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Ist eine integrale Zeitschriftenforschung nach Gustav Frank möglich? Eine Eröterung am Beispiel der VSWG

Essay 2018 11 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Die Frage der Möglichkeit einer integralen Zeitschriftenforschung nach Frank am Beispiel der Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

2.Bibliographie

3.Anhang: Abbildungen und Eigenständigkeitserklärung

1.Die Frage der Möglichkeit einer integralen Zeitschriftenforschung nach Frank am Beispiel der Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

Der Begriff Zeitschrift entstand im Jahre 1750 und bezeichnete erstmals politische Zeitschriften, moralische Wochenschriften und Gelehrtenzeitschriften (vgl. Schröder 2006:396). Dieser Begriff wurde dann, wie Raabe sagen würde, durch die Jahrhunderte hindurch ein Sammelbegriff für verschiedene schriftliche Publikationen und seit dem modernen Zeitalter auch elektronische Publikationen wie Illustrierte, Wochenzeitungen, Fachzeitschriften etc., die in regelmäßigen Zeitabständen veröffentlicht werden und eine bestimmte Zielgruppe für ihre Schrift im Sinn haben (vgl. 2013: 381f.). Auch wenn der Begriff Zeitschrift breit gefächert zu sein scheint, gibt es Kriterien die erfüllt sein müssen, um es von anderen Medien wie Zeitungen und Büchern abzugrenzen. Zu diesen Merkmalen gehören Aktualität, Periodizität, Universalität und Publizität (vgl. ebd. 381f.).

In seinem Abstract Prolegomena zu einer integralen Zeitschriftenforschung spricht Frank über die bisherigen Versuche einer Zeitschriftenforschung und schlägt eine eigenständige und von anderen Medien unabhängige Forschung der Zeitschrift vor.1 Diesbezüglich stellt er eine Theorie auf, welche Geschichte, Medialität, Materialität und andere Merkmale des Mediums einbezieht. Dazu soll im Analyse Teil des Essays näheres erläutert werden.

Nachdem der Begriff Zeitschrift definiert wurde und Franks Abstract kurz zusammengefasst wurde, soll sich der Essay nun im Folgenden mit der Frage auseinandersetzen, ob die genannte Zeitschriftenforschung nach Frank möglich ist und was für Ergebnisse man aus einer Forschung dieser Art ziehen kann. Dazu soll die Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte als Beispiel genommen werden. Der Schwerpunkt wird dabei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen. Hierbei wird die Zeitschrift im ersten Schritt allgemein aus historischer Sicht betrachtet werden. Als nächstes soll ihre Zielsetzung anhand des Geleitwortes aus der ersten Ausgabe vorgestellt werden. Hierzu wird eine selbstständig erstellte Grafik erklärt und interpretiert werden. Danach sollen die Medialität und die Materialität der Zeitschrift, die auch bei Frank sehr wichtig sind, besprochen werden. Die Ergebnisse sollen am Ende zusammengefasst und zur Beantwortung der Fragestellung beurteilt werden.

Als erstes soll eine historische Betrachtung der Zeitschrift vorgenommen werden. Dabei werden nicht nur historische Eigenschaften wie allgemeine Daten und Fakten besprochen werden, sondern auch ihr soziokulturelles Konzept und ihre funktionsgeschichtlichen Eigenschaften berücksichtigt werden. Also soll ihre Funktion an dem Ort und der Kultur an die sie gerichtet ist und ihre historische Entwicklung nachgezeichnet und erklärt werden. Diese Aspekte gehören zu den zwei von drei Aufgaben der Zeitschriftenforschung nach Frank (vgl.2016: 108, 111). Letztere sind für die Überlegung zu den Leistungen von den Zeitschriften von Bedeutung (vgl. Frank 2016: 106f.). Denn damit fasst man Zeitschriften als ein Konzept der‚kleinen Archive’ auf, mithilfe der man Wissenskonstitution, -aufbewahrung und -zirkulation seit der Entstehung des Mediums Zeitschrift beobachten kann (vgl. ebd. 107).

