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Fußball als Medienereignis. Der Versuch einer sportsoziologischen Herleitung

Hausarbeit 2018 18 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Rahmen-Analyse
2.1 Primäre Rahmen
2.2 Modulation
2.2.1 Wettkämpfe
2.2.2 In-anderen-Zusammenhang-Stellen

3 Die Genese des Sports
3.1 Die Entwicklung zum „Sport“
3.2 Verknüpfung zwischen Elias und Goffman
3.3 Die Entwicklung des Fußballs

4 Fußball als Medienereignis
4.1 Die Wahrnehmung des Medienereignisses

5 Fazit

6 Literatur

1 Einleitung

Fußball ist heutzutage ein Spektakel. Zehntausende fußballbegeisterte Menschen bestaunen ihre Mannschaften im Stadion, sogar Millionen sind über das Fernsehen „live“ dabei. In den professionellen Gefilden dieser Sportart steht längst nicht mehr das Spielen mit dem Ball im Vordergrund. Ein Fußballspiel ist eine Inszenierung und die Vermarktung des Spiels macht es zu einem Geschäft. Doch wie kommt es zu diesem Status der Sportart?

Diese Hausarbeit soll die Entwicklung von Sport und im Speziellen der Sportart Fußball aufzeigen. Dabei soll es um die Wahrnehmung der Menschen gehen. Ervin Goffman (2016) hat dazu die Rahmenanalyse entwickelt, welche im ersten Teil dieser Ausarbeitung dargestellt wird. Dabei geht Goffman grundsätzlich davon aus, dass der Mensch das Erlebte zunächst in einen „primären Rahmen“ (ein Interpretationsschema) einordnet. Diese können durch eine Modulation so umgeformt werden, dass ein anderes Verständnis der Situation oder sogar ein neuer Rahmen entsteht. Die Zivilisationstheorie von Norbert Elias ist ein weiteres Modell, welches in diese Hausarbeit einfließt. Sie beschreibt, wie sich das Verständnis unserer Gesellschaft entwickelt hat, welches in der modernen Welt besteht. Dies bezieht Elias auch auf den Sport. Im Laufe der Hausarbeit werden einzelne Aspekte der beiden soziologischen Theorien immer wieder miteinander verknüpft und so Zusammenhänge dargestellt.

Anhand dieser Zusammenhänge wird erklärt, wie der moderne Sportbegriff entstanden ist und wie sich im Laufe der Zeit die Sportart Fußball herauskristallisiert hat. Fußball hat heutzutage eine große Bedeutung in unserer Gesellschaft. Aus dem Spiel ist ein Medienereignis geworden, worauf im Anschluss detaillierter eingegangen wird.

In dieser Hausarbeit werden zwei soziologische Theorien auf den Sport bezogen und herausgestellt, wie diese zusammenhängen. Nach den Erkenntnissen dieser Zusammenhänge soll abschließend beurteilt werden, inwiefern sich die dargestellte Entwicklung des Sports anhand der Rahmen-Analyse und der Zivilisationstheorie begründen lässt. Die Fragestellung, die untersucht werden soll, lautet deshalb:

Inwiefern lässt sich das Medienereignis Fußball durch die Rahmenanalyse und die Zivilisationstheorie begründen und seine Entwicklung anhand dieser zurückverfolgen?

2 Die Rahmen-Analyse

Erving Goffman will das Handeln des Menschen verstehen. Dazu verfasste er das Werk ‚Rahmenanalyse‘ (2016). Worum es in diesem Werk geht, lässt sich am besten in Goffmans eigenen Worten beschreiben:

„ Mir geht es um die Situation, um das, dem sich ein Mensch in einem bestimmten Augenblick zuwenden kann; dazu gehören oft einige andere Menschen und mehr als die von allen unmittelbar Anwesenden überblickte Szene. Ich gehe davon aus, dass Menschen, die sich gerade in einer Situation befinden, vor der Frage stehen: Was geht hier eigentlich vor? Ob sie nun ausdrücklich gestellt wird, wenn Verwirrung und Zweifel herrschen, oder stillschweigend, wenn normale Gewissheit besteht - die Frage wird gestellt, und die Antwort ergibt sich daraus, wie die Menschen weiter in der Sache vorgehen. Von dieser Frage also geht das vorliegende Buch aus, und es versucht ein System darzustellen, auf das man zur Beantwortung zurückgreifen kann.“ (Goffman, 2016, S.16)

