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Aktienauswahl durch technische Analyse

Seminararbeit 2017 23 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methoden der technischen Analyse
2.1 Die Dow-Theorie und Ziele der Analyse
2.2 Die Charttechnik
2.2.1 Darstellungsformen von Kursverläufen
2.2.2 Trendermittlung und Signale von Trendwenden
2.3 Indikatoren der Markttechnik
2.3.1 Trendfolger
2.3.2 Oszillatoren

3. Reflektion historischer Aktienkursreihen
3.1 Gesamtmarkt Analyse
3.2 Einzelwert Analyse

4. Auswahlstrategien für Aktien und Indices
4.1 Wirksamkeit der technischen Analyse in effizienten Kapitalmärkten
4.2 Renditevergleich einer technischen-Strategie und einer „Buy-and-Hold“-Strategie

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang
Anhang A: Datenauswertung und Codierung der Abbildung
Anhang B: Chart der Volkswagen Aktie

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kursverlauf DAX

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Verfahren der technischen Analyse finden im Gegensatz zu fundamentalen Ansätzen selten Zuspruch in wissenschaftlichen Studien und ihnen eilt der Ruf der „Kaffeesatzleserei“ voraus. Im Laufe dieser Arbeit werden Möglichkeiten der Renditeoptimierung dieser Methodik verdeutlicht und die Relevanz technischen Analyseformen hervorgehoben.

Aufbauend auf einer theoretischen Grundlage, werden historische Kursverläufe zurückdatiert und technische Verfahren in verschiedenen Zeithorizonten angewendet. Die durch die Analyse gewonnenen Erkenntnisse werden in Form von Anlagestrategien empirisch angewendet und einer nicht technisch basierten Anlageform gegenübergestellt.

Technische Analysemethoden lassen sich auf eine Vielzahl an Finanzinstrumente anwenden, der Gang der Untersuchung dieser Arbeit bezieht sich jedoch auch Indices und Aktien.

2. Methoden der technischen Analyse

2.1 Die Dow-Theorie und Ziele der Analyse

„Technische Analyse ist das Studium von Marktbewegungen, in erster Linie durch Charts, um zukünftige Kurstrends vorherzusagen.“[1] Grundlage dieser Form der Analyse bildet die Theorie von Charles H. Dow. Unter der Annahme von sich im Zeitablauf wiederholenden Kursverläufen in Indices, den sogenannten Trends, werden abwärts- und aufwärtsgerichtete Kursbewegungen rechtzeitig ersichtlich.[2]

Ein Trend besteht aus drei Trendbewegungen. Dem primären Trend, eine Kursbewegung von mindestens einem Jahr, einem sekundären Trend, der als Reaktion innerhalb des primären Trends mit einer Dauer von mindestens 2 Monaten interpretiert werden kann, und dem tertiären Trend, einer kurzfristigen (mindestens eine Woche) Bewegung innerhalb der sekundären Trends. Werden historische Höchst- und Tiefpunkte in Relation zueinander betrachtet, lassen sich Trendwenden prognostizieren.[3]

Aus der Dow-Theorie lassen sich die Identifikation von Trends und die Prognose von Trendwenden als wesentliche Aufgaben der technischen Analyse ableiten.[4] Dabei wird in dieser Arbeit neben Indices auch auf die Anwendbarkeit für Einzelaktien eingegangen.

2.2 Die Charttechnik

2.2.1 Darstellungsformen von Kursverläufen

Eine Form der Darstellung von Chartbildern ist der Linienchart, der durch einfaches Verbinden von Schlusskursen zustande kommt. Auf der vertikalen Achse wird der Kurs des betrachteten Finanztitels und auf der horizontalen Achse der Zeitablauf dargestellt. Dabei kann die Skalierung der Kursachse die Beurteilungsfähigkeit des Chartbildes verändern.[5] Während bei einer linearen Skalierung die Abstände der Werte auf der Kursachse absolut sind, werden bei einer logarithmischen Skalierung prozentuale Veränderungen angegeben.[6] Es wird deutlich, dass der Linienchart in Bezug auf die Qualität der abgebildeten Daten nur Auskunft über die Schlusskurse liefert und somit kurzfristige Kursbewegungen außer Acht lässt.[7]

