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Autonomes Fahren. Ist es ethisch vertretbar, die Verantwortung des Fahrens an einen Computer zu übertragen?

Seminararbeit 2018 21 Seiten

Ethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Seiten des Rechts
3.1 Deutscher Rechtsrahmen
3.2 Haftung

4. Verantwortung
4.1 Definition von Verantwortung
4.2 Autonomes Fahren und Verantwortung

5. Sicherheit
5.1 Datensicherheit
5.2 Verkehrssicherheit

6. Autobranche

7. Fazit

1. Einleitung

Experten sind sich sicher, wenn wir nichts unternehmen, gibt es im Jahr 2050 weltweit dreimal so viele Autos auf den Straßen wie heute. Dies wäre eine Katastrophe für Mensch, Tier und Natur. Eine mögliche, realistische und zukunftsorientierte Lösung hierfür wäre autonomes Fahren. Durch den geregelten Verkehr würden viel weniger Autos gebraucht werden.1

Autos sind aus unserer modernisieren Welt nicht mehr weg zu denken. Die Automobil- branche hat sich seit dem ersten richtigen Auto mit Verbrennungsmotor im Jahr 1886, welches von Carl Benz entwickelt wurde, stark verändert und stetig weiterentwickelt. Die Technik der heutigen Autos ist weitestgehend ausgereift und die Autos sind mit zahlrei- chen Assistenzsystemen ausgestattet. Doch seit einiger Zeit beschäftigt sich die globale Automobilindustrie mit einem neuen, riesigen Projekt, welches die Welt nachhaltig verändern wird: Dem autonomen Fahren.2

Bis das erste autonome, serienreife Auto auf unseren Straßen fahren kann, müssen jedoch noch einige Fragen geklärt werden. Die Techniken und Computer, die das Fahrzeug dann später selbstständig fahren sollen, sind noch nicht vollständig entwickelt und die Frage nach Ethik oder der Rechtslage sind auch noch nicht geklärt.

Autonomes Fahren ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern Realität und einige Firmen befinden sich schon in der Testphase.

2. Defination

Jeder redet über das autonome Fahren, aber was bedeutet das eigentlich? Autonomes Fahren, welches auch pilotiertes Fahren, automatisches Fahren oder automatisiertes Fahren genannt werden kann, beschreibt die selbstständige Fortbewegung jeglicher Art von Fahrzeugen. Es ist eine Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen, wie zum Beispiel dem Tempomat oder dem Spurhalteassistent, die dem Menschen das Fahren erleichtern oder sogar ganz abnehmen sollen. Der Begriff Autonomie kommt aus dem altgriechischen und bedeutet so viel wie „Selbstständigkeit“. 3

Ein autonomes Fahrzeug wird selbstständig durch eine künstliche Intelligenz, also durch ein Computersystem gesteuert. Es ist zu vergleichen mit dem Autopilot in einem Flugzeug. Der Fahrer oder die Passagiere des Fahrzeuges, werden durch automatisierte Systeme befördert. Das bedeutet, der Fahrer muss nicht in das Fahrgeschehen eingreifen, das Fahrzeug nimmt ihm das Fahren komplett ab. Die Systeme (Software), arbeiten mit der Hardware, also unterschiedlichen Sensoren und Kameras, zusammen. Die Systeme über- nehmen die dynamische Fahraufgabe des Menschen: Das Beschleunige, das Bremsen, das Steuern und die Überwachung der Fahrzeugumgebung.4

Der Gedanke des autonom Fahrens entstand durch die ständige Weiterentwicklung von Fahrerassistenzsystemen. In Vorstufen des autonomen Fahrens unterstützten die Assis- tenzsysteme den Menschen beim Fahren.

Unter dem Begriff „pilotiertes Fahren“, stellte Audi dann im Januar 2015 auf der CES (weltweit größte Fachmesse für Unterhaltungselektronik) in Las Vegas, die ersten serien- nahen autonom fahrenden Fahrzeuge vor. Seit dem läuft das autonome Fahren frei nach dem Motto: „Menschen so schnell wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen“. Jedoch stellt dies Automobilhersteller auf der ganzen Welt vor eine große Aufgabe. Jeder will der erste und beste auf dem Gebiet sein. Die Automobilbranche ist im Wettbewerb und die ersten teilweise autonom fahrenden Autos sind bereits auf dem Markt.

