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Wie kann die Verletzung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GOB) strafrechtlich geahndet werden?

Akademische Arbeit 2018 15 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung.

2 Buchführungspflicht nach Handels- und Steuerrecht .

3 Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung
3.1 Formelle Grundsätze .
3.1.1 Grundsatz der Klarheit
3.1.2 Grundsatz der geordneten und zeitgerechten Buchung.
3.1.3 Grundsatz der Unveränderlichkeit
3.2 Materielle Grundsätze.
3.2.1 Grundsatz der Vollständigkeit .
3.2.2 Grundsatz der Richtigkeit
3.2.3 Grundsatz der Stetigkeit
3.2.4 Grundsatz der Vorsicht
3.3 Ergänzende Grundsätze und Prinzipien
3.3.1 Grundsatz der Einzelerfassung und Einzelbewertung.
3.3.2 Grundsatz der Unternehmensfortführung (Going-Concern-Prinzip)
3.3.3 Imparitäts- und Realisationsprinzip

4 Praktische Beispiele zu den GoB .
4.1 Beispiel zum Grundsatz der Vorsicht
4.2 Beispiel zum Grundsatz der Unternehmensfortführung
4.3 Beispiel für das Realisationsprinzip .
4.4 Beispiele zu internationalen Bilanzierungsstandards .

5 Konsequenzen bei Verstößen gegen die GoB .
5.1 Steuerrechtliche Konsequenzen .
5.2 Handelsrechtliche Konsequenzen .
5.3 Strafrechtliche Konsequenzen

6 Fazit .

Literaturverzeichnis.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Diese Arbeit befasst sich im Kern mit den unterschiedlichen Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung und deren Folgen für die Führung von Handelsbüchern und die Erstellung von Bilanzen. „Vorrangige Aufgabe der GoB i. e. S. ist es, die Dokumentation des Geschäftsablaufs zu sichern und die Buchführung vor Verzerrung und Verfälschungen zu bewahren.“1 Der Gesetzgeber gibt mit den GoB, die sowohl im Handelsgesetzbuch, als auch in der Abgabeordnung verankert sind, einen Rahmen für alle Wirtschaftssubjekte vor. Die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GOB) gehören zu den„Eckpfeilern“ handelsrechtlicher Rechnungslegung2. Die Bedeutung dieser Grundsätze wird dabei an verschiedenen Beispielen dargelegt. Die Folgen der Nichteinhaltung, bzw. der Verletzung der GoB werden hierbei ebenfalls beleuchtet.

2 Buchführungspflicht nach Handels- und Steuerrecht

Die Anforderungen an die Buchführung sind im Wesentlichen in § 145 AO aufgeführt. Dieser besagt, dass die Buchführung in Ihrer Beschaffenheit einem sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit die Möglichkeit geben muss, sich über die Geschäftsvorfälle und die Situation des Unternehmens ein Bild machen zu können. Die Buchführung stellt eine Dokumentation von Geschäftsvorfällen anhand zugrundeliegender Belege dar. Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung ersichtlich zu machen, ist nach §238 Abs. 1 HGB jeder Kaufmann verpflichtet. Eine Ausnahme bilden nach §241a HGB, Einzelkaufleute, die in zwei auf einander folgenden Jahren weniger als 600.000 EUR Umsatzerlöse und weniger als 60.000 EUR Jahresüberschuss aufweisen. Neben der handelsrechtlichen Buchführungspflicht nach dem Handelsgesetzbuch (HGB), besteht noch eine steuerliche Buchführungspflicht nach der Abgabeordnung (AO). Diese gilt auch für Steuerpflichtige, die nach dem HGB keine Kaufleute darstellen, wie zum Beispiel Land- und Forstwirte oder Einzelkaufleute.

