Lade Inhalt...

Auswirkungen des Assuan Staudamms auf die Umwelt am Nil. Thematische und fachdidaktische Ausarbeitung

Hausarbeit 2018 22 Seiten

Didaktik - Geowissenschaften / Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fachgeographische Ausarbeitung
2.1 Gesellschaft-Umwelt-Forschung und Politische Ökologie
2.2 Konfliktpotenzial von Wasser
2.3 Beschreibung des Falls: Der Staudamm von Assuan
2.3.1 Wasserknappheit am Nil
2.3.2 Der Assuan Staudamm
2.3.3 Auswirkungen des Staudammes
2.4 Zwischenfazit

3 Fachdidaktische Ausarbeitung
3.1 Unterrichtsthema und -frage
3.2 Einordnung in den Rahmenlehrplan Gesellschaftswissenschaften und Vermittlungsinteressen.
3.3 Unterrichtsentwurf
3.4 Didaktisch-inhaltliche Reflexion
3.5 Zwischenfazit

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Material anhang für Unterrichtsentwurf

1 Einleitung

Eine Menge von etwa 1,4 Milliarden Kubikkilometern Wasser befindet sich auf der Erde. Davon sind lediglich 2,5 Prozent Süßwasserressourcen. Dies bedeutet, nur dieser geringe Anteil ist überhaupt trinkbar. Jedoch ist der Großteil dieser globalen Süßwasserressourcen schwer zugänglich für den Menschen, denn 69 Prozent davon befinden sich in permanenten Eis- und Schneeschichten. Etwa 30 Prozent sind Grundwasser und lediglich 0,3 Prozent sind in Gewässern und somit für den Menschen relativ gut zugänglich. Die restlichen 0,7 Prozent setzen sich zusammen aus Grundeis, Permafrost, Bodenfeuchtigkeit und Sumpfwasser.

Ein globales Problem stellt die weltweite Ungleichverteilung der Süßwasservorkommen dar. Bedingt durch stetiges Bevölkerungswachstum kommt es in einigen Regionen zu Übernutzung und zunehmender Wasserverschmutzung. Dies führt wiederum zu steigender Wasserknappheit, woraus vielfältige Probleme für die betroffene Bevölkerung entstehen (vgl. Wehling 2018, S. 1; Fröhlich 2006, S. 32).

Zu den von Wasserknappheit betroffenen Regionen gehört auch das Einzugsgebiet des Nils, allen voran das von Wüsten geprägte Land Ägypten.

Um die Wasserversorgung Ägyptens zu verbessern und jährliche Schwankungen auszugleichen, wurde zwischen 1960 und 1971 der Staudamm bei Assuan, einer Stadt im Süden Ägyptens, errichtet. Man erhoffte sich durch den Staudamm vor allem viele wirtschaftliche Vorteile. Hierfür wurden jedoch auch viele negative Auswirkungen auf die Natur und für die Bevölkerung in Kauf genommen (vgl. Reißlein 2006, S. 33). Es wird im Rahmen dieser Arbeit der Frage auf den Grund gegangen, welche vielfältigen Auswirkungen die Errichtung dieses Staudammes für die Umwelt und die Gesellschaft Ägyptens mit sich brachte.

Die vorliegende Arbeit besteht aus zwei Hauptteilen. Zuerst erfolgt die fachgeographische Ausarbeitung des Themas. Hierbei werden die Folgen des Staudamms von Assuan unter verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, was sich auch anschließend in der fachdidaktischen Ausarbeitung wiederfinden wird, wenn es um die thematische und didaktische Umsetzung in der Jahrgangsstufe 6 des gesellschaftswissenschaftlichen Unterrichts geht.

Zunächst erfolgt eine kurze Einführung in die Gesellschaft-Umwelt-Forschung, wobei hinsichtlich des Fallbeispiels zum Assuan-Staudamm ein besonderes Augenmerk auf den Ansatz der Politischen Ökologie gelegt wird.

Danach wird es um Wasser als Konfliktpotenzial im Allgemeinen gehen, dann wird auf die Region des Nils Bezug genommen und anschließend der konkrete Fall des Assuan Staudammes mit seinen vielfältigen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt erläutert.