Ein Beispiel hierfür, ist das Tesla Modell S mit autonomen Fahrsystemen. Jedoch sind es beim Tesla auch nur um Assistenzsysteme, die teilweise autonom fahren.5 6

Laut der Bundesanstalt für Straßenwesen, können autonome Fahrzeuge in sechs Auto- nomiestufen (Level) eingeteilt werden. Diese gehen von „keiner Automatisierung“ bis zu „fahrerlosen Fahrzeugen“. Die sechs Autonomiestufen werden in der folgenden Tabelle dargestellt:

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Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Seiten des Rechts

3.1 Deutscher Rechtsrahmen

In Sachen Recht, ist noch nicht alles geklärt, jedoch hat der deutsche Bundestag in Berlin am 30. März 2017 Regelungen zum hoch- und vollautomatisierten Fahren verabschiedet. Die Fraktionen „CDU/CSU“ und „SPD“ stimmten einem Entwurf der Bundesregierung zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes zu. Die Fraktionen „Die Linke“ und „Bündnis 90/ Die Grünen“ lehnten den Entwurf ab. Da die CDU/CSU und die SPD, die absolute Mehr- heit im Bundestag haben, wurde die Vorlage durchgebracht.8

„Deutschland hat damit als erstes Land das automatisierte Fahren in einem einheitlichen Rahmen geregelt.“ sagte Renata Jungo Brüngger, Vorstandsmitglied bei der Daimler AG für Integrität und Recht, über den Gesetzesentwurf. Sie begrüßt den Entwurf sehr, er öff- net der deutschen Automobilindustrie neue Wege und treibt den Fortschritt voran.9

Der Kern des Gesetzesentwurf, ist die rechtliche Gleichstellung von Mensch und Compu- ter am Steuer. Der Computer darf also, die Aufgabe des Fahrens übernehmen. Das be- deutet, der Fahrer darf sich, während das vollautomatisierte System das Fahrzeug steu- ert, vom Verkehr abwenden. „Er darf zum Beispiel im Internet surfen oder E-Mails lesen“, sagte der ehemalige Verkehrsminister, Alexander Dobrindt (CSU), bei der Vorstellung des Entwurfs. Der Fahrer muss jedoch jederzeit ergreifen und das System deaktivieren kön- nen. Außerdem muss das System, den Fahrer rechtzeitig warnen, wenn es seine Hilfe braucht.10 11

Doch stehen dem Gesetzesentwurf, auch Kritiker gegenüber. Der Linke Politiker Herbert Behrens zum Beispiel sagte bei der Anhörung des Gesetzesentwurfes: „Es gehe der Bundesregierung nicht um eine moderne Verkehrspolitik, sondern um neue Geschäftsfel- der für die Automobilindustrie in Deutschland. […] Obwohl eigentlich die Frage der Verkehrssicherheit ganz oben stehen müsste, werde dazu im Gesetz nichts gesagt“. Behrens übte auch Kritik am Umgang mit dem Datenschutz. Laut ihm solle der Fahr-

zeughalter selber entscheiden können, „was gespeichert wird und was nicht“. Stephan Kühn von der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“, sagte über den Entwurf, dass er nicht ausreichend ausgearbeitet und überhastet ist.12

Zusätzlich zu dem Gesetzesentwurf hatte Alexander Dobrindt eine 14-köpfige Ethikkom- mission eingesetzt. Diese sollte sich neben dem Rechtlichen, auch noch mit den ethi- schen Fragen auseinandersetzten. Das Gremium besteht aus Juristen, Philosophen, Theologen, Ingenieure, Datenspezialisten und Verbraucherschützer, darunter auch Renata Jungo Brügger von der Daimler AG. Den Vorsitz der Kommission übernahm der ehemalige Verfassungsrichter, Professor Udo Di Fabio. Im Juni 2017 verabschiedete die Ethikkommission einen Abschlussbericht mit insgesamt 20 ethischen Regeln oder auch Thesen. Laut diesen 20 Regeln und Thesen der Ethikkommission hat der Schutz des Menschen immer Vorrang. Dies ist den Experten zufolge die wichtigste Regel. Im Falle eines Unfalls würden Tier- oder Sachschäden immer einem Personenschaden vorgezo- gen werden. Auch das Thema Datenschutz war dem Gremium sehr wichtig. Der Fahr- zeughalter oder -nutzer, sollte selbst entscheiden können, welche Daten weitergegeben oder verwendet werden. Außerdem dürften die Systeme nur eingesetzt werden, wenn diese eine positive Risikobilanz gegenüber menschlichen Fahrern aufweisen, sprich we- niger gefährlich sind, heißt es im Regelwerk. Grundsätzlich müssten die Systeme so pro- grammiert werden, dass weniger Unfälle auf den Straßen passieren.13 14 15

