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Montesquieus "Vom Geist der Gesetze". Historische Einordnung des Textes und Betrachtung der dargestellten Regierungsformen

Exzerpt 2019 4 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Historische Einordnung:

Charles Louis de Secondat, Baron de la Brede et de Montesquieu wurde am 18.01.1689 in Frankreich geboren und starb am 10.02.1755 in Paris. Frankreich warzu derzeit noch stark gepragt von den Folgen der Hugenottenkriege Ende des 16. Jahrhunderts und dem darauffolgenden Dreiftigjahrige Krieg. Dies fuhrte dazu, dass der Konig von Frankreich, Heinrich IV., am Anfang des 17. Jahrhunderts seine Macht entsprechend der Souveranitatslehre von Jean Bodin auslegte, urn Ordnung und Sicherheit wiederherzustellen. Diese Politik anderte sich nicht groftartig, als sein Sohn Ludwig XIII. die Macht ubernahm, welche jedoch zum graven Teil an den sogenannten Kardinal Richelieu ubertragen wurde. So kam es, dass der zu Lebzeiten Montesquieus herrschende Konig, Ludwig XIV., eine absolute Herrschaft anstrebte, in welcher Montesquieu eine Gefahr von Despotismus sah. Seine Werke sind in diesem Sinne als ein Schutz vor Despotismus zu verstehen. Montesquieus Lebenszeit ist der Epoche der Aufklarung zuzuordnen. Die Naturwissenschaft gewann in Europa im 18. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung, sodass Traditionen, Glaube und uberlieferte Werte in Frage gestellt wurden. Auch Montesquieu versucht mit seinen Schriften zur Aufklarung beizutragen, wobei er wohl als einer der bedeutendsten Theoretiker dieses Zeitalters zu bezeichnen ist. Dies liegtwohl unteranderem darin begrundet, dass Montesquieu, im Gegensatzzu anderen Theoretikern, welche sich abstrakt uber Sinn und Zwecke eines Idealstaates auseinandergesetzt haben, viele verschiedene Lander bereist hat und die dort gewonnen mannigfaltigen Erfahrungen in seine Werke miteinflieften lieft. Montesquieu bedient sich einem anderen Denkmodell. Er sieht zwischen Menschen und Staat keine theologische Relation, sondern viel mehreinen auf Historie beruhenden Bezug und versucht die naturlichen Ursachen darzustellen. Insbesondere bei den Regierungsformen, welche er in seinem wohl bedeutendsten Werk „Esprit des lois“, den ,,Geist der Gesetze", darstellt.

Grundsatz

Montesquieu beginnt damit, dass er sich den Vorurteilen des Menschen, welche er als Hindernis zum selbstbestimmten Denken sieht, entgegenstellt und beabsichtigt die Menschheit von diesen zu heilen (Vgl. S. 7). Montesquieu betont, dass er seine im Folgenden geschilderten Grundsatze „der Naturder Dinge entnommen" (Montesquieu, 1951, S. 6) hat und nicht seinen Vorurteilen.

Nach Montesquieu gibt es naturliche bzw. von Gott gegebene Gesetze, nach denen sich alle Wesen richten (Vgl. S 9). Sie existierten „vor der Grundung der Gemeinschaften" (S. 12). Diesen Zustand bezeichnet Montesquieu, ahnlich wie Thomas Hobbes, als Naturzustand. Davon ausgenommen sind die „vernunftbegabten Einzelwesen" (S. 10), die Menschen. Sie sind dazu in der Lage sich selbst Gesetze aufzuerlegen, also positive Gesetze, welchen jedoch die Naturgesetze vorausgehen (Vgl. ebd.). Folglich gibt es eine rechtliche Basis bzw. ,,Grundsatze der Billigkeit" (ebd.) auf denen das positive Recht baut. Nach Montesquieu unterlegen die Menschen im Naturzustand ihrer Angst und ihrer Schwache, sodass sie aus Furcht voreinander friedlich miteinander koexistieren konnen. Er widerspricht hier bewusst Hobbes, da Montesquieu die Auffassung vertritt, dass Menschen im Naturstand „keine spekulativen Ideen" (ebd.) haben konnen, sondern lediglich den Trieb zur Selbsterhaltung verspuren. Sobald die Menschen den Naturzustand verlassen und eine Gemeinschaft grunden, dessen Zusammenschluss Montesquieu als ein Naturgesetz bezeichnet, „verlieren sie das Gefuhl ihrer Schwache" (S. 14). Hier wird abermals eine wesentliche Diskrepanz zwischen Montesquieu und Hobbes deutlich. Im Gegensatz zu Hobbes, welcher den Menschen selbst als die groftte Gefahr fur die Menschheit sah („homo homini lupus"), pragt Montesquieu ein optimistischeres Menschenbild. Namlich, dass die Menschen von Natur aus zur Gesellschaft fahig sind und diese auch schatzen. Auf die Grundung einer Gesellschaft folgt, durch den Verlust des Schwachegefuhls, der Kriegszustand (Vgl. S. 14). Dieser findet auf verschiedenen Ebenen statt: Zum einen unter den Burgern eines Staates, weswegen das burgerliche Recht dieses Verhaltnis regeln soil. Zum anderen zwischen dem Staat und den Burgern, dessen Beziehung vom Staatsrecht reguliert wird und schlieftlich zwischen einzelnen Staaten. Hier schreibt das Volkerrecht Regelungen vor (Vgl. ebd). Mit dem Volkerrecht ist beabsichtigt, dass die verschiedenen Volker, „im Frieden moglichst viel Gutes und im Krieg moglichst wenig Boses zufugen soil" (S. 15).