3 Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung

Neben der bereits genannten Buchführungspflicht, besteht für jeden Kaufmann darüber hinaus die Pflicht, sich an die Grundsätze der ordnungsgemäßen Buchführung zu halten. Obwohl der Begriff der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung sowohl im Handelsgesetzbuch unter anderem in § 243 Abs. 1 und § 264 Abs. 2 HGB, als auch in der Abgabeordnung mehrfach Verwendung findet, wird er in der gängigen Literatur nicht explizit definiert. Dies ermöglicht laut Gesetzgeber, eine schnellere Anpassung an sich weiter entwickelnde Rahmen- und Umweltbedingungen. Die Aufgaben der GoB i.e.S. bestehen in der Sicherstellung der Dokumentation des Geschäftsablaufs und der Bewahrung der Buchführung vor Verzerrungen und Verfälschungen.3 Dabei ist zu beachten, dass sich alle hier genannten GoB auf den deutschen Rechtraum beziehen. In anderen Ländern gelten eigene Vorschriften. Da die Globalisierung, sowie Internationalisierung weiter voranschreiten und sich auch deutsche Unternehmen dieser Entwicklung nicht entziehen können, müssen betroffene Unternehmen internationale Rechnungslegungs- und Bilanzierungsstandards ebenfalls beachten.

„Zu den Aufgaben des Jahresabschlusses gehört es, potentiellen Kapitalanlegern Informationen zur Fundierung ihrer Anlageentscheidungen zu liefert. Im internationalen Kontext bezeichnet man diese Informationsfunktionals decisionusefulness. Steht ein Anleger vor der Frage, ob er Aktien der Lufthansa, der Air France oder der Gesellschaft Brit. Airways kaufen soll, dann können die Jahresabschlüsse dieser drei Unternehmen nur dann entscheidungsnützliche Informationen liefern, wenn deutsche, französische und britische Jahresabschlüsse nach vergleichbaren Regeln erstellt werden.

Das Ziel internationaler Rechnungslegung liegt in der Schaffung weltweit einheitlicher Jahresabschlussnormen für Unternehmen aus verschiedenen Ländern.“4

Unternehmen, die ihre Buchführung nach deutschen Standards erstellen müssen, finden die GoB sowohl im Handelsgesetzbuch, als auch in der Abgabeordnung. Diese sind jedoch nicht unter einem Hauptpunkt zusammengefasst, sondern finden in diversen Paragraphen Anwendung. Um jedoch eine Ordnung in die Vielzahl der Vorschriften Regeln zu bringen, werden sie in gängiger Literatur nach verschiedenen Punkten gegliedert. Eine gängige Unterteilung findet in formelle und materielle GoB statt.5 Um der Vollständigkeit Rechnung zu tragen, werden sie durch einige weitere Grundsätze ergänzt. Dabei beziehen sich die formellen Grundsätze auf die Sicherstellung von geordneten und schematischen Buchungen und die materiellen Grundsätze auf die Vollständigkeit und Korrektheit von Geschäftsvorfällen.

3.1 Formelle Grundsätze

Abgeleitet aus den §§ 238 ff. HGB und den §§ 145 ff. AO, lassen sich für die formelle Ordnungsmäßigkeit der Buchführung unter anderem der Grundsatz der Klarheit, der Grundsatz der geordneten und zeitgerechten Buchung und der Grundsatz der Unveränderlichkeit.

3.1.1 Grundsatz der Klarheit

„Der Grundsatz der Klarheit fordert die verständliche Darstellung der Aufzeichnungen und bezieht sich im Wesentlichen auf die Gliederung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung.“6 Somit muss nach § 243 Abs. 2 HGB und § 244 HGB zum Beispiel der Jahresabschluss klar und übersichtlich sein und zudem in deutscher Sprache und in Euro aufgestellt werden. Weiterhin hat sich der Kaufmann bei der Buchführung nach § 239 Abs. 1 HGB einer „lebenden Sprache“ zu bedienen. Bei Verwendung von Abkürzungen, Ziffern, Buchstaben und Symbolen, muss die Bedeutung dieser klar festgelegt werden. Ferner haben Bücher nach einem geordneten Kontenplan, nach dem Grundsatz der Einzelerfassung und Nachprüfbarkeit und nach dem Belegprinzip geführt zu werden. Dabei bedeutet das Belegprinzip, dass keine Buchung ohne Beleg existieren kann.7 Wie bereits im Punkt zur Anforderung an die Buchführung aufgeführt, muss die Buchführung so erstellt werden, dass sich ein sachverständiger Dritter, innerhalb eines angemessenen Zeitraums einen Überblick über alle Geschäftsvorfälle und die Lage des Unternehmens machen kann. Darüber hinaus können aus dem Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit, das Prinzip der Einzelbewertung, sowie das Saldierungsverbot abgeleitet werden. Das Prinzip der Einzelbewertungen besagt dabei, dass Schulden und Vermögensgegenstände einer einzelnen Erfassung und Bewertung bedürfen. Das Saldierungsverbot besagt, dass Posten der Aktivseite und Posten der Passivseite nicht miteinander verrechnet werden dürfen.8

