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Die Märzrevolution und ihr Scheitern. Ein Exzerpt

Essay 2018 11 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Essay: Die Märzrevolution und ihr Scheitern

Verfasst von: Alina Willkomm

1.Relevanz des Themas

Die Revolution von 1848/49 war durch eng verbundene Faktoren, wie die Revolte der Bauern, die Neuerungen der Verfassungsebene durch das Bürgertum und die Auflehnung der Unterschicht gekennzeichnet. Sieht man die Revolution aus der Sicht der Liberalen, war sie nicht unerwartet, aber ungewollt, wie man auch am Buchtitel Mommsens sieht. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass die Radikalen eine solche Bewegung befürworteten, denn auch ihnen fehlte ein transparentes und anwendbares Revolutionskonzept. Ihr Problem war die Unterschätzung des Willens der Unterschicht ihren gesellschaftlichen Anspruch auf mehr Macht notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Die Linke dachte zwar an Hilfsmaßnahmen zur Verbesserung der Lebensumstände der Unterschicht, sah darin aber die Gefahr ihnen durch zu viel Zuspruch Möglichkeiten zu offerieren, an die sich bisher nicht mal im Traum gedacht hatten. Ihre Furcht die Gesellschaftsordnung dadurch in zu starkes Wanken zu bringen und der Einfluss der Rechten, welche sich ohnehin nicht für die Belange der Unterschicht interessierten, führte zu einer Tatenlosigkeit in der deutschen Politik. (Mommsen 2000, S. 7)

Diese oben genannten Faktoren sind Möglichkeiten, die auch heute, über 150 Jahre nach der ersten versuchten Revolution in Deutschland eintreten könnten. Immer noch gibt es die Oberschicht, die immer reicher wird und die Armen die immer ärmer werden. Zwar gibt es heutzutage mehr Möglichkeiten die Bevölkerungsschichten anzugleichen, aber diese Angleichung geschieht weiterhin in einem geringen Maße. Worte wie ,,Reichensteuer“ wollen die betuchteren Bürger gar nicht hören, haben sie doch viel für ihren Reichtum gearbeitet und die Armen werden mit dem Stempel ,,Faul“ degradiert und haben es in ihren Augen nicht verdient von ihrem Reichtum zu profitieren. Die Medien versuchen durch Serien wie ,,Armes Deutschland“ auf Missstände aufmerksam zu machen, Tatsache bleibt aber, dass niemand gerne sein wohl verdientes Geld teil und die Mehrheit der Bevölkerung gar keinen geschulten Blick für Missstände hat. Warum sich auch mit Diskriminierung auseinandersetzen, wenn man nicht davon betroffen ist?

Abgesehen von den Einzelheiten der Revolution, erkennt man objektiv, dass ihre Auslöser einen sozialen sowie nationalen Part aufwiesen. Schon seit dem Anbeginn von Revolutionen ist der Auslöser meist ein arm-reich-Konflikt. Schon zu Zeiten der griechischen Polis kam es gehäuft zu Klassenkämpfen oder Sklavenaufständen, die bis heute Anstoß zu Umbrüchen geben. Im Mittelalter hatten die Bauern keine Möglichkeit ihrem Unmut kundzutun und wenn sie es doch taten, wurden ihre Äußerungen als ketzerisch bezeichnet und ihre Unterdrückung blieb bestehen.

Im Jahre 1848 musste die Möglichkeit einer Revolution demnach als realistisch gesehen werden, denn auch hier fehlte es nicht am sozialen Unmut der Unterschicht. (Nolte 2007, S. 42–43)

Zwar ging es in erster Linie bei der Revolution um politische Missstände und die Einschränkung der Lebensumstände, wie sie es heute nicht mehr gibt, aber dennoch sollte man sich diese Revolution als Beispiel vor Augen führen, dass man durch zögerliches politisches Handeln den Unmut der Bevölkerung so stark erregen kann, dass man trotz eines Negativbeispiels der Revolution, wie in Frankreich gewisse Dinge einfach nicht mehr verhindern kann und die Politik tatenlos zusehen muss, wie das Land im Chaos versinkt. Betrachte man Amerika und den Präsidenten Trump, ist ein aktuelles Beispiel dafür gegeben, dass Fehlentscheidungen langfristig gravierende Folgen haben können und es immer noch Missstände in der Politik gibt, wenngleich es in Europa kein vergleichbares Beispiel dafür gibt. Eine Revolution, bezogen auf das amerikanische Wahlsystem, wäre dennoch denkbar.

