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Der Handel mit korinthischer Keramik vom 8.–6. Jh. v. Chr.

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 43 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragen und Ziele
1.2 Forschungsgeschichte
1.3 Herstellungsvorgang

2. Die Entwicklung der korinthischen Keramik
2.1 Die geometrische Zeit
2.2 Die orientalisierende bzw. protokorinthische Phase
2.3 Die korinthische Phase

3. Korinth
3.1 Abriss zur Geschichte Korinths während der großen Kolonisation
3.2 Das Töpferviertel Korinths

4. Korinthische Keramik in den einzelnen Mittelmeerregionen
4.1 „lokaler Markt“ - Griechenland
4.2 Schwarzes Meer
4.3 Ägypten und Syrien
4.3.1 Al Mina
4.3.2 Naukratis
4.4 Sizilien
4.5 Unteritalien
4.6 Etrurien
4.7 Spanien und Frankreich

5. Fazit

6. Anhang
Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildungen

1. Einleitung

1.1 Fragen und Ziele

Die korinthische Keramik, in der Zeit des ausgehenden 8. Jh. V. Chr. bis zur Mitte des 6. Jh. V. Chr, ist für einzelne Datierungen in der Archäologie von großer Bedeutung, da sie relativ fix datiert werden kann. Diese Bedeutung entwickelte sich in der Zeit der großen Kolonisation, da häufig die früheste Keramik in den Kolonien die korinthische war. Dieser Fakt in Kombination mit uns überlieferten Gründungsdaten der jeweiligen Kolonien führt dazu, dass wir heute für die archaische und geometrische Zeit wenigstens ein grobes chronologisches Gefüge haben, welches einigermaßen zuverlässig ist. Die weite Verbreitung der korinthischen Keramik könnte damit begründet zu sein, dass es entweder einen regen Handel mit den Stücken an sich gab oder mit den Inhalten der entsprechenden Stücken.

In dieser Arbeit soll ทนท versucht werden zu klären ob und wenn ja in welchem Umfang es Keramikhandel gab. Des Weiteren werden wir uns der Frage zuwenden in welche Gebiete dabei die Keramik gelangte. Gab es Landstriche die bevorzugt beliefert wurden oder haben wir im gesamten Mittelmeer eine relativ gleiche Verteilung? Falls ein Gebiet bevorzugt beliefert wurde, was könnten die etwaigen Gründe dafür sein? Wie groß war überhaupt, wenn man das sagen kann, die Bedeutung korinthischer Händler am Keramikhandel dieser Zeit? Übernahmen sie vor allem die „Umverteilung“ der Güter oder waren es doch eher Händler aus anderen Landstrichen, die mit korinthischer Keramik handelten? Außerdem stellt sich natürlich noch die Frage nach der zeitlichen Verteilung der Handelstätigkeit. Zwar wissen wir, dass der Handel wenn dann während der Großen Kolonisation am größten und bedeutendsten war, aber gab es innerhalb dieser Zeit noch verschiedene Phasen zu denen ein erhöhtes oder auch verringertes Handelsaufkommen von statten ging?

Der Aufbau der Arbeit soll sich wie folgt gestalten. Zuerst werde ich kurz die zu behandelnde Keramik vorstellen in ihren einzelnen Phasen. Darauf soll eine historischer Abriss folgen zu Korinth während der großen Kolonisation. Daran anschließend werde ich zum Hauptteil der Arbeit, nämlich der Verbreitung der korinthischen Keramik in den einzelnen Gebieten des Mittelmeerraumes, kommen. Final soll in einem Fazit auf die eingangs gestellten Fragen eingegangen und eine Lösung vorgestellt werden. Einleitend kommen wir jedoch zunächst kurz zur Forschungsgeschichte und dem Vorgang der Keramikproduktion.

