Lade Inhalt...

Die Entwicklung der Burschenschaften an der Universität Bonn 1819-1849

Essay 2018 15 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anfänge der burschenschaftlichen Bewegung in Bonn

3. Verfolgung der Burschenschafter in Bonn

4. Die Rückkehr der Bonner Burschenschafter

5. Bonner Burschenschaften in der Deutschen Revolution 1848/49

6. Fazit

7. Quellen und Literatur
7.1. Primärliteratur/Quellen
7.2. Sekundärliteratur
7.3. Internet

1. Einleitung

Noch heute sind Studentenverbindungen ein fester Bestandteil der inhomogenen Studentenschaft der Universität Bonn. Ihr heutiger Einfluss ist jedoch deutlich geringer. Ende des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts waren noch über die Hälfte aller Studenten korporiert. Auch die Übrigen, die sogenannten „Freistudenten“, nahmen die Verbindungen als ihren gesellschaftlichen Mittelpunkt wahr; denn wenn man nicht selbst Mitglied war, kannte man mit großer Wahrscheinlichkeit einen Kommilitonen, der „aktiv“ war und gastierte des Öfteren bei einer Studentenverbindung, welche zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausschließlich als Landsmannschaften auftraten. Sie dienten dazu, heimatliches Brauchtum zu pflegen, Mitgliedern in der Fremde Schutz zu gewähren, und diese zu einem sittlichen, wissenschaftlichen und ehrenhaften Leben zu erziehen. Während der französischen Besatzung deutscher Gebiete von 1794 (linksrheinisch) bis zur Völkerschlacht bei Leipzig 1813, entstand – regional unterschiedlich ­­– ein „deutscher“ Widerstand gegen die Besatzer. In den Befreiungskriegen gegen Napoleon von 1813-1815 traten anschließend viele patriotisch gesinnte Studenten den Lützower Jägern bei. Der schwarz-rot-goldenen Uniform dieses Freikorps‘ entnahm die 1815 nach dem Wiener Kongress in Jena gegründete Urburschenschaft – von deren elf Gründer neun Lützower Jäger waren – ihre Farben. Diese wurden spätestens mit dem Hambacher Fest 1832 zum Symbol für die entstandene Freiheits- und Einigungsbewegung in den deutschen Gebieten und letztendlich zur Nationalflagge der Weimarer Republik, sowie der Bundesrepublik Deutschland.

Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründeten Burschenschaften setzten sich vor allem für liberale, bürgerliche Freiheitsrechte und die Einigung Deutschlands ein. Unter dem Zeichen der letzten Forderung hatten sie ebenso das Ziel, die gesamte Studentenschaft einer Universität in einer Verbindung zu vereinen. Dies zeigt allein schon der gewählte Name. Anders als die Landsmannschaften und Corps, welche sich nach einzelnen deutschen Regionen benannten (z.B. Rhenania für Studenten aus dem Rheinland, Guestphalia für Westfalen) und damit symbolisch für die Kleinstaaterei standen, bezeichnete sich diese neue Form der Verbindung nach der damals üblichen Bezeichnung für einen Studenten: Bursch. Somit meinte Burschenschaft ursprünglich nichts anderes als Studentenschaft.

Das vorliegende Essay soll einen knappen Überblick, angefangen bei der Bonner Universitätsgründung und mit den Revolutionsjahren 1848/49 endend, über die burschenschaftliche Bewegung in Bonn ermöglich.

2. Anfänge der burschenschaftlichen Bewegung in Bonn

Im Wintersemester 1818/19 der gerade am 18. Oktober 1818 gegründeten Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn formierte sich ähnlich wie bereits an den Universitäten in Gießen und Heidelberg zunächst eine Lesegesellschaft. Günstige Voraussetzungen sorgten schon bald darauf für die Gründung einer burschenschaftlichen Verbindung in Bonn.

Zum einen hatte die Professur des patriotisch gesinnten Ernst Moritz Arndts, besonders aufgrund seiner Schrift aus dem Jahr 1815 über den deutschen Studentenstaat, großen Einfluss auf die Studenten. Dieser verstärkte sich mit der Veröffentlichung des vierten Teils seines „Geistes der Zeit“ 1818. Darin ermutigte er die Studierenden – beziehungsweise forderte sie gar schon auf – nach den „hohen Ideen, die fast verschollenen und versunkenen von Vaterland, Freiheit, Deutschland“ (Oppermann, Alemannia, S. 30) zu streben und zu arbeiten, „wonach die edelsten Deutschen seit zwei Jahrhunderten mit vergeblicher Sehnsucht griffen, und was ihnen immer entflog.“ (ebd.)

