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Ethnologie in der Entwicklungszusammenarbeit. Entwicklungshilfe und ihre Folgen

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff „Entwicklung“

3. Entwicklungshilfe und ihre Folgen
3.1. Entwicklungshilfe - ja oder nein?
3.2. Beispiel „Waldschutz in der Elfenbeinküste“

4. Gründe für die Ethnologie in der Entwicklungszusammenarbeit

5. Anforderungen an Ethnologen

6. Arbeitsbereiche in der Entwicklungszusammenarbeit

7. Was bringe ich nun durch das Studium der Ethnologie hierfür mit?

8. Was bringe ich als persönliche Voraussetzungen mit?

9. Welche Chancen und Grenzen sind mir während des Seminars deutlich geworden?

10. Fazit

1. Einleitung

Im Laufe unseres Seminars haben wir uns wissenschaftlich mit dem Thema der angewandten Ethnologie auseinandergesetzt und konnten so Einblicke in mögliche Berufsfelder gewinnen. Dass Ethnologen in so vielen verschiedenen Berufsbereichen tätig werden können, war mir zu Beginn des Studiums nicht bewusst. Aus diesem Grund bin ich der Meinung, dass dieses Seminar für alle Studierenden der Ethnologie ein Pflichtmodul sein sollte. Es war spannend und faszinierend, sehen zu können, welche möglichen Chancen sich uns zukünftig bieten. Für mich persönlich, war der Bereich der Entwicklungszusammenarbeit der interessanteste, da ich mir schon lange sicher bin, in diesem Berufsfeld nach meinem Studium tätig zu werden. In der vorliegenden Hausarbeit werde ich zunächst auf den Begriff der Entwicklung eingehen, sowie Gründe, die für eine Einmischung der Ethnologie in der Entwicklungszusammenarbeit sprechen, als auch Gründe, die für ein Heraushalten sprechen. Anschließend möchte ich näher auf die möglichen Tätigkeitsfelder innerhalb der Ethnologie, sowie die nötigen Voraussetzungen für diesen Berufszweig eingehen und kurz erläutern, was ich persönlich hierfür mitbringe.

2. Begriff „Entwicklung“

„Entwicklungszusammenarbeit soll Entwicklung fördern“ (Bliss 2000:13)

Bei dieser Aussage treffen zwei Begriffe aufeinander, deren Bedeutung ich zunächst näher erklären möchte. Der Begriff „Entwicklung“ ist ein viel diskutierter Begriff und wird sehr unterschiedlich aufgefasst. Ziehen wir die entwicklungspolitische Definition von Nuscheler heran, so ist Entwicklung als wirtschaftlicher, sowie sozialer Fortschritt zu verstehen (Nuscheler 2004:225). Die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungsethnologie, definiert Entwicklung dagegen folgendermaßen: „…Entwicklung als die Verbesserung der Situation von Menschen gemäß ihren eigenen Kriterien und Ziele vor dem Hintergrund einer gemeinsamen globalen Verantwortung. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit stellt dabei für uns eine logische Konsequenz aus diesem Entwicklungsbegriff dar“ (Bliss 2002:170). Wir sehen also, dass beide Erklärungen in sehr unterschiedliche Richtungen gehen. In der Wirtschaftspolitik wird besonders der ökonomische, wirtschaftliche Aspekt beachtet, wohingegen die Ethnologie, die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerungsschicht in den Mittelpunkt stellt. Mit dieser Auffassung ist es möglich die EZ richtig anzugehen und gemeinsam etwas verändern zu können. Genau das ist es, was der Begriff der Entwicklungszusammenarbeit eigentlich zu verstehen geben soll. Er lässt ein Bild der Kooperation zwischen zwei Partnern aufkommen, die beide gleichermaßen etwas bewirken und beeinflussen wollen (Bliss 2000:13). Allerdings scheint dies mit Blick auf dutzend gescheiterte Projekte, nicht so einfach umsetzbar zu sein.

