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Analyse der Leocadia aus "La fuerza de la sangre"

Essay 2018 5 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Charakteranalyse der Leocadia aus „La Fuerza de la Sangre“

La Fuerza de la Sangre “, eine der 12 Novelas Ejemplares des Miguel de Cervantes Saavedra, handelt von der Vergewaltigung der jungen Leocadia durch Rodolfo, mit welcher der Verlust ihrer Ehre einhergeht. Diese wird letztendlich, durch eine Aneinanderreihung von zufälligen Ereignissen und der Eheschließung von Leocadia und Rodolfo, wiederhergestellt. Die Handlung ist in der Zeit des Siglo de Oro angesiedelt und spielt im damaligen Toledo.

Nachfolgend werde ich die Figur der Leocadia analysieren.

Leocadia ist die 16-jährige Tochter eines alten, Ehrenmannes (S.85, Z.2f), welche, trotz Anwesenheit ihrer Familie, auf der Heimreise von Toledo, von einem Jüngling namens Rodolfo entführt und daraufhin in seinem Haus vergewaltigt wird. Am Anfang der Novelle wird Leocadia als ein schönes (S.85, Z.32f) und unschuldiges Mädchen dargestellt, welchem bisher keinerlei Böses widerfahren ist. Dies kann man an der Tatsache festmachen, dass sie, im Moment ihrer Entführung, in eine so starke Schockstarre verfällt, die ihr die Stimme, als auch das Augenlicht nimmt (S.86, Z.18f). Zudem erscheint sie gegenüber Rodolfo als verletzliche Frau, die leicht zu dominieren ist, was für ihn überhaupt einer der Gründe ist, sie zu entführen und sich sexuell an ihr vergehen zu wollen (S.85, Z.32ff). Ihre Familie reagiert auf die Verschleppung mit lautem Weinen und Schreien, da Leocadia die geliebte Tochter war, die stets ihre Eltern und die familiären Bräuche respektierte (S.86, Z.30ff). Nachdem Leocadia aus ihrer Ohnmacht erwacht, befindet sie sich bereits im Bett Rodolfos, die Augen verbunden, und ihre Vergewaltigung bereits „vollzogen“. Da sie sofort zu Jesus spricht und fragt, ob sie sich schon in der Hölle ihrer Sünde oder noch im Vorhof ihrer Unschuld befinde (S.87, Z.18f), ist hier sehr gut zu erkennen, dass sie eine äußerst religiöse Person ist, wie es damals, besonders für Frauen, sehr üblich war. Sie bemerkt jedoch schnell, dass sie sich „befleckt“ auf einem fremden Bett befindet und wünscht sich aufgrund dessen zu sterben (S. 87, Z.23ff). Da sie sehr gut weiß, dass sie jahrelang unter der Scham und dem Elend leiden müsste, da sie nicht nur körperlich, sondern auch sozial entehrt wurde (S.87, Z.26ff), bittet sie Rodolfo schließlich , nun da er ihr schon die Ehre genommen habe, ihr nun auch ihr Leben zu nehmen (S.88, Z.3f). Dieser schweigt jedoch, was dazu führt, dass Leocadia sich, in dieser Situation, von einer wehrlosen und ängstlichen, zu einer willensstarken und handelnden Frau wandelt, indem sie Rodolfo als einen verwegenen Jüngling bezeichnet und ihm verspricht, ihm zu verzeihen, wenn er niemanden von dem Vorfall erzähle (S.88, Z.18ff). Schließlich müsse er sich keine Sorgen machen, da sie ja sowieso nicht sein Gesicht gesehen habe und dies auch nicht wolle, da sie sich nicht auch noch an das Bild ihres Vergewaltigers erinnern wolle (S.88, Z.24ff). Die Art und Weise, wie Leocadia auf Rodolfo einredet (S.88-89), spricht dafür, dass sie eine intelligente Frau ist, da sie genau diesen Moment der Stille instinktiv dafür ausnutzt, um Rodolfo zu beeinflussen und zuzureden, was in dieser Situation genau richtig ist. Schließlich bittet sie ihn darum, sie in der Stadt an der großen Kathedrale abzusetzen, da sie von dort aus, den Weg nach Hause sehr gut kenne (S.89, Z.8ff). An dieser Aussage erkennt man, dass Leocadia dem typischen Frauenbild dieser Zeit zuzuordnen ist. Sie ist eine Frau, die kaum über Bewegungsfreiheit verfügt und gerade einmal den Weg zur Kirche und zurück kennt. Um ihn zu einer Antwort zu bringen, betont sie, dass er keine Angst haben solle, dass sie ihn an ihrer Stimme erkennen könnte, da sie, außer mit ihrem Vater und dem Priester, mit keinem anderem Mann je gesprochen habe und sonst nur mit so wenigen Menschen, dass sie keine Stimme von der anderen unterscheiden könne (S.89, Z.13ff). Auch