Hinzu kam der Zuzug vieler Studenten aus Jena, dem Gründungsort der Urburschenschaft, zu Ostern 1819. Denn die Ermordung des deutschen Schriftstellers und Gegners der deutschen Freiheits- und Einheitsbewegung August von Kotzebue durch den Jenenser Burschenschafter Karl Ludwig Sand veranlasste das preußische „Kultusministerium“ seinen Staatsbürgern das Studium in Jena zu untersagen. Unter den Zugezogenen befanden sich viele gemäßigte Burschenschafter, darunter auch der erste Sprecher der sich bald darauf gründenden Allgemeinheit, Anton Haupt. Mit ihnen kam der burschenschaftliche Gedanke nach Bonn. Somit waren die kurzfristigen Folgen des Attentats für die burschenschaftliche Bewegung in Bonn „unerwartet günstig“. (Becker, Studentenverbindungen, S. 10)

So gründete sich im Sommersemester 1819 die Allgemeinheit. Wie der Name schon vorgibt, konnte grundsätzlich jeder Bonner Student Teil dieser werden. Es gab keine religiösen Kriterien und von Anfang an waren sowohl landsmannschaftlich (vor allem aus Heidelberg und Gießen) als auch burschenschaftlich (Jena) geprägte Studenten Mitglieder. Anders als in den meisten Landsmannschaften waren alle Korporierten gleichberechtigt, zudem duzte man sich, doch verfolgte man – anders als bei der Urburschenschaft in Jena – keine gemeinsamen politischen Ziele. Auch farblich grenzte man sich von der Burschenschaft ab, indem man nicht die vorbelasteten Farben Schwarz-Rot-Gold, sondern die rheinländischen Weiß-Grün-Rot für sich wählte.

Dennoch finden sich frühe Zeugnisse burschenschaftlicher Bestrebungen in den Bonner Burschenliedern von 1819. So heißt es beispielsweise in dem Lied „Die Treue die uns Brüder band“ nicht wie in der originalen Fassung von 1776 „von ihr geleitet Hand in Hand“, sondern in der Tradition des Wahlspruchs der Urburschenschaft: „Für Ehre, Freiheit, Vaterland“. Interessant sind auch handschriftliche Korrekturen mancher Lieder. In einem Exemplar der Bonner Burschenlieder wurde zum Beispiel in dem Lied über den Landesfürsten nach der Zeile „Er versprach zu schützen das alte Recht“ der Vers „Drum wollen wir ihn auch lieben recht“ zu „Er hat es gehalten verteufelt schlecht“ umgeschrieben.

Ansonsten lasen die Mitglieder der Allgemeinheit in Zeitungen, diskutierten, fochten, wanderten, feierten Feste – wie den Sieg über Napoleon bei Waterloo oder der Völkerschlacht bei Leipzig – und organisierten Bälle für alle Bonner, zu denen auch viele Professoren erschienen.

Auch die Karlsbader Beschlüsse 1819 konnten dem munteren Treiben vorerst kein Ende setzen. Die Bonner Universität – allen voran der Kurator und außerordentliche Regierungsbevollmächtigte Rehfues – duldete die Allgemeinheit „nach Möglichkeit stillschweigend[…]“ (Oppermann, Alemannia, S. 50). Selbst als es zur Verhaftung von elf Studenten, darunter Heinrich Heine und zwei Professoren, in Folge eines von Heines Mitbewohner veröffentlichten Berichts in der Düsseldorfer Zeitung über wohl stark revolutionäre Andeutungen während der Rede eines ehemaligen Jenenser Burschenschafters bei der Universitätsjubiläumsfeier kam, bewahrten Kurator und Senat zunächst die Allgemeinheit vor ernsthaften Konsequenzen. Dennoch verbot man ihnen alsbald die Benutzung des Sitzungssaals der Universität. Letztendlich wurde die Allgemeinheit Anfang Juni 1820 aufgelöst und alle Verbindungen verboten.

3. Verfolgung der Burschenschafter in Bonn

Von den einst etwa 250 Mitgliedern – bei insgesamt ungefähr 600 Bonner Studenten – blieben nur etwa 40 bis 50 beisammen und gründeten bereits im November 1820 die Germania. Anders als die Allgemeinheit hatte diese neue Verbindung nun aber nicht mehr den Anspruch, alle Studenten unter sich zu vereinen, sondern verstand sich als Studentenverbindung neben den beiden existierenden Corps Rhenania und Guestphalia. Diese unterschieden sich von der burschenschaftlichen Idee vor allem dadurch, dass sie ihren Mitgliedern keine Vorgaben in politischer, wissenschaftlicher oder – wie bei manchen Burschenschaften üblich – religiöser Hinsicht machten. Vordergründig bestanden sie der Freundschaft willen und um einen Erziehungsauftrag wahrzunehmen.

Zwischen der Germania und den beiden Corps kam es des Öfteren zu Konflikten. Am deutlichsten zeigten sich die Feindseligkeiten bei der Schlacht von Endenich im Januar 1821, welche drei Tage lang andauerte und viele Verletzte mit sich brachte. Neben der Anspannung zwischen den beiden Lagern sah man an dieser Schlacht auch eine innere Zerrissenheit der Germania. Zum einen gab es die in Schwarz-Rot-Gold auftretenden Burschen, welche als die „Pauklustigen“ galten und bis zum Semesterende 1821 noch zahlreiche Partien – sogenannte Mensuren beziehungsweise Duelle – gegen die Corps schlagen sollten und dafür sorgten, dass der Karzer bereits im Februar schon auf fünf Monate im Voraus belegt war; zum anderen trat die kleinere, idealistischere Partei der Altdeutschen in Grün-Weiß-Rot auf. Dieser innere Disput sollte zum Wintersemester 1821/22 noch für einen deutlichen Mitgliederschwund sorgen.

[...]

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Entwicklung der Burschenschaften an der Universität Bonn 1819-1849