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Ist die Beschäftigung Schwerbehinderter sinnvoll im Sinne der Corporate Social Responsibility?

Wissenschaftlicher Aufsatz 2018 13 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhalt

1. Einfuhrung

2. Definition

3. Ziele

4. Abgrenzung

5. Positive Aspekte

6. Wettbewerbsnachteile

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

1. Einfuhrung

Die wissenschaftliche Arbeit soil beleuchten, ob die Beschaftigung Schwerbehinderter einen sinnvollen Beitrag zur corporate social responsibility (CSR) darstellt.

Das Thema kann in zwei Einzelfragen geclustert werden. Zum einen ist die Frage zu bedie- nen, ob die Beschaftigung von Schwerbehinderten grundsatzlich eine MaBnahme im Rah- men von CSR ist.

Dazu soll zunachst beschrieben werden, was nach h.M. unter CSR zu verstehen ist. Was ist dazu notig? Was spricht dagegen? Welche Ziele hat das CSR zu verfolgen? Daraus werden Abgrenzungstheorien konkret auf die eingangs gestellte Frage angewendet.

Des Weiteren ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit, d.h nach der wirtschaftlichen Zweckbe- stimmung und Zielerfullung, zu stellen. Dazu werden mogliche Ziele eines CSR aufgefuhrt.

Im weiteren Verlauf werden positive Aspekte aber auch Wettbewerbsnachteile benannt, die ein Fur und Wider zur Beschaftigung von Schwerbehinderten beinhalten. Enden wird die Arbeit mit einem Fazit und der Einschatzung, inwiefern die Beschaftigung Schwerbehinder­ter als sinnvoller Beitrag zum CSR gesehen werden kann.

2. Definition

Krisen fuhren i.d.R. dazu, dass die unternehmerische Verantwortung auch im Hinblick auf soziale, gesellschaftliche oder okologische Verpflichtungen in den Fokus der breiten Bevol- kerung gelangt. Nur beispielhaft sei hier die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 genannt, nach dem der Versuch der Finanzbranche thematisiert wurde, freiwillige Ethik-Standards zu vereinbaren. Oder der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch 2013, nach dem die Textil- industrie Absichten verfolgte, einheitliche, faire Arbeitsbedingungen in Produktionslandern zu bewirken (vgl. Burckhardt 2013).

Die Diskussion um CSR ist nicht neu, beschreibt ein viel alteres Handeln der Wirtschaft und wurde in den 1970er und 80er Jahren noch im Kontext der Unternehmensethik gefuhrt, bis es sich als eigenstandiges Themengebiet entwickelt hat (vgl. Gossling 2011). Mitgepragt hat den Begriff Archie B. Caroll 1979, in dem er eine 4-Stufen-Pyramide zur unternehmerischen Verantwortung entwickelt hat.

Bis heute besteht keine eineindeutige Definition des Begriffs, der in der Literatur als allge- mein gultig anerkannt ware.

Am nachsten kommt dem aber die Definition der Europaischen Kommission, die folgende Begriffserklarung im Grunbuch 2002 veroffentlicht hat: „CSR ist ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis sozi- ale Belange und Umweltbelange in ihre Tatigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“ (EU-Kommission 2002, S.5).

Diese Definition sollte nicht isoliert betrachten werden, und mit unterschiedlichen Erklarun- gen aus der Literatur in Einklang gebracht werden.

So zum Beispiel: „CSR bezeichnet die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen uber gesetzliche Anforderungen hinaus. CSR steht fur eine nachhaltige Unternehmensfuhrung im Kerngeschaft, die in der Geschaftsstrategie des Unternehmens verankert ist. CSR ist freiwillig, aber nicht beliebig“ (Aktionsplan der Bundesregierung 2010).

Erkennungsmerkmal ist damit vorrangig die Freiwilligkeit und der Bezug zum Kerngeschaft.

MaBnahmen im Rahmen von CSR konnen daher vielfaltig sein mit Blick auf okologisches oder soziales Engagement. Zu nennen seien hier der Fair-Trade-Anbau von Kaffeeherstellern oder die Verstandigung von Textilherstellern auf Sozialstandards in Produktionslandern.

Die Freiwilligkeit ist demnach ein signifikantes Erkennungsmerkmal des CSR, womit es sich von dem meistens - nicht aber konsequenten - unternehmerischen Handeln abgrenzt. Dabei wird CSR trotz der Freiwilligkeit nicht „nebenbei“ betrieben, sondern findet Einzug in die Gesamtstrategie des Unternehmens und wird damit integrativer und fortlaufender Teil des unternehmerischen Denkens und Handelns.