3.1.2 Grundsatz der geordneten und zeitgerechten Buchung

Der Grundsatz der geordneten und zeitgerechten Buchung findet sich im §146 Abs. 1 AO und ebenso im § 239 Abs. 2 HGB wieder. Nach beiden Paragraphen müssen Aufzeichnungen vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet vorgenommen werden. Laut Abgabeordnung müssen Kasseneinnahmen und –ausgaben sogar täglich festgehalten werden. Eine Ausnahme bilden laut Abgabeordnung nur Betriebe, die bei denen die Kasse nicht elektronisch geführt wird und die, die Waren an eine Vielzahl von nicht bekannten Personen gegen Barzahlung verkaufen.

3.1.3 Grundsatz der Unveränderlichkeit

Nach § 146 Abs. 4 AO und § 239 Abs. 3 dürfen Aufzeichnungen nicht so verändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt der Aufzeichnung nicht mehr feststellbar ist. Falls Änderungen vorgenommen werden müssen, muss die Kenntlichmachung dieser sichergestellt werden, sodass klar ersichtlich ist, dass die ursprüngliche Aufzeichnung geändert wurde. Beide Vorschriften können in dem Grundsatz der Unveränderlichkeit zusammengefasst werden.

3.2 Materielle Grundsätze

Zu den Materiellen Grundsätzen gehört unter anderem der Grundsatz der Vollständigkeit, der Grundsatz der Richtigkeit, der Grundsatz der Stetigkeit und der Grundsatz der Vorsicht.

3.2.1 Grundsatz der Vollständigkeit

„Der Grundsatz der Vollständigkeit fordert, dass alle relevanten Fakten, das heißt alle buchungspflichtigen Geschäftsvorfälle erfasst werden.“9 Dies ergibt sich zum Teil aus § 239 Abs. 2 HGB und § 146 Abs. 1 AO, die besagen, dass Buchungen vollständig vorgenommen werden müssen. Genauer geht jedoch § 246 Abs. 1 auf diesen Punkt ein:

„Der Jahresabschluss hat sämtliche Vermögensgegenstände, Schulden, rechnungsabgrenzungsposten sowie Aufwendungen und Erträge zu enthalten, soweit gesetzlich nichts Anderes bestimmt ist. Vermögensgegenstände sind in der Bilanz des Eigentümers aufzunehmen; ist ein Vermögensgegenstand nicht dem Eigentümer, sondern einem anderen wirtschaftlich zuzurechnen, hat dieser ihn in seiner Bilanz auszuweisen. Schulden sind in die Bilanz des Schuldners aufzunehmen. […]“

Der Grundsatz der Vollständigkeit wird in zeitlicher Hinsicht durch das Periodisierungsprinzip nach § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB und das Stichtagsprinzip nach § 252 Abs. 1 Nr. 3 ergänzt. Dabei besagt das Periodisierungsprinzip, dass dem jeweiligen Geschäftsjahr alle Einzahlungen und Auszahlungen, auch diejenigen im Zusammenhang mit Vermögensgegenständen des Umlaufvermögens als Aufwendungen und Erträge oder als Vermögensgegenstände und Schulden zugerechnet werden. Nach dem Stichtagsprinzip sind im Jahresabschluss nur solche Informationen zu erfassen, die sich auf Begebenheiten im abgelaufenen Geschäftsjahr beziehen und die bis zum Tage der Aufstellung des Jahresabschlusses bekannt sind.10

3.2.2 Grundsatz der Richtigkeit

„Gemäß dem Grundsatz der Richtigkeit müssen die Aufzeichnungen mit den tatsächlichen betrieblichen Geschäftsvorfällen übereinstimmen. Darüber hinaus fordert der Grundsatz der Willkürfreiheit Annahmen zu treffen, die wahrscheinlich und begründet sind und vorsätzliche Bilanzmanipulationen zu unterlassen.“11 Dazu gehört, dass Geschäftsvorfälle lückenlos erfasst und verbucht werden, dabei keine Buchungen gefälscht werden und diese auf dem zutreffenden Konto verbucht werden.12

Ebenfalls zum Grundsatz der Richtigkeit gehört nach § 238 Abs. 1 HGB, dass Bücher der Realität entsprechen und sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen müssen. Richtigkeit bedeutet hier auch, dass Bücher für außenstehende Sachverständige nachvollziehbar und überprüfbar sein müssen.

