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Die Suche nach dem guten Leben. Die politischen Theorien von Aristoteles und Platon

Essay 2016 6 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Politische Theorie: Die Suche nach dem guten Leben

In dieser Arbeit wird das Thema „Politische Theorie: Die Suche nach dem guten Leben“ behandelt. In Anknüpfung daran werden die Politikkonzepte nach Platon und Aristoteles dargelegt und verglichen. Das Essay wurde unter Berücksichtigung der Fragestellung: „Welche Zugänge zum Verständnis von gutem Leben bietet uns der griechische Diskurs?“ gestaltet. Das Ziel ist eine verständliche Einführung in die Thematik zu liefern.

Im Bereich der Politik werden Entscheidungen getroffen und nach Möglichkeit umge­setzt, welche der Organisation des Gemeinwesens dienlich sein sollen. Der Politik kann es freigestellt sein sich in jeden Bereich des Zusammenlebens von Menschen einzumi­schen. Dabei betrachtet die Politik jede Entscheidung unter dem Aspekt ein gutes Leben zu ermöglichen und zu gewährleisten. Aus der Antike gibt es zwei Denker mit unterschiedlichen Zugängen zur Politik, die für die heutige Gesellschaft immer noch prägend sind. Aristoteles und Platon stellten sich beide die Frage nach den Bedingungen für ein gutes Leben in stabilen Verhältnissen. Dabei setzten sie ihren Fokus vor allem auf die Organisation des Gemeinwesens.1

Der Philosoph Platon wurde in eine Aristokratenfamilie hineingeboren und lebte ca. von 427-347v. Chr.. Er war seinerzeit Schüler des Philosophen Sokrates, welcher Platons Ansicht nach zu Unrecht zum Tode verurteilt wurde. Aus dieser Erfahrung heraus manifestierte sich seine abschlägige Meinung über die demokratische politische Ord­nung seiner Zeit. Seine Abneigung bringt er unter anderem in seinem Werk „Politeia“ zum Ausdruck. Er gibt zu verstehen, dass das Volk seiner Meinung nach unfähig ist, eine akzeptable Staatsleitung zu selektieren oder eine solche gar zu kontrollieren. Auch die Herrscher einer solchen Staatsform klassifiziert er als ebenso unfähig, da diese lediglich der Verfolgung ihrer privaten Interessen eine große Relevanz zukommen lassen und nur durch ihr Charisma in ihre Position gelangt sind.2

Für Platon sollte die optimale Staatsform auf die Fähigkeiten der Bürger zugeschnitten sein. Philosophen sollen die regierende Elite bilden, welche sich durch Wissen legiti­miert. Sie sollen ein Handeln aus Vernunft zu Grunde legen, welches sich der Erfüllung des Gemeinwohls als Ziel setzt. Dies setzt voraus, dass die Herrschenden philosophie­ren (können) oder die Philosophen zu Herrschern werden. Hierbei ist ein Philosoph je­mand, der nach Weisheit strebt und eine gewisse Grundbegabung mit sich bringt. Die zweite Ebene sollen die Bürger ausfüllen, die ihr Handeln nach Tugenden wie z.B. Tap­ferkeit ausrichten. Sie nehmen die Rolle der Wächter ein. Die übrigen Bürger bilden die unterste Stufe dieser Hierarchie und zeichnen sich durch das Handeln aus Begierde aus. Sie dienen der allgemeinen Reproduktion.3 Staat und Bürger sollten nach Platon eine Analogie bilden. So ist der Staat eine Projektion des Volkes. Dies ist jedoch nur mög­lich wenn man die Menschen nicht nach Herkunft, Geschlecht oder Wohlstand beurteilt, sondern nach ihren Fähigkeiten klassifiziert. Diese Fähigkeiten sind von der Natur gegebene Veranlagungen.

Platon nimmt eine Unterteilung in vier Haupttugenden vor, die alle der Kontrolle der Vernunft unterstehen. Er unterscheidet zwischen Gerechtigkeit, Besonnenheit, Tap­ferkeit und Weisheit. Nach Platons Ideenlehre entspringen alle Tugenden der Idee des Guten. Die Aufgabe der Philosophen ist es die von der Idee des Guten abgeleiteten Tu­genden dem restlichen Volk(2&3) Ebene zu vermitteln.4 Platon sieht die Idee der Gerechtigkeit als unverzichtbar für einen funktionierenden Staat an. Für ihn sollte jeder Mensch nach einer Annäherung der Verwirklichung dieser Ideen der Tugenden streben.