Der Point & Figure-Chart bringt die Kursbewegung als ein „Wechselspiel von Preis und Nachfrage“ ohne einen Bezug zum Zeitablauf zum Ausdruck. Vorab wird eine Kästchengröße festgelegt, die definiert, nach wie vielen Punkten eine Kursbewegung erfasst wird. Steigt ein Kurs um diese Größe an, so wird dies mit einem X im Chart symbolisiert, fällt der Kurs um diese Größe, zeigt der Chart ein O. Ein Aufwärtstrend würde so durch eine Säule von X- Symbolen zum Ausdruck kommen, beziehungsweise ein Abwärtstrend durch eine O-Säule. Durch das Definieren der Kästchengröße lässt sich die Sensibilität des Charts verändern. Wird eine Größe mit einer hohen Anzahl von Punkten gewählt, so werden im Chart kurzfristige Kursbewegungen nicht erfasst. Auch eine seitliche Kursbewegung lässt sich durch die Breite der Säulen ablesen. Diese Darstellung ermöglicht eine Visualisierung von langfristigen Trends in einem kompakten Chart.[8]

In Candlestick-Charts werden neben Schlusskursen auch weitere Kursbewegungen eines Finanztitels wie der Eröffnungskurs und der Hoch- und Tiefststand der vorgegebenen Periode mit einbezogen. Ein ansteigender Kurs, der einen höheren Schlusskurs als Eröffnungskurs folgert, wird mit einem weißen Kerzenkörper symbolisiert. Im umgekehrten Fall, also bei einem niedrigeren Schluss- als Eröffnungskurs, wird die Abwärtsbewegung durch eine schwarze Kerze kenntlich gemacht. Zwischenzeitliche Höchst- und Tiefstkurse werden durch einen Docht beziehungsweise durch eine Lunte dargestellt. Candlesticks geben neben der Bewegung des Kurses auch weitere Informationen über den Markt und können auch zur Analyse von Kauf- und Verkaufssignalen verwendet werden. Entspricht beispielsweise der Schlusskurs dem Eröffnungskurs einer Kerze, deutet dies auf ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage des Finanzinstrumentes hin und lässt eine potenzielle Trendwende vermuten. Auch Formationen mehrerer Kerzen können potenzielle Trendwenden deuten.[9] Diese Darstellungsform eines Kursverlaufes ist somit für wesentliche Aufgaben der Charttechnik einsetzbar.

2.2.2 Trendermittlung und Signale von Trendwenden

Durch Hoch- und Tiefpunkte einer Kursbewegung lassen sich in einem Chart Unterstützungen und Widerstände in beliebigen Zeiträumen ausfindig machen. Eine Unterstützung meint das Übersteigen der Nachfrage über dem Angebot eines Finanzinstrumentes an einem bestimmten Preisniveau, nachdem der Kurs vorerst gefallen ist, wodurch die Neigung eines ansteigenden Kurses zum Ausdruck kommt. Im umgekehrten Fall wird von einem Widerstand gesprochen. Unterstützungen und Widerstände sind in Aufwärts- und in Abwärtstrends vorzufinden und basieren auf Verhaltensweisen der Marktteilnehmer. Fällt ein Kurs einer Aktie auf einen Unterstützungspunkt, sehen viele Anleger die Chance, zu einem geringen Preis zu kaufen und der Kurs steigt durch die erhöhte Nachfrage an. Dieses Ansteigen kann weitere Anleger zum Kauf ermutigen und die Bewegung beschleunigen. Die Signifikanz eines solchen Punktes wird durch die Zeit, in der sich der Kurs auf einem bestimmten Niveau befindet, definiert. Wird jedoch eine Unterstützungslinie durchbrochen, verkaufen Anleger die Aktie aus Angst vor Verlusten, wodurch der Kurs durch die abnehmende Nachfrage fällt. Somit können Unterstützungs- und Widerstandslinien sowohl bestätigende als auch umkehrende Signale für einen bestehenden Trend liefern.[10] Da ein Zeitraum für das Identifizieren solcher Linien nicht definiert ist, kann es zu einer willkürlichen Bestimmung der Linien kommen.[11]