3.2.3 Grundsatz der Stetigkeit

Um die Vergleichbarkeit über mehrere Perioden, somit Quartale und Jahre hinweg sicherzustellen, fordert der Grundsatz der Stetigkeit, dass einmal gewählte Begriffe und Gliederungsschemata beibehalten werden müssen.13 Im Handelsgesetzbuch wird zwischen Bewertungsstetigkeit und Ansatzstetigkeit unterschieden. Die Bewertungsstetigkeit nach § 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB verlangt die Beibehaltung der im vorgehenden Jahresabschluss angewendeten Methoden zur Bewertung. Die Ansatzstetigkeit nach § 246 Abs. 3 HGB fordert die Beibehaltung der im vorhergehenden Jahresabschluss angewandten Ansatzmethoden.

3.2.4 Grundsatz der Vorsicht

Der Grundsatz der Vorsicht gibt nach § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB an, dass die Bewertung vorsichtig zu erfolgen hat. Dass Risiken und Verluste, die bis zum Abschlussstichtag entstanden sind, berücksichtigt werden müssen, auch wenn diese erst zwischen dem Abschlussstichtag und dem Tag der Aufstellung des Jahresabschlusses bekannt wurden. Gewinne dürfen hierbei nur berücksichtigt werden, wenn diese auch zum Abschlussstichtag realisiert sind. Der Grundsatz der Vorsicht soll hier vorrangig die Interessen der Eigentümer und Gläubiger schützen und dabei einer zu optimistisch dargestellten Lage eines Unternehmens vorbeugen. Eine beschönigte Darstellung der Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens, könnte zu falschen Entscheidungen führen. An die GoB halten sich jedoch nicht alle Unternehmen und fälschen Ihre Bilanzen, um die Vermögens- und Ertragslage zu beschönigen. Als Folge hieraus und diverser Bilanzskandale der 2000er Jahre, verabschiedete die USA den Sarbanes-Oxley Act.14

Ähnlich wie der Sarbanes-Oxley-Act in den USA, gibt es in Deutschland den Corporate Governance Kodex (DCGK), der wesentliche gesetzliche Vorschriften zur Leitung und Überwachung deutscher Aktiengesellschaften zusammenfasst und national und international anerkannte Empfehlungen und Anregungen zur verantwortungsvoller Leitung von Unternehmen vorgibt. Enthaltene gesetzliche Vorschriften müssen, Empfehlungen sollen und Anregungen können befolgt werden. Dabei müssen Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Aktiengesellschaften nach § 161 AktG begründen, welche Empfehlungen des DCGK nicht eingehalten wurden.15

3.3 Ergänzende Grundsätze und Prinzipien

3.3.1 Grundsatz der Einzelerfassung und Einzelbewertung

In der Literatur wird des Weiteren auf eine Reihe von ergänzenden Grundsätzen und Prinzipien hingewiesen, die als Grundsätze der Bilanzierung die Grundsätze der Buchführung i. e. S. ergänzen.16 Dazu gehören unter anderem die Grundsätze der Einzelerfassung und Einzelbewertung.17 Die Grundsätze der Einzelerfassung und der Einzelbewertung sind im § 240 Abs. 1 HGB und § 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB festgehalten. Sie besagen, dass alle Vermögensgegenstände und Schulden zum Abschlussstichtag einzeln und ohne Saldierung mit anderen Vermögensgegenständen und Schulden zu erfassen und zu bewerten sind. Aus beiden Paragraphen folgt, dass im Zusammenhang mit Abschreibungen der Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens erforderliche Wertkorrekturen grundsätzlich vorzunehmen sind, wobei § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB insofern eine Ausnahme gewährt, als das bei selbstgeschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen des Anlagevermögens eine Abschreibung auf die Herstellungskosten über den Zeitraum von zehn Jahren erfolgen kann, sollte die voraussichtliche Nutzungsdauer dieser nicht verlässlich geschätzt werden können.