Die Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, welche eine wissenschaftliche Fachzeitschrift ist, wurde im Jahre 1903 gegründet und ist die Nachfolgerzeitschrift der Zeitschrift für Social- und Wirtschaftsgeschichte (vgl. Trüper 2005:31). Wie der Name schon erraten lässt, erscheint die Zeitschrift vierteljährlich und hat damit 4 Hefte pro Band. Dabei ist zu beachten , dass es auch Doppelhefte in den Jahren 1938-1945 gegeben hat. Auf die Gründe soll später eingegangen werden. Die Zeitschrift ist an Fachleute gerichtet und besteht aus Aufsätzen, Rezensionen und eingegangenen Büchern.

Ihre Vorgängerzeitschrift, die ZSWG, wurde im Jahre 1893 von vier Wiener Dozenten gegründet und wurde trotz wissenschaftlichem Erfolg aufgrund von finanziellem Misserfolg und Unstimmigkeiten mit den Verlegern nach 7 Bänden abgesetzt (vgl. Trüper 2005: 28ff.). Wenige Jahre später, in 1903, wurde sie unter dem Namen Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte wiedergegründet.

Aus den Geleitworten der beiden Zeitschriften lässt sich entnehmen, dass sich viele Gemeinsamkeiten in ihren Zielsetzungen finden. Die wichtigsten Ziele wären dabei die Festsetzung auf einen historischen Schwerpunkt, die Zurückhaltung von der Politik der Gegenwart und die Miteinbeziehung der Sozialwissenschaft.2 Dennoch sind in dem Geleitwort der VSWG, welches sich fast identisch mit dem Geleitwort der ZSWG anhört, auch Unterschiede zu finden. Eines der neuen und wichtigsten Ziele ist die Internationalisierung der Zeitschrift durch Namenhafte Gelehrte aus verschiedenen Ländern (vgl. Geleitwort VSWG 1903).

Zur Bewertung, inwiefern die VSWG ihr Ziel der Internationalität in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erfüllt hat, soll im Folgenden das Mitarbeiter und Themenprofil der Zeitschrift besprochen werden. Das Themenprofil bestand aus geschichtswissenschaftlichen, nationalökonomischen und rechtgeschichtlichen Themen (Trüper 2005: 74). Der Schwerpunkt lag dabei auf historischen Themen, was eng mit dem Mitarbeiterprofil verbunden ist. Dieser war zu diesem Zeitpunkt von Historikern dominiert (Trüper 2003: 74). Doch inwiefern war die Zeitschrift international? Diese Frage kann auch mit der Betrachtung des Mitarbeiterprofils genauer beantwortet werden. In den Jahren 1928 bis 1943 waren 6 vielfache Mitarbeiter aus dem benachbarten Ausland bei der VSWG beschäftigt und der Besprechungsteil beschäftigte sich mit Italienischer, Niederländischer und Englischer Geschichte (vgl. Trüper 2005: 108ff.). Das sagt zunächst nicht viel aus. Ein genaueres Bild liefert die Miteinbeziehung der nicht- ständigen Mitarbeiter.

In einer eigenständig angefertigten Statistik wurden alle ausländischen Mitarbeiter, ob ständig oder nicht, zusammengezählt und in eine Tabelle eingetragen (Abbildung 1). Auf der x-Achse wurden die Jahreszahlen und auf der y-Achse die Ausländischen Autoren in Prozent eingetragen. In der Tabelle ist ein starkes Auf und Ab zu erkennen. Die niedrigsten Werte liegen zu den Zeiten der beiden Weltkriege, also um 1914 bis 1918 und 1942 bis 1945, vor. Zu den Zeiten gab es möglicherweise eine gegenseitige Abwendung mit dem Ausland. Wie auch vorher schon erwähnt, gab es während dieser Jahre Doppelhefte der VSWG. Gründe dafür könnten sowohl das Fehlen der Themen durch das Verschwinden von prominenten Namen , als auch finanzielle Gründe sein. Jedoch gibt es auch andere Gründe für den Abfall der Internationalität. Ein wichtiges Jahr ist hierbei das Jahr 1913, denn zu dieser Zeit entstanden nämlich auch Fachzeitschriften zu sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Themen in anderen Ländern wie die Revue d’histoire economique et sociale in Frankreich, der Economisch historisch Jaarboek in den Niederlanden, der Economic History Revue in England und der Journal of Economic and Business History in den USA (vgl. Trüper 2005: 41f.). Somit verschwanden einige internationale Namen, da sie sich beispielsweise zu sehr zu ihrem Eigenland widmeten. Zusätzlich wurde auch die Herausgabe von vielen Fachzeitschriften durch den zweiten Weltkrieg gehindert (vgl. Reschenberg 1999: 966). Einige Zeitschriften wurden aus ideologischen Gründen eingestellt. Zu diesen gehörte die VSWG nicht. Jedoch ist eine Lücke in den Jahren 1945 bis 1950 entstanden. Das kann auf die Papierknappheit in den Nachkriegsjahren zurückgeführt werden.

