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Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland und den USA 2003 und 2017

Seminararbeit 2018 35 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition kleiner und mittlerer Unternehmen
2.2 Überblick über Finanzierungsarten

3 Statistische Daten der KMU-Finanzierung in Deutschland und den USA 2003 und 2017
3.1 Investitionsfinanzierung und Kapitalzusammensetzung
3.2 Mittelstandsanleihen, Kapitalmarktfinanzierung und Zinsen
3.3 Kreditanträge und nachgefragte Finanzierungshöhen
3.4 Ergebnis der Kreditverhandlungen

4 Zusammenfassung

Anhang
A-1: Ermitteln der Werte für 10 bis 49 Mitarbeiter der SBCS 2017
A-2: Ermitteln des Anteils der „entmutigten“ KMU in der SBCS 2017

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht über die wichtigsten Eigenschaften des Eigen- und Fremdkapitals 8

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Kleine und mittlere Unternehmen KMU stellen in den heutigen westlichen Marktwirtschaften das Rückgrat der Wirtschaft dar 1. So gibt es beispielsweise in Deutschland (D) 2016 3,71 Mio. kleine und mittlere Unternehmen mit maximal 500 Mio.€ Umsatz 2. Diese stellen 99,85% aller Unternehmen Deutschlands dar. Die Anliegen und Bedürfnisse dieser Mittelständler haben dabei allerdings häufig keinen großen Fürsprecher, wie dies etwa bei DAX-Konzernen vielmals der Fall ist. Umso wichtiger ist es, regelmäßig Studien zu erheben, um die wirtschaftliche Lage der Mittelständler zu evaluieren. Dies ist ein Anliegen vieler Länder – darunter auch der USA und Deutschlands. Deshalb wird in den USA alle 5 Jahre der „Report to the Congress on the Availability of Credit to Small Businesses“ (SSBF) des „Board of Governors of the Federal Reserve System“ erhoben. In Deutschland erfüllt die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW mit ihrem 2004 eingeführten Mittelstandspanel eine ähnliche Rolle.

Eine besonders wichtige Fragestellung bezüglich kleiner Unternehmen ist die nach ausreichenden Finanzierungsmöglichkeiten. Für Kreditinstitute stellen sie häufig aufgrund nur spärlich vorhandener Bilanz- und Kreditrating-Daten ein schwer kalkulierbares Risiko dar, das im Zweifelsfall gemieden wird.

Diese Seminararbeit soll vergleichend untersuchen, wie es um die Finanzierungssituation kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland und den USA jeweils in den Jahren 2003 und 2017 bestellt ist. Dafür liegen dieser Analyse als Datengrundlage für die Werte Deutschland betreffend v.a. das KfW-Mittelstandspanel der Jahre 2004 und 2017 vor. Bezüglich Daten aus den USA wird der SSBF aus den Jahren 2002 sowie 2017 und der „Small Business Credit Survey“ SBCS der 12 Federal Reserve-Banken der USA aus dem Jahr 2017 verwendet.

Zunächst werden kleine und mittlere Unternehmen entsprechend dieser Datenquellen definiert, anschließend wird ein kurzer Überblick über verschiedene grundsätzliche Systematisierungsansätze der Finanzierung gegeben. Darauf basierend werden in einer thematisch aufeinander aufbauenden Reihenfolge die wichtigsten Finanzierungsstatistiken aus den USA und Deutschland jeweils aus den Jahren 2003 und 2017 miteinander verglichen, teilweise nach Größe der kleinen und mittleren Unternehmen unterteilt. Abschließend wird ein Resümee zur Finanzierungssituation der kleinen und mittleren Unternehmen abgegeben.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Definition kleiner und mittlerer Unternehmen

Für die Zwecke sowohl des KfW-Mittelstandspanels 2003 als auch des Jahres 2017 werden kleine und mittlere Unternehmen als Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 500 Mio. € definiert 3. Berücksichtigt werden dabei alle privaten Unternehmen aller Wirtschaftszweige mit Ausnahme des öffentlichen Sektors, der Banken und von Non-Profit-Organisationen 4.