3.3.2 Grundsatz der Unternehmensfortführung (Going-Concern-Prinzip)

Zu den Bewertungsgrundsätzen gehört weiterhin das Prinzip der Unternehmensfortführung (Going- Concern-Prinzip). „Mit diesem Prinzip will das HGB den Ausweis vergleichbarer Periodenergebnisse erreichen. Besonders das Sachanlagevermögen soll nicht unter Liquidations-, sondern unter Fortführungsgesichtspunkten bewertet werden. Zusätzlich gibt § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB an, dass bei der Bewertung die Fortführung des Unternehmens angenommen wird, sofern dieser Annahme nicht tatsächliche und rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen.

Weiterhin gehören zu den Bewertungsgrundsätzen der Bilanzierung das Vorsichtsprinzip, das Prinzip der Periodenabgrenzung, die Bewertungsstetigkeit, die Methodenbestimmtheit, die Einzelbewertung und das Anschaffungskostenprinzip.18 Auf die hier jedoch nicht näher eingegangen wird.

3.3.3 Imparitäts- und Realisationsprinzip

Des Weiteren sind für Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung das Imparitätsprinzip und das Realisationsprinzip von Bedeutung. Das Imparitätsprinzip verlangt, anders als das Realisationsprinzip, dass negative Erfolgsbeträge nicht erst berücksichtigt werden, wenn diese realisiert sind, sondern bereits dann, wenn sie vorhersehbar und im abzuschließenden Geschäftsjahr entstanden sind. Im Gegensatz zum Imparitätsprinzip, fordert das Realisationsprinzip, dass die Aufnahme von Erträgen in die GuV erst dann erfolgt, wenn diese tatsächlich realisiert sind.

4 Praktische Beispiele zu den GoB

4.1 Beispiel zum Grundsatz der Vorsicht

„Anfang der 2000er Jahre erschüttert eine Reihe von Bilanzskandalen das Vertrauen der Anleger. Unternehmen wie der Energiekonzern Enron, der Telekommunikationskonzern Worldcom, der Mischkonzern Tyco, der Kabelbetreiber Adellphia oder die Klinikkette Health South manipulieren über Jahre systematisch ihre Bilanzen und weisen überhöhte Gewinne aus. Enron beispielsweise weist Termingeschäfte, die den Verkauf betreffen, direkt als Erträge aus. Während Termingeschäfte, die den Einkauf betreffen, nicht als Aufwand berücksichtigt werden. Geschäfte mit „anonymen“ Tochtergesellschaften werden in der Bilanz des Konzerns ausgewiesen, während Schulden über ein kompliziertes Netz von Beteiligungen und Partnerschaften aus der Bilanz des Konzerns herausgerechnet werden. Nach Ermittlungen der US-Börsenöausicht muss Enron schließlich eingestehen, in den vergangenen Jahren die Gewinne um über US $ 1 Milliarden zu hoch ausgewiesen zu haben. Kurze Zeit später meldet der Energiekonzern Enron Insolvenz an. Als Reaktion auf die Bilanzskandale wird in den USA Mitte 2002 der Sarbanes-Oxley Act verabschiedet, der seit dem in unveränderter Form Gültigkeit besitzt. Das Gesetz zielt darauf, die Qualität der Unternehmensberichterstattung und damit das Vertrauen der Anleger und die Richtigkeit der veröffentlichen Finanzdaten von Unternehmen, die den amerikanischen Rechtsvorschriften unterliegen, zu erhöhen. Dazu gehören auch deutsche Unternehmen, deren Wertpapiere an einer amerikanischen Börse gehandelt werden und deutsche Tochterunternehmen amerikanischer Gesellschaften. Die wesentlichen Punkte des Sarbanes-Oxley Act betreffen dabei unter anderem:

Erweiterte Anforderungen und Haftung für das Management,Einführung eines Audit Committee, das heißt eines unabhängigen Prüfungsausschusses, Verschärfung der Strafvorschriften und Prüfung der internen Kontrollsysteme.“19

