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Processing fluency. Welche Auswirkungen hat sie auf Entscheidungsprozesse?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 21 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Elaboration
2.2 Soziale Kognition
2.3 Verarbeitungsflüssigkeit

3. Elaboration Likelihood Model

4. Studien
4.1 Studie 1 (Song & Schwarz)
4.2 Zwischenfazit
4.3 Studie 2 (Alter, Oppenheimer, Epley und Eyre)
4.4 Zwischenfazit

5. Fazit

6. Literatur

Zusammenfassung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwiefern sich processing fluency auf Entscheidungsprozesse auswirkt. Nach der Definition relevanter Begriffe wird, um das Konstrukt der Verarbeitungsflüssigkeit und dessen unterschiedliche Auswirkungen auf Entscheidungsprozesse verstehen zu können, ein Zwei-Prozess-Modell vorgestellt. Das Elaboration Likelihood Model geht von zwei Verarbeitungswegen aus. Die unterschiedlichen Wege der Informationsverarbeitung (zentrale oder periphere Route) führen letztendlich zu verschiedenen Urteilen. Anschließend werden zwei Studien vorgestellt, die sich mit der von mir gewählten Thematik auseinandersetzen. Es lässt sich aufzeigen, dass Verarbeitungsflüssigkeit nachweislich Auswirkungen auf die Verarbeitung von Informationen hat. Sie dient als Hinweisreiz für Bewertungsaufgaben und fungiert somit als Mechanismus, der Individuen bei Urteils- und Entscheidungsfindung unterstützt. Neben ihr spielen jedoch noch weitere Faktoren zur richtigen Urteilsfindung eine Rolle. Die Verarbeitungsflüssigkeit ist nicht konstant, sondern ist als Prozess zu betrachten, der durch andere Faktoren beeinflussbar ist. So lässt sich erklären, dass Personen, auf die Dauer ihres Lebens betrachtet, einen Stimulus mit unterschiedlicher Verarbeitungsflüssigkeit verarbeiten.

1. Einleitung

Jeder Mensch kennt sie und jeder Mensch fällt sie: Entscheidungen. Dabei trifft man viele Entscheidungen, ohne darüber anscheinend bewusst nachzudenken. Grundlos scheinen sie aus reinem Bauchgefühl vonstatten zu gehen, ohne dass man einen aktiven Entscheidungsprozess mit sich ausfechten muss. Dies können alltägliche Handlungen sein, wie die Betätigung der Snooze-Taste des Weckers, womit man sich unbewusst dafür entscheidet, länger zu schlafen als vorher angedacht. Es sind triviale Entscheidungen des Alltags, die wir angesichts der täglichen Fülle an Wahl-möglichkeiten anders gar nicht bewältigen könnten. Andere Entscheidungen hingegen lassen sich nur schwer treffen. Diese weitreichend in den Lebenslauf eingreifenden Urteile lassen uns immer und immer wieder Argumente gegeneinander abwägen, um der Gefahr zu entgehen, ein womöglich falsches Urteil zu fällen. In einer Vielzahl von Theorien unterschiedlicher Fachgebiete wird versucht, menschlichen Entscheidungs-mechanismen auf den Grund zu gehen.

In der vorliegenden Hausarbeit wird der Fragestellung nachgegangen, wie sich die Verarbeitungsflüssigkeit auf den Vorgang der Entscheidungsprozesse, im näheren der Verarbeitung von Informationen sowie der Urteilsfindung, auswirkt. Bevor sich dem Thema tiefergehend genähert wird, werden dem besseren Verständnis halber zunächst die verwendeten wissenschaftlichen Begriffe definiert. Um das Konstrukt Verarbeitungsflüssigkeit und dessen unterschiedliche Auswirkungen auf Ent-scheidungsprozesse verstehen zu können, wird daraufhin das Themengebiet der sogenannten Zwei-Prozess-Modelle angeschnitten. Im Allgemeinen besagt die Theorie dieser Modelle, dass es zwei verschiedene Arten der Informationsverarbeitung gibt, welche zu Einstellungsänderungen führen können und demnach auch Auswirkungen auf Entscheidungsprozesse haben. Veranschaulichend wird deshalb das Zwei-Prozess-Modell von Richard Petty und John T. Cacioppo (Elaboration Likelihood Model) erläutert. Anschließend werden zwei ausgewählte empirische Studien vorgestellt. Beide beantworten auf unterschiedliche Weise die Fragestellung, inwiefern Verarbeitungsflüssigkeit Einfluss auf die Verarbeitung von Informationen nimmt und mögliche Auswirkungen auf Entscheidungsprozesse hat. Abschließend sollen die in der Hausarbeit herausgearbeiteten Feststellungen in einem Fazit zusammengeführt werden.

