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Peter Singer über den Umgang mit Embryonen

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Peter Singer uber den Umgang mit Embryonen
2.1 Utilitarismus
2.2 Peter Singer uber Ethik
2.3 Peter Singers Thesen zum Umgang mit Embryonen
2.4 Kritik

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Schwangerschaftsabbruch zahlt zu einem haufig und kontrovers diskutiertem Thema nicht nur in der Philosophie. Diese Kontroverse zeigt sich praktisch darin, wie unterschiedlich die Gesetze zur Abtreibung in verschiedenen Landern gestal- tet sind: In einigen Landern der Welt darf eine Frau legal abtreiben, wenn sie das wunscht. Das ist auch in Deutschland der Fall. In anderen Landern dagegen ist eine Abtreibung nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, zum Beispiel bei einer Vergewaltigung Oder wenn die Gesundheit einer schwangeren Frau gefahr- det ist. Es gibt sogar Landern, in denen eine Abtreibung unter keinen Umstanden erlaubt ist (Vgl. Kaminsyk 1998: S. 11). Das Thema „Umgang mit Embryonen" ist somit diskussionswurdig, da Praktiken wie der Schwangerschaftsabbruch hochst umstritten sind.

Im Folgenden wird zunachst die grundlegende Position des Utilitarismus vorge- stellt, da dies die Theorie hinter Peter Singers Argumentation bildet. Urn seine Thesen besser verstehen zu konnen, wird anschlieGend seine Auffassung von Ethik dargelegt. Danach werden zentrale Aspekte zum „Umgang mit Embryonen" aus seinem Werk „Praktische Ethik" herausgearbeitet, welche im nachsten Ab- schnitt schlieGlich einer Kritik unterzogen werden. Zuletzt wird ein Fazit im Thema „Umgang mit Embryonen" gezogen.

2. Peter Singer uber den Umgang mit Embryonen

2.1 Utilitarismus

Um Peter Singers Thesen bezuglich des Umgangs mit Embryonen besser nach- vollziehen zu konnen, werden an dieser Stelle wichtige Merkmale des Utilitarismus dargestellt.

Seit Jeremy Bentham und John Stuart Miller ist der Utilitarismus im angloamerika- nischen Raum zu einer entscheidenden moralphilosophischen Form der Ethik ge- worden. Beim Utilitarismus handelt es sich allerdings um keine in sich einheitliche Theorie, sondern man unterscheidet zahlreiche Positionen (Vgl. Hoffe 2008: S. 9)1. Singer bezieht sich auf den sogenannten Praferenz Utilitarismus (Vgl. Bastian / Rost 1990: S. 68). Allen Richtungen ist die Ausgangssituation gemeinsam, dass man sich zwischen verschieden Handlungsmoglichkeiten entscheiden soil und hierbei eine rationale Wahl trifft beruhend auf folgenden Kriterien: Man soil nicht die Handlung per se beurteilen, sondern die Folgen, die sich daraus ergeben. Die- se bewertet man nach ihrem Nutzen, das hochste Ziel zu erreichen: das menschli- che Gluck. Das geschieht, indem man Lust maximiert und Leid minimiert. Zudem muss man das Wohlergehen aller an einer Handlung Beteiligten miteinbeziehen und nicht nur das eigene Wohlergehen (Vgl. Hoffe 2008: S. 10/11). Diese Kriterien lassen sich zusammenfassend als utilitaristischer Imperativ folgendermaGen for- mulieren: „Handle so, daG [sic] die Folgen der Handlung bzw. Handlungsregel fur das Wohlergehen aller Betroffenen optimal sind.“ (Hoffe 2008: S. 11).

2.2 Peter Singer uber Ethik

Zunachst legt Peter Singer in seinem Werk „Praktische Ethik" seine Auffassung von Ethik dar und rechtfertigt den Utilitarismus (Vgl. Singer 1994: S. 15). Dies bil- det die Grundlage seines Buches, weshalb nun die zentralen Aspekte herausgear- beitet werden.