3. Entwicklungshilfe und ihre Folgen

„Dass Afrika Entwicklungshilfe braucht, ist eine Erfindung des Westens. Genauer gesagt: Der Hilfsorganisationen, die davon leben, der Welt zu erzählen, wie unabdingbar sie sind. Dabei entbindet Entwicklungshilfe die lokalen Eliten von ihrer eigenen Verantwortung, weil das Geld unter allen Umständen fließt“ (Nuscheler 2012:21).

Bei meiner Recherche zur Hausarbeit bin ich auf unendlich viele negative Schlagzeilen gestoßen, die das Tätigkeitsfeld der Entwicklungszusammenarbeit derart abschätzig darstellen. Tatsächlich verändert die Entwicklungszusammenarbeit oftmals wenig oder tatsächlich nichts für die arme, benachteiligte Bevölkerungsschicht in den Ländern (Bliss 2000:10). Allerdings ist der gute Wille bei vielen der Hilfspersonen tatsächlich vorhanden, weshalb die Entwicklungszusammenarbeit möglicherweise nur anders angegangen werden muss.

Anhand eines Beispiels möchte ich kurz die Problematik von Außeneingriffen aufzeigen:

Eine gängige Praxis von Hilfsorganisationen, ist es, die Menschen bei Hungersnöten in Lagern zusammenzufassen und sie mit Nahrungsmitteln zu versorgen, wobei sie darüber entscheiden wie groß die Essensrationen ausfallen. Bei dieser Art von Hilfsprojekten wird die Unterstützung von Ethnologen als überflüssig bewertet, da man der Meinung ist, dass beispielsweise Logistiker ausreichend sind. Kommt der Regen dann irgendwann wieder zurück, können die Menschen aufgrund der fehlenden Sicherheit (da Hunger meist mit Krieg verbunden ist) und den fehlenden Produktionsmitteln nicht zurück und bleiben oftmals jahrelang in den Lagern. Man spricht von einer „Gesellschaft am Tropf“, die nicht mehr in der Lage ist, sich selbstständig zu organisieren und zu versorgen (Bierschenk 1993:22). Berichten einer Studiengruppe der Universität Bonn zufolge, stehen hinter den meisten Entwicklungshilfeprojekten, reine Gewinninteressen der Helferländer (Erlenbach 1984:43). Es existieren dutzende Artikel über gescheiterte Hilfsprojekte, deren Eingreifen oftmals nicht nur nutzlos war, sondern sich zusätzlich noch negativ auf die lokale Bevölkerung ausgewirkt hat. Die Frage, die ich mir an diesem Punkt meiner Recherche gestellt habe, ist die, ob wir Menschen aus dem Westen solche Hilfsprojekte dann überhaupt in den Angriff nehmen sollten, oder lieber gar nicht erst in die Kultur und Lebensweise anderer Länder eingreifen sollten. Es muss festgehalten werden, dass bei vielen Projekten, die dann tatsächlich auch eher Schaden, als Unterstützung, angerichtet haben, die Mitarbeit von Ethnologen meist als überflüssig erachtet wurde, wie im obigen Beispiel deutlich wird. Das heißt vor Ort wird in die Wirtschaft und Arbeitsweise von Bevölkerungsgruppen mit den unterschiedlichsten Kulturen eingegriffen, ohne sich vorab mit deren Normen und Werten auseinanderzusetzen und dann versucht etwas in kürzester Zeit zu bewirken. Man muss nicht unbedingt studiert haben, um zu erkennen, dass hierbei wohl ein fataler Fehler begangen wird, indem keine Experten herangezogen werden. Wie sieht es also mit der Ethnologie in der Entwicklungszusammenarbeit aus?