2. Begriffsbestimmungen

Die nachfolgenden wissenschaftlichen Begriffe benötigen einer Definition, damit die folgenden Darstellungen im Hauptteil verständlich und nachvollziehbar sind. Der Begriff Elaboration wird definiert, da dieser verständlich sein muss, um das nach-folgende Elaboration Likelihood Model verstehen zu können. Da die Fragestellung auf den Einfluss von processing fluency auf Entscheidungsprozesse abzielt, ist die Definition des Begriffs Verarbeitungsflüssigkeit unumgänglich. Um die Thematik vertiefend darstellen zu können, muss zunächst der Ablauf der Aufnahme und der Verarbeitung von Informationen verstanden werden, weshalb der Begriff der sozialen Kognition definiert werden muss.

2.1 Elaboration

Als Elaboration wird in der Psychologie die grundlegende Methode der vertieften Informationsverarbeitung bezeichnet. Dies bedeutet, dass neue Informationen bei ihrer Aufnahme in bereits bestehende Wissensstrukturen eingefügt werden. Vielzählige Experimente hatten als Ergebnis gemein, dass sich elaborierte Informationen zuverlässiger abrufen lassen. Die Erarbeitung der Bedeutung der neuen Information ist dabei ein wesentlicher Ablauf der Elaboration. Setzt sich die Person mit der neuen Information eindringlich auseinander und verknüpft sie mit bereits Bekanntem, werden die neuen Wissensstrukturen auf nachhaltige Weise mit den bereits bestehenden Gedächtnisstrukturen verbunden. Ebenso wurde festgestellt, das Informationen, die durch die Faktoren Neuheit oder Ungewissheit gekennzeichnet sind, besonders elaborative Prozesse anstoßen (Stangl, 2017).

2.2 Soziale Kognition

Soziale Kognition ist ein sozialpsychologischer Begriff, der die Art und Weise beschreibt, „wie der Mensch über sich und seine soziale Umwelt denkt“ (Aronson & Wilson & Akert, 2008, S. 21). Dies schließt auch die Selektion, Interpretation, Speicherung und Verwendung von sozialen Informationen mit ein. Dabei unterscheidet man zwei Arten der sozialen Kognition. Zum einen die Verarbeitung von sozialen Informationen durch den automatischen Prozess und zum anderen durch den kontrollierten Prozess (Aronson & Wilson & Akert, 2008).

Der automatische Prozess läuft schnell und unwillkürlich ab. Mit seinen Erfahrungen und seinem Wissen im Hintergrund analysiert der Mensch unbewusst ziel- und mühelos seine Umwelt. Mithilfe dieser Wissensbasis ist es möglich, neue Situationen aufzufassen sowie für sie eine geeignete Reaktion zu generieren. Dabei stellen sich mentale Strukturen in einer mehrdeutigen Situation als hilfreich heraus. Diese werden Schemata genannt und katalogisieren das Wissen über die soziale Umwelt des Menschen durch eine Aufteilung von Informationen in unterschiedliche Kategorien. Dabei haben sie auch Einfluss darauf, welche Informationen überhaupt aufgenommen werden und welche nicht. Auch beeinflussen sie die Deutung der wahrgenommenen Information und deren Abspeicherung. Legt eine Person Wert darauf und ist motiviert, eine gute Entscheidung zu fällen, wird sie kontrollierte Denkprozesse anwenden, die kognitiv aufwändiger als automatische Prozesse sind. Kontrollierte Denkprozesse verlaufen zielgerichtet, wobei der Person bewusst ist, dass sie in diesem Moment nachdenkt. Dieser aktive Prozess ermöglicht die Korrektur von Fehlentscheidungen, die durch automatisches Denken entstanden sind (Aronson et al., 2008).

