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Die katholische Kirche und ihr Kampf gegen die Katharer. Eine Quellenanalyse zum letzten gewaltlosen Vorgehen gegen den Katharismus

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Thematische Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit

2 Katharismus
2.1 Einführung
2.2 Geschichte der Katharer
2.3 Lehre, Ritus und Organisation

3 Einordnung des Briefes
3.1 Überlieferung, Druckorte und Regesten
3.2 Aufbau und Datierung

4 Historische Interpretation
4.1 Empfänger
4.2 Absender
4.3 Kontext
4.3.1 Zustand der Kirche
4.3.2 Häresie im Languedoc
4.4 Wirkung

5 Schlussbetrachtung

Quellen

1 Einleitung

1.1 Thematische Problemstellung

Seit dem Bestehen des Christentums entwickelten sich religiöse Bewegungen aus und neben der Institution Kirche, welche mit der ursprünglichen Glaubenslehre brechen. Von der Kirche als Häresie bezeichnet, konkurrieren sie mit oftmals philosophischen und mystischen neuen Wahrheiten über Gott und Mensch. Die katholische Kirche wird zu großen Anstrengungen gezwungen, beruft ihre gelehrtesten Theologen und bespricht sich auf Konzilien um ihre Orthodoxie zu bewahren. Im elften und zwölften Jahrhundert verbreitet sich am Hartnäckigsten der Katharismus. Dem heiligen Stuhl misslingt es während dieser Zeitspanne zum einen, der eigenen gravierenden Missstände Herr zu werden, zum anderen die Häretiker vor dem Volk als solche zu entlarven. Im Gegenteil, die antiklerikale Bewegung findet mit ihrer Predigt in der von der Kirche ausgebeuteten Gesellschaft Gehör und stößt mit ihrem einfachen und apostolischen Lebensstil auf große Sympathie.1

Im Jahr 1198 gelangt Innocenz III. auf den Papstthron. Der wohl bedeutendste Papst des Mittelalters ruft nicht nur zum vierten und fünften Kreuzzug nach Jerusalem auf, sondern sagt auch der Häresie im eigenen Reich den Kampf an. Nach unzähligen erfolglosen Versuchen die weltlichen Herrscher für den Kampf gegen die Katharer zu begeistern oder mithilfe der Predigt einiger Mönche die Bevölkerung gegen die Häretiker aufzubringen und zu vertreiben, kommt es im Sommer 1206 zu einer vielversprechenden Begegnung.2 Im Languedoc, dem Kernland der katharischen Bewegung, treffen drei Gesandte des Papstes, welche im Begriff sind ihren Auftrag nach drei mühevollen Jahren abzubrechen, auf den spanischen Prälat Diego von Azevedo und seinen Subprior Dominikus von Guzman.3 Diese können die drei Legaten von einer neuen Herangehensweise überzeugen. Anstatt bei der Predigt wie bisher glanzvoll und mächtig aufzutreten, gehen sie nun „barfüssig und arm wie die Apostel unter das Volk“.4 Am 17. November 1206 legitimiert Papst Innocenz III. in einem Brief an Raoul de Fontfroide diese neue Art der Predigt. Diese Mission ist wohl der letzte gewaltlose Versuch der Kirche die Häresie der Katharer zu besiegen, gleichzeitig aber auch die Geburtsstunde eines Ordens, der in Zukunft maßgeblichen Anteil an der Vernichtung dieser Bewegung haben wird.

Die vorliegende Arbeit soll sich anhand eines Quellendokuments eingehender mit der Situation der katholischen Kirche des elften bis dreizehnten Jahrhunderts, dem Katharismus und dem „Wendepunkt“ in der Geschichte der Katharer beschäftigen. Dabei ist man bei lediglich drei Ritualen und zwei theologischen Traktaten natürlich auf außerkatharische Quellen angewiesen.

