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Der Schatten des eurozentrischen Rassismus

Postkoloniale Kritik in der Internationalen Politik

Akademische Arbeit 2018 8 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Neuer und alter Rassismus

3. Rassismus und Eurozentrismus

4. Analyse und Konklusion

5. Quellen

1. Einleitung

Die gegenwärtige Internationale Politik gründet auf einem eurozentristischen Fundament, in dem nach wie vor Rassismen vorherrschen. Dekoloniale Theorien versuchen daher neue Perspektiven auf die Internationale Politik zu schaffen. Doch bevor die bestehende Politik kritisiert wird, sollten die Gründe und Ursachen geklärt werden, welche die Voraussetzung für die Entstehung dieser bildeten.

Im Laufe der Geschichte gab es immer schon Herrscher und Beherrschte. Könige und Bauern. Bourgeoisie und Proletariat. Kolonialherren und Kolonien. Dieses Kräfteverhältnis zeigt sich auch heute noch: Anhand des Human Development Report wird deutlich, dass europäische Länder das Wohlstandsranking anführen, während sich ehemalige Kolonialstaaten im unteren Bereich befinden. (vgl. United Nations Development Programme, 2016) Die aktuellen Studien zu den Internationalen Beziehungen (IB) beinhalten laut Jones Widersprüchlichkeiten, welche die historischen und geopolitischen Ursprünge und Entwicklungen der Disziplin wiedergeben. Die Kritische IB sind danach bestrebt die historischen Strukturen der internationalen Macht aufzudecken, um auf diese Weise eine emanzipatorische Transformation der Weltordnung herbeizuführen. Allerdings bleibt die IB-Forschung durch einen tief verwurzelten Eurozentrismus begrenzt, der alle Bereiche durchzieht und strukturiert (vgl. Jones, 2011, S. 47). Nach Shohat und Stam projiziert der eurozentrische Diskurs eine lineare historische Entwicklung, in der die Geschichte als eine Abfolge von Imperien betrachtet wird und Europa als „Motor“ des fortschreitenden Wandels begriffen wird (vgl. Shohat & Stam, 1994, S. 2).

Nach Brand (2010) wird die Beschreibung der Geschichte der Internationalen Politik ebenfalls von einem eurozentrischen Blickwinkel beeinflusst. Aus seiner Sicht sind die Entwicklungsweisen in der Regel mit Weltordnungen verbunden, welche in ihren Machtzusammensetzungen verfestigt sind. (vgl. Brand, 2010: 213 f.) Allgemein dient die Internationale Politik der Auflösung oder Stabilisierung von Interessens- und Machtkonflikten. Diese Konflikte - egal welcher Art - unterliegen meist einer gewissen Weltordnung, die im Grunde stabil und nur sehr schwer veränderbar ist. (vgl. Brand, 2010, S. 214) Diese politisch-gesellschaftliche Ordnung ist wiederum nicht von heute auf morgen entstanden, sondern das Ergebnis von historischen Strukturen und Prozessen.

Ziel dieser Arbeit ist es, den Zusammenhang zwischen Rassismus und Eurozentrismus in Bezug auf die Internationale Politik aufzuzeigen. Dabei stellen die Ausführungen von Geulen (2014) in seinem Werk „Die Geschichte des Rassismus“ und Grosfoguels Ansichten zum Eurozentrismus wichtige Bezugspunkte dar. Anhand einer sozialhistorischen Betrachtung soll folgende Forschungsfrage behandelt werden:

Inwiefern wird die gegenwärtige Internationale Politik aus postkolonialer Sicht von einem eurozentristischen Rassismus bestimmt?

2. Neuer und alter Rassismus

Im späten 18. Jahrhundert wurde der Rassenbegriff zur Beschreibung und Aufteilung von Menschen verwendet. Heute ist dieser Ausdruck umstritten, da die wissenschaftliche Existenz von verschiedenen Menschenrassen nach wie vor nicht nachgewiesen werden konnte. (vgl. Geulen, 2014, S. 13 f.)