3.1. Entwicklungshilfe - ja oder nein?

Die Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland wird auf Bundes,- Landes- und kommunaler Ebene von staatlichen, sowie privaten Organisationen betrieben. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) ist für die politischen Ziele der EZ verantwortlich und kontrolliert deren Maßnahmen, sowie damit verbundenen Ziele (Bliss 2000:17). Neben den staatlichen Entwicklungssituationen gibt es in Deutschland aber auch eine Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen, wie beispielsweise die Arbeiterwohlfahrt, die Deutsche Welthungerhilfe, Terre des Hommes oder das Komitee Ärzte für die dritte Welt (Bliss 2000:23-24). Ein Vorteil dieser privaten EZ-Organisationen ist die Nähe zu den Zielgruppen im betroffenen Gebiet, wobei dies auch nicht immer zutrifft (Bliss 2000:24).

Lange Zeit sahen die Helferländer lediglich eine Hilfe für die wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Ländern als notwendig, weshalb man sagen muss, dass hierbei oftmals das Interesse, die eigene Wirtschaft weiter anzukurbeln, dahintertstreckte. 1996 wurden diese Ziele dann neu festgelegt. Das neue Ziel war es, die Lebensbedingungen der Menschen in den Partnerländern zu verbessern und dabei eine globale, nachhaltige Entwicklung zu verfolgen. Die Schwerpunkte liegen also in der Armutsbekämpfung, wodurch die produktiven Fähigkeiten der Armen gefördert werden sollen und sie somit selbst wirtschaften können. Zweitens im Umwelt- und Ressourcenschutz, um die natürlichen Lebensbedingungen zu erhalten und der letzte Schwerpunkt liegt auf Bildung und Ausbildung. Außerdem bleibt festzuhalten, dass besonders die Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Entwicklungsethnologie“ (AGEE) ein weiterer wichtiger Schritt für die Entwicklungszusammenarbeit war. Die inzwischen überarbeiteten Leitlinien der AGEE beziehen sich auf die Bereiche Entwicklung, Partizipation, Menschenrechte, Macht und Legitimität, sowie die Parteilichkeit zugunsten der Benachteiligten. Die AGEE beschäftigt sich seit ihrer Gründung, 1989, mit ethischen Fragen und Dilemmata die bei der Arbeit in fremden Kulturen immer wieder auftreten[1] und geht im Gegensatz zu unausgebildeten Logistikern, oder anderen Fachleuten mit ethnologischen Kompetenzen an die Projekte heran und kann somit weitaus mehr erreichen, was ich am folgenden Beispiel aufzeigen möchte.

3.2. Beispiel „Waldschutz in der Elfenbeinküste“

Anhand dieses Beispiels möchte ich deutlich machen, dass ein strukturiertes und vollständig durchgeplantes Entwicklungsprojekt, durchaus gelingen kann und zur Verbesserung der jeweiligen Situation beitragen kann.

Eine Faustregel besagt, dass höchstens 10% dessen, was in einem Jahr an Baumbeständen verloren geht, wieder aufgeforstet werden kann (Bliss 2000:220). Ein massives Problem der Entwicklungszusammenarbeit liegt hierbei darin, dass unter Waldschutz und Aufforstung vielfach nur die „Sperrung des Waldes vor den Menschen“ verstanden wurde (Bliss 2000:222). Damit wurde die Bevölkerung von den ohnehin schon geringen Ressourcen abgeschnitten, womit deren Interesse am Schutz des Waldes natürlich verloren ging. Wir sehen also, dass die Einheimischen in der Vergangenheit oftmals nicht in die Entwicklungsprojekte integriert und ebenso wenig über deren Vorhaben aufgeklärt wurden.

[...]


[1] http://entwicklungsethnologie.org/

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668844254
ISBN (Buch)
9783668844261
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451159
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Asien-Orient Institut
Note
2,1
Schlagworte
ethnologie entwicklungszusammenarbeit entwicklungshilfe folgen

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Titel: Ethnologie in der Entwicklungszusammenarbeit. Entwicklungshilfe und ihre Folgen