diese Äußerung spricht für ihre Zugehörigkeit zum vorher genannten Frauenbild, da sie keine anderen sozialen Kontakte pflegt, als die zu ihrer Familie und zur Kirche. Ohne ihr jedoch jegliche Antwort zu geben, versucht Rodolfo erneut, ihr Beischlaf zu leisten, was Leocadia, jetzt wo sie wach ist, mit Händen und Füßen verhindert (S.89, Z.21ff). Daraufhin verlässt Rodolfo, ohne ein Wort, das Zimmer, was Leocadia die Gelegenheit gibt, aufzustehen und sich umherzutasten. Sie prägt sich Merkmale des Zimmers ein, die sie, trotz ihrer verbundenen Augen erkennen kann, entwendet ein silbernes Kruzifix und legt sich wieder aufs Bett, als hätte sie sich nicht fortbewegt (S.90, Z.5-29). All diese Handlungen zeigen, dass Leocadia, trotz ihres zarten Alters, sehr mutig ist und auch in riskanten Lagen, einen kühlen Kopf bewahren kann, um situationsgemäß zu handeln. Kurz darauf kehrt Rodolfo zurück und bringt sie zur großen Kathedrale, von wo sie, sich immer wieder nach Verfolgern umschauend, nach Hause läuft und dort ihre niedergeschlagenen und tottraurigen Eltern vorfindet (S.91, Z.14-27). Diesen erzählt sie sofort, was geschehen war, zeigt ihnen das Kruzifix und schlägt vor, damit zur Kirche zu gehen, um die Identität des Besitzers und so auch die ihres Vergewaltigers aufzudecken und ihn so öffentlich an den Pranger zu stellen (S.92, Z.4ff). An dieser Textstelle kann man sehen, dass Leocadia, obwohl sie so gläubig ist und nach den Regeln der christlichen Religion lebt, trotzdem Rache üben will, um Rodolfo für seine Tat zu bestrafen. Obwohl ihr Vater von ihrer Unschuld überzeugt ist und in seinen Augen auch Gott von ihrer Unschuld weiß, rät er ihr jedoch davon ab. Wenn die Gesellschaft von ihrer Entehrung erfahren würde, habe das viel größere Folgen für sie und ihre Familie, als die öffentliche Bloßstellung für ihren Vergewaltiger (S.92, Z.13ff). Das zeigt, dass Leocadia für ihre Eltern zwar die geliebte, vertrauenswürdige und aufrechte Tochter ist, die keinerlei Sünde begehen würde, sie aber trotzdem die Ablehnung durch die Gesellschaft zu sehr fürchten, als dass sie sie in ihrem Vorhaben unterstützen würden. Von da an spricht Leocadia nie wieder mit jemanden über das Geschehene und lebt zurückgezogen, um ihre Schande vor der Öffentlichkeit zu verbergen (S.93, Z.1ff). Kurz darauf realisiert sie entsetzt, dass sie schwanger ist und bringt im Geheimen einen Sohn zur Welt, der vier Jahre in einem Dorf aufwächst und bis zu seinem siebten Lebensjahr von seinen Großeltern erzogen wird, die ihn in der Öffentlichkeit als ihren Neffen ausgeben (S.94, Z.1ff). An dieser Stelle sieht man, dass Leocadia und ihre Eltern, auch Jahre nach der Vergewaltigung, sich nicht trauen, das Elend, das ihr wiederfahren ist, in der Gesellschaft preiszugeben, da die Würde der Frau stets in der Vollkommenheit ihres Körpers liegt und der Leocadias mit der Vergewaltigung „entstellt“ wurde. Eines Tages entdeckt der Junge, namens Luis, zufällig ein Pferderennen, an dem er von einem der teilnehmenden Pferde umgerannt wird und von einem alten Ritter gerettet und in die Obhut eines Arztes gegeben wird. Als Leocadia und ihre Eltern sich schließlich im Hause des Ritters befinden und sich bei ihm bedanken, entdeckt Leocadia, dass das Zimmer, in dem ihr Sohn liegt, dem gleicht, in dem sie damals von Rodolfo vergewaltigt wurde. Sofort beginnt sie, die einzelnen Merkmale, die sie sich in dieser Nacht eingeprägt hatte, mit dem Zimmer zu vergleichen und alles stimmte überein (S.95, Z.37ff). Ihre Fähigkeit, sich noch so gut an die Details zu erinnern, zeigt, dass sie sich, in den ganzen sieben Jahren, immer wieder mit ihrem Schicksal beschäftigt hat und die Erinnerungen an ihre Vergewaltigung nie ruhen konnten. Nachdem Leocadia ihrer Mutter davon berichtet und beide herausfinden, dass der Ritter einen Sohn hat, der sich seit sieben Jahren in Italien befindet, nutzt Leocadia eines Tages die Gelegenheit, um der Frau vom Ritter, Doña Estefania, von ihrem schrecklichen Schicksal, im Zimmer ihres Sohnes, zu berichten (S.96, Z.17 – S.97, Z.21). Um ihre