Hiernach erfolgt ein Zwischenfazit, bevor die fachdidaktische Ausarbeitung ins Zentrum rückt. Auf die Darstellung des Unterrichtsthemas und der Herleitung der Unterrichtsfrage folgt die Einordnung in den Rahmenlehrplan Gesellschaftswissenschaften.

Anschließend erfolgt die Darstellung des tabellarischen Stundenentwurfs für eine 90 Minuten umfassende Unterrichtsstunde. Danach wird die geplante Unterrichtsstunde anhand von vier Unterrichtsprinzipien reflektiert. Den Abschluss des zweiten Hauptteils bildet wieder ein Zwischenfazit, ehe die Arbeit durch ein Gesamtfazit abgeschlossen wird.Im Anhang befinden sich die Unterrichtsmaterialien, auf welche sich in der Unterrichtsplanung bezogen wird.

2 Fachgeographische Ausarbeitung

In diesem ersten Hauptteil der vorliegenden Arbeit wird der konkrete Fall des Staudammes von Assuan ausführlich erläutert.

2.1 Gesellschaft-Umwelt-Forschung und Politische Ökologie

Der Mensch beeinflusst die Umwelt heute so stark und greift in sie ein, wie noch nie zuvor. Daraus ergeben sich vielfältige neue umweltbezogene und gesellschaftliche Problemstellungen, beispielsweise hinsichtlich wichtiger Ressourcen wie Wasser. Daraus entsteht zwangsläufig eine neue Art der Verzahnung zwischen der Gesellschaft und der Umwelt (vgl. Mattisek; Sakdapolrak 2016, S. 14).

Antworten auf typische sich ergebende Fragestellungen aus diesen Problemfeldern liefert die Gesellschaft-Umwelt-Forschung, welche „[...] als „dritte Säule" neben der Humangeographie und der Physischen Geographie" (ebd., S. 14) steht und eine Art Verbindung herstellt, da hier sowohl natürliche (also physisch geographische) als auch soziale (humangeographische) Gegebenheiten eine Rolle spielen und miteinander in Verbindung gesetzt werden. Zu den aktuellen Themen der humangeographischen Gesellschaft-Umwelt-Forschung zählen beispielsweise Naturschutz, Umwelt und Migration, Ressourcennutzung und Ressourcenkonflikte sowie Klima- und Umweltpolitik (vgl. ebd.).

Es wurden verschiedene Ansätze entwickelt, um diese sich ergebenden Fragestellungen bezüglich der Gesellschaft-Umwelt-Beziehungen unter verschiedenen Perspektiven analysieren zu können (vgl. ebd. S. 20).

Einer dieser Ansätze ist die Politische Ökologie. Kernpunkt dieses Ansatzes ist die Sichtweise, „[...] dass Umweltveränderungen ein Ausdruck von gesellschaftlichen und politischen Prozessen sind und durch diese bestimmt werden. Die Politische Ökologie nimmt dabei die Akteure in Umweltkrisen und -konflikten in den Blick und fragt danach, wer welche Interessen verfolgt [...]" (ebd.). Außerdem betrachtet die Politische Ökologie die aus Umweltveränderungen entstehenden Folgen beispielsweise hinsichtlich „[...] der Ungleichverteilung von Profit und Kosten genauso [...] wie auch die daraus resultierenden Akkumulations- und Marginalisierungsprozesse" (ebd.). Im Verlauf der Arbeit wird deutlich werden, wie dieser Ansatz auf den exemplarisch dargestellten Fall bezogen werden kann.

