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Der Dritte Punische Krieg. Römischer Präventivschlag oder Angriffskrieg?

Hausarbeit 2018 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort und Formulierung der Forschungsfrage

Hauptteil
Der Friedensvertrag des Zweiten Punischen Krieges
Die Zwischenkriegszeit: Der Weg in den letzten Kampf
Das janusköpfige Spiel der Römer: Welchen Plan verfolgen sie mit den Ultimaten?
Die Zerstörung Karthagos

Abschließendes Fazit:
Wie konnte es so weit kommen?

Quellen-/Literaturverzeichnis

Vorwort und Formulierung der Forschungsfrage

„Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“.[1]

Beschäftigt man sich mit dem letzten Kapitel karthagischer Staatsgeschichte, so wird man früher oder später mit Sicherheit auf diesen Satz stoßen. Gesagt wurde er angeblich von Cato dem Älteren, der jede seiner Reden im Senat mit diesen Worten schloss. Auch wenn die historische Authentizität dieses in der von Plutarch verfassten Biografie Catos auftauchenden Zitats umstritten ist und es vermutlich nie in dieser Form ausgesprochen wurde, so lässt sich doch schon einiges aus ihm bezüglich der Punischen Kriege erkennen. Es zeigt dem an der Vergangenheit interessierten Leser, dass Geschichte höchst wandelbar und ambivalent ist: Die Beziehung zwischen Rom und Karthago nämlich ist eine solche, die anfangs durchaus von gegenseitigem Respekt, freundschaftlichen Verträgen, Zusicherungen geprägt ist. Später dann schlägt dieses Verhältnis in einen totalen Krieg um, der den ganzen Mittelmeerraum destabilisiert und an dessen Ende nur einer von beiden Staaten weiterhin bestehen kann. Auch das zeigt dieses Zitat.

Die Punischen Kriege sind in den beiden Jahrtausenden immer schon stilisiert, glorifiziert, mystifiziert wurden, so als würde es sich eher um ein gutes Buch handeln, denn um eine Kette historischer Ereignisse.

Diese aber schließt mit dem Dritten Punischen Krieg, dem letzten Aufeinandertreffen der beiden Gegner, welcher in der folgenden Arbeit in Zuhilfenahme historischer Quellen wie Polybios, Livius, Diodor und Appian dargestellt und präsentiert werden soll.

Primär soll sich im Folgenden auf die römischen Motive und die daraus resultierende Politik konzentriert werden: Was bewegte den römischen Senat, diesen letzten Waffengang gegen den einstigen Rivalen zu führen? Welche Pläne wurden mit den Ultimaten an den karthagischen Staat verfolgt? Und zuletzt: War der römische Casus Belli überhaupt gerechtfertigt? War die Zerstörung Karthagos ein Vertragsbruch, ein Angriffskrieg oder möglicher ein Präventivschlag, durch den das erneute Ausbrechen eines Weltkriegs möglichst schnell im Keim erstickt werden sollte?

Hauptteil

Der Friedensvertrag des Zweiten Punischen Krieges

Der Zweite Punische Krieg in seiner gewaltigen Dimension auf mehreren Schauplätzen hatte den Kontrahenten enorme Kräfte abverlangt. Selbst die Verluste der letztlich siegreichen Römischen Republik scheinen enorm gewesen zu sein. Angeblich seien nicht weniger als 400 Städte in Italien durch die Karthager unter ihrem General Hannibal zerstört worden.[2] Über die vollständigen Verluste an zivilen und militärischem Personal im jahrelangen Konflikt liegen keine exakten Daten vor, doch es kann geschätzt werden, dass diese auf römischer Seite ebenfalls sehr hoch waren. Allein am Trasimenischen See seien 15.000 Römer[3] gefallen und in der Schlacht von Cannae hätten sogar 70.000 Römer[4] den Tod gefunden. Nachdem die Karthager bei Zama 202 v. Chr. eine vernichtende Niederlage erlitten hatten und bereit waren, bedingungslos zu kapitulieren, war der römische Senat deshalb offensichtlich uneinig über die weitere Zukunft des bezwungenen Feindes. Auch angesichts der enormen Verluste kamen Forderungen auf, ein Exempel zu statuieren und den besiegten karthagischen Staat vollständig auszulöschen, was zum Beispiel der damalige Konsul Cornelius Lentulus vorgeschlagen haben soll.[5]