Dazu entwickelt Goffman den Begriff der ‚Rahmen‘. Ein Rahmen ist ein Schema, welches der Mensch unbewusst benutzt, um eine Situation sinnhaft wahrzunehmen. Jede Situation, die der Mensch wahrnimmt, wird in ein Schema (oder Rahmen) eingeordnet, welche dem Verstehen der Situation dienen. Durch die Sozialisation des Menschen gestaltet sich ein solcher Rahmen im Laufe des Lebens. Ein Rahmen gibt einer Situation oder Handlung einen Sinn. Dies erfolgt unterbewusst und auf Basis der bereits erlebten Erfahrung des Menschen. „Ich gehe davon aus, dass wir gemäß gewissen Organisationsprinzipien für Ereignisse - zumindest für soziale - und für unsere persönliche Anteilnahme an ihnen Definitionen einer Situation aufstellen; diese Elemente, soweit mir ihre Herausarbeitung gelingt, nenne ich ‚Rahmen’“ (Goffman, 2016, S.19). Jeder Mensch gestaltet also seine eigenen Rahmen, in die er eine Situation oder Handlung einordnen kann. Goffman spricht davon, dass der Mensch immer mit der Frage „Was geht hier eigentlich vor?“ (Goffman, 2016, S.16). konfrontiert wird. Die Einordnung in einen Rahmen ist der erste unbewusste Schritt, den der Mensch macht, um diese Frage zu beantworten.

2.1 Primäre Rahmen

Zu allererst wären da die ‚primären Rahmen‘, in die eine Situation eingeordnet wird. Ein primärer Rahmen zeichnet sich dadurch aus, dass ihm keine sinnhafte Deutung der Situation vorgelagert ist.

„ Wenn der einzelne in unserer westlichen Gesellschaft ein bestimmtes Ereignis erkennt, neigt er dazu - was immer er sonst tut -, seine Reaktion faktisch von einem oder mehreren Rahmen oder Interpretationsschemata bestimmen zu lassen, und zwar von solchen, die man primäre nennen könnte. Dies deshalb, weil die Anwendung eines solchen Rahmens oder einer solchen Sichtweise von den Betreffenden so gesehen wird, dass sie nicht auf eine vorhergehende oder ‚ursprüngliche‘ Deutung zurückgreift; ein primärer Rahmen wird eben so gesehen, dass er einen sonst sinnlosen Aspekt der Szene zu etwas Sinnvollem macht.“ (Goffman, 2016, S.31)

Primäre Rahmen lassen sich in zwei Unterkategorien einordnen. Es gibt die natürlichen und die sozialen Rahmen. „Natürliche Rahmen identifizieren Ereignisse, die als nicht gerichtet, nicht orientiert, nicht belebt, nicht geleitet, ‚rein physikalisch’ gesehen werden; man führt sie vollständig, von Anfang bis Ende, auf ‚natürliche’ Ursachen zurück“ (ebd.). Es gibt keine aktive Handlung eines Beteiligten, die Einfluss auf das Resultat nimmt. Soziale Rahmen hingegen sind dazu da, um Ereignisse einzuordnen, an welchen „Wille, Ziel und steuerndes Eingreifen einer Intelligenz, eines Lebewesens, in erster Linie des Menschen, beteiligt sind“ (Goffman, 2016, S.32). Die Rahmen sind dennoch miteinander verknüpft, so können „Naturereignisse ohne intelligenten Eingriff erfolgen, intelligente Handlungen aber nicht erfolgreich sein [...], wenn man sich nicht auf die Naturordnung einlässt. Damit lässt sich jedes Stück einer sozial orientierten Handlung teilweise innerhalb eines natürlichen Schemas analysieren“ (Goffman, 2016, S.33).

Eben in solche primären Rahmen lassen sich Antworten auf die Frage „Was geht hier eigentlich vor?“ (Goffman, 2016, S.19). zunächst (primär) einordnen. Goffman nennt in diesem Zusammenhang das Beispiel des Sonnenaufgangs: Der Aufgang der Sonne ist ein natürliches Ereignis. Niemand ist an diesem Ereignis aktiv beteiligt. Das Herunterlassen der Jalousie hingegen ist die orientierte Handlung, die darauf folgt. Es wird aktiv eingegriffen, um die Sonnenstrahlen nicht in das Zimmer zu lassen.