Es ware allerdings unzureichend, mit diesen Merkmalen ein CSR identifizieren zu konnen. „Unternehmen, die sich sozial und okologisch engagieren, werden in jungerer Zeit unter dem breiten Begriff CSR zusammengefasst“ (Christen Jakob 2009, S. 33). Die Tatsache allein, dass MaBnahmen einem nachhaltigen okologischen, sozialen oder gesellschaftlichen Nutzen haben, genugt nicht zur Begriffsbestimmung. Denn „Sponsoring und Spenden gehoren zum Corporate Citizenship, aber nicht zu CSR“ (ABlander & Lohr 2010, S. 18). Hier fehlt es an dem mangelnden Bezug zum Kerngeschaft.

Es ist daher kaum als Frage zu definieren, ob CSR auch positive Nebeneffekte haben darf, es kann vielmehr als Voraussetzung beschrieben werden. So kann ein CSR auch mit einer pro- aktiven Offentlichkeitsarbeit verknupft werden, damit es zur starkeren Reputation beitragen kann (Christen Jakob 2009).

Der Unterschied zum Greenwashing ist lediglich, dass die nachhaltige Zielerfullung im Vor- dergrund steht. Damit ergibt sich allerdings auch ein Widerspruch, der in der Literatur disku- tiert wird. Zwar findet der Bezug zum Kerngeschaft und damit zum unternehmerischen Ge- samtziel der Gewinnmaxime Berucksichtigung, die einzelnen MaBnahmen konnen aber durchaus im Widerspruch zur Gewinnmaximierung gesehen werden (Gossling 2011).

CSR kann in Unternehmen trotz der vorangegangen Begriffsbestimmungen unterschiedliche Facetten haben. „Es gibt keine Idealform, die fur alle Arten von Organisationen gleicherma- Ben empfohlen werden kann, denn das Was und das Wie hangen von der Entwicklungsphase einer Organisation ab“ (Glasl 2009, S. 286). So fehlt es bspw. oft an Steuerungsmodellen, wodurch der Erfolg einer einzelnen CSR-MaBnahme schwer bestatigt werden kann (Muns- termann 2007).

Genau deshalb ist an der Stelle auch ein klares Fazit schwierig. Festzustellen bleibt lediglich, dass die Beschaftigung Schwerbehinderter eine CSR-MaBnahme sein kann, wenn die zuvor genannten Merkmale erfullt werden.

3. Ziele

Es ist sicher nicht so, dass man von CSR keinen direkten unternehmerischen Nutzen, son- dern nur die nachhaltige soziale, gesellschaftliche oder okologische Zielerfullung erwartet. CSR ist sogar stark mit dem Stakeholder-Ansatz verknupft, wonach die Anspruche (stakes) von Beteiligten maBgebliche Faktoren zum wirtschaftlichen Erfolg sind (Christen Jakob 2009). Der Zusammenhang von CSR zum Erfolg ist also gegeben.

Zunachst soll hier auf das gesamtunternehmerische Ziel eingegangen werden. Die traditio- nelle, wirtschaftstheoretisch ausgerichtete Betriebswirtschaftslehre deckt sich mit dem Shareholder-Value-Ansatz, wonach die langfristige Gewinnmaximierung als oberstes Unter- nehmensziel anzusehen ist (Wohe 2013).

Sie grenzt sich damit vom Stakeholder-Ansatz ab, wonach alle Anspruchsgruppen ihren Niederschlag in den Unternehmenszielen finden mussen. Denn die okonomische Verantwor- tung geht uber die pure Profitabilitat hinaus. Die Gruppe der Gesellschaft kann z.B. durchaus das Ziel verfolgen, benachteiligten Bevolkerungsgruppen besseren Zugang zum Arbeits- markt zu gewahren (Wohe 2013). Es kann aber Stakeholder geben, die die Gewinnmaximie­rung nicht als (vorrangiges) Ziel verfolgen, hochstens den betrieblichen Fortbestand. „Zum Unternehmen, noch deutlicher zum gesellschaftlichen Subsystem Wirtschaft, gehoren nam- lich noch andere Personenkreise, namentlich Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer. Ohne Zweifel hangt die ihnen gegenuber geschuldete Verantwortung mit der Gewinn- Verantwortung zusammen, ebenso zweifellos geht sie aber in ihr nicht auf“ (Hoffe 2010, S. 40).

