Lade Inhalt...

Crystal Meth. N-Methylamphetamin. Wirkungsweise, geschichtliche Hintergründe und Gefahren

Akademische Arbeit 2015 16 Seiten

Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Relevanz
1.1 Was ist N-Methylamphetamin?
1.2 Wirkungsweise
1.3 Konsumformen

2. Die Geschichte des Methamphetamin

3. Auswirkungen des Konsums
3.1 Erwünschte und positive Effekte
3.2 Somatische und psychische Symptome der Intoxikation
3.2.1 Psychische Symptome
3.2.2 Somatische Symptome

4. Entzug

6. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Relevanz

Weltweit werden 26 Millionen Konsumenten geschätzt, davon mindestens 1,5 Millionen in den USA. Dort verbreitete sich Crystal Meth seit Beginn der Neunzigerjahre sehr schnell und wird als „Droge der Trailerparks“, der sozialen Verelendung angesehen. Eine hollywoodgerechte Aufbereitung der Droge erfolgt in Filmen wie „Spun“ oder der wiederholt mit dem Emmy ausgezeichneten Fernsehserie „Breaking Bad“.

In Deutschland verbreiteten sich in den 90er Jahren im Rahmen der Technowelle synthetische Drogen, wie Ecstasy und Speed, die es ermöglichen, ein gesamtes Wochenende auf einem Rave durchzutanzen. Crystal war auch damals schon verfügbar, nur teurer und aufwendiger zu erhalten. In den vergangenen Jahren hat die Verfügbarkeit, vor allem in der Nähe der tschechischen Grenze in Nordostbayern, aber auch in Thüringen und Sachsen erheblich zu- und der Preis dramatisch abgenommen. So kostete bis vor wenigen Jahren ein Gramm noch über 100 Euro, heute liegt der Preis meist deutlich unter 30 Euro, bei gestiegenem Reinheitsgrad. (Wodarz, 2013, S. 158 f.)

Doch um was für eine Droge handelt es sich? Was macht sie so gefährlich?

Im Rahmen dieser Seminararbeit möchte ich nun Methamphetamin hinsichtlich ihrer Beschaffenheit, Geschichte sowie Auswirkungen auf den menschlichen Organismus beleuchten, sowie abschließend auf dessen Entzug und die damit einhergehenden Probleme eingehen.

1.1 Was ist N-Methylamphetamin?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abbildung gem. Sauer Weilemann, 2000, S. 30.)

N-Methylamphetamin, auch Methamphetamin oder Metamfetamin genannt, bezeichnet eine Designerdroge - also ein vollsynthetisch hergestellter Stoff, welcher so in keiner natürlich vorkommenden Wirkstoffkombination enthalten ist. (vgl. Sauer Weilemann, 2000, S. 10) Es handelt sich um eine enorm stark aufputschende und euphorisierende Substanz, welche auf direktem Wege das zentrale Nervensystem des Anwenders 1 („User“) stimuliert. Auf dem europäischen (illegalen) Markt wird Methamphetamin unter dem Namen Crystal oder Crystal-Speed angeboten.

Weitere Bezeichnungen sind u.a. Crank, Meth, Pervitin, Glass oder schlicht C. Der Ausgangsstoff für die unkompliziert durchzuführende (Meth)amphetamin-Synthese ist Ephedrin, dass aus der Ephedra-Pflanze gewonnen wird, welche in den Trockengebieten von Amerika und Eurasien weit verbreitet ist. (Schüller, 2015) Weder Ephedra, noch Ephedrin werden bis zum heutigen Zeitpunkt im Betäubungsmittelgesetz aufgeführt, allerdings zählen sie seit 1984 aufgrund vieler missbräuchlicher Anwendungen zu den verschreibungspflichtigen Medikamenten. (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2016)

Seit 2002 wurden im Zuge der missbräuchlichen Anwendungen diverse Arzneimittel mit hohem Ephedringehalt vom Markt genommen. Bis heute frei erhältliche, ephedrinhaltige Medikamente sind neben dem Erkältungsmittel Wick MediNait unter anderem das Schnupfenmedikament Rhinopront Kombi. (Schweim, 2009)