Goffman beschreibt mit seiner Rahmenanalyse wie ein Mensch seine Umgebung wahrnimmt und Ereignisse verarbeitet. Dazu wird das Geschehene unterbewusst in einen Rahmen gesteckt. Ein Rahmen entwickelt sich mit dem Menschen und wird durch Erfahrungen geprägt und geformt. Auch ein Ereignis, dass man nicht kennt oder bewusst mit einem bisher erlebten vergleichen kann, ordnet der Mensch - laut Goffman - unbewusst in einen Rahmen. Diese Einordnung dient zum ersten Verständnis des Erlebten. „Rahmen stellen gewissermaßen das Organisationsprinzip der menschlichen Erfahrung und Interaktion dar“ (Vogd, 2004).

2.2 Modulation

Goffman stellt im weiteren Verlauf seiner Rahmen-Analyse Variationen seines Verständnisses der Rahmen dar. Eine dieser Variationen ist die ‚Modulation’. Goffman selbst beschreibt diese folgendermaßen: „Darunter verstehe ich das System von Konventionen, wodurch eine bestimmte Tätigkeit, die bereits im Rahmen eines primären Rahmens sinnvoll ist, in etwas transformiert wird, das dieser Tätigkeit nachgebildet ist, von den Beteiligten aber als etwas ganz Anderes gesehen wird. Den entsprechenden Vorgang nennen wir Modulation“ (Goffman, 2016, S.56).

Goffman bezieht sich dabei auf Gregory Bateson, welcher im Jahre 1952 in einem Zoo beobachtete, dass Otter sowohl kämpfen als auch das Kämpfen spielen. In wiederholbaren Zyklen agieren die Otter dabei, indem sie auf bestimmte Signale hin das spielerische Kämpfen beginnen und beenden. Das Entscheidende ist, dass „das Verhalten der Tiere gewissermaßen nicht an sich sinnvoll war; der Rahmen dieser Handlungen macht sinnlose Ereignisse nicht sinnvoll, im Gegensatz zum primären Verstehen, das dies leistet“ (Goffman, 2016, S.52). Das Verhalten der Tiere ist vielmehr einem anderen Verhalten nachgebildet, welches in einem primären Rahmen Sinn ergibt: dem Kämpfen. „Das wirkliche Kämpfen dient hier als Vorbild, als ausführliche nachzuahmende Vorlage, als Formgrundlage“ (ebd.).

Bei Tieren scheint es sich zumeist um diese Art von Modulation zu handeln. Anders verhält es sich beim Menschen, bei dem es viele verschiedene Arten von Modulationen geben kann. „Neben dem, was einem Otter möglich ist, kann der Mensch einen Kampf nach einem Drehbuch aufführen oder einen phantasieren oder ihn rückblickend beschreiben oder analysieren, usw“ (Goffman, 2016, S.57). Goffman bietet dem Leser im Anschluss mehrere Punkte an, welche als Definition der Modulation dienen sollen. Demnach ist eine Modulation eine (a) „systematische Transformation eines Materials, das bereits im Rahmen eines Deutungsschemas sinnvoll ist, ohne welches eine Modulation sinnlos wäre“ (Goffman, 2016, S.57). (b) Die Beteiligten wissen, dass es sich um eine Umwandlung handelt, welche das Geschehen neubestimmt. (c) Es gibt zeitliche und räumliche Klammern, welche den Wirkungsbereich der Modulation beschränken sollen. (d) Modulationen können sich sowohl auf natürliche als auch soziale Ereignisse beziehen und diese nachbilden. (e) Eine Modulation verändert eine Tätigkeit vielleicht nur in einem kleinen Ausmaß, wirkt sich jedoch entscheidend darauf aus, was die Beteiligten darin sehen (Goffman, 2016, S.57).

Im weiteren Verlauf der Rahmenanalyse geht es um verschiedene Aspekte der Modulation. Goffman nennt hier fünf Kategorien, wie eine Modulation auftreten kann: „So-Tun-als-ob, Wettkampf, Zeremonie, Sonderausführung, In-anderen-Zusammenhang-stellen“ (Goffman, 2016, S.60). Für diese Hausarbeit sind vor allem die Punkte Wettkampf und In-anderen-Zusammenhang-stellen von Bedeutung, weshalb ich meine Ausführungen auf diese beschränken werde.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668855960
ISBN (Buch)
9783668855977
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451340
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Bewegunswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Sport Fussball Fußball Medienereignis Soziologie Rahmen-Analyse Elias Goffmann Genese des Sports

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