2.3 Verarbeitungsflüssigkeit

Alter und Oppenheimer (2009) definieren processing fluency, Verarbeitungsflüssigkeit, als das subjektive Erleben der Leichtigkeit, mit der Personen eingehende Informationen auswerten können. Sie stellt einen bedeutsamen metakognitiven Hinweisreiz in der Urteilsfindung dar. Bei Entscheidungsprozessen ist sie somit wesentlich essentieller als zum Beispiel der rein kognitive Inhalt einer Botschaft (Alter & Oppenheimer, 2009). Winkielman, Schwarz, Fazendeiro und Reber (2003) fanden in ihren Untersuchungen heraus, dass durch die Manipulation der Verarbeitungs-flüssigkeit eine zuverlässige Beeinflussung von Urteilen möglich ist. Eine hohe Verarbeitungsflüssigkeit gilt als Indikator für einen ordnungsgemäßen Ablauf in der Umwelt sowie im kognitiven Bereich. Lassen sich diesbezüglich Schwierigkeiten feststellen, wird von niedriger Verarbeitungsflüssigkeit gesprochen (Winkielman et al., 2003).

3. Elaboration Likelihood Model

Die vorangegangene Definition von sozialer Kognition zeigte, dass die Psychologie von der Existenz zweier unterschiedlicher menschlicher Denksysteme ausgeht, die wiederum unterschiedliche Urteilsbildungen nach sich ziehen. Im Folgenden soll beispielhaft an einem Zwei-Prozess-Modell veranschaulicht werden, dass zwei unterschiedliche Denksysteme bezüglich der Informationsverarbeitung existieren.

Als Beispiel eines Zwei-Prozess-Modells wurde das Elaboration Likelihood Model (ELM) von Richard Petty und John T. Cacioppo aus dem Jahre 1986 gewählt. Das Modell der Elaborationswahrscheinlichkeit bietet die Möglichkeit, um sowohl den Prozess der Einstellungsbildung als auch den der Einstellungsänderung nach-vollziehen so können. Petty und Cacioppo gehen grundsätzlich davon aus, dass persuasive Kommunikation über zwei unterschiedliche Verarbeitungswege Einstellung bilden und auch verändern können. So existieren eine zentrale und eine periphere Route der Informationsverarbeitung (Aronson & Wilson & Akert, 2008).

Welche Route die Information nimmt, hängt sowohl von der Motivation als auch der Fähigkeit einer Person zur Informationsverarbeitung ab. So fällt die Wahl auf die zentrale Route der Einstellungsänderung, wenn die Thematik der Information für die Person relevant ist und sie die Motivation verspürt, sich mit dem Thema auseinander-zusetzen. Zudem muss sie die kognitiven Fähigkeiten besitzen, die Thematik kritisch hinterfragen zu können (Six, 2014). Nur so ist eine intensive (elaborierte) Beschäftigung mit dem Einstellungsgegenstand möglich. Anders sieht es bei der peripheren Route aus, bei der Argumente und deren Qualität keine Rolle spielen. Diese Route zeigt sich als weniger aufwändig und zeitsparend, da an dieser Stelle periphere Hinweisreize von Bedeutung sind und die Beeinflussung durch ober-flächliche Charakteristiken stattfindet. Beispiele hierfür könnten die Attraktivität sowie der Wirkungsgrad des Senders sein oder die Dauer der Kommunikation. Die Thematik an sich hat keine Relevanz für den Empfänger. Ebenso verspürt er keine Motivation, um sich mit dem Thema kritisch auseinanderzusetzen. Hat die zentrale Route zur Folge, dass die gewollte Einstellungsänderung der Mitteilung stabil ist, scheint die periphere Route zu einer eher kurzfristigen Einstellungsänderung zu führen. Des Weiteren lässt sich die Mitteilungsverarbeitung durch unterschiedliche Faktoren steuern. Beispiele hierfür wären Ablenkung, Wiederholung, persönliche Stimmung oder das Bedürfnis nach Kognition (Petty & Cacioppo, 1986).