Montesquieu widerspricht der allgemeinen Behauptung, dass „die Regierung eines einzelnen der Natur am besten entspreche[...]“ (ebd.) und stellt die These auf, dass die aufteren Umstande die Herrschaftsform pragen (Vgl. ebd.). Dazu zahlt er nicht nur politische und okonomische Faktoren, sondern auch kulturelle wie z.B. die „Religion der Bewohner" (S. 16) Oder „ihre Neigungen" (ebd). Alle diese Faktoren stehen nach Montesquieu in Beziehung zueinander und bilden somit den ,,Geist der Gesetze".

Montesquieu unterscheidet sich von seiner Ausdrucksweise sehr von anderen Theoretikern. Im Gegensatz zu Jean Bodin, Thomas Hobbes Oder Jean-Jacques Rousseau, dessen Texte quasi ideologische Doktrin darstellen, formuliert Montesquieu sein Werk relativ pragmatisch.

Regierungsformen

Nach Montesquieu existieren drei Regierungsformen: Die Republik, Monarchie und Despotie. Dabei unterscheidet er bei der Republik zwischen Demokratie und Aristokratie. Entscheidend dafur ist, ob das gesamte Volk die souverane Macht besitzt (Demokratie) Oder lediglich ein Teil davon (Aristokratie) (Vgl. S. 19).

„ln der Demokratie ist das Volk in gewisser Hinsicht der Monarch, in anderer Hinsicht Untertan" (S. 19). Daher ist die Tugend in der Demokratie unabdingbar, da derjenige, der die Gesetze ausfuhren lasst, merkt, dass er selbst diesen Gesetzen unterworfen ist und „ihre Last mittragen muss" (S. 34). Zu diesen Tugenden zahlt Montesquieu: „Vaterlandsliebe, [...] Streben nach wahrem Ruhm, [...] Selbstverleumdung [und] Aufopferung teuerster Neigungen" (S.38). Dabei stellt die Vaterlandsliebe im speziellen die grundlegende Tugend der demokratischen Republik dar (Vgl. S. 62f.). Sie treibt die Burger eines Staates dazu mehr Liebe fur ihren Staat zu entwickeln, als zu ihren „Sonderneigungen“ in Form von Luxus, welche dem Gemeinwohl nur schaden wurden. Aber auch in der Aristokratie ist die Vaterlandsliebe eine wichtige Tugend, denn der Adel muss, urn nicht die Zuge einer Monarchie anzunehmen, einen einfachen Lebensstil pflegen.

Des Weiteren ist es nach Montesquieu absolut notwendig in der Demokratie, „die Zahl der Burger festzusetzen" (S. 19). Denn „in dieser Regierungsform [sind] die das Stimmrecht regelnden Gesetze von grundlegender Bedeutung" (S. 19). Montesquieu begrundet dies empirisch am Beispiel Roms, welches genanntes Verfahren nicht durchgefuhrt hat und nach seiner Schlussfolgerung folglich zu dessen Untergang gefuhrt hat. Seine empirisch-wissenschaftliche Methoden setzte er in seinem Text haufiger ein urn soziale und politische Phanomene zu analysieren.

