten gescheitert sind.“[3] oder Papst Julius II. Darauf wird unter dem Punkt Schicksal und Glück noch einmal näher eingegangen. Aber auch das Studium der Aufzeichnungen antiker Autoren, wie zum Beispiel Titus Livius, prägten Machiavelli. Er wäre aber wahrscheinlich nie dazu gekommen sich theoretisch mit Politik auseinander zu setzen, denn Machiavelli bevorzugte die praktische Tätigkeit, doch gezwungen durch seine Amtsenthebung blieb ihm nur dieses Betätigungsfeld. Während dieser Zeit schrieb er all seine bedeutenden Werke (u.a. Discorsi, Istorie Fiorentine, Il Principe), bemühte sich aber ständig in die Politik zurückzukehren, was ihm jedoch, abgesehen von eher unwichtigen Diplomatenaufträgen, nicht mehr gelang. Sicherlich haben auch seine eigenen Erfahrungen in seiner aktiven Zeit als Politiker, insbesondere die Rückeroberung Pisas 1509 durch die von ihm organisierte Miliz und deren beinahe kampflose Niederlage drei Jahre später bei Prato, bei seinen Gedanken eine Rolle gespielt.[4]

Il Principe gilt als bekanntestes Werk Machiavellis. Er unterbrach dafür die Arbeit an den Discorsi um eine eigene Abhandlung über die Fürstenherrschaft zu verfassen. Er schreibt darin von den verschiedenen Arten der Herrschaft und wie man diese erlangt bzw. erhält. Il Principe wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht und später teilweise zensiert oder verboten.

2. Definitionen

Die Begriffe fortuna und virtù stehen in engen Zusammenhang mit drei anderen Begriffen (necessità, occasione, qualità dei tempi). Im Zuge des besseren Verständnisses werden diese zunächst kurz erklärt.

2.1 fortuna

Fortuna ist die antike Göttin des Schicksals und des Glücks. Sie wird als launisch bezeichnet, ist allgemein und bestimmend. Vor Machiavelli wurde Fortuna oft als doppelgesichtig (gutes und böses Glück) und mit einem Rad (Schicksal) wirbelnd dargestellt. Machiavelli erweitert diese Darstellung auf mehrere Räder und bezeichnet den als „(...) stets glücklich, der von Rad zu Rade überspringen könnte.“[5]

[...]


[1] Blum, Politische Philosophen, 1997, S.104

[2] nach: Rippel, Nachwort, 1986

[3] Machiavelli, Il Principe, 1986, S.45

[4] nach: Münkler, Machiavelli, 1984

[5] Kersting, Niccolò Machiavelli, 1988, S.109

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638423854
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v44875
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Fortuna Virtu Niccolo Machiavelli Principe Einführung Theorie

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Fortuna und Virtu in Niccolo Machiavelli's Il Principe