4. Studien

Das Elaboration Likelihood Model zeigte als ein Zwei-Prozess-Modell der Persuasion auf, dass es zwei unterschiedliche Verarbeitungswege von Informationen gibt. Viele Aspekte haben Einfluss darauf, wie neue Informationen verarbeitet werden. Mittels der zwei vorgestellten Studien soll die Rolle der Verarbeitungsflüssigkeit in diesem Prozess beleuchtet werden.

4.1 Studie 1 (Song & Schwarz)

Die erste ausgewählte Studie stammt von Song und Schwarz (2008) und untersucht den Zusammenhang von Verarbeitungsflüssigkeit in Bezug zum Erkennen von Ver-zerrungen in Texten. Manipulationsgegenstand war hierbei die Schriftart. Song und Schwarz (2008) stellten die Hypothese auf, dass Texte mit schwer lesbarer Schrift dem Leser als weniger vertraut vorkommen. Schriftstücke, die in gut leserlicher Schriftart verfasst wurden, lassen sich demnach vertrauter verarbeiten. Sie stellten die Annahme auf, dass die Wahl der Schriftart Einfluss auf den Verarbeitungsweg hat. Je weniger vertraut dem Leser ein Text vorkommt, desto weniger verlässt er sich auf eine spontane Antwort durch das heuristische System. Stattdessen fällt die Wahl auf den systematischen Verarbeitungsweg. Dies hat einen Einfluss auf die Leistung zur Folge. Zusammengefasst lautet die Hypothese von Song und Schwarz: Stellt schwierig lesbare Schrift einen Indikator dar, verbessert niedrige Verarbeitungsflüssigkeit die Leistung bei verzerrten Fragen. Im Umkehrschluss wird bei unverzerrten Fragen die Leistung negativ beeinflusst. Die Hypothese wurde anhand zweier Experimente überprüft (Song & Schwarz, 2008).

Das erste Experiment bestand aus 32 Teilnehmern, die alle einen Studentenstatus hatten. Sie wurden randomisiert zwei Gruppen zugeordnet: „einfach lesbar“- oder „schwierig lesbar“. Ihre Aufgabe bestand aus der schriftlichen Beantwortung zweier Fragen, wobei diese, gruppenabhängig, entweder in einer einfach lesbaren oder in einer schwierig lesbaren Schriftart abgedruckt wurden. Die Einschätzung der Schriftart in leicht oder schwer lesbar wurde im Vorhinein mithilfe eines Pretests gesichert (Song & Schwarz, 2008). Hatten die Studienteilnehmer auf eine Frage keine Antwort, sollten sie dies durch die Antwort „don´t know“ kenntlich machen. Zudem wurden sie darauf hingewiesen, dass der vorliegende Test möglicherweise Fragen beinhaltet, auf die es keine korrekte Antwort zu geben scheint, wenn man sie wortwörtlich versteht. Dieser Fragetyp sollte mit der Antwort „can´t say“ kenntlich gemacht werden. Da die erste Frage der Untersuchung eine Kontrollfrage war, enthielt sie im Gegensatz zur zweiten Frage keine Verzerrung. Die zweite Frage lautete: „How many animals of each kind did Moses take on the ark?“. Der korrekte Akteur dieser biblischen Geschichte namens Noah wurde durch den Akteur Moses ersetzt. Da es keine korrekte Antwort gibt, hätten die Teilnehmer „can´t say“ als Antwort angeben müssen. Fiel dies den Teilnehmern jedoch nicht auf, und sie antworteten mit „2“, trat an dieser Stelle die Moses-Illusion in Kraft. Die Moses-Illusion zeigt, dass Menschen Schwierigkeiten haben können, eigentlich offensichtliche Verzerrungen in Aussagen wahrzunehmen, wenn ein Teil der Aussage (oder Frage) durch einen inhaltlich ähnlichen, aber inkorrekten Teil ausgetauscht wurde (Park & Reder, 2003).

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Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668882270
ISBN (Buch)
9783668882287
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456652
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Humanwissenschaftliche Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
processing fluency Entscheidungen Verarbeitungsflüssigkeit Allgemeine Psychologie Informationen Gedächtnis

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Titel: Processing fluency. Welche Auswirkungen hat sie auf Entscheidungsprozesse?