Auch durch das Erkennen von Formationen (Mustern) in einem Chart können Signale für die folgende Kursentwicklung aufgefasst werden.[12] Eine Trendwende lässt sich beispielsweise an M- und W- ´Formationen prognostizieren. Erkennbar wird eine M-Formation, wenn die Bewegung eines bestehenden Aufwärtstrends an einem bestimmten Kursniveau stoppt und auf ein Zwischentief konsolidiert. Durch eine erhöhte Nachfrage steigt der Kurs auf das Niveau des ersten Hochpunktes an. Fällt der Kurs aufgrund von hohen Verkäufen der Aktie, wird das Muster eines doppelten Hochpunktes erkennbar. Nun dient das vorherige Zwischentief als Unterstützung, die bei Durchstoßen des Kurses ein Signal für einen Wechsel in einen Abwärtstrend liefert. Spiegelbildlich dient dieses Muster als W-Formation für den Wechsel in einem bestehenden Abwärtstrend.[13] Die Wahl des Darstellungszeitraumes hat eine signifikante Bedeutung für die rechtzeitige Mustererkennung, da ein Muster in einem kurzen Zeitraum auch ein Teil eines Musters in einem großen Zeitintervall sein kann.[14] Ein Trend kann auch durch Formationen, wie beispielsweise einem Rechteck, bestätigt werden. Die gleichmäßigen Hochpunkte und Tiefpunkte eines sich seitlich bewegenden Aufwärtstrends lassen sich mit horizontalen Linien verbinden. Ein Überschreiten des Kurses der oberen Linie bestätigt den Aufwärtstrend und prognostiziert einen steigenden Kursverlauf.[15]

Die Anwendbarkeit wird dadurch eingeschränkt, dass eine Identifikation solche Muster erst möglich ist, wenn diese schon vollendet sind. Zudem unterliegt diese Vollendung keiner zeitlichen Bestimmtheit. Chartbilder verlaufen nicht exakt nach einem Muster und können von kurzfristigen Ausreißern geprägt sein, wodurch Interpretationsspielräume entstehen und eine eindeutige Identifikation erschwert wird.[16]

2.3 Indikatoren der Markttechnik

2.3.1 Trendfolger

Um weitere Aussagen über den Kursverlauf von Indices treffen zu können, kommen Trendfolger, wie beispielsweise gleitende Durchschnitte (GD) zum Einsatz. Der GD läuft der Kursbewegung als arithmetisches Mittel vergangener Schlusskurse in Form einer Trendlinie hinterher. Dabei beeinflusst die zeitliche Gewichtung, die durch die Anzahl der gewählten vergangenen Schlusskurse bestimmt wird, wie intensiv diese Trendlinie auf den vorwegschreitenden Kurs reagiert.[17] Anlehnend an der Dow-Theorie lässt sich mit dem GD der Trend in verschiedenen Ordnungen analysieren. Ein GD, der 200 Tagesschlusskurse umfasst, visualisiert eine langfristige Trendrichtung, mit 100 Tagen eine mittelfristige und mit 30 Tagen kann eine kurzfristige Trendrichtung identifiziert werden. Dabei wird die Stärke eines bestehenden Trends an der Entfernung zwischen Kurs und Trendlinie des GD bemessen. Die 200-Tage-Trendlinie (GD(200)) reagiert nicht auf kurzfristige Kursbewegungen und zeigt den geglätteten Verlauf der langfristigen Trendbewegung.[18]

Ausschlaggebend für das Signalisieren von Trendwenden sind Durchschnitte zwischen Trendlinie des GD und dem Kurs. Schneidet eine abfallende Kurslinie in einem Aufwärtstrend den GD von oben, signalisiert der Indikator eine nachhaltige Trendwende und folglich ein Verkaufssignal. Bei einem Abwärtstrend wird durch das Durchschneiden des GD von unten ein Wendepunkt mit einem Kaufsignal bestätigt. Werden Signale in kurz- und mittelfristigen Trends erkannt, kann der übergeordnete Trend als Bestätigung herbeigezogen werden. Mittels der höheren Reaktionszeit der Linie des GD(30) werden Wendepunkte sehr schnell deutlich und dies kann zu höheren Gewinnen führen. Jedoch führen stark schwankende und sich ständig umkehrende Kursbewegungen, besonders in Seitwärtsmärkten, zu einem erhöhten Auftreten von Fehlsignalen, die eine genaue Beurteilung, wann ein Trend sich aus einer seitwärts verlaufenden Kursbewegung herausbewegt, erschwert.[19] Andererseits erkennt die Linie des GD(200) durch die verzögerte Reaktionszeit einen Trend erst dann, wenn dieser sich bereits zu einem gewissen Anteil entwickelt hat. Der Kauf eines Finanzinstrumentes auf einem lokalen Minimum und der Verkauf auf einem lokalen Maximum der Kursbewegung sind demzufolge ausgeschlossen.[20]