2.2 Konfliktpotenzial von Wasser

Wasser entscheidet über den Lebensstandard und die sozioökonomische Entwicklung eines Landes. Ohne Wasser kann keine Volkswirtschaft bestehen, geschweige denn sich weiterentwickeln. Somit kann gesagt werden, dass Wasser existenziell ist. Kommt es zu einer Einschränkung des Wasserzugangs, beispielsweise durch Verschmutzung, Übernutzung oder aus politischen Gründen, kommt es schnell zu einem Abfall des Lebensstandards in der Gesellschaft, was zu enormen Spannungen und vielfältigen Problemen unter den Menschen führen kann. Zu diesen Problemen gehören beispielsweise landwirtschaftliche Konflikte, die sich aus Wassermangel ergeben, ebenso wie andere Verteilungskonflikte zwischen verschiedenen Parteien. Wie stark der Wassermangel ausfällt, entscheidet ebenso darüber, wie gewaltvoll solche Konflikte um Wasser, wie auch die politische, wirtschaftliche und demografische Lage eines Staates und die klimatischen und hydrologischen Voraussetzungen einer Region (vgl. Fröhlich 2006, S. 32 f). Hier wird die Verknüpfung von Gesellschaft und Umwelt und die Abhängigkeit des Menschen von der Umwelt deutlich, wie sie in der Gesellschaft-Umwelt-Forschung Thema sind.

Voraussichtlich werden bis zum Jahr 2025 1,8 Mrd. Menschen in von Wassermangel betroffenen Gebieten leben, Gründe dafür sind sowohl der Klimawandel als auch Bevölkerungswachstum. Hinzu kommt, dass gerade die Länder, die von Wasserknappheit betroffen sind, existenziell und als Beschäftigungsgrundlage auf die Bewässerungslandwirtschaft angewiesen sind. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft besonders stark von den negativen Auswirkungen der Wasserknappheit betroffen, die Bewässerungslandwirtschaft ist weltweit der Sektor, der den höchsten Wasserverbrauch aufweist (vgl. Wehling 2018, S. 2).

Aus diesem Grund sind die betroffenen Regionen gezwungen, Auswege zu finden und Lösungen für das Problem der Wasserknappheit zu schaffen. Ein Lösungsansatz hierfür sind Staudämme, die in wasserarmen Regionen errichtet werden, um jährliche Schwankungen in der Wasserverfügbarkeit auszugleichen und permanent Wasser zur Verfügung zu haben. Ein Beispiel für einen solchen Staudamm in einer der wasserärmsten Regionen der Welt ist der Staudamm bei Assuan, der den Nil zum riesigen Nasser-See aufstaut. Im Folgenden wird es um die in der betroffenen Region entstehenden Folgen für Mensch und Umwelt dieses Staudammes gehen.

2.3 Beschreibung des Falls: Der Staudamm von Assuan

In dem Fallbeispiel zum Staudamm von Assuan geht es um Wasser als Ressource und der Umgang hiermit. Deshalb wurde zunächst die Wasserverknappung in betroffenen Regionen der Erde thematisiert und wieso Wasser als Auslöser für Konflikte betrachtet werden kann. Im Folgenden wird konkret auf den Staudamm von Assuan am Nil Bezug genommen,

2.3.1 Wasserknappheit am Nil

„Der Nahe Osten ist die wasserärmste Region der Erde. Das heißt die Menschen haben hier weniger Wasser pro Kopf zur Verfügung als in jeder anderen großen Region der Welt. Es ist zugleich eine politisch instabile Region mit vielfältigen Konflikten, auch über gemeinsame Süßwasserressourcen" (Wehling 2018, S. 6).

Auch das ein Zehntel der Fläche Afrikas einnehmende Einzugsgebiet des Nils gehört zu den Gebieten, welche von Wasserknappheit betroffen sind. Als längster Fluss der Erde durchfließt der Nil insgesamt 11 Staaten (Ägypten, Äthiopien, Burundi, DR Kongo, Eritrea, Kenia, Ruanda, Sudan, Südsudan, Tansania und Uganda) (vgl. ebd.).

Das Flusseinzugsgebiet des Nils ist damit nach dem des Kongo das zweitgrößte Afrikas und erstreckt sich sogar über verschiedene Klimazonen „[...] von der kühlen, monatelangen Regenzeit im äthiopischen Hochland bzw. dem tropischen Zenitairegen Innerafrikas bis hin zu den Wüsten Sudans und Ägyptens. Dort durchfließt der Nil eine der trockensten, wasserärmsten Regionen Afrikas" (ebd., S. 117).

