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Die Entstehung der Verschwörungstheorien zum Attentat auf John F. Kennedy

Seminararbeit 2016 21 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Kennedy als amerikanischer Mythos

2 Der Ablauf des Attentats

3 Gründe für die Entstehung der Verschwörungstheorien
3.1 Kennedys Politik
3.1.1 Außenpolitische Aspekte
3.1.1.1 Die Kubakrise
3.1.1.2 Die Vietnamkrise
3.1.1.3 Die Sowjetunion und der Kalte Krieg
3.1.2 Innenpolitisch Aspekte
3.1.2.1 Die Bürgerrechtsbewegung
3.1.2.2 Die Geheimdienste
3.1.2.3 Die amerikanische Mafia
3.2 Ergebnisse der Analyse des Beweismaterials
3.2.1 Der Bericht der Warren-Kommission
3.2.2 Die Magic-Bullet-Theorie
3.2.3 Die Obduktionsergebnisse
3.2.4 Die Aussagen der Zeugen
3.3 Der Attentäter
3.4 Die Stimmung in der Bevölkerung
3.5 Die Rolle Jacqueline Kennedys

4 Fazit der Analyse

5 Anhang

6 Literaturverzeichnis
6.1 Bibliographie
6.2 Quellen
6.3 Bildquellen

1 Kennedy als amerikanischer Mythos

„Der größte Feind der Wahrheit ist nicht die Lüge - absichtsvoll, künstlich, unehrlich -, sondern der Mythos - fortdauernd, verführerisch und unrealistisch.“[1]

Mit diesem Zitat hat John F. Kennedy, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, eine Aussage getroffen, die heutzutage auf ihn selbst projiziert werden kann. Er wird noch heute als einer der erfolgreichsten und beliebtesten Präsidenten von Amerika gesehen, doch ranken sich auch viele Geheimnisse um seine Person. Sein hohes Ansehen in der Bevölkerung verursachte nach dem Attentat am 22. November 1963 ein Entsetzen, das „[den] Traum von einem anderen, besseren Amerika […] abrupt [beendete]“[2]. Er brachte mit seinem Charisma, seiner Jugend und seiner viel versprechenden Politik, Hoffnung für die amerikanischen Bürger in einer Zeit voller Krisen. Noch heute versuchen zahlreiche Wissenschaftler die Wahrheit über den Politiker und seiner Ermordung ans Licht zu bringen, „doch der Mythos ist meist mächtiger als sie“[3].

Ich habe mir im Rahmen meiner Seminararbeit die Frage gestellt, woraus die zahlreichen Verschwörungstheorien nach dem Tod des Präsidenten entsprungen sind. Diese Frage ist besonders interessant, da zum einen sehr viele davon existieren und es bis heute keine klare Antwort auf die Frage gibt, ob eine davon zutrifft. Zum anderen glauben bis heute unzählige Amerikaner nicht an die Alleintäterschaft des verhafteten Oswalds, sondern an eine Verschwörung gegen den Präsidenten[4]. Um meine Frage zu beantworten werde ich mich besonders auf Kennedys Politik konzentrieren, die als Motiv gedient haben könnte, ihn zu ermorden. Des Weiteren müssen die Grundlagen für die Verschwörungstheorien, wie zum Beispiel der Bericht der Warren-Komission, die „Magic-Bullet-Theorie“ und weitere Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungen, analysiert werden. Weitere Punkte, auf die ich eingehen werde, sind die Stimmung in der Bevölkerung, der Attentäter und die Rolle von Jacqueline Kennedy. Daraus lässt sich meine zentrale Frage über den Ursprung der Theorien beantworten.

2 Der Ablauf des Attentats

Am 22. November 1963 reisten Präsident Kennedy und seine Frau nach Dellas, dessen Bevölkerung gezeigt hatte wie wenig sie von Kennedy und seiner Politik hielten. Deshalb musste er für den anstehenden Wahlkampf die Menschen dort wieder für sich gewinnen. Um 11:50 Uhr fuhr er in seiner Präsidentenlimousine los um sich den Leuten zu zeigen. Dabei hat er das Dach des Wagens abnehmen lassen. Vor dem Präsidentenpaar saßen der texanische Gouverneur Connally und seine Frau. Als die Limousine von der Houston Street in die Elm Street abbog, fielen um 12:30 Uhr drei Schüsse in wenigen Sekunden. Eine davon traf den Präsidenten in den Kopf und fügte ihm eine massive Wunde zu. Der Wagen fuhr in das Parkland Hospital, jedoch war jede Hilfe für den Präsidenten zu spät. Um 13 Uhr wurde er für tot erklärt. Kurz darauf wurde Lee Harvey Oswald verhaftet, nachdem er einen Polizisten erschossen hatte. Er wurde schnell als Täter identifiziert und sollte in ein anderes Gefängnis überführt werden, wobei er jedoch von Jack Ruby ermordet wurde.[5]