Aufgrund der einfachen Anwendbarkeit dieses Indikators reagiert eine Masse an Marktteilnehmern nach den entstehenden Signalen, wodurch das Risiko einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ entsteht.[21]

2.3.2 Oszillatoren

Der Einsatz von Oszillatoren liefert frühzeitige Aussagen über die Kursbewegung auch in einem Seitwärtsmarkt. Diese Indikatoren werden nicht in das Chartbild mit aufgenommen, sondern unter dem Chart abgebildet.[22] Ein Oszillator ist das Momentum (MOM), das die Geschwindigkeit beziehungsweise die Steigung der bestehenden Kursbewegung verdeutlicht. Das MOM wird durch die Differenz zwischen dem aktuellen Schlusskurs und einem vergangenen Schlusskurs berechnet.

Der zeitliche Abstand, der sich mit der Wahl des vergangenen Schlusskurses ergibt, wirkt sich auf die Reagibilität des Indikators auf Kursschwankungen aus. Da dies die Anzahl der entstehenden Signale beeinflusst, sollte der Abstand auf den betrachteten Zeithorizont angepasst werden.[23] „Wird ein Fünf-Tage-Momentum benutzt, will man kurzfristige Signale. Eine Einstellung von zwanzig Tagen ist mehr etwas für mittelfristige Anleger.“[24] Die Darstellung erfolgt durch eine offene Skalierung mit Werten größer und kleiner Null getrennt durch eine Nulllinie im Verhältnis zum Zeitablauf. Steigt die errechnete Kurve im positiven Bereich an, bestätigt dies eine zunehmende Stärke des Aufwärtstrends. Abnehmende MOM Werte folgern eine abnehmende Stärke dieser Kursbewegung und mithin eine Trendwende. Im umgekehrten Fall bestätigen im negativen Bereich zunehmende MOM Werte einen in seiner Stärke zunehmenden Abwärtstrend. Das tatsächliche Ausmaß der Kursbewegung wird durch das MOM jedoch nicht frühzeitig verdeutlicht. Die MOM Kurve zeigt zudem ähnliche Signale in starken Trendphasen und in sich seitlich bewegenden Kursverläufen.[25] Daher ist es notwendig, das MOM in Kombination mit dem Chartbild zu betrachten. Das Angebot an Aktien des betrachteten Finanztitels nimmt durch ein steigendes MOM ab und durch ein fallendes MOM zu, wodurch überkaufte und überverkaufte Bereiche deutlich werden. Wird charttechnisch eine Widerstandlinie entdeckt, warnt ein fallendes MOM vor dem Ende des Aufwärtstrends. Ein weiterer Warnhinweis für einen Trendwechsel entsteht, wenn Divergenzen zwischen Kurs und MOM entstehen, also Kurs entgegen der MOM Kurve verläuft. Durch die offene Skalierung werden Extrembereiche nicht anhand einer Größe des MOM definiert, sondern ihre Interpretation liegt beim Betrachter.[26]

Der auf dem MOM aufbauende relative Stärke Index (RSI) erleichtert die Interpretation der Extrembereiche des Oszillators durch eine Normierung der Skalierung. Der RSI setzt aufsteigende und abnehmende Kursbewegungen eines Zeitintervalls ins Verhältnis.[27]

Die Anzahl der Schlusskurse der Tage n ist dem Betrachtungszeitraum der Analyse anzupassen, wobei 25 Tage einen langfristigen Trend, 14 Tage einen mittelfristigen und 9 Tage einen kurzfristigen Trend analysieren. Ein RSI Wert über 70 Prozent verdeutlicht einen extrem überkauften Bereich der Aktie und folglich Bewegungen gegen den Aufwärtstrend. In einem extrem überverkauften Bereich, der ab einem RSI Wert von 30 Prozent erreicht ist, werden Reaktionen gegen einen Abwärtstrend erwartet. Diese Signale sind auf den Chart einer Aktie zu beziehen.[28]