1.2 Forschungsgeschichte

Am Beginn der Erforschung korinthischer Keramik Stehen Grabungen auf Sizilien, in Unteritalien und Etrurien. Die bei diesen Unterfangen gefundenen protokorinthisehen Gefäße hielt man anfangs für ägyptische Produkte.1 พ. Helbig erkannte daraufhin 1877, dass sich die auf Sizilien und in Italien gefundenen Aryballoi in Form und Bemalung glichen. Zwei Jahre später datierte A. Furtwängler diese Gefäße, die er noch für chalkidisch hielt, zwischen die geometrische und archaische Periode. Erst 1886 kam er zu der Erkenntnis, dass es sich bei den Gefäßen um Produkte aus Korinth handelte. Eine erste grundlegende Arbeit veröffentlichte 1923 F. Johansen. Jedoch sah er als Herkunftsort der Gefäße, wie der Titel Les vases sicyoniens. Étude archéologique verrat, noch Sikyon an. Erst 1931 war es H. Payne mit seinem Werk Necrocorinthia. A study of Corinthian art in the archaic period der endgültig bewies, dass diese Gattung von Keramikk in Korinth produziert wurde. In den darauffolgenden etwa 50 Jahren gibt es nur wenige Aufsätze bezüglich korinthischer Keramik, aber keine weiteren Gesamtbetrachtungen. Zumeist sind es Arbeiten, die die Gedanken Paynes Z.T. weiterführen. Erst 1988 erschien mit dem Werk Corinthian vase painting of the archaic period von D.A. Amyx eine erneute umfassende Studie der archaischen korinthischen Keramik, in der er die Erkenntnisse von Payne aufnimmt und um einige Punkte erweitert. Bezüglich des Keramikhandels sei außerdem noch Christiane Dehl genannt, deren Abhandlung Die korinthische Keramik des 8. und frühen 7. Jhs. V. Chr. in Italien, aus dem Jahr 1984, den wohl bedeutendsten Raum, sowohl zeitlich als auch räumlich, für den Handel abdeckt.

1.3 Herstellungsvorgang

Den Vorgang der Herstellung möchte ich hier nur kurz erläutern, da dieser in anderen Publikationen ausreichend beschrieben ist.2 Im Falle von Korinth seien in diesem Zusammenhang die Penteskouphia-Pinakes genannt. Diese stammen aus dem Poseidonheiligtum von Alt-Korinth und entstanden in einem Zeitraum zwischen dem Ende des 7. und dem Ende des 6. Jh. V. Chr. Die Vorderseite der Pinakes zeigt häufig die Gottheit selbst und bildet somit wohl die eigentliche Weihung. Die Rückseiten jedoch zeigen Bilder aus der Arbeitswelt griechischer Töpfer der archaischen Zeit und bieten somit einen guten Einblick in die verschiedenen Arbeitsabläufe der Töpfer.3

Am Beginn der Herstellung Stand der Abbau des Tons mit der Spitzhacke (Abb. 1), der wiederum in Körben oder Säcken an die Oberfläche und in die Werkstatt transportiert wurde (Abb. 2). Der dabei in der Nähe von Korinth gewonnene Ton bekommt einen hellen Farbton nach dem Brand und unterscheidet sich damit klar vom athenischen Ton, der durch den hohen Eisenoxidgehalt eher rötlich brennt.4 Darauf folgend wurde in sog. Schlämmgruben dem Ton Wasser zugeführt, damit sich die festen Partikel absetzen und der Ton immer feiner wird um eine Verarbeitung zu ermöglichen.5

Bevor man ทนท den Ton auf der Töpferscheibe verarbeitete, wurde dieser noch durch Kneten mit den Füßen bearbeitet. Eine Pinax (Abb. 3) zeigt einen leicht gebückten Greis, der sich an einer über ihm befindlichen Schlinge festhält, die ihm wohl in der Tonmasse Halt geben soll. Rechts neben ihm befindet sich eine sitzende Frau, die, indem sie die Masse in kleinere Klumpen teilt, das darauf folgende Bearbeitungsstadium zeigt. Daran anschließend kam der Ton auf die Töpferscheibe.

An der Unterseite der antiken Töpferscheiben saß in der Mitte ein konisch geformter „Fuß“, der im Boden fest verankert war (Abb. 4). Der Tonklumpen wurde auf dieser Scheibe zentriert und zunächst zu einem zylindrischen Gefäß hochgezogen. Dieser sog. ,Formling‘ bildet den Grundstein eines jeden Gefäßes (Abb. 5). Nachdem er lederhart ausgetrocknet war, begann der Arbeitsschritt des ,Abdrehens‘ bei welchem dem Gefäß seine endgültige Form gegeben wurde. Dies geschah Z.B. mit einer Art Bandeisen (Abb. 6) und wurde, je nach Feinheitsgrad der Keramik, mehr oder weniger aufwendig betrieben. Abschließend wurden noch die Henkel, Knäufe oder auch Reliefappliken angebracht, bevor das Gefäß erneut luftgetrocknet wurde.6 Nachdem diese Arbeitsschritte abgeschlossen waren, wurde das Gefäß nochmals mit einem feuchten Lederlappen sorgfältig geglättet und anschließend bemalt. Dies geschah bei den besonders feinen Exemplaren behutsam mit einem dünnen Pinsel (Abb. 7). Aber auch der Einsatz der Töpferscheibe war möglich wie uns eine weitere Pinax zeigt (Abb. 8). Diese diente v.a. dem Ziehen feiner gleichmäßiger Linien bzw. wie auf der Darstellung zu sehen zur Gestaltung großflächiger und farblich einheitlicher Zonen.7