3 Gründe für die Entstehung der Verschwörungstheorien

3.1 Kennedys Politik

3.1.1 Außenpolitische Aspekte

3.1.1.1 Die Kubakrise

Nach dem Sturz des kubanischen diktatorischen Präsidenten Fulgencio Batista 1958 durch Fidel Castro verschlechterte sich die anfangs gute Beziehung Kubas zu den Vereinigten Staaten immer mehr. Wiederholt vorkommende Anschläge der CIA auf Castro führten zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA sowie zu einem Handelsembargo. „In gewisser Weise trieb all das Castro erst recht politisch auf die andere Seite, in den Ostblock“[6]. Durch die nun starke Verbindung zu der Sowjetunion hatte die USA einen Verbündeten der Sowjets „unmittelbar vor der Haustür“[7]. Dadurch gewannen immer mehr kubanische Exilgruppen Einfluss auf die Politik in den USA und forderten einen Angriff auf das nun kommunistische Kuba. Die CIA drängte bereits kurz nach Kennedys Amtsantritt zu einem Sturz Castros durch in Guatemala ausgebildete Exilkubaner. So begann die Invasion der Schweinebucht, die in einer Katastrophe endete und vielen Menschen das Leben kostete. Jedoch gab die CIA den Versuch nicht auf, Castro zu beseitigen und ergriff weitere Maßnahmen gegen ihn, wie die Operation „Mongoose“. Als die Sowjetunion atomare Raketen auf Kuba stationierte, begann die bedrohlichste Zeit des Kalten Krieges, die jedoch nach einer hitzigen Konfrontation und Verhandlungen der beiden beteiligten Seiten über den Abzug der atomaren Raketen, abgewendet werden konnte. Teil der Abmachungen war die Garantie der Sicherheit für Kuba. Nach dieser Krise bleiben aber die Exilkubaner unbefriedigt, die weiter das Ziel verfolgen, Castro zu stürzen. Eine verbreitete Verschwörungstheorie führt die Schuld auf eben diese Exilkubaner zurück. John F. Kennedy hatte nach dem Ende der Operationen zur Vorbereitung auf eine weitere Invasion keine weiteren Bemühungen gezeigt, Kuba unter Druck zu setzen oder weiter offensiv gegen das dortige Regime vorzugehen, um keine Wiederholung der Konfrontation mit der Sowjetunion zu riskieren. Des Weiteren fühlten sie sich verraten, da Kennedy keine Unterstützung bei der Schweinebuchtinvasion bot. Dies sind die Gründe, weshalb viele in Betracht ziehen, dass Exilkubaner, aus Frust über die Abwendung Kennedys, Castro ermorden zu lassen, Oswald auswählen, die tödlichen Schüsse abzugeben[8]. Außerdem sei Oswald nicht zufällig gewählt worden, denn er sei leicht zu manipulieren gewesen und sei als eine Spielfigur missbraucht worden, im Glauben Verbündete in der scheinbar linksgerichteten Verschwörung gefunden zu haben. In Wahrheit sei er nur gebraucht worden, um die alleinige Schuld für den Mord auf sich zu nehmen[9].

Eine weitere mit Kuba zusammenhängende Theorie beschreibt Fidel Castro als wahren Hintermann bei dem Attentat auf Kennedy. Durch die Ermordung rächt Castro den jahrelangen Konflikt und die vielen Versuche der CIA, ihn umbringen zu lassen und sein Regime zu stürzen. Dazu habe der kubanische Geheimdienst G-2 Oswald in Mexiko rekrutiert und ihm den Auftrag erteilt, John F. Kennedy zu eliminieren. Des Weiteren sollen neue Beweise und Zeugenaussagen früherer FBI-Angehöriger, die nach dem Attentat die Spuren Oswalds verfolgten, jedoch von Lyndon B. Johnson zurück gerufen wurden, da er eine erneute Eskalation mit der Sowjetunion fürchtete, Indizien für Castros Schuld geliefert haben. Auch die Mitglieder des kubanischen Geheimdienstes sollen genaue Details über Oswald und dem ihm auferlegten Auftrag preisgegeben haben.[10] Durch die ans Licht gebrachten Nachweise hat diese Verschwörungstheorie viele Anhänger, darunter auch den Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson[11], jedoch wurde sie, wie die anderen Theorien, nie offiziell von der Regierung bestätigt.