3. Reflektion historischer Aktienkursreihen

3.1 Gesamtmarkt Analyse

Die Abbildung zeigt den fünfjährigen Verlauf des Deutschen Aktien Index (DAX) in einem Linienchart. Mit in das Chartbild wird ein GD von 100 und 200 Tagen aufgenommen. Unter dem Chart zeigt ein MOM aus 20 Tagen die Steigung der mittelfristigen Kursbewegungen. Auffallende Kursbewegungen werden durch rote Kreise (Bereiche) markiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenZu Beginn des Betrachtungszeitraumes befindet sich der DAX in einem langfristigen Aufwärtstrend, der durch den unter dem Kurs liegenden GD(200) bestätigt wird. Die höhere Reagibilität des GD(100) liefert eine höhere Anzahl an Kauf- und Verkaufssignalen. Ein Trendwechsel durch den GD(200) wird erstmals im Bereich 1 verdeutlicht. Der zwischen einem Widerstand von 10.000 Punkten und einer Unterstützung von 9.000 Punkten seitwärts verlaufende Kurs durchbricht den GD(100) und signalisiert einen Abwärtstrend. Daraufhin wird dieses Verkaufssignal durch den GD(200) bestätigt. Das mit der Kursbewegung abnehmende MOM liefert in diesem Fall keine Signale. Am 13.04.2015 erreicht der DAX einen Hochpunkt bei 12.300 Punkten. Das Durchbrechen der Nulllinie des MOM signalisiert einen Wendepunkt auf dem lokalen Maximum des Aufwärtstrends, während dieser durch den GD(100) deutlich später signalisiert wird (Bereich 2). Im Bereich 3 wird ein Aufwärtstrend durch den GD(100) prognostiziert. Nachkommend wird dieses Signal durch das positiv werdende MOM und ein Durchbrechen des GD(200) und des Widerstandes bei 10.000 Punkten bestätigt.

3.2 Einzelwert Analyse

In Anhang B wird der Verlauf der Volkswagen AG Aktie über 2 Jahre in einem Linienchart betrachtet. Ein GD mit 30 Tagen wird in das Chartbild aufgenommen, um kurzfristige Trendphasen zu erkennen. Zum Vergleich werden ein GD mit 100 Tagen und der Oszillator RSI in die Analyse einbezogen.

Im Bereich 1 zeigt sich, dass nachdem der Kurs den GD(30) von oben durchbrochen hat, der Kurs mehrfach auf ein Preisniveau von 150 Euro zurückfällt. Somit wird bei einem Kurs von 150 Euro eine Unterstützungslinie deutlich. Im Bereich der Unterstützungslinie signalisiert der RSI, dass die Aktie extrem überverkauft ist, und warnt vor einem Wechsel in einen Aufwärtstrend. Im folgenden Kursanstieg bestätigt sowohl der GD(30) als auch der GD(100) diesen Aufwärtstrend. Der Abstand zwischen Kurs und Trendfolgeindikatoren von Februar bis Mai 2015 hebt die Stärke des Trends vor.

Im Verlauf der Aktie (siehe Anhang C) zeigt sich ab dem 20.04.2017 ein mehrfaches Annähern der Tageshöchstkurse an ein Preisniveau von 150 Euro. Die vorherige Unterstützungslinie kann als eine neue Widerstandslinie interpretiert werden.

In Bereich 2 schneidet der zuvor auf 250 Euro gestiegene Kurs den GD(30) mehrfach. Erst als der Kurs den GD(100) durchbricht, lässt sich ein nachhaltiger Trendwechsel identifizieren und ein Verkaufssignal entsteht. Der RSI liefert in diesem Intervall keine signifikanten Signale für eine mögliche Umkehr des bestehenden Trends.

Die folgende Abwärtsbewegung signalisiert weder kurz- noch mittelfristige Signale für einen Trendwechsel und der Kurs fällt auf 160 Euro pro Aktie. Im folgenden Verlauf verliert die VW Aktie innerhalb weniger Schlusskurse mehr als 60 Euro. Dabei wird auch die Unterstützungslinie durchbrochen. Der RSI fällt in diesem Zeitraum unter 30 Prozent und prognostiziert ein mögliches Ende dieser starken Abwärtsbewegung. Durch einen Vergleich mit dem DAX lassen sich mögliche Gründe für den enormen Kurseinbruch finden und beurteilen, ob die Individualchancen der Aktie durch den Gesamtmarkt beschränkt wurden.[29] In diesem Fall führte die umgehende Veröffentlichung der Affäre um Abgas-Manipulation in Verbindung mit einem Gewinneinbruch der AG in den USA zu einem starken Verkauf der Aktie.[30] Es zeigt sich enge Wechselbeziehung zwischen fundamentalen Nachrichten und auffälligen Kursbewegungen. Ob eine Kursbewegung durch eine Nachricht entsteht oder eine entsprechende Nachricht auf eine Kursbewegung folgt, bleibt ungeklärt.