Der abschließende Arbeitsgang war dann das Brennen der Gefäße, wodurch sie ihre endgültige Farbigkeit, Glanz und Haltbarkeit erhielten. Die antiken Öfen waren dabei Schachtöfen mit aufsteigender Flamme. Die korinthischen Pinakes zeigen einen regulierbaren Typus eines Brennofens. Schürkanal und Kuppel mit zentralem Abzugsloch sind gut zu erkennen (Abb. 9). Es wurde aber natürlich nicht jedes Gefäß einzeln gebrannt, sondern übereinander gestapelt (Abb. 10a) mit der Feinkeramik im Zentrum, auf Grund der dort vorherrschenden gleichmäßigen Hitzeverteilung, wodurch die Gefahr eines Fehlbrandes zusätzlich gemindert wurde. Ein ähnliches, wenn auch nicht realistisches Bild, vermittelt uns abermals eine Pinax aus Korinth. Hier sehen wir ebenfalls eine Brennkammer mit einer großen Menge an Gefäßen, die aber hier wild durcheinander sind, was wohl in der Realität nicht der Fall war (Abb. 10b).8 Nach Abschluss des Brennvorgangs war dann die Keramik bereit für den lokalen und überseeischen Handel bzw. Markt.

2. Eine kurze Entwicklung der korinthischen Keramik

2.1 Die geometrische Zeit

Die geometrische Keramik Korinths orientiert sich, vor allem in früh- und mittel geometri scher Zeit, stark an der gleichzeitig attischen, kann aber die Qualität dieser nie wirklich erreichen. Die Gefäße sind schlicht, zumeist mit einem schwarzen Mehrfachzickzack in einem hellen und gerahmten Feld, dekoriert. In mittelgeometrischer Zeit wird das Fischgräten- oder Winkelmuster zum beliebtesten Ornament (Abb. 11). Hinzu kam, dass das Ornamentband auf beiden Seiten von weiteren Ornamentfeldern abgeschlossen wurde und auf der Unterseite um weitere parallel verlaufende Linien ergänzt wurde. In spätgeometrischer Zeit tauchen die einzigen figürlichen Darstellungen auf Skyphoi auf, die sog. „Wire-Birds“ (Abb. 12). Die beliebtesten Vasenformen dieser Phase sind zum einen Kratere und zum anderen Kotylen bzw. Skyphoi.9

2.2 Die orientalisierende bzw. protokorinthische Phase

Die Frühprotokorinthische Zeit (720 - 690 V, Chr,10 )

Das Schema der geometrischen Zeit mit sorgfältig parallel gezogenen Linien wurde auch in frühprotokorinthischer Zeit übernommen, jedoch wurde es erweitert um ein paar neue Elemente. Charakteristische Motive sind mit der freien Hand gezogene Ranken- und Pflanzenmotive, sowie gepunktete Schlangen, die meist auf der Schulter von Oinochoen und Aryballoi aufgetragen wurden. Die Schultern der Gefäße sind außerdem mit Strahlen bzw. Dreiecken geschmückt (Abb. 13). Daneben erscheinen ทนท auch die für die korinthische Keramik typischen Rosetten, die sich ab hier durch alle Zeitstufen ziehen. Sie sind in dieser Phase blüten- oder sternförmig. Figuren erscheinen auf den Gefäßen nicht mehr als schwarze Silhouetten wie in geometrischer Zeit, sondern als Umrisszeichnungen auf dem hellen Tongrund (Abb. 14). Die beliebteste Gefäßform dieser Zeit war der runde Aryballos mit flacher Basis und kreisförmiger Mündung, der wohl zur Aufnahme von Parfum oder öl diente.11

Die Mittelprotokorinthische Phase (690 - 650 V, Chr.)