Rückblickend zu der Begriffsdefinition ,,Vormärz-Nachmärz“ dessen Mitte die Märzrevolution umschließt, lässt sich noch festhalten, dass allein die Begrifflichkeit bis heute noch diskutiert und erforscht wird. 1998 fand ein internationales Symposium mit dem Thema ,,Vormärz-Nachmärz. Bruch oder Kontinuität“ in Paderborn statt, welches 16 Vorträge umfasste. (Eke und Werner 2000, Vorwort)

2.Forschungsstand

2.1 Begrifflichkeit

DerBegriff ,,Vormärz" bezieht sich auf die Zeit bis zum Ende der Märzrevolution 1848/49. Durch die Konkretisierung dieses Begriffes, verbunden mit einem bestimmten Datum, ist es schwierig eine treffende Formulierung, bezüglich der darauffolgenden Zeitspanne zu finden. Laut Eke ist die Definition dieser Epoche als ,,Nachmärz" eine unsichere Wortwahl, da er infrage stellt, was das Wort ,,Nachmärz", bezogen auf diese Epoche, ausdrücken soll. (Eke und Werner 2000, S. 12)

Die politischen, ästhetischen und literaturgeschichtlichen Prozesse der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert wurden zum Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Abhandlungen, wohingegen die Zeit nach der Märzrevolution kaum Beachtung im wissenschaftlichen Untersuchungskontext fand und sie dadurch ins Rücktreffen geriet. (Eke und Werner 2000, S. 11)

Bedeuten Begriffe wie ,,Vormärz" und ,,Nachmärz" in sich geschlossene Epochen, oder sind sie per Definition nur Teilerscheinungen einer gesamten Epoche, die sich in eine Vor-Zeitigkeit und Nach-Zeitigkeit einschränken lässt? Ob eine Epochenzäsur 1948/49 damit überhaupt gerechtfertigt ist, bleibt demnach fraglich. (Eke und Werner 2000, S. 12–13)

2.2 Inhaltliches

Die Auslöser der Märzrevolution wurden durch verschiedene politische Entscheidungen europäischer Länder verursacht. Zuerst kam es in Palermo zu einem Volksaufruhr. Aufgrund dessen spricht König Ferdinand der II. eine Verfassung aus. Etwa einen Monat später, im Februar 1848 kommt es zu Unruhen in Paris, welche durch das Militär gewaltsam versucht wurden einzudämmen. Frankreich erhält infolgedessen eine Art Übergangsregierung, welche das Wahlrecht einführt. Die Zahl der nun allgemeinen Wahlberechtigten steigt enorm.

Wiederum erneut etwa einen Monat später dankt Fürst Metternich ab, der die Aufstände in Deutschland, wie in Frankreich, gewaltsam beenden wollte, da die Staatskonferenz gegen den militärischen Eingriff stimmt. (Nolte 2007, S. 37)

Ziel der Liberalen war es revolutionären Entwicklungen vorzubeugen und dazu müsse die Politik an geeigneten Reformen arbeiten und diese auch durchsetzen. Wichtig war ihnen, dass diese Reformen ein hohes Maß an nationaler Einheit Deutschlands einfordern. Es ging um die Kontrastierung der Begriffe ,,Reform" und ,,Revolution". Nach den Ereignissen in Frankreich, wollte man keine Revolutionskrise durchmachen und dieser durch Reformen vorbeugen. (Mommsen 2000, S. 13–14)

In Frankreich stieg die nach der französischen Revolution die Anzahl der Wähler von 270.000 auf neun Millionen, was gleichzeitig einen Unterschied in der Beurteilungsfähigkeit der Wähler, in Bezug auf einen potentiell Gewählten, bedeuten musste. Die Radikalen sahen dies folgendermaßen:

,,Wenn die Armen über die Finanzen des Staates entschieden, würden dann nicht auch Analphabeten über die Finanzen des Staates (...) über die Bildung und Zivilisten über die Rüstung entscheiden?" (Nolte 2007, S. 45)