Glaubhaftigkeit zu untermalen, holt sie das damals entwendete Kruzifix hervor, erklärt der Doña, dass ihr Sohn, der Enkel der beiden Eheleute sei, dass es ein Geschenk des Himmels sei, dass sie, durch Luis‘ Unfall, zueinander gefunden haben und sinkt ohnmächtig in ihre Arme, was Leocadias tiefen Glauben betont (S.97, Z.21ff). Doña Estefania kann es kaum glauben und auch ihr Mann, der gerade mit Luis das Zimmer betritt, ist von der Neuigkeit mehr als erstaunt. Nachdem es ihm aber erklärt wurde und Rodolfo, auf sofortige Mitteilung seines Vaters, nach Spanien zurückkehrt, schmiedet seine Mutter einen Plan, um ihn hereinzulegen. Kurz vor dem Abendessen, zeigt sie Rodolfo ein falsches Bild von seiner Ehegattin, welches so hässlich ist, dass er sich aufgrund dessen weigert, als nobler Mann, der schon alles hat, auf die Schönheit seiner Frau zu verzichten. Zufrieden mit seiner Antwort, entgegnet seine Mutter schließlich, dass sie eine andere Frau für ihn suchen würden, die eher seinen Vorstellungen entspreche und bittet ihn und den Rest der Familie zu Tische. Daraufhin wird Leocadia, die sich die ganze Zeit über versteckt hält, ins Zimmer gerufen und betritt, wundervoll zurechtgemacht und mit ihrem Sohn an der Hand, das Esszimmer und alle Anwesenden bestaunen ihre Schönheit (S.101, Z.29 – S.102, Z.10). Die Eleganz und Anmut, mit der sie sich durch den Raum bewegt, unterstreicht ihre noble Abstammung, welche in diesem Moment voll zur Geltung kommt. Zudem kann man in ihr eine Art Symbol für die Jungfrau Maria sehen, da sie reich geschmückt ist und einen Sohn ohne Vater bei sich trägt, da er das Ergebnis einer, von seiner Mutter, „reinen“ Empfängnis ist. Schließlich nimmt Doña Estefania sie an die Hand und geleitet sie zu ihrem Platz gegenüber von Rodolfo, der nun ihre natürliche Schönheit aus der Nähe betrachten kann und verlauten lässt, dass er gerne eine Frau hätte, die so schön wäre wie Leocadia und dass er nicht wisse, ob sie ein Mensch oder ein Engel sei (S.102, Z.10ff). Diese Aussage deutet darauf hin, dass Rodolfo sich längst nicht mehr an sie erinnern kann, ihr Äußeres ihm jedoch erneut sehr zusagt. Auch Leocadia findet plötzlich Gefallen an ihm und freundet sich mit der Hoffnung, seine Frau zu werden, die seine Mutter ihr vorher gemacht hatte, an. Jedoch beginnt sie auch zu zweifeln und so über ihr bevorstehendes Schicksal nachzudenken, dass sie plötzlich umkippt (S.102, Z.21ff). Hier sieht man, dass Leocadia, mit sich selbst ringt, da sie eigentlich von der Vorstellung, Rodolfo zu heiraten, entzückt ist, jedoch auch Angst hat, ein Leben voller Unglück zu führen, da er schließlich auch ihr Vergewaltiger ist. Als sich alle, aber besonders Rodolfo, auf sie stürzten, um ihr zu helfen und sie kurzzeitig für tot erklärt wird, verliert Rodolfo, über sie beugend, kurzzeitig das Bewusstsein, erlangt es jedoch schnell wieder. Dies erscheint ihm recht peinlich, doch in genau diesem Moment enthüllt seine Mutter ihr Geheimnis und berichtet ihm, dass die Frau, auf die er liegt, seine wahre, zukünftige Gattin sein solle (S.103, Z.23ff). Das lässt Rodolfo so „erschrecken“, dass er sich sofort auf sie wirft, um sie wiederzubeleben und laut schreit, woraufhin Leocadia plötzlich aufwacht und sich aus seinen Armen befreien will (S.103, Z.30ff). Das spricht dafür, dass Leocadia sich an diesem Zeitpunkt, im Moment ihrer Vergewaltigung glaubt oder sogar davon ausgeht, dass er sie erneut vergewaltigen will. Er verhindert dies jedoch und mehr und mehr kommt sie zur Besinnung, sodass beide, auf Wunsch von Doña Estefania, sofort vermählt werden (S.104, Z.3ff). Daraufhin feiern alle Anwesenden die Vereinigung des Brautpaares, welches in Zukunft noch lange zusammenleben und viele Nachfahren zeugen wird.

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Details

Seiten
5
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668835658
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v448934
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2
Schlagworte
analyse leocadia

Autor

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