In dieser Phase bildet sich die für die protokorinthische Zeit typische Rosette aus. Sie besteht aus Punkten, die mit Speichen verbunden sind. Des Weiteren ist in dieser Phase zu beachten, dass die Figuren jetzt nicht mehr als Umrisszeichnung ausgeführt sind, sondern bereits in der schwarzfigurigen Technik (Abb. 15). Auch werden erstmals mehr oder weniger eindeutige mythologische Szenen dargestellt, wie Z.B. die Darstellung von Zeus und Typhon bzw. Herakles und Pholos durch den Ajax-Maler (Abb. 16). Ein letztes Charakteristikum das sich in dieser Zeit durchsetzt und typisch für die korinthische Vasenmalerei werden soll, ist der Strahlenkranz, der im Normalfall oberhalb des Fußes angebracht war.

Es ändert sich in dieser Phase aber nicht nur das Dekor der Gefäße, sondern auch ihre Formen. Die Aryballoi verjüngen sich stark zum Fuß hin, wodurch die Schulter zur breitesten Stelle des Gefäßkörpers wird (Abb. 15/16). Neue Gefäßformen in dieser Periode sind das Alabastron, die Olpe und der Skyphos. Diese Formen treten aber eher seltener in Erscheinung.12

Die spätprotokorinthsiche Zeit (650 - 630 V, Chr.)

Als Herausragendes Stück der der spätprotokorinthisehen Zeit sei hier die Chigi-Olpe genannt, die exemplarisch für diese Phase Stehen soll (Abb. 17). Ihr Körper ist mit drei Friesen versehen. Im oberen Fries sieht man Hopliten, die in einer Phalanx Schild an Schild vorrücken. Der mittlere Fries besteht aus insgesamt drei Szenen: dem Parisurteil, drei Reiter die von einem Wagen angeführt werden und eine letzte die eine Löwenjagd zeigt und von der vorherigen Szene durch eine Doppelsphinx abgegrenzt ist. Der dritte unterste Fries zeigt abschließend eine Hasenjagd.

Dieses Gefäß zeigt sämtliche Neuerungen der spätprotokorinthischen Zeit. Zum ersten tragen die Figuren des mittleren Frieses neben ihren Köpfen erstmals beigeschriebene Namen, wobei aber nicht das korinthische, sondern das westgriechische Alphabet Verwendung fand. Zum Zweiten haben wir ทนท keine rein schwarzfigurige Technik mehr, sondern eine schwarz-polychrome Technik, die bewirkt, dass Z.B. die Haut der Männer ทนท rötlich-braun ist und die Helme und Brustpanzer gelb gestaltet sind. Was die Formen der Gefäße in dieser Zeit anbetrifft, so waren weiterhin kleine Gefäße sehr beliebt, wie Z.B. runde Aryballoi mit breiter Mündung.13

2.3 Die korinthische Phase

Die Übergangszeit (640 - 625 V, Chr)

In der Übergangszeit scheint das rege Interesse protokorinthischer Maler an mythologischen Bildern verschwunden. Tiere und orientalische Mischwesen ersetzen Schlachten, Rennen und Jagdszenen der spätprotokorinthischen Phase (Abb. 18). Lediglich vereinzelt erscheinen auf Aryballoi neben den Tierfriesen Bilder des alltäglichen Lebens, sowie auch mythologische Szenen. Allgemein waren in dieser Phase neben Aryballoi, welche in ihrer kugeligen Form zu tausenden produziert wurden, auch Alabastra und Kotylen bzw. Skyphoi sehr beliebt. Letztere behalten ihre Ornamente auf dem Rand bei und hinzu kommt ein Strahlenkranz über dem Fuß und ein Tierfries mit zumeist überdehnten Tieren in der Mitte (Abb. 19). Am besten ist der Übergangsstil jedoch an der Rosettengestaltung zu erkennen. Dabei gibt es Punktgruppen - Rosetten ohne Speichen denen verschmolzene Punktrosetten und zuletzt ein Punkt in einem Kreis folgen. Erst am Ende erscheint die geritzte Klecksrosette, die chrakteristisch für die korinthische Vasenmalerei ist (Abb. 20).14

Frühkorinthische Zeit (625 - 600 V, Chr.)