Gespeist wird der Nil von zwei Quellflüssen, dem Weißen und dem Blauen Nil. Das Wasser dieser Flüsse stammt aus der ostafrikanischen Seenplatte und dem äthiopischen Hochland, welche niederschlagsreiche Regionen darstellen (vgl. ebd., S. 113 f).

Während die Wasserknappheit am Nil steigt, wächst auch die Bevölkerung hier rasant. Derzeit leben im Nil-Einzugsgebiet etwa 238 Mio. Menschen. Voraussichtlich wird sich diese Zahl bis 2025 verdoppelt haben. Ein erhöhter Wasserbedarf sowohl für die Wasserversorgung der Haushalte als auch für die Landwirtschaft und die Industrie ist eine zwangsläufige Folge eines solch enormen Bevölkerungswachstums. Von den Nilanrainerstaaten ist insbesondere Ägypten betroffen, da dieses Land über keine alternative Wasserquelle als den Nil verfügt. Prognosen zufolge wird der Wasserbedarf in Ägypten schon sehr bald die verfügbaren Wasserressourcen übersteigen, weshalb zunehmende Konkurrenz um die Nutzung der Wasserressourcen unter den Nilanrainern zu erwarten ist. Um dem entgegenzuwirken, müsste das gesamte Einzugsgebiet eine gemeinsam geplante sinnvolle Wasserwirtschaft entwickeln. Bisher konnten sich die Staaten jedoch nicht auf gemeinsame dauerhafte Formen der Wasserwirtschaft festlegen (vgl. ebd., S. 6 f). Ägypten und Sudan als Unterlieger am Nil nutzten bisher praktisch allein das Nilwasser. Doch nun wollen auch die Oberlieger des Nils sein Wasser nutzen. Insbesondere Äthiopien, woher ca. 90 Prozent der Gesamtabflussmenge des Flusses stammen, will diesen jetzt verstärkt nutzen. 2011 begann Äthiopien trotz heftiger Kritik vonseiten Ägyptens mit dem Bau des Renaissance-Staudammes, wo Afrikas größte Wasserkraftanlage erbaut wird. Die Ägypter befürchten als Folge dieses Staudammes eine erhebliche Verringerung der sie erreichenden Wassermenge (vgl. ebd.).

Bis heute existiert kein Abkommen zur Einigung über die Verteilung der Nutzungsrechte am Wasser des Nils, an dem sich alle Anrainerstaaten beteiligen. Geltende rechtliche Strukturen stammen immer noch größtenteils aus der Kolonialzeit. Von Ägypten und dem Sudan werden zwei Wassernutzungsverträge von 1929 und 1959 aufrechterhalten, die ihnen die meisten Rechte zusichern, während die anderen Staaten des Einzugsgebiets diese Verträge nicht mehr anerkennen wollen und den Abschluss von neuen Abkommen fordern (vgl. ebd., S. 8 f). Erschwert wird die Einigung unter den Anrainerstaaten unter anderem auch durch große Unterschiede in Sprache, Kultur und Religion (vgl. ebd., S. 111).

„Die gegenwärtige Herausforderung für die Nilanrainer besteht darin, erstmalig einen alle Anrainerstaaten einbeziehenden rechtlichen und institutionellen Rahmen für die Bewirtschaftung und Nutzung des Nils zu vereinbaren. Die Verhandlungen für ein solches Rahmenabkommen begannen 1997. Im Jahre 2010 nahm die Mehrheit der Nilanrainer den Entwurf an. Eine Einigung aller Anrainer scheitert bislang in erster Linie an Meinungsverschiedenheiten über die Verteilung des Nilwassers. Ägypten und Sudan wollen den Status quo der Wasserverteilung gesichert sehen. Die anderen Anlieger wenden sich hiergegen und befürworten stattdessen eine Neuregelung [...]. Insbesondere Ägypten befürchtet jedoch [...] eine Schmälerung der aus seiner Sicht bestehenden Nutzungsrechte" (ebd.).

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668872516
ISBN (Buch)
9783668872523
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v456966
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
auswirkungen assuan staudamms umwelt thematische ausarbeitung

Autor

Zurück

Titel: Auswirkungen des Assuan Staudamms auf die Umwelt am Nil. Thematische und fachdidaktische Ausarbeitung