Im SSBF 2002 werden kleine Unternehmen und damit die den deutschen KMU entsprechenden als solche mit weniger als 500 Mitarbeitern definiert 5. Damit umfasst diese Definition im Regelfall weniger Unternehmen als die Definition nach den 500 Mio. € Umsatz. Auch im Bericht „Small Business Credit Survey“ (2017) werden kleine Unternehmen konsistent als Unternehmen mit zwischen einem und 499 Mitarbeitern gewertet 6.

2.2 Überblick über Finanzierungsarten

Unter Finanzierung versteht man in der gegenwärtigen Forschung die Gesamtheit der Einzahlungen und die beim Zugang nicht monetärer Güter vermiedenen Auszahlungen 7.

Je nach betrachtetem Aspekt ergeben sich diverse Kategorisierungen der Finanzierung 8, wie Abbildung 1 zeigt.

Nach der Fristigkeit der Finanzierungsformen unterscheidet man nach kurz‑, mittel- und langfristiger Finanzierung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kriterien der Systematisierung der Finanzierung

Quelle: Perridon/Steiner/Rathgeber (2017), S.420-422.

Bezüglich des Verhältnisses der finanziellen Ausstattung mit dem Finanzbedarf teilt man nach Überfinanzierung, bedarfsadäquater Finanzierung und Unterfinanzierung ein.

Im Hinblick auf den Finanzierungsanlass differenziert man in Gründungsfinanzierung, Erweiterungsfinanzierung, Umfinanzierung und Sanierungsfinanzierung.

Nach der Mittelherkunft unterteilt man in Außen- und Innenfinanzierung 9, wobei bei der Außenfinanzierung dem Unternehmen neue finanzielle Mittel zugeführt werden. Dies kann etwa durch Einlagen bisheriger Eigentümer (Einlagenfinanzierung), durch die Beteiligung neuer Eigentümer (Beteiligungsfinanzierung), die Bereitstellung von Krediten durch Gesellschafter (Gesellschafterdarlehen) respektive anderer Gläubiger (Kreditfinanzierung) oder durch die Gewährung von Fördermitteln des Staates und anderer Akteure 10 geschehen. Zur Außenfinanzierung wird auch die sog. „hybride Finanzierung“ gezählt, welche sowohl Merkmale des Eigen- als auch des Fremdkapitals aufweist 11.

Im Gegensatz zur Außenfinanzierung erfolgt bei der Innenfinanzierung die Freisetzung finanzieller Mittel aus dem Unternehmen heraus 12. Wichtiges Element der Innenfinanzierung ist dabei die offene Selbstfinanzierung, die Erwirtschaftung von Gewinnen aus dem Leistungserstellungsprozess heraus. Daneben umfasst die Innenfinanzierung auch die Finanzierung durch zwingende Gewinnermittlungsvorschriften und die Nutzung von Spielräumen bei Ansatz- und Bewertungsvorschriften, etwa in Form von Abschreibungs- und Rückstellungsfinanzierung 13, 14. Hierbei wird der zu versteuernde Gewinn und damit die tatsächlich abgeführte Steuerlast gemindert, wodurch zusätzliches Kapital im Unternehmen verbleibt. Ein Finanzierungseffekt kann auch durch Vermögensumschichtung erfolgen. Dieser realisiert sich etwa im Verkauf von Vermögensgegenständen des Unternehmens 15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Drukarczyk/Lobe (2015), S.32.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Systematisierung nach dem Kriterium der Mittelherkunft

Die Unterscheidung nach der Rechtsstellung der Kapitalgeber beinhaltet die Eigen- und die Fremdfinanzierung 16. Dabei ist Eigenfinanzierung die Erhöhung des Eigenkapitals eines Unternehmens durch Einlagen bestehender (Einlagenfinanzierung) sowie Beteiligungen neuer Eigentümer (Beteiligungsfinanzierung) oder die Selbstfinanzierung aus den erwirtschafteten Gewinnen des Unternehmens. Die Fremdfinanzierung umfasst die Kreditfinanzierung durch Gläubiger und die Rückstellungs-finanzierung. Die Finanzierung durch Kapitalfreisetzung kann je nach Ausgestaltung Eigen- oder Fremdfinanzierung sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Perridon/Steiner/Rathgeber (2017), S.420.