In dieser Periode sind fast ausschließlich kleine Aryballoi von Bedeutung. Dabei sei v.a. der Duell-Maler genannt, der diese mit Kampfszenen versah (Abb. 21). Auf größeren Gefäßen hingegen, die sehr selten sind, sind v.a. Tierfriesen aufgemalt. Allgemein haben wir in Frühkorinthischer Zeit eine Tendenz zur Vereinfachung, zur Streckung und Gruppierung der Figuren. Eine weitere Besonderheit dieser Zeit ist die Einführung einer neuen Gefäßform: des Kolonettenkraters (Abb. 22). Dieses Gefäß wurde, wie auch andere größere Formen, mit verschiedenen Friesen dekoriert, die zu dieser Zeit zumeist Tiere bzw. mythologische Wesen zum Thema hatten.15 Eine Ausnahme bildet jedoch der Eurytios-Krater. Auf diesem ist im Hauptfeld ein Symposium dargestellt und lediglich auf dem Mündungsteller ein Tierfries.

Mittelkorinthische Periode (600 - 575 V, Chr)

Die Figuren der mittelkorinthischen Zeit sind mit reichlich Deckfarbe und Reihen weißer Punkte versehen (Abb. 23). Daneben kommt es zu einer fast inflationären Benutzung von Klecksrosetten auf den verschiedenen Gefäßarten, durch welche bewirkt werden sollte, dass es keine größeren offenen Flächen mehr gibt.16 Des Weiteren wurden die kugeligen Aryballoi größer und erhielten eine flache Standfläche. Neben den üblichen kleinformatigen Gefäßen wie Aryballoi und Alabastra, sowie Skyphoi und Olpen, haben wir ทนท auch erstmals eine verstärkte Produktion vonPyxiden (Abb. 24).17

Die spätkorinthische Periode (575 - 550 V. Chr.)

In der frühen Phase dieser Periode versahen die Maler ihre Vasen Z.T. mit einem rötlichen Überzug, der höchstwahrscheinlich den Kontrast zwischen der weißen Farbe und dem Untergrund verstärken sollte (Abb. 25). Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass das Farbschema der immer attraktiver werdenden attischen Keramik nachgeahmt werden sollte. Daneben ist außerdem der großflächige Gebrauch weißer Deckfarbe charakteristisch (Abb. 26). Auch ist es die Zeit in der Schalen nahezu einen gleichwertigen Beliebtheitsgrad haben wie Skyphoi. Sie sind auf der Außenseite mit mythologischen Szenen versehen und auf der Innenseite zumeist mit einem Gorgoneion, wie man es bereits in mittelkorinthischer Zeit hin und wieder beobachten konnte (Abb. 27). Auch die Kolonettenkratere entwickeln sich in dieser Phase weiter bzw. orientieren sich zum Teil an attischen Exemplaren. So haben wir ทนท zumeist zwei Friese (Abb. 26): einen größeren in der Henkelzone, der meist eine Szenerie mit verschiedenen Personen darstellt und einen kleineren Tierfries darunter. Auch treten wieder verstärkt Bilder von Menschen auf, die in den vorhergehenden Phasen eher selten waren.18

In der darauffolgenden Zeit setzt, auf Grund des immer stärker werdenden attischen Marktes, der endgültige Verfall der korinthischen Keramik ein. So haben wir nach 550 V. Chr. vor allem Kugelaryballoi die mit einem Vierblattmotiv in großen Mengen (Abb. 28).

3. Korinth

In diesem Kapitel wollen wir uns kurz mit der Geschichte Korinths in dem für uns relevanten Zeitraum, d.h. vom 9. bis etwa zur Mitte des 6. Jh. V. Chr, beschäftigen. Ebenfalls soll kurz das Töpferviertel Korinths, das Potters' Quarter vorgestellt werden, um einen wenigstens geringen Einblick in die Größe der Keramikproduktion zu erlangen.

3.1 Abriss zur Geschichte Korinths während der großen Kolonisation

Laut Thukydidės19 war Korinth eine dorische Siedlung. Der genaue Zeitpunkt der Einwanderung der Siedler ist aber unklar. Vermutet wird zwar ein Zeitraum um 900 V. Chr., jedoch ist dies nicht mit Sicherheit zu sagen.20 Jedenfalls wurde Korinth nach der Übernahme durch die Dorer von Königen beherrscht, deren erster Aletes war. Jedoch ist diese Zeit in der historischen Überlieferung sehr unklar und somit schwer für uns fassbar.21

Der Umbruch von der anfänglichen Monarchie hin zur Oligarchie fand in der Regierungszeit der Bakchiaden statt. Laut Eusebius datiert man dieses Ereignis in das Jahr 777 V. Chr., nach Apollodor jedoch in Jahr 747 V. Chr.22 Die Herrschaft der Bakchiaden dauerte bis in die Mitte des 7. Jh. V. Chr., als sie durch den Tyrannen Kypselos gestürzt wurden.