1.2 Ziel der Arbeit

Um zu verstehen warum die katharische Bewegung sich so erfolgreich ausbreiten konnte, wieso die katholische Kirche in ihr einen so großen Feind sah und weshalb sie schließlich so brutal verfolgt und ausgerottet wurde gebe ich zuerst eine Einführung in den Katharismus. Dabei betrachte ich zunächst die Geschichte und erörtere anschließend die Lehre und Organisation der Bewegung. Auf der dann gegebenen Informationsgrundlage, baut die Arbeit mit der Quelle auf. Zunächst beschreibe ich den Aufbau des Schreibens und fasse seinen Inhalt zusammen. Anschließend interpretiere ich die Quelle im historischen Kontext. Ich beschreibe Empfänger sowie Absender und erläutere den Zustand der katholischen Kirche um die genaue Intention des Briefes herauszustellen. Nach diesen Arbeitsschritten versuche ich die historische Wirkung der Quelle zu beschreiben und zu erklären. Letztendlich versuche ich das von mir herausgearbeitete Ergebnis in der Schlussbetrachtung noch einmal zusammenzufassen.

2 Katharismus

2.1 Einführung

Der Katharismus bezeichnet die wohl gefährlichste häretische Bewegung für die katholische Kirche im Mittelalter. Zwischen dem elften und zwölften Jahrhundert verbreitet sie sich in ganz Mitteleuropa und kann erst im 14. Jahrhundert gewaltsam ausgerottet werden. Dabei gibt es wenig bis keine eigenen Zeugnisse der Katharer über ihre Entstehung, Entwicklung, Gesellschaft und Religion. Dass unsere heutigen Informationen aus ausführlichen Darstellungen antikatharischer Chronisten entstammen, macht schon das sich in der Historiographie eingebürgerte Vokabular deutlich: Das Wort „Katharer“ taucht zum ersten Mal beim deutschen Mönch Eckbert von Schönau im Jahr 1145 n. Chr. auf und wird dort als Schimpfwort vom lat. Wort catus abgeleitet, da „sie, wie man erzählt, einem Kater den Hintern küssen“, wie Alanus ab Insulis um 1200 erläutert.5 Nach traditioneller Auffassung ist der Name jedoch vom griechischen Begriff katharos, „rein“, abgeleitet. Die Katharer selbst bezeichnen sich selbst allerdings nie so.

2.2 Geschichte der Katharer

Nach einem Traktat des bulgarischen Presbyters Kosmas tauchen in der Mitte des zehnten Jahrhunderts auf einem Teil des Balkans Anhänger einer dualistischen Lehre auf. Sie lehnen die katholische Taufe, Eucharistie, Messe sowie die Ehe und die Beichte ab, verwerfen das Alte Testament und leben asketisch. Ein griechischer Theologe namens Euthymios Zigabenos ergänzt die Beschreibung des Kosmas in der Mitte des elften Jahrhunderts mit neuen Details zu Organisation und Ritus der neuen Bewegung mit dem Namen Bogomilismus.6 Seit Anfang des elften Jahrhunderts kommt es dann von der Lombardei bis nach Flandern und ins Rheinland, von Katalonien und Okzitanien bis in die Champagne, von Burgund bis nach England zu spontanen, antiklerikalen Protestbewegungen, welche vermutlich direkt oder indirekt durch die Theorien der Bogomilen beeinflusst wurden. Zwar erhalten diese Ketzerbewegungen, später als Katharismus bezeichnet, von den Chronisten unterschiedliche Namen, beispielsweise werden sie 1022 in Toulouse als „Manichäer“ bezeichnet, jedoch zeigt ihre Lehre große Übereinstimmungen mit der Lehre der Bogomilen und kann nach Roquebert zurecht als abendländische Variante des Bogomilismus bezeichnet werden.7 Borst sieht sogar eine direkte Verbindung beider Bewegungen, wenn er sagt, dass bogomilische Missionare „den Katharern ihre Lehre gebracht“ haben.8 Der Bogomilismus löste jedoch, trotz seiner Ähnlichkeit und einiger Anhänger in Konstantinopel und den umliegenden Provinzen nie eine so tiefe Krise in der byzantinischen Kirche aus, wie der Katharismus in der lateinischen Kirche.9 Nachdem jene ketzerische Bewegung bis Ende des elften Jahrhunderts vereinzelt in Mitteleuropa Erwähnung findet, kehrt während und nach der gregorianischen Reform Ruhe ein und sie verschwindet von der Bildfläche. Ohne dass die katholische Welt etwas merkt, verbreiten sich die Katharer unterirdisch und im Stillen in ganz West- und Südeuropa.10 Im Gegensatz zur katholischen Kirche verfügen sie über keine zentralisierte Institution, versammeln sich jedoch im Jahre 1167 zu einem Konzil in Saint-Félix de Caraman bei Toulouse.