Letztlich setzten sich aber die Befürworter einer moderaten Lösung um den Kriegshelden Scipio den Älteren durch, wobei der griechische Historiker Appian die Argumentation beider Seiten in seinem Werk ausführlich schildert. So wurde unter Anderem angeführt, dass die Römer schon zuvor besiegte Feinde mit Gnade behandelt hätten[6] und die Eliminierung Karthagos die Römer möglicherweise zu sorglos gemacht hätte.[7]

„Nachdem sich Publius derart geäußert hatte, führte der Senat eine namentliche Abstimmung durch, und die Mehrzahl trat Scipios Auffassung bei. So kam der dritte Vertrag zwischen Römern und Karthagern zustande.“[8], fasst Appian das Fazit der Debatte in seiner Chronik zusammen.

Aber nicht nur die Entstehungsgeschichte, sondern gerade auch die Bedingungen dieses Friedensvertrags sind für die aufgeführte Forschungsfrage von höchstem Interesse.

In der jüngeren Geschichtswissenschaft hat sich spätestens seit den beiden Weltkriegen zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass unter gewissen Umständen ein Friedensschluss in seinen Klauseln Gründe für neue Konflikte geben kann, wobei nicht selten sogar Parallelen zwischen modernen Kriegen und der Beziehung Roms und Karthagos gezogen werden[9] und es ist sicherlich bekannt, dass der Vertrag letztlich keine endgültige Klärung der Verhältnisse bewirkte, sondern nur eine Atempause für alle Beteiligten darstellte.

Eine Darstellung des Inhalts findet sich beim griechischen Autoren Polybios. Dieser soll im Folgenden kurz zusammengefasst und anschließend beurteilt werden.

Polybios leitet ein, indem er zuerst die Zugeständnisse an die Karthager präsentiert, welche die Zusprache aller Städte und Besitztümer in Nordafrika, die von ihnen schon vor dem Krieg okkupiert gewesen waren, die Garantie von Frieden und einer Wahrung der eigenen Gesetze und Traditionen waren. Im Gegenzug wurden alle karthagischen Besitztümer außerhalb Lybiens von den Römern annektiert, Gefangene, Überläufer und Elefanten sollten ausgeliefert werden, dazu mussten die Karthager alle Kriegsschiffe bis auf 10 zerstören, noch 100 Geiseln ausliefern, verpflichteten sich keine Kriege ohne Erlaubnis von Rom zu führen und Reparationen von 10.000 Talenten über 50 Jahre zu errichten.[10]

Beurteilend lässt sich sagen, dass die Friedensbedingungen harsch waren: Durch das Zerstören fast aller Kriegsschiffe wurde die einstige maritime Großmacht enorm geschwächt, der Verlust aller Gebiete außerhalb Afrikas und die Auslieferung der Elefanten beschnitt das militärische Potential der Karthager frappierend. Deutlich schwerer wogen aber noch die anderen Forderungen: Man begab sich quasi in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Rom, wie die Reparationen über 50 Jahre und das Verbot der Kriegsführung beweisen, wodurch die außenpolitische Souveränität des Staatswesens de facto beendet war. Dennoch müssen die römischen Garantieversprechen wie ein Zugeständnis erschienen sein: Schließlich wurde im Senat des Kriegssiegers sogar über eine völlige Vernichtung des Feindes diskutiert. Diese war nun bis auf unbestimmte Zeit abgewendet und die letzte Zwischenkriegszeit setzte ein.