Die Art von sozialer Verantwortung kann einen so nachhaltigen Wirtschaftserfolg erbringen, dass die soziale Verantwortung und der Unternehmenserfolg eng miteinander gekoppelt sind (Hoffe 2010).

Interessanter ist es, wenn kurzfristige Ziele und langfristige Ziel nicht ubereinstimmen. Dies ist dann der Fall, wenn ein CSR nicht zu einer absehbaren Gewinnsteigerung fuhrt.

Auch beim Shareholder-Value-Ansatz konnen Zielkonflikte entstehen, wenn kurzfristige Ziele (nachhaltige CSR-Zielerfullung) dem Gesamtziel der Gewinnmaxime widersprechen.

Dabei gibt es unterschiedliche Methoden zur Konfliktvermeidung. Die vermeintlich ein- fachste ist es, nur die (kurzfristige) Gewinnmaxime in den Vordergrund zu stellen und damit eine Anwendung von CSR-MaBnahmen zu verhindern. Man kann aber auch den nachhalti- gen Unternehmenserfolg betrachten, der eine CSR-MaBnahme nach sich ziehen kann. Diese findet ihre Grenzen dort, wo der betriebliche Fortbestand gefahrdet ist (Wohe 2013).

Dennoch kann festgestellt werden, dass das Unternehmenswohl im Bestand des Unterneh- mens und seiner dauerhaften Rentabilitat liegt, also nicht etwa im kurzfristigen Profil, wohl aber im nachhaltigen Gewinn (Hoffe 2010).

Daraus lasst sich die Aussage ableiten, dass ein CSR langfristig immer zur Gewinnmaxime beitragen muss. „In Verbindung mit der Schaffung oder dem Ausbau von(...) Rahmenbe- dingungen zielt CSR damit entsprechend einer positiven Corporate Citizenship-Auffassung auch - wenn auch nicht ausschlieBlich - auf den unternehmerischen Beitrag zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Bedingungen nachhaltiger Gewinnerzielung“ (Hahn 2009, S. 48).

Aber fraglich ist trotzdem, wie eng der Zusammenhang dazu gegeben sein muss. „Wenn- gleich Unternehmen von gesellschaftlichen Herausforderungen wie bspw. Demographischer Wandel, Ressourcenverknappung oder Treibhauseffekt unterschiedlich stark betroffen sind, lasst sich unschwer prognostizieren, dass der generelle Verzicht auf eine freiwillige Beruck- sichtigung gesellschaftlicher Aspekte langfristig die Gefahrdung der Wettbewerbsfahigkeit nach sich zieht“ (Munstermann 2007, S. 33).

Die entfernteste Form der Gesamtzielerreichung ware damit so herzustellen, dass die man- gelnde Bereitschaft an einer Beteiligung im Rahmen von CSR zur unternehmerischen Exis- tenzbedrohung fuhrt.

Im Umkehrschluss ist ein bestimmtes Ziel des Unternehmens definiert und es ist die Frage zu beantworten, ob CSR ein geeignetes, sinnvolles Instrument dazu darstellt. Eine pauschale Antwort, wann CSR nicht sinnvoll ist, wird es wohl nicht geben. Das scheint daran zu lie- gen, dass von CSR keine konkreten Effekte erwartet werden, die eindeutig mit Kennzahlen messbar waren (kurzfristige Umsatzsteigerung, Erhohung der Produktivitat, Mitarbeiterzu- friedenheit etc.). Naturlich mussen fur eine MaBnahme im Sinne von CSR gewisse Voraus- setzungen erfullt sein, die aber wohl nicht als Ziel zu werten sind. Zu nennen ist hierbei vor- rangig die gesellschaftliche, soziale und ethische Ressourcennutzung. Liegt diese vor, kann man eine MaBnahme als CSR in Betracht ziehen. Will man also die Frage beantworten, ob ein CSR sinnvoll ist, muss man fortlaufend prufen, ob die MaBnahme die o.g. Voraussetzun- gen erfullt.

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Details

Seiten
13
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668863606
ISBN (Buch)
9783668863613
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v452126
Institution / Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
2,5
Schlagworte
beschäftigung schwerbehinderter sinne corporate social responsibility

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