1.2 Wirkungsweise

Die Wirkung entsteht durch eine exorbitant verstärkte Ausschüttung der Botenstoffe Noradrenalin, Dopamin und Serotonin im Gehirn, sowie der anschließend verminderten Wiederaufnahme selbiger. Der Botenstoff Dopamin ist umgangssprachlich als „Glückshormon“ bekannt. Es ist der maßgebliche Botenstoff zur Beschaffung aller Arten von Belohnungs- und Glücksgefühlen. Serotonin hingegen fungiert als eine Art Stimmungsaufheller, welcher zur emotionalen Ausgeglichenheit, Gelassenheit und Zufriedenheit beiträgt. Noradrenalin ist zuständig für die mentale, sowie psychische Stressanpassung. Es steigert die Motivation, die Aufmerksamkeit und die geistige Leistungsbereitschaft. Kurzfristig hemmt Noradrenalin die Immunfunktion und stößt dabei Entzündungsmechanismen an, welche unter anderem bei „Burnout“-Betroffenen eintreten können.

Zusätzlich leitet Methamphetamin die Ausschüttung von Adrenalin in den Nerven außerhalb des Gehirns, sowie des Rückenmarks ein. Die Konzentration der Neurotransmitter zwischen den Nervenzellen („synaptischer Spalt“) bleibt über lange Zeit hoch und bewirkt eine extrem starke Stimulation selbiger. Der Körper schaltet sich fortan in einen Alarmzustand und verringert Grundbedürfnisse wie Durst oder Hunger. Der Organismus wird unanfälliger gegenüber Schmerzen und auch das Müdigkeitsempfinden wird stark unterdrückt. Der Konsument wird in einen Zustand extrem geschärfter Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit versetzt. (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., 2016, S. 6-7)

Meist ist die Substanz in Kristall- oder Pulverform auf dem illegalen Markt erhältlich. Besonders in kristalliner Form besitzt das Methamphetamin einen hohen Reinheitsgrad. Im Pulver kann der Wirkstoffgehalt hingegen aufgrund diverser Streckmittel stark variieren. Mögliche Verschnittstoffe sind unter anderem Paracetamol, Milchzucker oder Koffein. Häufig werden dem Pulver feine Glassplitter zugesetzt, welche Schnittwunden in der Nasenschleimhaut des Users verursachen, durch welche die Substanz schneller vom Körper resorbiert werden kann.

Die Droge definiert sich als sogenanntes starkes Psychostimulanz auf Amphetaminbasis (sogenanntes „Derivat“) und erzielt in ihrem Rausch einen analogen Effekt. Im Vergleich zu gewöhnlichem Amphetamin („Speed“) wirkt Methamphetamin jedoch wesentlich stärker und länger. Während die Wirkungsdauer von Amphetamin auf ca. 8 Stunden beschränkt ist, liegt die des Methamphetamin bei „bis zu 16 Stunden und in Extremfällen sogar von bis zu 70 Stunden.“ (drugcom.de, 2008)

Der grundsätzliche Unterschied findet sich im Methylanteil des Methamphetamin, welches die Substanz in seiner Fettlösigkeit begünstigt. Aufgrund dessen überwindet Methamphetamin die sog. Bluthirnschranke, welche das Gehirn vor Intoxikationen schützen soll, schneller als das Amphetamin und wirkt somit direkter auf das zentrale Nervensystem. Konsumenten empfinden die Einnahme der Substanz im Vergleich zu Speed häufig als verträglicher, da Meth-amphetamin zusätzlich die Eigenschaft besitzt, geringere Auswirkungen auf den Blutdruck zu haben. (vgl. Dany, 2012, S. 45)

1.3 Konsumformen

„Crystal kann gesnieft, geraucht, gespritzt und geschluckt werden. Besonders riskante Konsumformen sind das Rauchen (sog. “Ice”) und Spritzen (in gelöster Form). [...] Die orale Aufnahme in Form von „Bömbchen“ ist im Vergleich zum Sniefen, Rauchen oder Spritzen zwar die risikoärmste, aber auch die seltenste Konsumform.“ (mindzone.info, o.J.) Bei der Applikationsform der intravenösen Injektion bzw. des Inhalierens kommt es – „verglichen mit dem oralen und auch dem nasalen Konsum – zu einem schnelleren Anfluten mit extremer Euphorie („Rush“) und ausgesprochen hohen Wirkstoffkonzentrationen im Blut.“ (Milin S. e., 2014, S. 11)

2. Die Geschichte des Methamphetamin

Entgegen vieler Meinungen, sowie der Medienberichterstattung, handelt es sich bei Methamphetamin nicht um eine neue Droge. Ihr Ursprung geht weit zurück.