Nachdem die historische Entwicklung der VSWG nachgezeichnet wurde, soll nun die Medialität und die Materialität der Zeitschrift besprochen werden. Das ist nach Frank die dritte von den drei wichtigsten Aufgaben einer integralen Zeitschriftenforschung (vgl. 2016: 112). Wichtig für diesen von Frank genannten Aspekten der Zeitschriftenforschung ist, dass diese nicht in digitaler Form sondern in gedruckter Form vorliegen sollten. Durch die Digitalisierung kann es zum Verlust von Seiten kommen, die wichtige Informationen tragen. Die für diese Arbeit verwendeten Zeitschriften sind teilweise Nachdrucke und zusammengebundene Ausgaben.

Seit den Anfängen der Herausgabe der Zeitschrift sind Unterschiede in Form und Aufbau zu erkennen. Zur Veranschaulichung hierzu dienen die Abbildungen 1-4 (siehe Anhang). Die Abbildungen zeigen die Titelblätter der Zeitschrift aus den Jahren 1903 (Abbildung 2), 1929 (Abbildung 3), 1954 (Abbildung 4) und 1990 (Abbildung 5). In diesen Abbildungen sieht man die Veränderung der Rechtschreibung, Veränderungen in der Schriftart und eine Entwicklung zu einem minimalistischeren Titelblatt zur moderne hin. Inhaltlich ist die Zeitschrift in drei Teile aufgeteilt: Aufsätze, Miszellen und Besprechungen. Diese wurden verfeinert und erweitert. Was man ebenso in den Titelblättern erkennt kann, sind die Veränderungen der Herausgeberschaft und der Verleger. Es gab mehrere Veränderungen wie Zuwächse und Abgänge in der Herausgeberschaft. Als Gründe für den Zuwachs und den Verlust können Todesfälle oder die Finanzierung gedeutet werden. Auffallend ist, dass die Zeitschrift für mehrere Jahre einen alleinigen Herausgeber hatte, Hermann Aubin. Interessant wäre auch das Interesse an der Ostforschung, welche Aubin hatte. Jedoch wäre dieses Thema für eine Arbeit in diesem Umfang zu umfangreich und deshalb interessanter im Zusammenhang mit einer größeren Arbeit.

Die oben genannten finanziellen Gründe sind auch bei den Wechseln von den Verlagshäusern der Grund gewesen. Zuerst wurde die VSWG vom Verlagshaus C.L. Hirschfeld verlegt, bis sie dann ab dem Jahr 1905 vom Kohlhammer Verlag ersetzt wurde. Dieser wurde wiederum durch den Franz Steiner Verlag im Jahr 1952 ersetzt, denn nach dem zweiten Weltkrieg war die Finanzierung der Zeitschrift erschwert. Die Zeitschrift, die durch Verlagswerbung und Abkonnten etc. finanziert wurde, musste zu dieser Zeit Unterstützung durch die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft zu ihrem Fortbestand suchen und fand außerdem einen Ausweg für ihre schwierige Lage durch einen Verlagswechsel (vgl. Trüper 2005: 136).

[...]


1 Frank, G. 2016: Prolegoma zu einer integralen Zeitschriftenforschung. In: Jahrbuch für internationale Germanistik, 48, H.2, S.101-121.

2 Vgl. Geleitworte VSWG 1903 und ZSWG 1893

Details

Seiten
11
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668886537
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v455507
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Geistes und Kulturwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Zeitschrift Zeitschriftenforschung VSWG integralezeitschriftenforschung

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