Abbildung 3: Systematisierung nach dem Kriterium der Rechtsstellung der Kapitalgeber

Eigen- und Fremdkapital lassen sich zusammenfassend bezüglich der wichtigsten Eigenschaften gegenüberstellen 17:

Eigenkapital wird durch Eigentümer des Unternehmens bereitgestellt, Fremdkapital dagegen durch Fremdkapitalgeber, sog. Gläubiger. Während letzteres erst nach vollständigem Verbrauch des Eigenkapitals haftet, haften die Eigenkapitalgeber mindestens bis zur Höhe ihrer Einlage und erfüllen damit eine besondere Verlustdeckungsfunktion. Kompensiert wird diese vorrangige Haftung durch einen vollen Residualanspruch am Erfolg. Im Liquidationsfall wird Eigenkapital durch seinen Residualanspruch allerdings erst nach allen gesetzlichen und vertraglich vorrangig platzierten Ansprüchen bedient 18. Fremdkapital demgegenüber verfügt über einen festen, kontraktbestimmten und damit in beide Richtungen ergebnisunabhängigen Zinsanspruch, wodurch es im Verlust- oder Insolvenzfall vorrangig bedient wird. Durch die Zurverfügungstellung von Eigenkapital ergibt sich ein zumindest begrenztes Recht auf Teilhabe an der Unternehmensleitung. Durch die Bereitstellung von Fremdkapital ergibt sich dagegen weder ein Anspruch auf Mitbestimmung der Unternehmensleitung noch ein Stimmrecht. Auch hat Eigenkapital bei vielen Rechtsformen ein Kontrollrecht gegenüber der Geschäftsführung, verfügt allerdings über keine Kündigungsrechte und wird zeitlich unbefristet zur Verfügung gestellt. Fremdkapital wird grundsätzlich befristet bis zu einem fest terminierten Rückzahlungszeitpunkt zur Verfügung gestellt. Etwaige Kündigungs- und Kontrollrechte gegenüber der Geschäftsführung sind von der Ausgestaltung des Kreditvertrags abhängig.

Eine Bevorzugung des Fremdkapitals ergibt sich in steuerlicher Hinsicht. Zinsen für Fremdkapital sind im Gegensatz zu Eigenkapitalkosten steuerlich als Aufwand abzugsfähig und vermindern somit die Bemessungs-grundlagen der Ertragsteuern 19. Daneben wird Fremdkapital noch durch geringere Kapitalkosten im Vergleich zum Eigenkapital begünstigt 20. Tabelle 1 stellt abschließend die wichtigsten Merkmale gegenüber.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Übersicht über die wichtigsten Eigenschaften des Eigen- und Fremdkapitals

3 Statistische Daten der KMU-Finanzierung in Deutschland und den USA 2003 und 2017

3.1 Investitionsfinanzierung und Kapitalzusammensetzung

Spielten Eigen- und Fremdmittel im Jahr 2003 zur Finanzierung der Investitionen deutscher KMU noch eine gleichberechtigte Rolle mit 36% bzw. 35% Anteil am Gesamtinvestitionsvolumen, so sind im Jahr 2016 Eigenmittel mit 50% Anteil am Gesamtinvestitionsvolumen deutlich bedeutender als Fremdmittel mit nunmehr lediglich 30% Anteil 21. Ein möglicher Erklärungsansatz hierfür ist die bessere wirtschaftliche Lage der meisten Mittelständler, die es ihnen erlaubt, Investitionen vor allem aus thesaurierten Gewinnen zu tätigen und auf Fremdfinanzierung ganz oder teilweise zu verzichten.

Unterschiede der Finanzierungsquellen am Gesamtinvestitionsvolumen bestanden im Jahr 2003 auch hinsichtlich der Unternehmensgröße. Kleine KMU mit 1 bis 4 Mitarbeitern finanzierten sich beispielsweise mit 33% unterdurchschnittlich gering aus eigenen Mitteln. Kompensiert wird dies v.a. durch stärkeres Zurückgreifen auf Fremdmittel. 2016 dagegen waren die Anteile der verschiedenen Finanzierungsquellen am Gesamtinvestitions-volumen weitestgehend über alle Größenstufen konstant. Vor allem die Finanzierung durch Fördermittel nimmt allerdings zunächst mit der Größe des Unternehmens zu, um dann in der größten Unternehmensklasse abzufallen. Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern konnten 2016 immerhin 19% ihrer Investitionen durch Fördermittel abdecken, KMU mit 1 bis 5 sowie auch die Gruppe mit 50 und mehr Mitarbeitern dagegen nur zu 11%. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass das erfolgreiche Beantragen von Fördermitteln mit erheblichen Transaktionskosten und Hürden für kleinere Betriebe verbunden ist 22. Unternehmen könnte es mit zunehmender Größe leichter fallen, erfolgreich Fördermittel zu beantragen. Diese könnten aber auch in ihrer Höhe gedeckelt sein, sodass sie bei den deutlich größeren Investitionsvolumina der KMU mit mehr als 50 Mitarbeitern weniger bedeutsam sind.