So entdeckte der rumänische Chemiker Lazăr Edeleanu bereits im Jahre 1887 im Zuge seiner Doktorarbeit die Synthese des Amphetamins. Die psychotrope 2 Aktivität des Amphetamins war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt und seine Entdeckung erhielt zunächst keine große Aufmerksamkeit.

1893 synthetisiert der japanische Chemiker und Pharmakologe Nagai Nagayoshi Methamphetamin, ein Amphetaminderivat, in flüssiger Form, nachdem er 1885 bereits erstmals Ephedrin aus Pflanzen der Pflanzengattung Ephedra isoliert hatte - ein Bestandteil von Methamphetamin. (vgl. dazu Kapitel "Was ist Methamphetamin?" dieser Ausarbeitung )

Ende der 1920er entdeckte man die Psychoaktivität von Amphetamin und erkannte ebenfalls das Potenzial des Stoffes als synthetische Alternative des natürlich vorkommenden - und dementsprechend aufwändiger herzustellenden - Ephedrins.

Unter dem Markennamen „Benzedrin“ wurde Amphetamin vom amerikanischen Unternehmen Smith, Kline French (heute GlaxoSmithKline) 1932 ersten Mal pharmazeutisch vertrieben. In Deutschland meldeten die Tümmler-Werke im Jahre 1937 schließlich beim Reichspatentamt ein Patent zur Herstellung von Methamphetamin an und brachten die Substanz unter dem Markennamen „Pervitin“ auf den Markt. (vgl. Dany 2008, S. 44 f.)

Ende der 1930er erlangte Amphetamin, aufgrund erfolgreicher Studien als Präparat gegen zahlreiche Leiden, auf vielen Gebieten humanmedizinischer Fachgebiete große Aufmerksamkeit. Amphetamin wurde nun der breiten Bevölkerung als Medikament gegen Appetitlosigkeit, Erkältungen, Depressionen, Schwangerschaftserbrechen, Alkoholintoxikation, Narkolepsie u.v.m. verschrieben.

Beide Amphetaminderivate, Pervitin („Panzerschokolade, Stuka-Tabletten“) und Benzedrin, wurden im zweiten Weltkrieg Soldaten verabreicht, um sie wach und aggressiv zu halten. (vgl. Schweim, 2009) Zu diesem Zeitpunkt war Pervitin in Deutschland außerdem noch frei erhältlich. Der deutsch-schweizerische Mediziner Leonardo Conti und „Reichsärzteführer“ warnte jedoch vor übermäßigem Gebrauch von Pervitin. Mit Erfolg: Pervitin wurde von nun an rezeptpflichtig. Außerdem gab er eine Studie in Auftrag, die das hohe Suchtpotenzial des Mittels bestätigte. 1941 wurde Pervitin dem Reichopiumgesetz unterstellt und konnte nur noch in Ausnahmefällen und unter hohen Auflagen verschrieben werden.

Ab den 50er Jahren werden in den USA Medikamente mit dem Wirkstoff Amphetamin verschreibungspflichtig. Zeitgleich steigt der Ge- und Missbrauch der Substanz in Japan in ungeahnte Höhen. Ende der 50er werden in den USA außerdem erste Fälle von illegal produziertem Amphetamin bekannt. Ab den 60ern wird mit dem internationalen „Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel“ versucht, die Verbreitung der nun als Droge eingestuften Substanz einzuschränken. Ab 1967 verbreitet sich in den USA der Konsum der als „Liebesdroge“ bekanntgewordenen Pille MDMA, später als Ecstasy bekannt, rasant. 1970 erklärt Präsident Richard Nixon nun die Herstellung, den Handel und den Besitz von Amphetaminen als strafbar.

[...]


1 Zu Gunsten der einfacheren Lesbarkeit, werden Begriffe wie Anwender, Konsument, etc. im weiteren Verlauf nur noch in ihrer maskulinen Form verwendet. Es sind an dieser Stelle selbstverständlich immer beide Geschlechter gemeint.

2 Psychotropikum wird ein Wirkstoff oder eine Wirkstoff enthaltende Mischung bezeichnet, der die menschliche Psyche beeinflusst

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668864962
ISBN (Buch)
9783668864979
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v455810
Institution / Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Münster
Note
1,3
Schlagworte
Drogen Meth Crystal Methamphetamin Sucht Suchtproblematik Drogenkonsum Substanz Drogenmissbrauch Gefahren Abhängigkeit Entzug Entgiftung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Crystal Meth. N-Methylamphetamin. Wirkungsweise, geschichtliche Hintergründe und Gefahren