Die Gleichheit wurde ebenfalls infrage gestellt, denn was brachte der Unterschicht das Wahlrecht, wenn diese unter Umständen keinen Vertreter für ihre Forderungen wählen konnten? Der Spielraum diese vertretungsfreien Massen zu manipulieren würde exponentiell ansteigen und somit hätte die Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht für die Unterschicht vielleicht eine anfängliche Freude, aber im Endeffekt mit einem negativen Beigeschmack. (Nolte 2007, S. 44–45)

Die bürgerliche Seite war für eine Abwendung des Revolutionsgedankens durch eine reformorientierte Politik, deren Fokus auf verfassungs-, national-, sozial- und gesellschaftspolitischer liegen sollte. Die Problematik erwies sich jedoch darin, dass die bürgerliche Schicht keine ausreichende Strategie dazu bereithielt. Deswegen kann man die Revolution 48/49 auch als eine ungewollte Revolution bezeichnen, welche von Frankreich nach Europa übersprang, zu revolutionären Forderungen wie das Recht auf Arbeit führte, aber an der mangelnden Reformstrategie zum Scheitern verurteilt war. (Mommsen 2000, S. 16–17)

Deutschland hatte die Ereignisse in Frankreich beobachtet, speziell die politischen Lager waren über die Umsetzung der französischen Revolution wenig erbaut. Nun hinterfragten die deutschen Bürger die europäische Staatenordnung, was zu Protestaktionen der Unterschichten führte. Das Volk wollte eine schnelle Änderung, die politischen Lager wiederum wollten einen militärischen Eingriff möglichst vermeiden und durch Reformen eine friedliche Einigkeit ermöglichen. Das führte dazu, dass die Liberalen unter Zugzwang gerieten und ihr lang ausgearbeitetes Reformprogramm schleunigst umzusetzen. Der Deutsche Bund wurde gestärkt und eine Nationalrepräsentation geschaffen. (Mommsen 2000, S. 108–109)

,,Eine ,,einige deutsche Nation mit deutschem Parlamente in der Form eines Bundesstaates, der jedem einzelnen Staate eine gewisse Freiheit der Entwicklung gewährt (...)" (Mommsen 2000, S. 110–111)

Zu den Forderungen der Liberalen gehörte die Pressefreiheit, freies Versammlungsrecht sowie die Sicherstellung und der Ausbau der konstitutionellen Verfassungen. Innerhalb der Märzforderungen wurde diese Punkte gewährt und zusätzlich noch die Öffentlichkeit und Mündigkeit des Strafverfahrens, die Einrichtung von Schwurgerichten und zuletzt die Errichtung einer Volksvertretung aller Deutschen. (Mommsen 2000, S. 111–112)

Deutschland wurde von Flugblättern, Petitionen und Resolutionen überschwemmt. Die Obrigkeit sah sich einer Meute des Bürgertums, welches einen Umbruch verlangte gegenübergestellt: Eine soziale Revolution war unvermeidbar. Die Maßnahmen durch Polizeigewalt und Militär die Situation zu bereinigen waren abträglich. Die Kommunen planten die Bildung einer Bürgerwehr, um der Situation gewahr zu werden. (Mommsen 2000, S. 114)

Bei dem Treffen der Liberalen in Heidelberg am 5. März wurde sich auf die Nationalfrage verständigt. Über die sozialen Probleme konnte man sich wegen unterschiedlicher Meinungen nicht verständigen, sodass man die Verteidigung der Freiheit, Einheit, Selbstständigkeit und Ehre der Deutschen Nation betonte. (Mommsen 2000, S. 114–115)

Am 18. März kam es in Berlin zu einer Demonstration für den Abzug der Armee aus der Stadt. Der Schlossplatz wurde gewaltsam durch das Militär geräumt, wobei sich unbekannterweise zwei Schüsse lösten. Dies gab dem Volk den Anstoß sich gegen die militärische Macht aufzulehnen und Barrikaden zu errichten. Alle Bevölkerungsschichten beteiligten sich an dem Kampf gegen das Militär und mussten hohe Verluste erleiden. Dennoch konnte sich die Volksbewegung z.T. aktiv gegen das Militär durchsetzen. Ihre Barrikaden waren teilweise unüberwindbar und


Details

Seiten
11
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668868557
ISBN (Buch)
9783668868564
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456450
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Schlagworte
märzrevolution scheitern exzerpt

Autor

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