In der aristokratischen Regierungsform ist es nach Montesquieu forderlich, wenn die aristokratischen bzw. adligen Familien mehrheitlich im Volk vertreten sind (Vgl. S. 28). In diesem Fall ist ein Senat notig, dersich urn die Angelegenheiten kummert, welche nicht in den Kompetenzkatalog der Adligen fallen und die Anliegen vorbereitet, welche sie entscheiden konnen. Der Senat stellt nach Montesquieu die Aristokratie dar und „die Gesamtheit der Adligen die Demokratie" (ebd.). Dabei sieht er es am vorteilhaftesten, wenn das Volk auf irgendeine Art und Weise in die Regierung eingebunden wird. Auch hier belegt Montesquieu seine These empirisch am Beispiel der St. Georgs- Bank in Genua (Vgl. S. 25). Folglich bewertet er die Aristokratie insofern, dass „je mehr [sie] sich [...] der Demokratie nahert, urn so vollkommener ist sie“ (ebd.).

Die Monarchie ist dadurch gepragt, dass die souverane Gewalt vom Einzelnen ausgeht, welcher „nach Grundgesetzen regiert" (S. 28). Ergo ist die Monarchie ebenfalls eine Herrschaftsform, die an Regeln gebunden ist. Damit sie nicht zur Despotie entartet, sind „untergeordnete und abhangige Zwischengewalten" (ebd.) erforderlich. Hier nennt Montesquieu als wichtigste Instanz den Adel, welcherals „Kanal“ dienen soil durch „welchen die Machtflieften kann“ (ebd.). Auch in diesem Fall begrundet Montesquieu empirisch, was geschehen wurde wenn man diese Instanzen abschaffen wurde, anhand des Beispiel einigereuropaischen Staaten bzw. des englischen Staates (Vgl. S. 29). Die Geistlichkeit liegt hier noch genauer im Fokus, da Montesquieu zum einen ihren Machtbereich genauer definieren mochte, aber vielmehr noch sie als aufterst „zutraglich“ fur eine Monarchie erachtet, welche droht zur Despotie zu entarten. Hier belegt Montesquieu ebenfalls sein Argument empirisch, anhand der Entwicklung der Regierung in Spanien und Portugal (ebd.). An dieser Stelle wird sein Aspekt des Schutzes vor Despotismus nochmals deutlich und inwieweit die Gefahr dieser willkurlichen Regierungsform sein Werk gepragt hat. Im Gegensatz zu Tugenden der Republik, welche die Uberwindung eigener Interessen zugunsten des Allgemeinwohles erfordern, ist die sogenannte „Triebfeder“ der Monarchie die Ehre (Vgl. S. 40). Auch sie mag zu guten Taten verleiten, aber vielmehr aus Eigenliebe und nicht aus Liebe zum Staat.

Der despotische Staat unterscheidet sich in dem Sinne grundlegend von den anderen Regierungsformen, dass er an keine Regeln gebunden ist. Er stellt in Montesquieus abgebildeten Regierungsformen die einzige Herrschaftsform ohne Gesetze dar (Vgl. S. 42). Grundlegend fur eine Despotie ist, dass derjenige, welche die souverane Macht besitzt sie einem anderen ubertragt. Nach Montesquieu ist namlich ein despotischer Herrscher, aufgrund seiner Eigenschaften wie Faulheit, Unwissenheit und Genusssuchtigkeit, nicht willig sich urn die Geschafte des Staates zu kummern (Vgl. S. 31).

Die Despotie beruht weder auf Tugenden wie in die Republik oder auf Ehre wie in der Monarchie, sondern auf Furcht (Vgl. S.43). Sie ist die „Triebkraft“, welche die Despotie am Leben erhalt. Denn ohne Furcht bestehe die Gefahr, dass mutige Leute eine Revolution herbeifuhren konnten (Vgl. ebd.).

Schlussbemerkung

Montesquieus Werk „Geist der Gesetze" wirkt durch seine unsystematische Gliederung und Unterteilung in mehre Bucher zunachst etwas konfus. Die haufigen Anekdoten tragen nicht minder dazu bei. Das Einflieften seiner Erfahrungen aus verschiedenen Landern, welche er durch seine vielen Reisen gewonnen hat, gleicht einer empirisch-wissenschaftlichen Arbeit. Dies fuhrt dazu, dass er seine Begrundungen stets untermauern kann, wodurch seine Argumentation recht pragmatisch erscheint. Dadurch, dass Montesquieu zwar die Despotie verabscheut, aber des Weiteren keine Regierungsform in facto praferiert, wird sein Werk dem aufklarerischen Anspruch gerecht. Im Gegensatz zu anderen Theoretikern, wie zum Beispiel Rousseau, billigt Montesquieu die menschlichen Defizite und versucht nicht eine Patentlosung zu prasentieren.

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Details

Seiten
4
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668892187
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456366
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
montesquieus geist gesetze historische einordnung textes betrachtung regierungsformen

Autor

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Titel: Montesquieus "Vom Geist der Gesetze". Historische Einordnung des Textes und Betrachtung der dargestellten Regierungsformen