Aristoteles lebte ca. 384-323 v. Chr. und war der Schüler von Platon. Seine Schriften sind maßgeblich für die Politikwissenschaft und waren damals sehr innovativ. Aristoteles sah die selbständige Regierung durch freie und gleiche Menschen als eine möglichst gute Regierungsform an. Hierbei ist jedoch Aristoteles Verständnis von freien und glei­chen Menschen zu beachten. Er differenziert nach Geschlecht und Staatszugehörigkeit. Außerdem schließt er die unter Sklaverei stehenden Personen aus. So wendet er die Gleichheit nur auf eine Personengruppe mit bestimmten gemeinsamem Merkmalen an, anstatt durch eine Gleichheit basierend auf dem Dasein als Mensch.

Aristoteles stellte durch die Untersuchung von Verfassungen fest, dass es nicht die ab­solut richtige Regierungsform gibt. Die Regierungsform muss immer auf die jeweilige Gesellschaft zugeschnitten sein. Er befasste sich konkret mit Staatsformen und bewertete sie nach guten und entarteten Staatsformen. Für ihn sind Ethik und Politikwissenschaft in einer praktischen Ausübung nicht voneinander trennbar.

Nach Aristoteles handelt jeder Mensch aus der Zielsetzung, etwas Gutes für sich und/oder andere zu erreichen. Dieses zielgerichtete Handeln fällt unter den Begriff der Teleologie. Es ist schwierig eine insgesamt gültige Wertigkeit von gutem Handeln auf eine Gesellschaft zu projizieren, da sich jedes Individuum in einer unterschiedlichen Lebenslage befindet.5 Aristoteles sieht als Lösung, dass der Mensch seine Fähigkeit für angemessenes Handeln benutzt. Hierbei soll der Mensch alle relevanten Faktoren für sein Handeln einbeziehen und aus seiner Klugheit heraus die richtige Entscheidung treffen.

Diese praktische Klugheit ist für Aristoteles eine erlernbare Fähigkeit. Menschen mit dieser Fähigkeit sollen den anderen als Vorbilder dienen, damit diese auch die Fähigkeit erlernen. Außerdem soll die Fähigkeit durch deren Anwendung verbessert werden. Aristoteles sieht den Menschen als staatsbürgerliches Wesen an.6 Voraussetzung dafür ist die Sprache. Die Sprache dient der Erkenntnisgewinnung und Verbreitung dieser. Der Mensch gründet somit einen Staat um diese Erkenntnisse für das praktische Handeln anwendbar zu machen. Dies beschreibt Aristoteles unter dem Begriff zoon politicon.

Aristoteles bezieht oftmals Opposition zu Platon. Für ihn gelangt eine Gesellschaft durch Kommunikation über die beste Ordnung zu einer Einheit. Platon dagegen sieht den Staat als eine, schon im Vorfeld geordnete, Einheit an. Bei Platon hat jeder eine zu­geteilte Rolle in der Gesellschaftsordnung. Durch dieses Arbeiten für das Gemeinwohl soll Glückseligkeit entstehen. Diese Aspekte spiegeln sich in der platonischen Ideenleh­re wieder. Auch Aristoteles Zielsetzung ist die Glückseligkeit. Doch er definiert diese anders. Er betrachtet zudem die Glückseligkeit des Individuums, welches auch über Rechte verfügt. Platon unterteilt die Menschen anhand ihrer Begabungen und zielt dabei auf ihre Ungleichheit ab. Bei ihm übernehmen die Wissenden die Funktion der Steuerung des Staates. Aristoteles konzipiert dagegen ein Modell, welches auf den ge­genseitigen Austausch von Gleichen aufbaut. Bei dieser Selbstregierung durch freie und gleiche Bürger werden jedoch Sklaven, Frauen und Kinder ausgeschlossen. So geht Ari­stoteles weg von den im Haushalt typischen Verhältnissen, wobei Platon gerade diese ungleichen Verhältnisse auf das Staatswesen anwendet. Der wohl grundlegendste Unter­schied besteht darin, dass Platons Modell sehr totalitär geprägt ist und den Staat als einen Körper ansieht. Die Bürger fungieren wie Gliedmaßen, die diesem Körper dienen sollen. Platon liefert Gegnern der Demokratie Anknüpfungspunkte für ihre Argumenta­tionsweisen, wodurch diese auf Platon Bezug nehmen können. Bei Aristoteles ist der Staat eher ein Zusammenleben bei welchen die Ansprüche mindestens im Ansatz von den Individuen ausgehen. Er kritisiert zudem Platons Idee der Besitzlosigkeit.

[...]


1 Vgl. Hofmann 2007, S.39.

2 Vgl. Vgl. Hofmann 2007, S.41.

3 Vgl. Hofmann 2007, S.46.

4 Vgl. Llanque 2008, S. 44.

5 Vgl. Hofmann 2007, S. 50.

6 Vgl. Hofmann 2007, S. 49.

Details

Seiten
6
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668892095
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456466
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
aristoteles politik zoon politicon platon antike essay Wissenscahft grundlage theorie kritik meinung

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