2.3 Lehre, Ritus und Organisation

Der Katharismus lehrt den Dualismus, d.h. die Existenz zwei gleicher Prinzipien. In ihrer Kosmologie gibt es zum einen Gott, das gute Prinzip, der das unsichtbare, geistige und ewige Weltall erschuf und zum anderen Satan, das böse Prinzip, der das Materielle und Zeitliche erschuf und beherrscht.11 Die Dämonisierung aller Materie hat große Auswirkungen auf die Theo- und Christologie der Katharer. Der menschliche Körper ist das Werk des bösen Schöpfers, in welchem die Seele, als gute göttliche Substanz, gefangen gehalten wird. Die Seele, in einer „fleischlichen Hülle“ eingeschlossen, vergisst ihren göttlichen Ursprung, weshalb Gott den Menschen Jesus Christus sendet. Doch Jesus, als heiliger Gott, kann nach der Lehre des Dualismus nicht, wie im neuen Testament geschildert, in einem bösen menschlichen Körper wohnen, weshalb man sich des „Doketismus“ bedient.12 Danach ist Jesus nur scheinbar Mensch geworden und auch nur scheinbar am Kreuz gestorben. Jesus offenbart vielmehr durch den Ritus der Handauflegung den Weg der Rettung für die vergessenen Seelen.

Die Taufe des heiligen Geistes wird Consolament genannt und stellt den wichtigsten Ritus der Katharer dar. Das Consolament löscht jegliche Sünden aus und verbindet die Seele mit dem heiligen Geist. Mit Hilfe des heiligen Geistes gelingt die Seelenwanderung nach dem Tod aus dem menschlichen Körper, zurück in das Reich Gottes.13 Die Gläubigen empfangen das Consolament von zwei Ministranten in einer simplen Zeremonie. Zunächst holt sich der Ministrant in einem Dialog die erforderlichen Versprechen ein, anschließend legt man dem Empfänger das Johannes-Evangelium auf den Kopf und zitiert den Logosprolog.14 Durch den Empfang des Consolaments tritt der Gläubige der Gemeinschaft der „Vollkommenen“ bei und verpflichtet sich zur strengen Nahrungsaskese und absoluter sexueller Enthaltsamkeit. Der Zeugungsakt ist unrein, da neue Körper „nur neue Gefängnisse für die Seelen“ schaffen.15 Als Folge dessen verzichtet man auf alle Lebensmittel, die nicht von Wassertieren oder Pflanzen stammen. Das heilsnotwendige Consolamentum wird aufgrund seiner strikten Verpflichtungen meist auf das Totenbett verschoben.16

[...]


1 Vgl. Lea, S. 98

2 Vgl. Lambert, S. 108

3 Vgl. Roquebert S.108-109

4 Vgl. Lea S. 156

5 Vgl. Lambert S.28

6 Vgl. Roquebert S.35-37

7 Vgl. Roquebert S.39

8 Vgl. Borst S.85

9 Vgl. Lambert S.31

10 Vgl. Borst S.108

11 Vgl. Lea S. 101

12 Vgl. Roquebert S.26

13 Vgl. Lea S.101

14 Vgl. ebenda S.105

15 Vgl. Roquebert S.27

16 Vgl. Lea S.104

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668861251
ISBN (Buch)
9783668861268
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v450196
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Katharer Papst Sekte Kreuzzüge

Autor

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Titel: Die katholische Kirche und ihr Kampf gegen die Katharer. Eine Quellenanalyse zum letzten gewaltlosen Vorgehen gegen den Katharismus