In ihre Regierungszeit fällt jedoch die für unserer Betrachtung wichtige Gründung von Syrakus 733 V. Chr. unter der Leitung des Archias.23 An dieser Gründung ist auch eine gute Beziehung zu Chalkis, das zu jener Zeit die vorherrschende Macht im Bereich der Kolonisation war, zu sehen, was u.a. an den korinthischen Münzgewichten festzumachen ist, die sich an den chalkidischen orientieren.24 Wohl in dieselbe Zeit fällt, nach Strabon, die Gründung einer Kolonie auf Korkyra, wobei der genaue Gründungszeitpunkt unklar ist. Man vermutet jedoch eine Gleichzeitigkeit zur Gründung von Syrakus.25 Der genaue Grund für die Kolonisationsbewegung Korinths ist unklar, wobei man annimmt, wie bei jeder Stadt, dass sie dazu diente die Größe der Bevölkerung zu reduzieren, was natürlich auch Nahrungsgründe hatte und ebenfalls um neue Absatzmärkte zu schaffen.26

Auch schwierig ist zu sagen wie die Beziehungen Korinths zu seinen Nachbarn im 8. Jh. V. Chr. war. Wir können annehmen, dass die Korinther ein wohl eher schlechtes Verhältnis zu Argos hatten. Dies ist, laut Dehl, daraus zu schließen, dass Korinth an der Seite Spartas im ersten Messenischen Krieg Stand. Auch ist unklar, ob sich die Konflikte mit Megara bereits ins 8. Jh. verorten lassen. Klar ist auf jeden Fall, dass zu dieser Zeit neben der Piraeis auch die Heraeis, die Landzuge auf der Perachora gelegen ist, an Korinth gekommen sind.27

In dieser frühen Zeit (8.Jh. V. Chr.) lässt sich die Bedeutung Korinths nur zu einem sehr geringen Grad an den literarischen Quellen bemessen. Viel bedeutender ist das Aufkommen der größeren Keramikproduktion in der ersten Hälfte des 8. Jh. V. Chr. und deren bereits große Bedeutung am Ende des 8. Jh. V. Chr.28 Auch geht mit dieser Zeit der wachsende Wohlstand Korinths einher, was wohl ebenfalls durch den Exportmarkt begründet ist.29

Wie oben bereits erwähnt beginnt unter Kypselos, der von 613 - 583 V. Chr. regierte, die Umstrukturierung Korinths zu einer Tyrannis, über seine Regierungszeit wissen wir wenig genaues. Laut Herodot30 war er ein grausamer Tyrann, der aber im Allgemeinen glücklich regierte. Auch versuchte er weniger durch Kriege die wirtschaftliche Macht Korinths zu steigern, sondern eher auf friedlichem Wege durch die Gründung verschiedener Kolonien. Den Korkyraiern gegenüber, die sich damals durch die Gründung von Epidamnos auf dem Festland auszubreiten suchten, sicherte er die Küste von Akarnanien und Epeiros durch die Anlage von Leukas, Solion, Anaktorion und Ambrakia.31 über seine weitere auswärtige Politik sind wir nur spärlich informiert. Wir wissen, dass er mit den großen Heiligtümern gute Beziehungen unterhielt, was u.a. an dem Bau eines Schatzhauses in Delphi zu erkennen ist32 und an der Stiftung wertvoller Weihgeschenke nach Delphi und Olympia.33

Unter seinem Nachfolger Periandros (583 - 543/2 V. Chr.) erreichte die Tyrannis in Korinth ihren Höhepunkt. Auf Grund vieler widersprüchlicher Äußerungen antiker Autoren kann man kein einheitliches Bild Korinths unter seiner Herrschaft zeichnen. Mit relativer Sicherheit kann man nur behaupten, dass die Stadt unter ihm weitreichenden Einfluss hatte, sowie wirtschaftlich und industriell in höchster Blüte Stand. Außenpolitisch gesehen verfolgte er dabei eine eher kriegerischere Herangehensweise als noch sein Vater, was u.a. an der Unterwerfung von Korkyra und dem Krieg gegen Epidauros zu erkennen ist. Freundschaftliche Beziehungen hingegen unterhielt er zu Chalkis, Samos, zu Ägypten unter Psammetichos II. und sogar zu Athen unter Solon.34

[...]