4.2 Beispiel zum Grundsatz der Unternehmensfortführung

Ein Automobilhersteller errichtet eine Fertigungsstraße, die speziell auf den Bau eines neuen Fahrzeugtyps ausgelegt ist, der dort sechs Jahre lang produziert werden soll. Die Anschaffungskosten der Fertigungstrasse belaufen sich auf 120 Mio. EUR, ihr Liquidationswert liegt am Ende des ersten Nutzungsjahres bei 6 Mio. EUR. Bei einer Bewertung unter Liquidationsgesichtspunkten müssten im ersten Jahr 95 Prozent, in den fünf Folgejahren jeweils ein Prozent der Anschaffungskosten als Abschreibungsaufwand verrechnet werden.“20

4.3 Beispiel für das Realisationsprinzip

Ein praktisches Beispiel für das Realisationsprinzip, ist der Verkauf von Waren. Der Ertrag ist bereits realisiert, wenn die Ware ausgeliefert wird, sondern erst mit Erstellung der Rechnung. Dabei ist die tatsächliche Begleichung der Rechnung nicht relevant. Ein weiteres Beispiel ist die Kurssteigerung von Wertpapieren, die erst als Gewinn realisiert werden kann, wenn diese veräußert sind.21

4.4 Beispiele zu internationalen Bilanzierungsstandards

In der Praxis kommt die Anwendung von verschiedenen internationalen Standards der Rechnungslegung noch teilweise an ihre Grenzen.

„In 1999, twomajaordrugfirms, Zenecaand Astra mergedto form AstraZeneca. Based in the United King- dom, Astra Zeneca in 2000 reported a profitof $ 865 millionunder U.S. accountingrules, but $ 3.318 millio- nunder British accountingrules. …

U.S.-basedSmithKlineBeckman (SKB) mergedwiththe British company Beecham Group in 1989. … SKB’spostmergerearnings, properlyprepared in accordancewith British accountingstandards, were 130 million GBP – quitebitmorethanthe 87 million GBP reported in SKB’sstatementprepared in accordancewith U.S. accountingstandards. … Even moreconfusing, thedifferencesresulted in a shareholders‘ equityof 3.5 billion GBP in the United States, but a negative 3000 million GBP in Great Britain!...

In 2000, British Airways reported a lossunder British accountingrulesof 21million GBP, but under U.S. rules, ist loss was 412 million GBP.

A final example is ofmorehypotheticalnature, but just a revealing. Twocollegeprofessorssetup a computer- modeltoevaluatethereportednetprofitsof an imaginarycompanywithgrossoperationprofitsof $ 1.5 million. This imaginarycompanyoperated in three different countries – the United States, Great Britain, andAustralia. The professorsfoundthatholding all elseequal (such as national differences in interestrates on thefirm’sdept), when different accountingstandardswereapplied, the firm made a netprofitif $ 34,600 million in the United States, $ 260,600 in Britain, and $ 240,600 in Australia.“22

[...]


1 Wöhe, G., 2013, S. 682

2 Vgl. Kessler, H., 2008, S. 32

3 Vgl. Wöhe, G., 2013, S. 682

4 Wöhe, G., 2013, S. 774

5 Vgl. Wöhe, G., 2013, S. 682

6 Thomas H., 2007, S. 345

7 Vgl. Wöhe, G., 2013, S. 682

8 Vgl. Thomas H., 2007, S. 345

9 Hutzschenreuter, T., 2007, S. 347

10 Vgl. Leffson, U., 1987, S. 219 ff.

11 Hutzschenreuter, T., 2007, S. 345

12 Vgl. Wöhe, G., 2013, S. 683

13 Vgl. Hutzschenreuter, T., 2007, S. 347

14 Vgl. Hutzschenreuter, T., 2007, S. 347

15 Vgl. Wöhe, G., 2013, S. 66

16 Vgl. Wöhe, G., 2013, S. 683 ff.

17 Vgl. Wöhe, G., 2013, S. 673

18 Vgl. Wöhe, G., 2013, S. 685 ff.

19 Hutzschenreuter, T., 2007, S. 348

20 Wöhe, G., 2013, S. 688

21 Hutzschenreuter, T., 2007, S. 347

22 Paul, J., 2015, S. 418

Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668872158
ISBN (Buch)
9783668872165
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v454096
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,5
Schlagworte
GOB Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung Buchführung Grundsätze

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