3.1.1.2 Die Vietnamkrise

Eine weitere Krise, die als Begründung für den Mord an Kennedy gebracht wird, ist die Vietnamkrise. Die Maßnahmen Kennedys in dieser Krise dienen vielen als Motiv für das Attentat. Den Anfang nahm die Krise im Kalten Krieg. Im Jahr 1954 zog sich der kommunistische Revolutionär Ho Chi Minh nach Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit Frankreich in den Norden Vietnams zurück und spaltete somit das Land in einen kommunistischen Norden und einen durch Frankreich unterstützten Marionettenstaat im Süden[12]. Die Wiedervereinigung sollte nach einer gesamtvietnamesischen Wahl stattfinden, die jedoch die US Regierung verhindern wollte. Sie fürchteten nach einem Wahlsieg Ho Chi Minhs könnten weitere benachbarte Staaten dem Kommunismus verfallen, was für die USA einer Katastrophe geglichen hätte. Nachdem sich ein von Präsident Eisenhower ausgewählter vietnamesischer Antikommunist selbst zum Präsidenten in Südvietnam ernannt hatte, bildete sich dort eine Gruppe von aufständischen Kommunisten, die „Vietcong“ genannt wurden. John F. Kennedy weigerte sich zunächst, Militärtrupps nach Vietnam zu senden, jedoch wurde im Laufe der Zeit deutlich, dass sich die USA immer mehr am Kampf gegen den Vietcong beteiligten. 1963 waren bereits 16000 amerikanische Soldaten als „Berater“ in Vietnam stationiert. Nachdem sich der Konflikt immer weiter hochschaukelte und mit dem Tod des südvietnamesischen Präsidenten Ngo Dinh Diem einen Höhenpunkt erreichte, war Kennedy über die Lage in Vietnam zutiefst erschüttert. Er nahm sich vor, alle US-Soldaten bis Ende 1965 aus Vietnam abzuziehen. Jedoch konnte er wegen seiner Ermordung keine Maßnahmen mehr zum Erreichen des Ziels ergreifen. Nun stellt sich die Frage ob der in den USA mächtige militärisch-industrielle Komplex etwas mit der Ermordung Kennedys zu tun hatte. Denn der Abzug der Truppen und die fehlende Aktivität in Vietnam hätten der Rüstungsindustrie und dem Militär weniger Profit gebracht[13]. Eine weitere Auffälligkeit ist das Engagement von Lyndon B. Johnson im Vietnamkrieg nachdem Kennedy verstorben ist. Johnson führte nicht die Politik weiter die Kennedy vor dem Attentat anstrebt, sondern verstärkt sogar die Aktivitäten in Vietnam. Der Krieg wurde erst beendet, als sich Widerstand in der Bevölkerung formte[14]. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Rüstungsindustrie jedoch schon 220 Milliarden Dollar eingenommen. Diese Tatsachen veranlassen viele, an eine Verstrickung des militärisch-industriellen Komplexes im Kennedy-Attentat zu glauben.

[...]


[1] John F. Kennedy- New Haven, Yale University, Festansprache (orig. im Englischen)

[2] Etges: John F. Kennedy, S.169

[3] Ebd., S.175

[4] Abb 1

[5] Vgl. Etges: John F. Kennedy, S. 159ff.

[6] Pergande: John F. Kennedy, S.74

[7] Ebd.

[8] Vgl: Palme: 22.11.1963, S.60

[9] Vgl. Summers: J.F.K, S.254

[10] Vgl. Huismann: Rendez vous mit dem Tod, S.190ff.

[11] Vgl. Summers: J.F.K, S.253

[12] Vgl. Büchse, GEO Epoche, S. 89

[13] Vgl. Hepfer: Verschwörungstheorien, S.98

[14] Vgl. Palme: 22.11.1963, S.80f.

Details

Seiten
21
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668857902
ISBN (Buch)
9783668857919
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451778
Note
11
Schlagworte
John F. Kennedy Verschwörungstheorien

Autor

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Titel: Die Entstehung der Verschwörungstheorien zum Attentat auf John F. Kennedy