Im Verlauf der Geschichte hat der Rassismus nach Hund unterschiedliche Formen angenommen: Von Kultivierten und Barbaren über Reine und Unreine; Zivilisierte und Wilde; Weiße und Farbige; Wertvolle und Minderwertige. Die Unterschiede werden anhand bestimmter Merkmale festgemacht. Hierbei wird der Blick auf die Kultur, Blutsherkunft, Religion, Hautfarbe oder die soziale Schicht gerichtet. (vgl. Hund, 2007, S. 34 ff.) Im modernen Sinn wird Rassismus vor allem mit der Diskriminierung von dem bzw. den „Anderen“ in Verbindung gebracht. Das „Andere“ wird hierbei als scheinbarer Naturzustand verstanden, der jedoch weder auf der gegebenen Realität, noch der persönlichen Erfahrung beruht, sondern als falsches Bewusstsein vorherrscht. (vgl. Geulen, 2014, S. 8)

Der Kern von „Rassismus“ besteht nach Geulen in der Hervorhebung von "Teil und Ganzem, von Gattung und Art" (Geulen, 2014, S. 9). Rassismus arbeitet mit Identitäten und der gefühlten Zugehörigkeit der Menschen. Die Unterschiede werden dabei mittels Diffamierung und Diskriminierung akzentuiert und übertrieben dargestellt. Hund zählt darüber hinaus Rassismus zu den Modi, wodurch Herrschaft begründet, gerechtfertigt und umgesetzt wird (vgl. Hund, 2006, S. 119).

Nach Chowdhry und Nair ist die Konstruktion der Rasse eines der zentralen Merkmale der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Vorherrschaft des Westens, die unter der Kolonialherrschaft formalisiert wurde. Der koloniale Diskurs wurde wiederum durch koloniale Interaktionen mit präkolonialen gesellschaftlichen Gruppen bestimmt. In diesem Diskurs wurde die europäische Seite zweifellos als moralisch und intellektuell überlegen begriffen, während die „andere“ Seite als minderwertig und rückständig betrachtet wurde. (vgl. Chowdhry & Nair, 2002, S. 18) Die Kolonisation wurde daher als notwendig für die Errichtung einer „weißen moralischen Ordnung“ begriffen. Der koloniale Diskurs legitimierte sich über anthropologische Klassifizierungen der Rasse, welche überlegene und minderwertige Rassen konstruierten. In wissenschaftlichen und anthropologischen Diskursen des 18. und 19. Jahrhunderts wurde postuliert, dass Rassen biologisch konstituiert sind. Dieser wissenschaftliche und anthropologische Rassismus führte zu einer globalen Hierarchie, in der imperiale Bedürfnisse erfüllt werden. (vgl. Chowdhry & Nair, 2002, S. 19)

Nach Sonderegger konnten in der realen Politik weder Antirassismus noch antirassistische Maßnahmen auf europäischer Ebene mit Erfolg etabliert werden. Stattdessen konnte sich durch den langgelebten wissenschaftlichen Rassismus ein alltäglicher Rassismus durchsetzen, und sowohl strukturell als auch institutionell behaupten. Sonderegger versteht unter institutionellem Rassismus unteranderem die rassistische Diskriminierung durch die Gewaltenteilung, aber auch diesbezügliche Vorfälle im Bildungswesen und politischen Parteien. Die Überwindung des strukturelleren Rassismus gestaltet sich nach Sonderegger äußerst schwierig, da es in der menschlichen Natur liegt, die Umwelt einzuordnen und zu kategorisieren. Dabei wird „auf die Vorstellungen natürlich gegebener Größen“ (Sonderegger, 2008a, S. 21) Bezug genommen. Nur wenn die kulturelle menschliche Vielfalt anerkannt wird, kann Antirassismus den Status einer „moralisierenden Ideologie“ überwinden. (vgl. Sonderegger, 2008a, S. 21)

3. Rassismus und Eurozentrismus

Sonderegger unterscheidet drei Dimensionen in denen Rassismus wirken kann: Zum einen „die Ebene der sozialen Wirklichkeiten“, die gesellschaftsabhängig ist. Zum anderen „die Ebene der soziokulturellen Ideologien“, die ebenfalls von der jeweiligen Kultur abhängt und schließlich „die Ebene der wissenschaftlichen Reflexion“. Die letzte Dimension tritt oft in scheinbar kulturneutralen und unabhängigen Erkenntnissen auf, doch letztendlich kann sie nicht losgelöst von den ersten beiden Ebenen bestehen, die sich wiederum gegenseitig bedingen. (vgl. Sonderegger, 2008a, S. 10) In Bezug auf die letzte Ebene erkennt Grosfoguel (2007), dass außereuropäische wissenschaftliche Erkenntnisse oft als territorial begrenzt bewertet werden, während die westlichen Leistungen weitaus mehr beachtet und als universelle Wahrheit behandelt werden.

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Details

Seiten
8
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668890305
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456748
Institution / Hochschule
Universität Wien – NIG
Note
Schlagworte
Eurozentrismus Rassismus Internationale Politik Postkoloniale Kritik

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Titel: Der Schatten des eurozentrischen Rassismus