3.2 Haftung

Sollte der Gesetzesentwurf durchgebracht und dann endgültig im deutschen Recht verankert werden, wären die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland geklärt, doch dann stellt sich die Frage: Was passiert im Falle eines Unfall? Und wer haftet dann? Die Antwort auf diese Fragen werden ebenfalls in dem Gesetzesentwurf geklärt.16

Deutschland orientiert sich hierbei an einem Drei-Säulen-Modell aus Fahrer-, Halter- und Herstellerhaftung.17

Der Fahrer haftet nur, wenn er seiner Verantwortung in einem autonom fahrenden Auto nicht nachkommt. Das heißt, wenn er nicht eingreift, obwohl das System ihn dazu auffor- dert oder wenn er erkennt, dass er eingreifen muss, dies aber nicht tut. Wenn zum Beispiel ein Reifen platzt oder Regen die Sensoren stört, darf der Fahrer, das Auto nicht alleine weiter fahren lassen, sondern muss sofort das Steuer übernehmen.18

Beim Halter eines autonomen Fahrzeugs ändert sich zukünftig, bezüglich der Haftung, grundsätzlich nichts. Das heißt, der Halter haftet für alle ankommenden Schäden. Jedoch kann er sich, im Falle eines Unfalls, leichter an den Automobilhersteller werden. Wenn nämlich die Sensoren oder das System nachweislich versagt haben, muss der Hersteller die Haftung übernehmen.19

Doch wie will man nachweisen, wer von Fahrer, Halter oder Hersteller haftet? Auch das ist geregelt. Das komplette fahrgeschehen soll durch eine so genannte „Black Box“, wie sie es auch in Flugzeugen gibt, aufgezeichnet werden. Durch diese „Black Box“ kann man dann alle Unfälle aufs genauste konstruieren und somit schauen wer haften muss.20

[...]


1 https://www.youtube.com/watch?v=rhw7qufTpUA (28.04.18)

2 https://de.wikipedia.org/wiki/Automobil (28.04.18)

2. Definition

3 https://www.elektronik-zeit.de/mobilitaet-der-zukunft/autonomes-fahren/autonomes-fahren-definition-der- autonomiestufen-uebersicht-der-fahrzeugmodelle-mit-autonomen-funktionen/ (30.12.17)

4 https://www.elektronik-zeit.de/mobilitaet-der-zukunft/autonomes-fahren/autonomes-fahren-definition-der- autonomiestufen-uebersicht-der-fahrzeugmodelle-mit-autonomen-funktionen/ (30.12.17)

5 https://www.tesla.com/de_DE/?redirect=no (30.12.17)

6 https://de.wikipedia.org/wiki/Autonomes_Fahren#Videos (30.12.17)

7 http://www.dondahlmann.de/?p=24974 (30.12.17)

8 https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw13-de-automatisiertes-fahren/499928 (29.04.18)

9 https://www.daimler.com/innovation/case/autonomous/rechtlicher-rahmen.html (29.04.18)

10 http://www.sueddeutsche.de/auto/verkehrssicherheit-so-weit-ist-das-autonome-fahren-1.3913983-2 (29.04.18)

12 https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw13-de-automatisiertes-fahren/499928 (29.04.18)

13 http://www.spiegel.de/auto/aktuell/autonomes-fahren-ethik-kommission-warnt-vor-total-ueberwachung- a-1153022.html (29.04.18)

15 https://www.daimler.com/innovation/case/autonomous/rechtlicher-rahmen.html (29.04.18)

14 https://www.elektronikpraxis.vogel.de/20-ethik-leitlinien-fuer-das-autonome-fahren-a-617789/ (29.04.18)

16 https://www.daimler.com/innovation/case/autonomous/rechtlicher-rahmen.html (29.04.18)

17 https://www.daimler.com/innovation/case/autonomous/rechtlicher-rahmen.html (29.04.18)

18 https://www.youtube.com/watch?v=92bwQfVds14 (29.04.18)

19 https://www.wbs-law.de/verkehrsrecht/autonomes-fahren-wer-haftet-75217/ (29.04.18)

20 https://www.youtube.com/watch?v=92bwQfVds14 (29.04.18)

Details

Seiten
21
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668869950
ISBN (Buch)
9783668869967
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456190
Note
14 Punkte
Schlagworte
Automobilindustrie Wirtschaft Ethik Deutschland Technik Innenpolitik Verantwortung Sicherheit Gesetze

Autor

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