Weiterhin ist auffällig, dass die Bedeutung der Fördermittel am Gesamtinvestitionsvolumen von 2003 bis 2016 zurückgegangen ist. Betrug der Anteil dieser im Jahr 2003 noch 19%, sind es im Jahr 2016 nur noch 13%. Mögliche Erklärungsansätze hierfür sind zum einen, dass Unternehmen geringeren Anreiz haben, sich auf Fördermittel zu bewerben, da ihre Kapitalausstattung ohnehin gut ist. Weiterhin ist denkbar, dass im Krisenjahr 2003 (vgl. Fußnote 26) die zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen zur Verfügung stehenden Mittel im Rahmen einer antizyklischen Fiskalpolitik deutlich ausgeweitet oder im Hochkonjunkturjahr 2016 (vgl. Fußnote 26) aufgrund eines geringeren Bedarfes gekürzt wurden. Zusätzlich kann die geringere Bedeutung der Fördermittel darauf zurückzuführen sein, dass schlicht weniger Unternehmen die zu erfüllenden Kriterien, etwa Insolvenznähe, erfüllen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: KfW (2004), S.26; KfW (2017), Tabellenband S.11.

Abbildung 4: Anteil der verschiedenen Finanzierungsquellen am Gesamtinvestitions-volumen in Deutschland 2003 und 2016 in %

Neben der Investitionsfinanzierung ist auch die bilanzielle Finanzierung mit Eigen- und Fremdkapital von Interesse. Sowohl für deutsche KMU im Jahr 2003 als auch im Jahr 2016 lässt sich mit zunehmender Unternehmensgröße eine stärkere Eigenkapitalbasis feststellen 23. So finanzierten sich 2003 Mittelständler mit 1 bis 9 Mitarbeitern lediglich zu 15% mit Eigenkapital, solche mit 50 und mehr Mitarbeitern mit 24%, für 2016 betragen die entsprechenden Werte 23% und 34%.

[...]


1 Vgl. KfW (2004), S.1.

2 Vgl. KfW (2017), S.20.

3 Vgl. KfW (2004), S.5; KfW (2017), S.20.

4 Vgl. KfW (2017), S.22.

5 Vgl. Board of Governors of the Federal Reserve System (2002), S.19

6 Vgl. Federal Reserve Banks (2017), iii.

7 Vgl. Perridon/Steiner/Rathgeber (2017), S.419.

8 Die folgende Darstellung lehnt sich an Perridon/Steiner/Rathgeber (2017), S.420-422, an.

9 Vgl. Abbildung 2.

10 Vgl. Perridon/Steiner/Rathgeber (2017), S.422.

11 Vgl. Drukarczyk/Lobe (2015), S.33.

12 Vgl. Perridon/Steiner/Rathgeber1 (2017), S.542.

13 Vgl. Drukarczyk/Lobe (2015), S.35-36.

14 Vgl. Perridon/Steiner/Rathgeber (2017), S.422.

15 Vgl. Drukarczyk/Lobe (2015), S.36.

16 Vgl. Perridon/Steiner/Rathgeber (2017), S.420.

17 Die folgende Darstellung lehnt sich an Drukarczyk/Lobe (2015), S.30-31, und Perridon/Steiner/Rathgeber (2017), S.421, 448-449, an.

18 Vgl. Drukarczyk/Lobe (2015), S.300.

19 Vgl. Drukarczyk/Lobe (2015), S.216.

20 Vgl. Drukarczyk/Lobe (2015), S.216.

21 Vgl. Abbildung 4.

22 Vgl. KfW (2004), S.26.

23 Vgl. Abbildung 5.

Details

Seiten
35
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668863743
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456168
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,7
Schlagworte
Finanzierung KMU kleine und mittlere Unternehmen BWL Finanzwirtschaft

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Titel: Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland und den USA 2003 und 2017