4. Auswahlstrategien für Aktien und Indices

4.1 Wirksamkeit der technischen Analyse in effizienten Kapitalmärkten

In diesem Abschnitt wird die Kapitalmarkteffizienz durch die Theorie der Informationseffizienz von Kapitalmärkten definiert. Demnach ist ein Finanzierungstitel effizient, wenn der aktuelle Preis alle verfügbaren Informationen reflektiert. Grundlegend hierfür sind die Bedingungen eines vollkommenen Marktes, die Kosten für Transaktionen und für die Beschaffung von Informationen ausschließen.[31]

Dabei ist die Konkretisierung dieser eingepreisten Informationen nach Fama in drei Formen der Informationseffizienz zu unterscheiden. In der ersten Form, der schwachen Informationseffizienz, bezieht der Preis alle historischen kursrelevanten Informationen ein. Daraus leitet sich eine unabhängige und zufällige Bewegung der Kurse (Random-Walk-Theorie) ab. Vergangene Kursverläufe liefern keine Informationen über eine zukünftige Entwicklung. In diesem Fall kann durch das Anwenden einer technischen Analyse keine Überrendite erzielt werden. Bei der halbstrengen Informationseffizienz, die die Voraussetzungen der schwachen Form einschließt, berücksichtigt der Preis alle öffentlich verfügbaren Informationen und schließt eine Überrendite durch das Anwenden fundamentaler Analysemethoden aus. In der strengen Informationseffizienz kommen nun auch Insider Informationen zum Ausdruck und der gewinnbringende Nutzen dieser Informationen wird unterbunden. Jedoch stellt eine Überrendite einen Anreiz für die Informationsverarbeitung dar, die für die Preisbildung benötigt wird („Informationsparadoxon“).[32]

[...]


[1] Roller, K. (2014), S. 141.

[2] Vgl. Steiner, M., C. Bruns, S. Stöckl (2012), S. 275.

[3] Vgl. Brock, J. (1995): S. 24-27.

[4] Vgl. Murphy, J. (1999), S.33.

[5] Vgl. Steiner, M., C. Bruns, S. Stöckl (2012), S. 270.

[6] Vgl. Bopp, T. (2002), URL: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien

[7] Vgl. Cesar, G. (1996), S. 91.

[8] Vgl. Cesar, G. (1996), S. 93-94.

[9] Vgl. Roller, K. (2014), S. 163-169.

[10] Vgl. Cesar, G. (1996): S. 94-96.

[11] Vgl. Steiner, M., C. Bruns, S. Stöckl (2012), S. 279.

[12] Vgl. Steiner, M., C. Bruns, S. Stöckl (2012), S. 288.

[13] Vgl. Cesar, G. (1996), S. 105.

[14] Vgl. Bollinger, J. (2016), S. 110.

[15] Vgl. Steiner et al. (2012), S. 291.

[16] Vgl. Heese, V., Riedel, C. (2016), S.130-134.

[17] Vgl. Murphy, J. (1999), S. 199.

[18] Vgl. Brock, J. (1995), S. 35-38.

[19] Vgl. Grothein, W. (1995), S. 87-88.

[20] Vgl. Steiner et al. (2012), S. 281.

[21] Vgl. Kovalenko, A. (2017), URL: http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie

[22] Vgl. Roller, K. (2014), S.155.

[23] Vgl. Steiner et al. (2012), S. 281-282.

[24] Bopp, T. (2002), URL: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/charttechnik-training

[25] Vgl. Brock, J. (1995), S. 71-72.

[26] Vgl. Cesar, G. (1996), S. 167-171.

[27] Vgl. Heese, V. et al. (2016), S. 142.

[28] Cesar, G. (1996), S. 171.

[29] Vgl. Beike, R., J. Schlütz (2015), S. 83.

[30] Vgl. Sommer, U. (2015): „VW-Aktie im freien Fall“.

[31] Vgl. Franke, G., H. Hax (2009), S. 432-435.

[32] Vgl. Steiner et al. (2012), S. 39-41.

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668857681
ISBN (Buch)
9783668857698
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v450729
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,3
Schlagworte
Kapitalmarkt technische Analyse Backtest Charttechnik Finanzmärkte Renditevergleich Informationseffizienz

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Titel: Aktienauswahl durch technische Analyse