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Protestbewegungen nach Luhmann

Hausarbeit 2015 10 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Einordnung in die Thematik des Werks

3. Charakteristika von Protesten und Protestbewegungen

4. Das System Protestbewegungen

5. Auslöser von Protestbewegungen

6. Die „neue“ Protestbewegung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Soziale Bewegungen oder im engeren Sinne Protestbewegungen sind schon so gut wie immer ein Teil von Politik und Gesellschaft. Man kann sich diverser Beispiele aus der Geschichte oder auch der Gegenwart bedienen: Seien es nun die deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre, Occupy (- Wallstreet) seit dem Jahr 2011 (Georg Diez, 2011) oder das wohl aktuellste Beispiel Pegida, welches fast täglich mit neuen Schlagzeilen in der Breite der Medien für Aufsehen sorgt (Lenz Jacobsen, 2015). All diese sozialen Bewegungen scheinen dem Begriff der Protestbewegung zunächst einmal gerecht zu werden, wenn wir unserer ersten Einschätzung, bzw. dem alltäglichen Gebrauch dieses Wortes, Glauben schenken.

„Soziale Bewegungen sind ein so allgemeines Phänomen, dass es schwer fällt, sie mit einem präzisen Begriff zu beschreiben.“ (Luhmann, 1991, S.135). So beginnt Niklas Luhmann sein siebtes Kapitel in der Monographie „Soziologie des Risikos“ und zeigt damit schon im ersten Satz dieses Kapitels, dass es eben doch ein großes Problem darstellt, dieses soziologische und politische Phänomen klar und eindeutig zu beschreiben. Luhmann erläutert, dass er sich im Rahmen des Kapitels auf den Terminus der „Protestbewegung“ beschränken möchte, da dieser große Teile der „sozialen Bewegungen“ erklärt, sei allerdings deutlicher zu definieren als diese (Luhmann, 1991, S.135). Da diese Seminararbeit auf der Grundlage von Luhmanns Text verfasst wurde, soll diese Beschränkung auch hier als Arbeitsdefinition gelten. Aufgabe dieser Seminararbeit soll es sein, Luhmanns Definition von Protestbewegungen aus dem oben genannten Werk heraus zu arbeiten. Hierbei beruhen alle Äußerungen vornehmlich auf dem siebten Kapitel des Werks „Soziologie des Risikos“. Am Ende dieser Arbeit soll eine Art Schema entstehen, welches auf den von Luhmann definierten Charakteristika von Protestbewegungen basiert. Dadurch soll die Möglichkeit geboten werden, soziale Phänomene wie Occupy oder Pegida wissenschaftlich und theoretisch nach Luhmann einordnen zu können.

2. Einordnung in die Thematik

Niklas Luhmanns Werk „Soziologie des Risikos“ versucht eine Theorie zu entwickeln, die der soziologischen Forschung helfen soll, die Diskrepanz zwischen heutigen Entscheidungen und zukünftigen Folgen zu erklären, welche mehr und mehr den Zustand der modernen Gesellschaft definieren. Da diese Konsequenzen unmöglich vorher zu sehen sind, verwendet Luhmann hierfür den Begriff des Risikos (Luhmann, 1991, S.22). Hierbei geht es vor allem um die Distanz zwischen der Partei der Entscheider und den Betroffenen, welche unter Umständen die Folgen - oder etwas negativer konnotiert die Schäden - zu tragen haben, die die vorhergegangenen Entscheidungen verursacht haben und somit den Entscheidern zu zu rechnen sind (Luhmann, 1991, S.111). Kernproblem ist hierbei nach Luhmann vor allem die Tatsache, dass die Betroffenen die Auswirkungen zu spüren bekommen und sich somit ohne Eigenverschulden in eine riskante Situation versetzt fühlen (Luhmann, 1991, S.116). Nach Luhmann bildet sich in dieser Kluft zwischen Entscheidungsträger und Betroffenen also eine Art Opposition der Betroffenen, die ihre Ablehnung gegenüber der Gruppe der Entscheider und deren Taten kundtun (Luhmann, 1991, S.135). Hier schließt das Kapitel „Protestbewegungen“ an, welches im Folgenden genauer untersucht werden soll.

3. Charakteristika von Protest und Protestbewegungen

Luhmann gibt dem Begriff der Protestbewegungen - beziehungsweise zunächst dem Protest - folgende Hauptaufgabe in der Gesellschaft, wenn er schreibt: „Proteste sind Kommunikationen, die an andere adressiert sind und deren Verantwortung anmahnen.“ (Luhmann, 1991, S.135). Somit sind Proteste zunächst als Kommunikationsmittel definiert, welche an einer anderen Partei Kritik üben und die Unzufriedenheit der Protestierenden ausdrücken. Als „andere“ sind in diesem Zitat beispielsweise Regierungen, Organisationen oder Konzerne zu benennen, deren Entscheidungen die Betroffenen in irgendeiner Weise tangieren. Diese „gegnerische“ Seite, an die sich der Protest wendet, ist nach Luhmann eine notwendige Bedingung für die Existenz der Protestbewegung, da diese sonst in sich zusammen brechen würde oder den paradoxen Anschein erwecken würde, als ob die Gesellschaft „gegen sich selbst protestiere“ (Luhmann, 1991, S.136).

Zudem erwähnt Luhmann, dass die Absicht der Protestbewegung keinesfalls sei, an Stelle desjenigen zu treten, den der Protest kritisiert, um dessen Aufgaben tatsächlich zu übernehmen oder beispielsweise zu regieren (Luhmann, 1991, S.135). Vielmehr will der Protest an die Aufgaben und die Verantwortung des Entscheiders appellieren, für Ordnung zu sorgen und die Risiken für die übrige Gesellschaft ausreichend zu beachten. Diese Kritik kann auf Missstände aufmerksam machen, Unzufriedenheit verdeutlichen, Benachteiligungen aufzeigen oder auch Wünsche äußern (Luhmann, 1991, S.136).

Betrachtet man die Occupy-Bewegung als kurze Veranschaulichung dieses Zitats, so wird klar, dass als „gegnerische“ Seite die Banken und deren riskanten Spekulationen zu identifizieren sind. Die protestierenden Bürger sind durch ihre Steuergelder, die zur Rettung der maroden Banken benötigt wurden, betroffen, obwohl sie an den Entscheidungen der Banker nicht beteiligt waren und dennoch das Risiko getragen haben. Durch den Protest in den Bankenvierteln der Welt äußert die Protestbewegung somit ihren Unmut an den Entscheidungen der Banker und dem Finanzsystem, da sie nun für die Verluste der Banken aufkommen müssen.

Ob die Banken nun die richtigen Adressaten waren oder doch viel mehr der Staat aufgrund seiner mangelnden Regulationen eine größere Schuld trägt, sowie eine tiefer gehende Analyse der Occupy Bewegung, müssen im Rahmen dieser Seminararbeit aber leider defizitär bleiben.

4. Das System Protestbewegung

Nachdem im ersten Abschnitt nun Luhmanns Aufgaben des Protests dargeleget wurden, widmet sich der folgende Abschnitt ein wenig genauer dem System der Protestbewegung. Die Fragestellung ist also: Wie wird der Protest zum sozialen System der Protestbewegung?

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Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668844827
ISBN (Buch)
9783668844834
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451174
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,0
Schlagworte
protestbewegungen luhmann

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Titel: Protestbewegungen nach Luhmann