Die Zwischenkriegszeit: Der Weg in den letzten Kampf

Dass der neuerliche Friedensvertrag zwischen den Parteien schon unter einem schlechten Stern stand, zeigen die Ereignisse, die sich unmittelbar danach ereigneten: Der römische Verbündete in Nordafrika und König der Numidier „Masinissa aber nahm aus Groll gegen die Karthager und gestützt auf die Freundschaft der Römer den erstgenannten sogleich einen Großteil ihres Landes mit der Behauptung ab, es habe ihm selbst einmal gehört.“[11] Eigentlich stellte diese Handlung einen klaren Verstoß gegen die oben aufgeführten Friedensbindungen da, nach denen den Karthagern ihre Besitztümer in Nordafrika garantiert werden sollten. Die Römische Republik schickte auf deren Bitte dann auch Gesandte, die jedoch schon im Voraus angewiesen worden waren, Masinissa zu begünstigen, wodurch ihm das eroberte Land zugesprochen wurde.

Dennoch erholte Karthago sich nicht nur von diesem Vorfall sehr schnell wieder, sondern konnte allmählich auch die Schäden des Zweiten Punischen Krieges überwinden, was auf das fruchtbare Umland und die günstige Lage zurückzuführen sei. Die Stadt wuchs bald an Macht und Bevölkerung wieder enorm an. So bildeten sich nun mehrere Parteien im Staatswesen heraus, von denen eine zu Rom hielt, eine zu Masinissa und eine weitere, die als „demokratisch“ bezeichnet wurde.[12]

Rund 50 Jahre nach dem letzten Krieg war es diese Konstellation, die den Konflikt angeblich wieder ausbrechen ließ. Die Demokraten stifteten die karthagischen Hilfstruppen demnach an, die numidischen Untertanen Masinissas, die im Umland lebten, zu attackieren und zu töten, was dann auch geschah. Die Numidier reagierten aggressiv und der Grenzstreit rief erneut Rom auf den Plan, deren Gesandte aber keine Erklärung abgaben aus Sorge, ihr Verbündeter Masinissa, den sie erneut begünstigen sollten, würde in einem Rechtsstreit unterliegen. Stattdessen wartete man im Senat ab, bis die Numidier den Karthagern schwere Schäden zugefügt hatten. Erst jetzt schlugen die Römer vor, den Streit durch ihre Schiedsrichterschaft zu klären, was König Masinissa auf seine enge Freundschaft zu den Gesandten vertrauend zusagte, die Karthager hingegen reagierten zögerlich, da sie den Römern misstrauten und nur auf den Friedensvertrag verweisen wollten. Die römischen Botschafter um den Politiker Cato zogen daher unverrichteter Dinge wieder ab.[13] Überspitzter formuliert Livius das Aufeinandertreffen. Demnach hätte ein karthagischer Magistrat mit dem Namen Gesco die Bevölkerung gegen die Gesandtschaft aufgestachelt und diese konnte nur knapp vor der ausbrechenden Gewalt entkommen.[14] Letzte Verhandlungen waren gescheitert.

[...]


[1] Vgl Plutarch: Das Leben Cato des Älteren 26-27.

[2] App. Libyke 280.

[3] Polyb. 3,84.

[4] Polyb. 3, 117.

[5] App. Libyke 273.

[6] App. Libyke 255.

[7] App. Libyke 290.

[8] App. Libyke 289.

[9] Siehe: Kolb, Frank: Die Debatte zur Schuld am Zweiten Punischen Krieg, in: Karl-Ernst Petzold (Hg.): Geschichtsdenken und Geschichtsschreibung. Kleine Schriften zur griechischen und römischen Geschichte (Historia-Einzelschriften, Band 126), Stuttgart 1999, S. 538.

[10] Vgl. Polyb. 15, 18.

[11] App. Libyke 302.

[12] App. Libyke 302-304.

[13] App. Libyke 306-312.

[14] Liv. 49,2.

Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668858947
ISBN (Buch)
9783668858954
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451617
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Institut für Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Römische Antike Karthago Punische Kriege Dritter Punischer Krieg

Autor

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Titel: Der Dritte Punische Krieg. Römischer Präventivschlag oder Angriffskrieg?