1 Vgl. Manmck 2002, 85.

2 Zu diesem Vorgang siehe für kurze Informationen Mannack 2002, 23-30 oder auch Boardman 2001, 139-152. Die mit ausführlichste Darstellung gibt uns Ingeborg Scheibler in ihrem Werk zur Griechischen Töpferkunst (Vgl. Scheibler 1983, 71-134).

3 Vgl. Zimmer 1982, 26.

4 Vgl. Zimmer 1982, 26.

5 Vgl. Geoponica VI 3,3 : „Wer Gefäße fertige will, sollte darauf achten, dass der Ton vorher gut bearbeitet worden ist und dass er nicht auf die Töpferscheibe gelangt, ehe er nicht deutlich zeigt, wie der fertige Topf aussehen wird.“ (Übersetzung nach Scheibler 1983, 74).

6 Vgl. Scheibler 1983, 76-79.

7 Vgl Scheibler 1983, 82-85

8 Vgl. Scheibler 1983, 98-103.

9 Vgl. Manmck 2002, 82-83; Boardman 1998, 48-49.

10 Die Datierungen der einzelnen Zeitstufen orientieren sich v.a. an Mannack 2002 der sich wiederum vor allem auf Payne bezieht und die mehr oder weniger aktuellste Einordnung hat. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Zahlen in keinem Fall als absolut anzusprechen sind, sondem lediglich als ungefähre Richtschnur, an der die Entwicklung der korinthischen Keramik deutlich gemacht werden kann.

11 Vgl. Mannack 2002, 85; Boardman 1998, 85; Amyx 1988, 364-366.

12 Vgl. Mannack 2002, 86; Boardman 1998, 86; Amyx 1988, 366-369.

13 Vgl Mannack 2002, 86-87; Boardman 1998, 87-88; Amyx 1988, 369-371.

14 Vgl. Mannack 2002, 100-101; Amyx 1988, 372-375.

15 Vgl Mannack 2002, 102; Amyx 1988, 375-379.

16 Das Phänomen des Verfüllens möglichst aller freien Fläche wird als horror vacui bezeichnet, also die Angst vorm leeren Raum. Ob es sich dabei jedoch wirklich um eine „Angst“ handelte ist fraglich. Vielmehr ist meines Erachtens nach eine Änderung in der Mode bzw. des Geschmacks zu betrachten, die dadurch zum Ausdruck gebracht wird.

17 Vgl. Mannack 2002, 101; Amyx 1988, 379-386

18 Vgl. Mannack 2002, 101-102; Amyx 1988, 387-395.

19 Vgl. Thuk. 4, 42.

20 Vgl Delil 1984, 159.

21 Zwar werden entsprechende Königslisten bei Pausanias (2, 3f.) und Diodor (7, 9) überliefert, aber diesen ist wohl nicht allzu viel Wahrheitsgehalt zuzusprechen - Vgl. Dehl 1984, 160.

22 Vgl. Dehl 1984, 160.

23 Vgl Thuk. 6,3, 2.

24 Vgl Lenschau 1924, 1014.

25 Vgl Strab. 6, C, 269Í; Plut. Qu. Gr. 11.

26 Vgl. Salmon 1997, 95.

27 Vgl. Dehl 1984, 161-162.

28 Vgl Dehl 1984, 168.

29 Vgl Salmon 1997, 95.

30 Vgl Hell. 5, 92.

31 Vgl. Lenschau 1924, 1018.

32 Vgl Hdt. I. 14.

33 Vgl. Lenschau 1924, 1019.

34 Vgl Lenschau 1924, 1019-1021.

Details

Seiten
43
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668843011
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451395
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Schlagworte
Archäologie Attika Athen Korinth Griechenland Handel Keramik antike Keramik korinthische Keramik 8.Jh.v.Chr. 6. Jh.v.Chr. Ägypten Syrien Schwarzes Meer Geschichte Buch Sizilien Etrurien Etrusker Unteritalien Naukratis Spanien Frankreich

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