Als erstes erklart Singer, was Ethik nicht ist: Ethik diskutiert keine Sexualmoral, Ethik ist nicht nur lediglich in der Theorie nutzlich und Ethik ist auch kein System von Regeln. Nun rechtfertigt Singer die moralphilosophische Position des Utilitaris­mus: Einfache Regeln fuhren immer zu Konflikten. Deshalb sollte man sich statt- dessen auf die Ziele beziehen und somit bietet sich eine konsequentialistische Theorie wie der Utilitarismus an (Vgl. Singer 1994: S. 16/17). Zentrale Merkmale wurden bereits erlautert. Fur Singer steht Ethik auGerdem in keinem Zusammen- hang zur Religion (Vgl. Singer 1994: S. 18/19) und sie ist weder relativ noch sub- jektiv. Mit Relativismus ist gemeint, dass ethische Urteile abhangig sind von der Gesellschaft, in der man lebt. Subjektivismus bedeutet, dass ethische Urteile le­diglich die Haltung einer Person darstellen (Vgl. Singer 1994: S. 21). Nun fuhrt Singer an, was er stattdessen unter Ethik versteht. Entscheidend ist hierbei der universale Standpunkt: Beim Treffen von ethischen Entscheidungen wird der Standpunkt eines unparteiischen Beobachters eingenommen, die eigenen Interes- sen zahlen nicht mehr als die der anderen Beteiligten. Dieser Gedanke begrundet eine (Praferenz-) utilitaristische Position (Vgl. Singer 1994: S. 28/29). Nach utilita- ristischer Auffassung soil man nun also so handeln, dass sich fur alle Betroffenen die besten Konsequenzen ergeben (Vgl. Singer 1994: S. 30). Singer rechtfertigt den Utilitarismus zudem damit, dass man schnell zu diesem gelangt, namlich so- bald man moralisch denkt und somit erkennt, dass die eigenen Interessen nicht automatisch wichtiger sind, sondern man auch andere Interessen berucksichtigen muss (Vgl. Singer 1994: S. 31).

2.3 PeterSingers Thesen zum Umgang mit Embryonen

lm Kapitel „Leben nehmen: Der Embryo und der Fotus" schildert Singer zunachst die Position der Abtreibungsgegner, welche er als konservative Position bezeich- net. Diese fasst er zu folgenden Pramissen zusammen:

„Erste Pramisse: Es ist unrecht, ein unschuldiges menschliches Wesen zu toten.

Zweite Pramisse: Ein menschlicher Fotus ist ein unschuldiges menschliches Wesen.

Schlu&folgerung [sic]; Daherist es unrecht, einen menschlichen Fotus zu toten.“

(Singer 1994: S. 180)

Das Problem bei dieser Argumentation zeigt sich in der zweiten Pramisse, da un- klar ist, ob der Fotus bereits ein menschliches Wesen ist Oder nicht (Vgl. Singer 1994: S. 180). Es stellt sich die Frage, welchen Status der Ungeborene hat. Ver- treter der konservativen Position argumentieren hier, dass es ein Kontinuum gibt zwischen dem befruchtetem Ei und dem Kind. Es gibt somit keinen moralischen Unterschied zwischen beiden und man muss daher den Fotus schutzen, wie man es bei einem Kind auch tun wurde (Vgl. Singer 1994: S. 180/181). Stattdessen kann man aber auch versuchen, eine moralische Trennlinie bei der Entwicklung vom befruchtetem Ei zum Fotus zu finden. Moglichkeiten sind hierbei Geburt, Le- bensfahigkeit, Bewegung des Fotus und Einsetzen des Bewusstseins. Hier kommt man allerdings zu keinem Ergebnis (Vgl. Singer 1994: S. 186).

Nun werden Argumente der liberalen Position, der Abtreibungsbefurworter, darge- stellt. Ein Argument ist, dass der Schwangerschaftsabbruch erlaubt sein sollte, da dieser sonst illegal von Unqualifizierten durchgefuhrt wird. Dieses Argument be- zieht sich somit lediglich auf das Gesetz und nicht darauf, ob Abtreibungen an sich moralisch richtig oderfalsch sind (Vgl. Singer 1994: S. 187/188). Beim zweiten Ar­gument ist das ebenso der Fall: Hier geht man davon aus, dass Abtreibungen gar nicht in Gesetze aufgenommen werden sollten, da es hierbei keine Opfer gibt. Ob das tatsachlich der Fall ist, ist freilich der Streitpunkt (Vgl. Singer 1994: S. 189/190). Ein feministisches Argument fur die Abtreibung, welches ebenfalls nicht die zweite Pramisse leugnen will, dass der Fotus ein unschuldiges menschliches Wesen ist, stutzt sich auf das Recht einer Frau, dass diese selbst bestimmten darf, was mit ihrem Korper passiert (Vgl. Singer 1994: S. 190).

[...]


1 Es wurde an dieser Stelle zu weit fuhren, die Besonderheiten der verschieden Unterpositionen zu

erlautem, weshalb wir uns hier auf die zentralen Grundannahmen des Utilitarismus beschranken mussen.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668868151
ISBN (Buch)
9783668868168
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456095
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
peter singer umgang embryonen
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Titel: Peter Singer über den Umgang mit Embryonen